Samstag, 3. Mai 2008

Mäusejägerin

Email aus New York, Weihnachten 2000

Ok, erst einmal alle guten Nachrichten ... dann die schlechten...

Weihnachten mit Ira war grandios. Ein paar Leser (sie selbst eingeschlossen) haben die Nachrichten über ihre Ordnungsliebe in den falschen Hals bekommen. Wir haben uns prächtig verstanden, uns jedoch auch gerne mal den einen oder anderen Scherz über ihre "Elsenattacke" erlaubt und darüber, daß während ihres Aufenthaltes jedes Möbelstück kurzfristig zum Schminktisch umfunktioniert war. Never mind, die Schminkerei hat sich hundertprozentig ausgezahlt. Auf unseren nächtlichen Streiftouren durch die City erfreuten wir bei den Herren stets größter Beliebtheit. Bei unserem Salsa-Abend erreichte dies derartige Ausmaße, daß wir beide nunmehr unter dicken Starallüren leiden: Zwei aus der Heerschar der zwanzigjährigen Lateinamerikaner, die sich den ganzen Abend darum gerissen hatten, uns von ihrem letzten Taschengeld Drinks auszugeben, mit uns zu tanzen und einiges mehr (wir sahen uns leider außerstande, alle Wünsche zu erfüllen), liefen in einem verzweifelten Versuch, uns nicht aus den Augen zu verlieren, noch etliche Meter hinter unserem Taxi her... Wenn Ira jetzt manchmal mit Stola in die Uni kommt und ein wenig übertrieben die Hüften wiegt, wenn sie in die Mensa geht, dürft Ihr Euch nicht wundern. Ich überrasche hier meine Kollegen mit ähnlichem Verhalten.

Weihnachten haben wir meinen Kollegen Federico und Dan bekocht, deren deutsche Freundinnen in der Heimat weilten. Federico wollte unbedingt nach dem Essen in die Zwölf-Uhr-Messe gehen. Durchgesetzt hat sich statt dessen Iras Marschbefehl: "I think we should go to a bar and get hammered." Also sind wir zu "Rudy's" gegangen, meiner Stammkneipe um die Ecke, wo mich der Türsteher inzwischen schon mit Handschlag begrüßt. Es ist eine finstere, irisch anmutende Spelunke mit einer grandiosen Jukebox. Einmal waren Sybille und ich so glücklich über die Musik, die wir ausgewählt hatten, daß wir ein bißchen anfingen zu tanzen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schnell der Capo auf dem Plan stand und aufgeregt rief: " You guys can't dance here, I don't have a dancing license..." Erst dachten wir, daß sei der beste Witz, den wir sind langem gehört hatten. Später fanden wir heraus, daß Rudy (Giuliani meine ich) "Rudy's" tatsächlich $5000 abknöpfen würde, ließe er zu, daß seine Gäste unerlaubt tanzen. Zero tolerance ist eben zero tolerance. Seither vollführe ich beim Verlassen der Bar auf der Türschwelle immer ein, zwei provokative Tanzschritte. Rudy von "Rudy's" und ich sehen das beide als dies die richtige Antwort auf eine übertrieben konservative Politik an.

Heiligabend ließ Rudy von "Rudy's" aber mal alle fünfe gerade sein und schritt nicht ein, als ich mit unserem netten, indischen Statistikprofessor, den wir in der Bar wiedergetroffen hatten, nachts um drei noch eine flotte Sohle aufs Parkett legte. Der Inder war leicht euphorisiert, da er kurz zuvor mit Ira den Pascalschen Gottesbeweis diskutiert hatte, und festellen durfte, daß sie auch leicht "hammered" zu jeder Tages- und Nachtzeit anstandslos jedes noch so komplizierte mathematische Thema bewältigen kann. Sie ist jetzt Bramahnin...

Sylvester war ebenfalls ein Erfolg. Tino und Miriam kamen aus Freiburg, Moni und Daniel aus den verschiedensten Ecken der Vereinigten Staaten eigens zum Jahrtausendwechsel hier angereist. Während die Touristen alle bei minus zehn Grad am Times Square dem Kältetod ins Auge blickten, sind wir schön nach Brooklyn gegangen, in ein Restaurant mit Blick auf die Skyline, Hummer, Muscheln, Filet Mignon und dergleichen mehr, alle Getränke und die Band inklusive zu einem Spottpreis, jedenfalls für New Yorker Verhältnisse. Wir hatten ein ganzes Dutzend attraktiver Inderinnen dabei, die merklich zur guten Stimmung beitrugen. Das Tanzen hat mir so gut gefallen, daß ich mich auf einen Disput mit dem Bandleader einließ, als dieser um drei Uhr die Arbeit mit der Begründung niederlegen wollte, er sei nicht länger bezahlt. Die Auseinandersetzung endete damit, daß ihm wiederholt mit wachsender Heftigkeit vorhielt, so ein frühes Sylvesterende sei in Hamburg undenkbar, woraufhin er schließlich eine dreckige Serviette nach mir warf und in die Küche verschwand. Am nächsten Tag gestand mir Miriam, sie habe sich mit Hinweis auf meinen Alkholkonsum bei ihm entschuldigt. Erst da fiel mir ein, daß ich mich vielleicht besser mit dem Restaurantbesitzer hätte streiten sollen. Ich wußte aber nicht, wo der war.

