Email vom 27. Oktober 2000:
Mein "Ethnic New York" Buch ist ein Juwel. Es hat mich nach "Little Odessa" in Brooklyn geführt, wo ich Borscht essen und mich in Russland wähnen durfte (weil ich es nicht von der Ukraine unterscheiden kann) und es hat mich alles gelehrt, was ich über deutsche Einwanderer in New York und über die jüdische Bevölkerung von der Lower East Side weiß. Na klar fühlte ich mich wunderbar beraten, als ich mich am Sonntag einem Hinweis dieses Buches folgend nach Harlem aufmachte, um einer Gospel-Messe in der New Canaan Baptist Church beizuwohnen!
Wer außer mir kommt schon auf solch eine exotische Idee? Alle! Und der nette Türsteher vor der New Canaan Baptist Church, gab uns deutlich zu verstehen, dass Kirchgänger in Harlem nicht viel von Besuchern halten, die südlich der 110ten Strasse - womöglich noch in einem Hotel - leben.
Trotzdem waren wir so leichtsinnig, uns in die Nachbarkirche lotsen zu lassen, wo sie doch tatsächlich eine Galerie für Menschen wie mich haben - die Gemeinde sitzt unten. Was soll ich sagen - ich habe mich schon lange nicht mehr so geschämt! Die Leute sind aufgestanden, haben laut geredet, gut die Hälfte hat die Kollekte ignoriert, einer hat fotografiert (!) und alle sind früher gegangen...
Nun, inzwischen bin ich zu der schlauen Erkenntnis gekommen, daß es vielleicht nicht so eine gute Idee ist, in anderer Leute Gottesdienst zu gehen, "weil man es gerne mal sehen möchte". Aber soll ich ehrlich sein? Ich bin doch froh, daß ich einmal gedankenlos genug war, es doch zu tun. Der Priester war ein Bild von einem Zwei-Meter-Mann und hat bei seiner Predigt, die auch nicht die Spur an irgendein Evangelium angelehnt war, Witze gemacht, gelacht, und sich manchmal richtig in Rage geredet. Die Gemeinde antwortet "yeah", "that's right" und klatscht, und natürlich sind Gesang und Instrumentalmusik unschlagbar.
Wenn Pastor Gildemeister nur ein bißchen mehr so gepredigt und womöglich dadurch die alten Damen vom Ebersberg zu frenetischem Klatschen und "Ja, das ist richtig"-Rufen animiert hätte, dann wären wir auch nach unserer Konfirmation noch das eine oder andere Mal in der Kirche aufgelaufen, anstatt immer im TV Springe herumzulungern...
Wie auch immer, das Soul-Food bei Sylvia's hinterher war lecker. Nachdem wir Curzio auf unergründete Weise im Central Park verloren hatten, fingen Sybille und ich - aus Frust - an, uns die Westseite von Manhattan herunterzutrinken. Ich bin nur froh, dass wir zwischen der 50ten und der 14ten Strasse doch auch mal in eine U-Bahn geklettert sind. Bei einem "Dirty Martini" (70te Strasse) stellte sich heraus, dass sie zwar mit 23 BWL-Examen hatte, mit 26 Steuerberaterexamen und mit 29 Prokura bei der KPMG, aber mit 30 immer noch keine Zigarette in der Hand. Bei Rotwein, Margaritha und Corona hat sie gelernt, wie man so geschickt pafft wie ich. Jetzt sind wir alle beide cool und haben nie Kopfschmerzen.
Besonders gefällt die New Yorker Institution des spontanen Passanten-Komplimentes! Am häufigsten hoere ich "ooooh, coooooool". Damit die Ladykiller aus dem 439 nun nicht um ihre Position fürchten müssen, sollte ich dazu sagen, dass sich dieser Ausruf nicht auf mich als Person, sondern auf meine Jeans mit dem irren Muster am Aufschlag bezieht (danke, Mama!). Neulich wäre ich fast nicht mehr zu Hause angekommen, weil ein Passant anfing, seine eher allgemeine Bemerkung über mein angenehmes Äusseres mit blumigsten Beschreibungen zu präzisieren. Ich wäre ihm soooo gerne gefolgt, um noch ein bißchen zuzuhören... Meine Lieblingsgeschichte handelt allerdings von dem jungen Mann, der mich erst mit einem Plastikbecher in der Hand anbettelte, und mir, als ich abwinkte und eilig weiterging, hinterherrief: "I like the way you walk!" Können sie so etwas nicht auch auf der Osterstrasse einführen?