Am 31. pünktlich erhielt ich die Nachricht von Nino, meiner Vermieterin, die zur Zeit in Bulgarien ihr Medizinstudium vorantreibt, daß der Vermieter von der illegalen Untermiete Kenntnis genommen habe, und eine Auflösung des Mietverhältnisses fordert. Und das, obwohl ich doch jedem erzählt hatte, ich sei die Nichte von Vladmir, Nino's Onkel. Offenbar gehen Curzio und ich doch nicht so ohne weiteres als Georgier durch.

Seither ist es mit meiner Wohnsituation steil bergab gegangen. Die Mieterin unter mir hört jede Nacht dermaßen laut Musik, daß ich vorgestern kurz davor war, zu Tino und Miriam in die Besucherritze zu steigen. Habe mich dann aber doch für das Sofa neben den beiden entschieden. Höhepunkt war heute nacht. Als die Nachbarin mich wie üblich um drei Uhr früh weckte, nachdem sie von der Arbeit nach Hause kam, mußte ich bei meinem ergebenen Gang zur Toilette feststellen, daß dorten eine Maus ihr Unwesen trieb. Neulich habe ich mich ja noch über Frank und Arnold lustig gemacht. Heute nacht hättet ihr mich mal sehen sollen, wie ich mit heruntergelassener Hose und einem spitzen Schrei wie ein Pfeil von der Toilette schoß.

Nachdem der erste Schrecken vorüber war, mauserte ich mich dann aber doch zur Heldin, zog meine Moonboots an und drang zu allem entschlossen mit einer Bratpfanne bewaffnet in die Toilette ein. Die Maus schoß so wild in durch die Gegend, daß sie wahrscheinlich ohnehin ein Fall für den Psychiater gewesen wäre, hätte sie unseren Kampf um das Territorium überlebt. Hat sie aber nicht. Nach diesem traumatischen Erlebnis mußte ich auch noch feststellen, daß sich direkt neben meiner Luftmatratze ein Mauseloch befindet. Dieses stopfte ich vorerst mit dem Schaumstoff zu, mit dem ich neulich unsere Fenster isoliert hatte, denn niemand braucht zu glauben, daß man in dem entwickelsten Land dieser Erde standardmäßig zweifachverglaste isolierte Fenster in den Wohnungen vorfindet. Im Winter muß man eigenhändig alle Löcher stopfen und Planen vor die Fenster kleben, um nicht zu erfrieren.

Nachdem ich bis um sechs Uhr vor Aufregung über meine Heldentat nicht einschlafen konnte, kam um neun Uhr der Anruf von Nino, daß Onkel Vadimir bis zum 15. die Wohnung zu räumen habe. Und ob ihr's glaubt oder nicht, ich bin heilfroh. Curzio sitzt in der Schweiz und behauptet, er bekomme keinen Rückflug, aber mir ist jetzt alles egal. Irgendwo finde ich ein Zimmer, zur Not erlauben mir Frank und Arnold meine Luftmatratze bei ihnen aufzuschlagen. Sie freuen sich über Mädchenbesuch haben sie gesagt. Dann können wir immer zu dritt Mäuse jagen.
Mein Vater rief mich gerade an, um mir mitzuteilen, daß er mich im Saupark bei der Jägerprüfung angemeldet habe.

Am 30. war ein Artikel über das Mieterleben in New York City in der New York Times. Darin beschrieb die Autorin, wie sie als junge Studentin im East-Village illegal zur Untermiete lebte und der Vermieter immer an der Tür rüttelte und brüllte: " I know that Janice doesn't live here". Auch Mäusegeschichten kann einem hier jeder erzählen. Gerade sagt mir Helios, mein venezianischer Kollege, der sich immer noch ein bißchen darüber ärgert, daß er den Wettbewerb Wer-hat-mehr-Brücken-Venedig-oder-Hamburg verloren hat, er habe eine Maus im Büro, und das sei alles ganz harmlos.

Hatte ich schon erwähnt, daß ich keinen Wert darauf lege, jedes Abenteuer, daß es in New York zu erleben gibt, persönlich zu erleben? Wenn zur Zeit keine persönlichen emails kommen, verzeiht mir, ich bin auf Wohnungssuche..

Dienstag, 8. April 2008

Xmas @ NYC

Email aus New York Weihnachten 2000

Ira knackt noch in meiner Wohnung, in der sich seit ihrer Ankunft ein Schauspiel der Verwüstung bietet: Der Küchentisch ist zu einer kombinierten Schminkkommode mit Obstkorb geworden, überall in der Wohnung liegen Unterwäsche, neu erstandene Fellminiröcke und abgeknabberte Weintrauben auf dem Fußboden, und als ich anmerkte, wir könnten ja mal den Kaffee auf dem Küchentisch unter ihrer Brille wegwischen, meinte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung, das würde ihr gaaar nichts ausmachen... Den abgerissenen Duschvorhang hat sie allerdings in einer spektakulären Heimwerkeraktion wieder montiert, und nachts auf der Piste ist sie nunmal eine Bombe, also hat sie bei mir Narrenfreiheit. Den Curzio, der jetzt im Tessin unterm Weihnachtsbaum sitzt, hätte ich bei so viel Fehlverhalten schon 'rausgeschmissen.

Ich fürchte, es ist ein offenes Geheimnis, daß ich mächtig stolz auf all meine Reisen bin und darauf, daß ich mich so fühle, als wüßte ich überall Bescheid und käme immer klar. Aber manchmal, wenn ich mit meiner armen, alten, gramgebeugten Mutter spreche, bekomme ich den Eindruck, daß all diese Reiserei vollkommen überflüssig ist. Offenbar muß man sich nur in Springe lange genug aufs Sofa hauen, mit ordentlicher Belletristik, dem Spiegel und zwei Frauenmagazinen, eins im Hochglanz und das andere mit Kochrezepten, dann weiß man auch über alles Bescheid. Fragt sie mich doch neulich, wie das jetzt sei mit der Vorweihnachtszeit in New York, die Amerikaner würden sich dann doch allesamt eine rote Pappnase aufsetzen und ununterbrochen "Rudy, the red-nosed raindeer" singen. Verstehen wir ins richtig: So ein Kommentar in der Öffentlichkeit, und ich hätte die Augen so weit wie nur irgend möglich verdreht, "Mammmmmaaaaaa!" gerufen und alle mir zur Verfügung stehende Mimik und Gestik eingesetzt, um deutlich zu machen, wie sehr ich mich für so viel Ignoranz und Einseitigkeit schämen muß. Aber unter uns Pastorentöchtern kann ich es ruhig zugeben: Die Frau hat recht!

Einer der größten Schocker für Curzio und mich, war der Weihnachtschor am Southstreet Seaport, wo wir ganz arglos ein Bierchen schnasseln wollten, weil man so einen schönen Blick auf Brooklyn hat. Vor einem etwa drei Meter hohen Tannenbaum hatten sie dort auf einer Leiter baumförmig die paar Senioren aufgebaut, die es irgendwie geschafft haben, in New York zu überleben. Alle trugen rote Mützen und rote Pappnasen und sangen in einem fort "Rudy the red-nosed raindeer". Curzio und ich haben uns solche Sorgen um den Herrn gemacht, der sich auf der Spitze der Leiter durch den Chorgesang wackelte, daß wir weder das Bier noch den atemberaubenden Blick auf Brooklyn genießen konnten. Ich mußte ziemlich bald diesen Ort des Grauens verlassen, weil ich den Anblick nicht mehr ertragen konnte. Ich weiß aber auch so, was das Schicksal dieser älteren Mitbürger war: Die paar, die nicht im Verlauf des Gesangsnachmittages von der Leiter fielen, sind darauf festgefroren. Mein einziger schwacher Trost ist die Gewißheit, daß sie immerhin dabei eine warme Nase hatten.

Natürlich ist die ganze Stadt mit wild blinkenden Weihnachtslichtern dekoriert. Seit Anfang Dezember habe ich nicht mehr geschafft, mich bis in die Bibliothek des economics departments vorzukämpfen, weil einer von den Studenten den dritten Stock mit dermaßen vielen Blinklichtern übersät hat, daß mir erst schwindelig und dann sofort schlecht wird, sobald ich den Gang betrete. Jeder Weihnachtsbaum in der Stadt ist so sehr mit schweren Kitschengeln und riesigen Schleifen überladen, daß man immer gebannt davor steht und jeden Moment auf den Zusammenbruch wartet. Am Rockefeller Center haben die verantwortlichen Bürger dieses Landes der Superlative jedoch dem Wahnsinn die Krone aufgesetzt. Mit sehr viel Phantasie kann man sich vorstellen, daß es sich dort bei dem Weihnachtsbaum um eine große schlanke, wunderschöne Tanne handelt. Aber die Amerikaner mußten mal wieder eine Rekord brechen. Curzio kann Euch die genaue Anzahl der Lämpchen nennen, die an dem Baum montiert sind. Ich kann Euch nur so viel sagen, daß es auf jeden Fall viele sind, daß man von dem Baum nichts, aber auch gar nichts mehr sehen kann. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich nach den paar weißen Kerzen und den roten Weihnachtskugeln sehne, die traditionsgemäß unser Bäumchen in Springe schmücken...