A propos Plastikbecher, ob Ihr es glaubt oder nicht, in der Metropolitan Opera perlt die Witwe Cliquot nicht im Glase, sondern - im Plastikbecher. Da haben wir es mal wieder, die Amerikaner und die Kultur.
Die Subway Series haben wir gestern auch hinter uns gebracht. Aus irgendeinem Grund haben die Mets und die Yankees (erinnert Ihr Euch?) vergangene Woche JEDEN EINZELNEN Abend gegeneinander Baseball gespielt. Da lob ich mir doch den Fußball, da ist der Ball rund und man kann sich sicher sein, daß das Spiel nach 90 Minuten vorbei ist...
Samstag, 3. November 2007
Alles über Baseball
Email vom 18. Oktober 2000:
Vergeßt die Presidential Debate (wie war's?) - hier in New York haben wir uns gestern nur für die Yankees interessiert.
Dem Bummel durch unsere Puschenkneipen haben Curzio und ich es zu verdanken, daß wir jetzt große Baseballexperten sind. Woody Allen hat uns die Regeln erklärt. Woody Allen heißt eigentlich John und wohnt in Brooklyn. Er begleitet seine Mitbewohnerin Susan ab und zu in unser Viertel - sie hat früher mit ihrem Mann in unserer Straße gewohnt.
Eigentlich wollte Susan mir Baseball erklären . Wie es sich mit den Mets und den Yankees verhält, habe ich auch sofort verstanden. Die Yankees sind erfolgreicher, aber die Mets sind das Working Class Team und jeder ECHTE New Yorker ist Mets Fan. Das ist einfach, wie beim HSV und St. Pauli eben...Danach war Susan jedoch zu sehr damit beschäftigt, Witze mit sexueller Konnotation in Überzimmerlautstärke zu erzählen und dabei ihren Rock hochzureißen, um dem Barkeeper ihre halterlosen Strümpfe zu zeigen. Woody Allen, alias John, vornehm und ein wenig verklemmt, wie er nun einmal ist, war das alles sichtlich peinlich, besonders als sie mit schriller Stimme die übrigen Gäste wissen ließ, daß sie ihre Sexualpartner nicht mit nach Hause bringen dürfe. "Please don't talk for me...", bat er sie gequält.
Ergebnis der ganzen Affäre war, daß ich bis zu diesem Punkt noch nicht mehr über Baseball wußte, als was es bedeutet, wenn ein Mann bei einer Frau "first base toucht" (er darf ihre Brust berühren). Second base - unbestimmte Handbewegung in Richtung Schoß - third base haben wir aus irgendeinem Grund übersprungen und homerun - "oh, you know, he got there all the way...". Einer Rückfrage meinerseits konnte John schließlich entnehmen, dass ich nach einer halben Stunde die Grundprinzipien des Baseballs noch nicht kannte. Schließlich übernahm er den Unterricht mit rührender Geduld. Susan führte meine Verständnisschwierigkeiten übrigens darauf zurück, daß ich nicht middle-aged und desperate sei, so wie sie. Aber seit John mich instruiert hat, weiß ich bestens Bescheid: two outs and one inning, to steal a base, baseball is game of threes etc. pp. Wenn ich das nächste Mal in diese Kneipe gehe, werde ich John die Abseitsfalle erklären.
Daß die Yankees gewonnen haben - Einzug in die Final Division zum ersten mal seit Eisenhowers Präsidentschaft - weiß ich deswegen, weil Curzio heute morgen, als er aufgewacht ist, unsere Nachbarn imitiert hat: Yeahhh, we got it, yeaaah, yeaaaahh. Offenbar hat der Ärmste nicht so gut geschlafen.
Wenn Curzio die Nachrichten einschaltet, brüllt er immer laut "CNN breaking news". Dann steht er vorm Fernseher, fuchtelt wild mit den Armen und ruft „okay, okay“. Er sagt, er muß Englisch üben.