Bevor ich mir hier den Motzki-Preis für den undankbarsten Besuch aus Germany einfange, muß ich die Amerikaner an dieser Stelle jedoch über den grünen Klee loben. Mein allerschönstes Vorweihnachtserlebnis ever hatte ich nämlich hier in der Avery Fisher Hall beim Messiahs Sing-In. Das ist eine mehr als dreißig Jahre alte Tradition aus der Zeit, als meine Eltern noch Sit-Ins und Love-Ins veranstalten, anstatt Jura zu studieren (kleiner Scherz!). Jedes Jahr wird unter der Leitung eines bekannten New Yorker Chordirektor am Lincoln-Center der "Messiahs" von Händel gesungen, die Rezitative von Profis und der Chor - vom Publikum. Den Tip hatte ich natürlich von meiner Geigenbauerfreundin Jeanette.

Jede Choreinlage wird von einem anderen Dirigenten geleitet. Eine Menge Highschool-Musiklehrer waren dabei, der Leiter eines Kirchenchors aus Harlem und das "Hallelujah" hat der Chordirektor der Metropolitan Opera dirigiert. War mir natürlich ein inneres Gartenfest, als er, bevor er die Arbeit überhaupt aufnahm, mit den Amis erst einmal geübt hat "Ha-le-lu-jah" zu sagen, anstatt "Haee- liiieee- louuu- jaehhh".

Wie auch immer, es herrschte eine Bombenstimmung. Alle außer mir waren passionierte Chorsänger, die sich bestens mit dem "Messiahs" auskennen und anstandslos jeden Einsatz erwischen. Den Chorleitern wurde so begeistert zugejubelt, daß jeder Rockstar vor Neid erblaßt wäre, und das wohlverdient: Keiner von ihnen sparte bei der Einführung "ihres" Stückes mit Witz oder Scharfsinn, um ein wahres Fest aus dem "Messiahs" zu machen.

Natürlich raffte ich mal wieder nichts und lief als Einzige ohne Noten auf, aber meine Nachbarin war so freundlich, mich in ihre Partitur mit hineingucken zu lassen. Leider war kein standfester Alt in meiner Nähe. Nach der Pause lotsten mich Janine und Matthias deswegen auf einen freien Platz vor ihnen, denn sie hatten zwar auch nur eine Partitur, dafür aber einen Alt im Rücken, wie er standhafter nicht hätte sein können. So ergab es sich, daß selbst ich im zweiten Teil ordentlich mitschmettern konnte, und - ach - war das erhebend! Nur in den langen Koloraturen ging ich manchmal verloren, weswegen ich mir öfter mal einen unsanften Knuff von hinten einfing, weil ich das Umblättern vergessen hatte. Als die Veranstaltung vorbei war, stimmte der Chor beim Verlassen der Konzerthalle spontan ein Weihnachtslied an, und noch auf der Straße sangen die Leute weiter. Kinder war ich gerührt!

Gestern war ich bei Nd's zur Christmas-Dinner-Party, wo ich feststellte, daß 1.) afghanisches Essen unschlagbar ist 2.) seine Frau ihre Arztpraxis mit einer Philippin teilt (das weiß ich, weil sie den gleichen Akzent hat wie Lydia Schmidt auf Deutsch) 3.) seine zwei Söhne viel jünger und schöner sind als ich, beide schwarzgelockt, einer ein lustiger, offener Hip-Hopper, der mit seiner Tigerzahnkette in Berkeley Politik studiert und nichts von Ökonomie wissen will, und der andere so ruhig und zurückhaltend, daß ich nicht mehr als das über ihn weiß.

Als ich am Central Park West aus der U-Bahn stolperte, wurde ich von drei Doorman und einem Liftangestellten in Empfang genommen (er war um die sechzig, deswegen scheue ich mich "-boy" zu sagen). Aus der Größe der Wohnung und der Terasse mit Blick auf Manhattan schließe ich, daß entweder Professor oder Ärztin ein sehr lukrativer Job in diesem Land sein muß. Die Dinnerparty war ein bißchen so wie in Mexiko, wo alle ihre erwachsenen oder noch nicht ganz erwachsenen Kinder dabei haben. Das finde ich eigentlich ziemlich gut. Ein bißchen nervös wurde ich nur bei der Erinnerung, daß die mexikanischen Teenager damals beim Nationalfeiertag nach dem Essen ihre Musi anschmissen, und vor den Augen ihrer plaudernden Eltern das Wohnzimmer in eine Disco verwandelten. Auch das finde ich cool, aber ich hätte nicht so recht gewußt was ich machen sollte, hätte sich Nd so verhalten wie damals Tedi Rodriguez, der mich nach dem zehnten Tequila aufforderte, mit ihm "tecnico" zu tanzen. Gott sei Dank handelte es sich um ordentliche amerikanische Teenager, die irgendwann abzogen, um sich ein Video zu holen, und gar nicht daran dachten, mich in eine derart peinlich Situation zu bringen.
Nach der Party taten Ines und ich bei Rudy' s ein flotten, jungen indischen Statistikprofessor auf, der mir als erstes ein Gedicht von Heine ins Ohr hauchte, und dann Hermann Hesse über den grünen Klee lobte. Er spricht auch ganz gut deutsch. Warum muß man eigentlich immer erst nach Amerika oder nach Indien fahren, um so etwas Schönes zu erleben?

Zu späterer Stunde teilte uns der Professor mit, daß die Welt in drei Kasten unterteilt (er hat "Klassen" gesagt, aber man weiß ja, was das bei den Indern bedeutet). Die Mathematiker sind die Brahmanen, dann kommen jene, die Mathematik verstehen oder zumindest ein Gespür dafür haben, wieviel Schönheit darin legt, und ganz unten stehen all jene, die gaaaar nichts von Mathematik verstehen oder gar glauben, das sei langweilig. Wenn wir demnächst mal in Ehren als Büronachbarn lunchen gehen, habe ich mir vorgenommen, mich lebhaft für die Schönheit der Mathematik zu interessieren. Als Allerletztes will ich erreichen, daß mein einziger Erfolg, den ich aus Amerika nach Hause trage, darin besteht, daß ich in dem Kastensystem der indischen Moderne zu den Unberührbaren zähle.

Jetzt habe ich mich aber dumm und dusselig getippt, und das obwohl ich noch bis Heiligabend ein Paper fertigschreiben muß. Ein bißchen Sorgen mache ich mir ja doch um Zuhause, aber wie ich meine Eltern kenne, haben die keine Schwierigkeiten, die Weihnachtsgans zu zweit zu verputzen. Außerdem fällt Heiligabend ungünstigerweise auf einen Sonntag, das heißt der ganze Spaß des Last-Minute-Geschenke-Einkaufs wäre ohnehin hinfällig: Weder würde Ursula Hasper in der Buchhandlung am Nordwall schon mit passenden Geschenken wedeln, wenn ich kurz vor Ladenschluß bei ihr angehetzt komme, und aufgeregt rufen: "Nici, ich glaube, das ist etwas für Deine Mutter!", noch könnte ich Bernd Albert in der Parfüme treffen, und ich müßte auch beim Uhrmacher Gehring nicht zum zweihundertsten Mal die Frage nach meinem Jurastudium und wann ich Mama's Praxis übernehme zähneknirschend mit "Ich mache VWL" beantworten. Ein bißchen erfüllt es mich mit Genugtuung, daß Tante Liesel dieses Jahr keine Chance hat, sich hinterlistig bei mir einzuhaken, um dann zwei Stunden lang mit mir den Marktplatz auf- und abzulaufen und mir den gesamten münderschen Klatsch der letzten sechzig Jahre zu erzählen. Aber ein bißchen werde ich selbst das vermissen...

Na wie auch immer, ich schreibe jetzt meine Aufsatz, morgen bekochen Ira und ich alle Strohwitwer der Stadt, und ich habe keine Zweifel, daß wir eine Menge Spaß haben werden. Und Ursula Hasper kann sich schonmal bereithalten: Nächstes Jahr komme ich wieder!

Sonntag, 23. März 2008

Demokratischer Übergang am Ende der Reise - Kuala Lumpur

Ganz am Ende unserer Reise entdeckten wir den schönsten Markt der Welt, der noch vor dem Marché d'Aligre rangiert. Wir bestaunten die Vermählung von modernen Glas- und Stahlmaterialien mit islamischen Stilelementen in der Architektur von Kuala Lumpur und wurden Zeugen des ausgehenden Wahlkampfs, dessen Ergebnis ein beeindruckendes Beispiel für einen demokratischen Übergang in einer asiatischen Autokratie sein könnte.

Am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass uns Kuala Lumpur doch noch besser gefällt als Singapur. Beiden darf man ein glückliches Händchen attestieren beim Wahrnehmen ihrer großen Chance, fast alles in der Stadt in kürzester Zeit neu zu bauen. Jeder der beiden Städte ist es gelungen, den modernen Gebäuden aus Glas und Stahl einen eigene Note zu geben: Singapur mit Feng Shui und angedeuteten Pagoden auf den Dächern ihrer Wolkenkratzer; Kuala Lumpur mit einer Hommage an islamische Formen und fein ziselierte Ornamentik.