Seit wir über das entsetzliche Sprachchaos, das wir anfänglich verbreiteten, beide drohten die Kenntnis unserer Muttersprache zu verlieren, haben wir einen strengen Plan: montags, mittwochs und freitags Italienisch und dienstags, donnerstags und sonnabends Deutsch. Was wir mit dem Sonntag machen wissen wir noch nicht so genau. Wir haben erst einen zusammen erlebt, und da waren Jenny und Rodrigo zu Besuch, und sind mit uns durch den Central Park gehetzt, als würden die Russen kommen oder als müßten sie zur Arbeit. Jenny mußte sich alle fünf Minuten hinsetzen, weil sie nicht mehr konnte. Langsamer gehen wollte sie aber auch nicht: "Oh nooo, that way I won't burn any fat..." Für mich hat das vor allem zur Folge, daß Curzio jetzt immer "fat burn, fat burn" ruft, wenn er spazieren geht.
Übrigens wohnen Curzio und ich in Hell's Kitchen, haben wir herausgefunden. Kennt einer diesen Film mit den vier Jugendlichen, die irgendein Bagatell-Delikt begehen und dafür ins Jugendgefängnis kommen, wo sie jahrelang sexuell missbraucht werden - Robert de Niro (Robert de Niro?) spielt den Priester? Das ist bei uns.
Ich bin inzwischen dick befreundet mit dem albanischen Türsteher eines italienischen Restaurants in unserer Strasse. Er hat lange Zeit in Düsseldorf gearbeitet, und seit er weiß, daß ich Deutsche bin, wedelt er immer aufgeregt mit seinen deutschen Fußballmagazinen ("Otto Rehhagel - Pro und Kontra") , die er gerne liest, wenn gerade nicht so viel Kundenverkehr ist. Er wohnt in den Bronx und fühlt sich da sehr wohl. Hell’s Kitchen findet er überteuert. Da ist allerdings etwas dran...
Vergeßt die Presidential Debate (wie war's?) - hier in New York haben wir uns gestern nur für die Yankees interessiert.
Dem Bummel durch unsere Puschenkneipen haben Curzio und ich es zu verdanken, daß wir jetzt große Baseballexperten sind. Woody Allen hat uns die Regeln erklärt. Woody Allen heißt eigentlich John und wohnt in Brooklyn. Er begleitet seine Mitbewohnerin Susan ab und zu in unser Viertel - sie hat früher mit ihrem Mann in unserer Straße gewohnt.
Eigentlich wollte Susan mir Baseball erklären . Wie es sich mit den Mets und den Yankees verhält, habe ich auch sofort verstanden. Die Yankees sind erfolgreicher, aber die Mets sind das Working Class Team und jeder ECHTE New Yorker ist Mets Fan. Das ist einfach, wie beim HSV und St. Pauli eben...Danach war Susan jedoch zu sehr damit beschäftigt, Witze mit sexueller Konnotation in Überzimmerlautstärke zu erzählen und dabei ihren Rock hochzureißen, um dem Barkeeper ihre halterlosen Strümpfe zu zeigen. Woody Allen, alias John, vornehm und ein wenig verklemmt, wie er nun einmal ist, war das alles sichtlich peinlich, besonders als sie mit schriller Stimme die übrigen Gäste wissen ließ, daß sie ihre Sexualpartner nicht mit nach Hause bringen dürfe. "Please don't talk for me...", bat er sie gequält.
Ergebnis der ganzen Affäre war, daß ich bis zu diesem Punkt noch nicht mehr über Baseball wußte, als was es bedeutet, wenn ein Mann bei einer Frau "first base toucht" (er darf ihre Brust berühren). Second base - unbestimmte Handbewegung in Richtung Schoß - third base haben wir aus irgendeinem Grund übersprungen und homerun - "oh, you know, he got there all the way...". Einer Rückfrage meinerseits konnte John schließlich entnehmen, dass ich nach einer halben Stunde die Grundprinzipien des Baseballs noch nicht kannte. Schließlich übernahm er den Unterricht mit rührender Geduld. Susan führte meine Verständnisschwierigkeiten übrigens darauf zurück, daß ich nicht middle-aged und desperate sei, so wie sie. Aber seit John mich instruiert hat, weiß ich bestens Bescheid: two outs and one inning, to steal a base, baseball is game of threes etc. pp. Wenn ich das nächste Mal in diese Kneipe gehe, werde ich John die Abseitsfalle erklären.