Doch die beiden Städte unterscheidet nicht nur die Religion, die in der architektonischen Gestaltung dominiert. Singapur hat alles, was schmutzig und sündig erschien, auf Hochglanz poliert. In dem Eifer, blitzblanke Shopping-Malls zu kreiieren, haben die Stadtväter auch vor der Bugis-Street nicht Halt gemacht, dem einstigen Herzen des Nachtlebens der Stadt mit köstlicher chinesischer Straßenküche, Alkohol und Prostitution. Entstanden ist bei dieser Grundüberarbeitung ein übertrieben sauberes Zürich in den Tropen, in dem der einfache Reisende zu sehr eingeschüchtert ist, um sich unbekümmert zu amüsieren, und sehr viel Glück braucht, um eine Ahnung davon zu erhaschen, wie die Atmosphäre vor der große Aufräumaktion gewesen sein muss. Wie wir, als wir mit unseren Blasen an den Füßen um elf Uhr viel zu spät in dem zur Bonbonniere hochrenovierten Chinatown einliefen, um dort noch in einem der den Touristen empfohlenen Restaurants oder Food-Courts auf ein Abendessen hoffen zu dürfen. Am Ende hatten wir doch noch in dem einzigen noch offenen Restaurant des Viertels Glück, das einer ausgebauten Garage glich und durstige und hungrige Chinesen bewirtete, wahrscheinlich alles Arbeiter und Angestellte aus dem Gastronomiegewerbe, die sich von einem langen Tag im Dienste der Touristen erholten.

In Malaysia hingegen sind garagenartige Restaurants, Läden und Werkstätten, in denen das traditionelle asiatische Leben wirbelt, keine von den Aufräumern der Stadt vergessene Raritäten. Asiatisches Chaos und Gewimmel, traditionelle, malaysische Holzhäuser mit kleinen Gärten und heruntergekommene Plattenbauten stellen viemehr die Normalität dar zwischen den hochaufgeschossenen Architekturwundern der Moderne, die Asiens Streben nach oben und nach vorne symbolisieren. Noch sind nicht alle Essenstände von den Straßen in blitzsaubere Shoppingmalls verbannt und davon machen in Chinatown und Little India deutlich mehr hungrige Inder und spruckende Chinesen als gebügelte weiße Banker und Touristen Gebrauch. Aus Little India wurde der Straßenstrich in das Viertel zurückgedrängt, wo sich unser Hotel befand, und in einer der Nebenstraßen war das Treiben der rund um die Woks auf den Bürgersteigen gelassen spät zu Abend essenden Bevölkerung so selbstvergessen und malerisch, dass ich mich fast in einer malaysischen Version der Bugis-Street des 21. Jahrhunderts wähnte.

Der bunteste und lebendigste Ort der Stadt ist der Chow-Kit-Markt, wenn er auch für so manche Kreatur den sicheren Tod bedeutet. Unter einem niedrigen Wellblechdach werden dort mit großem Sinn für gekonnt angeordnete Farbpracht Obst, Gemüse und Kräuter verkauft, Fische aus dem Eimer gezogen und noch zappelnd mit Präzision geköpft und ausgenommen und auch die Hühner werden vor Ort vom gackernden Federvieh zu einer traurigen am Haken hängenden, nackten und bloßen Suppenzutat verarbeitet.

Möglich, dass diese Unterschiede daran begründet sind, dass Malaysia doch noch sehr viel ärmer ist als Singapur. Oder vielleicht sind Malaysias Volksfrontführer zwar kaum weniger autokratisch, aber dafür nicht ganz so große Ordnungsfanatiker wie die erfolgsorientierten und -verwöhnten Herrscher in dem kleinen Nachbarstaat. In jedem Fall schien es uns in Malaysia ein bißchen mehr Raum für das ganz normale, asiatische Leben zu geben. In Singapur hingegen schien der sich sich auf das Gemeinschaftsbad neben unserem Hotelzimmer zu beschränken - der einzige Ort, in dem wir in diesem Land je Zeugen befreiten chinesischen Spuckens und Rachenentleerens werden durften, üblicherweise von morgens um fünf bis um neun. Zwar raubte uns das ein wenig Schlaf, aber immerhin konnten wir uns sicher sein, dass die Chinesen nicht überall in der Stadt ihre intimen Bedürfnisse unterdrücken müssen.

Doch Malaysia und Singapur haben auch Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel erfreut sich auch in Kuala Lumpur das Shoppen größter Beliebtheit. Das wurde uns schon bei unserem ersten Aufenthalt bewußt, als uns die Rezeptionistin unseres Hotels zum Fönkaufen in einen "Minimarkt" schickte, der die Größe des Karstadt in der Turmstraße bei weitem übertraf. Im Bauch des Drachens, dem Straßenzug, in dem die Chinesen besonderes Glück für ihre Geschäfte vermuten, wurde das noch deutlicher. Besonders gefiel mir die Mall "Fluß des Geldes", wegen ihres Namens im wesentlichen. Der Schatz ärgert sich immer noch, dass er nicht mit der Achterbahn gefahren ist, die sich in einer der Malls über fünf Stockwerke erstreckte. Mir zuliebe, behauptet er, hat er darauf verzichtet, weil mir vor zwei Jahren beim Zugucken schlecht wurde, als Clara beim Kirschblütenfest in Werder mit einer Karussellschaukel fuhr, die sich in einem großen Bogen überschlug und gleichzeitig innerhalb dessen in vielen kleinen. Ich ärgere mich mehr, dass wir solche leblosen, miesepetrigen und übersättigten Westler waren, uns in der glitzernden Marmorshoppingmall der Petronas Towers eine Ausstellung moderner malaysischer Kunst anzusehen und im Fluß des Geldes Bücher zu kaufen und sonst nichts. Unser Shopping-Karma war einfach nicht gut. Als ich einmal auf ein entzückendes Babydolloutfit zeigte, meinte der Schatz, so etwas würde mir nicht stehen.

Dafür bekamen wir abends eine Lektion in nordindischer, vegetarischer Küche. Natürlich hatte der Schatz nichts mit vegetarischem Essen am Hut, aber es war uns nicht gelungen, zur rechten Zeit etwas Fleischigeres zu finden. Als wenn das nicht schlimm genug wäre, machten wir auch noch beim Bestellen alles falsch. Mal stellten wir Vorspeisen zusammen, die nicht passten, mal bestellten wir Brot zu Hauptgerichten, zu denen Reis passte und umgekehrt. Bei jedem Fehler sah uns der sanft sprechende Kellner traurig an und zog sein Kinn leicht zur Seite. Der Schatz wurde sofort hektisch und änderte bei jeder leisen Kritik mit der Spitze des Kinns komplett seine Bestellung, nur um sich dabei erneut dicke Schnitzer zu leisten und sich dafür ein noch heftigeres Kinnzucken einzufangen. Ich - ganz Frau - bemühte mich indessen redlich das Englisch des Kellners zu verstehen und die Bestellung nur soweit zu korrigieren wie notwendig. Das zahlte sich aus. Als der Schatz mit seiner grünen Matschpampe kämpfte und ich mit meiner roten, unter keiner der beiden man noch erkennen konnte, ob man Fisch, Fleisch oder Käse aß, kam der Kellner mit kritischem Blick an unseren Tisch und bedeutete mir, ich sollte nicht nur den Reis mit der roten Matschpampe vermischen, sondern auch gleich noch mit der grünen und dann alles mit dem Brot aufschaufeln. "Mix, mix, mix?" fragten ich ihn ungläubig mit einer großzügigen Handbewegung, die alle Speisen auf dem Tisch umfasste. "Mix, mix, mix", bestätigte er zufrieden. Von da an waren wir Freunde. Der Schatz machte sich zu guter Letzt vollkommen unmöglich, indem er einfachen Tee bestellte, obwohl der Kellner ihm mit sanfter Stimme gewürzten Tee angeboten hatte. Natürlich verhielt ich mich weltgewandter und wählte die Gewürze. Am Ende fragte uns der Kellner: "Madam, where are you from?". Und ich durfte zum ersten Mal in diesen Breitengraden erleben, wie ein Mann dermaßen seinen Kredit verspielte, dass er an meiner Stelle ignoriert wurde.

Der Wahlkampf war ein großes und besonderes Erlebnis auf unserer Reise. Wie bereits erwähnt tobte dieser besonders in den östlichen Provinzen des Landes in Form einer wilden Fahnenschlacht zwischen der regierenden Volksfront und den dort erstarkenden Islamisten. Es gibt aber noch weitere Oppositionsparteien, eine davon religions- und ethnienübergreifend geführt von einem ehemaligen Vizepremier der Volksfront, dem es allerdings noch bis Frühjahr verboten ist, politische Ämter auszuüben. Offenbar sind das Folgen einer Anklage wegen Homosexualität, mit deren Hilfe man dereinst versucht hatte, ihn aus dem politischen Leben zu entfernen. Eine weitere Oppositionspartei hat hauptsächlich unter den erfolgreichen und geschäftsorientierten Chinesen Anhänger. Außer den Fahnen standen den Oppositionellen nicht viele Mittel für Wahlkampf offen, denn die Volksfront hat die Medien fest in der Hand und Zeitunglesen ist ein wahres Ereignis. Die ersten 30 Seiten sind ausschließlich Porträts von Volksfrontvertretern gewidmet, insbesondere Geschichten darüber, wie sie an der Seite ihrer Gattin voll väterlicher Güte in ihrem Wahlkreis erklären, dass nur die Volksfront Regierungserfahrung hat, und wie sie Mitgliedern ihrer Ethnie dringend davon abraten, die Opposition zu wählen, denn wer solle dann noch die Interessen dieser Volksgruppe vertreten. Weitere fünf Seiten sind negativen Nachrichten über Oppositionsvertreter und ihre gewalttätigen Anhänger gewidmet. Diesen Hindernissen zum Trotz nahm die Opposition alle Möglichkeiten wahr, sich bemerkbar zu machen, in den letzten Nächten vor der Wahl zum Beispiel mit Auto- und Motorradcorsi, bei denen sie wild hupend durch Kuala Lumpur fuhren und die Fahnen aller drei Oppositionsparteien schwenkten, so dass ich schon dachte, in Malaysia kämen die Frischvermählten erst nachts um drei aus der Moschee. Die Parteien hatten bei dieser Wahl ihre Kräfte gebündelt und in jedem Wahlkreis nur die aussichtsreichste unter ihnen antreten lassen. Man kann sich fragen, was Islamisten aus ländlichen Gebieten mit geschäftsorientierten, urbanen Chinesen zu tun haben, oder mit einer Partei, die alle Ethnien des Landes ansprechen will. Offenbar ist es die gemeinsame Abscheu vor dem autokratischen Führungsstil der Regierungsparteien und ihrer Politik, die bumiputras, Söhne der Erde - also Malays und Ureinwohner - in der Wirtschaftspolitik besonders zu fördern, um Rassenressentiments vorzubeugen. Wie es scheint, gefällt diese Politik auch den ärmeren Malays aus ländlichen Gebieten nicht, denn sie kommt in erster Linie den bumiputras zugute, die gleichzeitig mit dem langjährigen Premierminister Mahathir und seinen Freunden gut befreundet sind. Was auch immer sie zusammengeschweisst hat, gemeinsam erzielten die drei Oppositionsparteien einen beachtlichen Erfolg, wie wir nach unserer Heimkehr erfuhren. Sie gewannen fünf Bundesstaaten und konnten die Volksfront so weit schwächen, dass sie nun weit von der gewohnten Zweidrittel-Mehrheit entfernt ist. Wir können uns jetzt so fühlen, als hätten wir nicht nur einen eitlen Trauminsel- und Besichtigungsurlaub gemacht, sondern als wären wir gleichzeitig Zeugen eines eindrucksvollen und friedlichen Demokratisierungsprozesses geworden.

Dass die Rassenbeziehungen in Malaysia nicht immer ganz harmonisch verlaufen, erklärte uns eine Inderin nach unserem Besuch ihres Sikh-Tempels, bei dem einer ihrer Glaubensbrüder uns mit großer Geduld unsere ignoranten Fragen zu seiner Religion beantwortet hatte. Wir hatten schon unsere Kopfbedeckung abgelegt und wollte gerade den Tempel verlassen, als uns die ältere Dame ansprach, um uns nach unserer Heimat zu befragen und allerhand aus ihrem Leben zu erzählen. Unter anderem berichtete sie, dass sie Witwe sei und daher nunmehr frei, was aus meiner Sicht ein interessantes Bild auf das Geschlechterverhältnis in diesem Land warf. Ihre Freiheit wollte sie am liebsten nutzen, um das Land zu verlassen. Immerhin nicht, weil sie fürchtete, noch einmal so jemandem zu begegnen wie ihrem Mann. Die Muslime würden immer intoleranter, so klagte sie, und verlangten inzwischen von allen, zum einizigen wahren Glauben überzutreten. Ihre eigene Religion hingegen gebiete es, anderer Menschen Religion zu akzeptieren, und das alles ist nicht mehr so recht miteinander vereinbar. Also will sie in den Punjab ziehen und das, nachdem sie ein Leben lang auf der malaysischen Halbinsel verbracht hat. Ich bestätigte ihr gerne, dass trotz zahlreicher löblicher Ausnahmen der Islam derzeit vieleorts in keiner guten Phase ist, zumal ich während des Urlaubs trotz eines vollkommenen Verzichts auf Sex-Appeal und Mitführens eines Notschleiers fast nie Zugang zu einer Moschee gefunden hatte. Ich weiss sicher, dass das für meine Vettern aus der Türkei und selbst für muslimische Nordafrikaner ein Ding aus dem Tollhaus wäre, also will ich gerne glauben, dass es im malaysischen Islam derzeit eine gewisser Tendenz zur Intoleranz gibt. Ich verschwesterte mich mit der Sikh-Dame zum Abschied und wir wünschte ihr und ihrem Land Entspannung in der Islam-Frage, zumal ich Zweifel hatte, ob sie sich in einem ihr völlig fremden Land wie dem Punjab ganz alleine wohl fühlen würde, auch wenn dort ihre Religion besser repräsentiert ist als in Malaysia.

Als versöhnlichen Abschied durften wir ganz am Ende der Reise noch Zeugen sein, wie in der Coliseum-Bar, wo schon Somerset Maugham trank, Chinesen, Sihks, Hindus und Malays gemeinsam den Alkohol mächtig fließen und ihre Witze immer lauter und derber werden ließen. Die Hälfte von ihnen durfte wahrscheinlich aus religiösen Gründen gar nicht trinken. Was für ein Glück, dass sie sich davon nicht beeindrucken ließen. Denn was der Alkohol nicht alles verbindet, was sonst nichts zu verbinden scheint, dachten wir wohlgefällig, während wie herzhaft in unser Sizzling-Steak bissen - eine Köstlichkeit, die sich niemand entgehen lassen sollte, der zufällig in der Coliseum-Bar in Kuala Lumpur vorbeikommt.