Daß die Yankees gewonnen haben - Einzug in die Final Division zum ersten mal seit Eisenhowers Präsidentschaft - weiß ich deswegen, weil Curzio heute morgen, als er aufgewacht ist, unsere Nachbarn imitiert hat: Yeahhh, we got it, yeaaah, yeaaaahh. Offenbar hat der Ärmste nicht so gut geschlafen.
Wenn Curzio die Nachrichten einschaltet, brüllt er immer laut "CNN breaking news". Dann steht er vorm Fernseher, fuchtelt wild mit den Armen und ruft „okay, okay“. Er sagt, er muß Englisch üben.
Seit wir über das entsetzliche Sprachchaos, das wir anfänglich verbreiteten, beide drohten die Kenntnis unserer Muttersprache zu verlieren, haben wir einen strengen Plan: montags, mittwochs und freitags Italienisch und dienstags, donnerstags und sonnabends Deutsch. Was wir mit dem Sonntag machen wissen wir noch nicht so genau. Wir haben erst einen zusammen erlebt, und da waren Jenny und Rodrigo zu Besuch, und sind mit uns durch den Central Park gehetzt, als würden die Russen kommen oder als müßten sie zur Arbeit. Jenny mußte sich alle fünf Minuten hinsetzen, weil sie nicht mehr konnte. Langsamer gehen wollte sie aber auch nicht: "Oh nooo, that way I won't burn any fat..." Für mich hat das vor allem zur Folge, daß Curzio jetzt immer "fat burn, fat burn" ruft, wenn er spazieren geht.
Übrigens wohnen Curzio und ich in Hell's Kitchen, haben wir herausgefunden. Kennt einer diesen Film mit den vier Jugendlichen, die irgendein Bagatell-Delikt begehen und dafür ins Jugendgefängnis kommen, wo sie jahrelang sexuell missbraucht werden - Robert de Niro (Robert de Niro?) spielt den Priester? Das ist bei uns.
Ich bin inzwischen dick befreundet mit dem albanischen Türsteher eines italienischen Restaurants in unserer Strasse. Er hat lange Zeit in Düsseldorf gearbeitet, und seit er weiß, daß ich Deutsche bin, wedelt er immer aufgeregt mit seinen deutschen Fußballmagazinen ("Otto Rehhagel - Pro und Kontra") , die er gerne liest, wenn gerade nicht so viel Kundenverkehr ist. Er wohnt in den Bronx und fühlt sich da sehr wohl. Hell’s Kitchen findet er überteuert. Da ist allerdings etwas dran...
New York ist ein Dorf
Email vom 11. Oktober 2000:
Inzwischen hat es hier einen mächtigen Temperatursturz gegeben. Mit Fahrenheit kenne ich mich nicht so recht aus, aber ich tippe Temperaturen nahe null Grad Celsius. Letzte Woche bin ich noch im T-Shirt herumgelaufen. An der NYU wird noch nicht geheizt, dafür kann man in unserer Wohnung die Heizung nicht herunterschalten. Nd. und Ayda springen den ganzen Tag um mich herum und haben Angst, daß ich krank werde, nötigen mir die einzigen elektrischen Heizkörper des Instituts auf etc. etc. Genaugenommen ist Nd. selbst schon erkältet. Hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen von seinem Krankenlager aus im Büro anzurufen, um sich nach MEINEM Wohlbefinden zu erkundigen.
Wenn Ayda (unsere armenisch-türkische Sekretärin) gerade mal nicht mit einem Heizkörper hinter mir herläuft, zieht sie kämpferische Parolen skandierend durch New York. Zunächst dachte ich, dass sie sich NUR für das Recht der Studenten einsetzt, Gewerkschaften zu bilden - offenbar wehrt sich die NYU mit Händen, Füßen und teuersten Anwälten dagegen. Inzwischen habe ich mitbekommen, daß sie auch für Palästinenser und dergleichen auf die Strasse geht. Wenn Nd. sie ins Wochenende verabschiedet, trägt er ihr immer noch auf, sich zu melden, wenn sie verhaftet wird. Übermorgen gehen Ayda und ich afghanisch essen. Nd. soll das Restaurant empfehlen, denn der ist ja Afghane.
Wer sagt, daß man nur in Freiburg Leute trifft, die man nicht treffen will? Den ganzen Sonntag über habe ich mich bei herrlichstem Sonnenschein im Central-Park über das Schnippchen gefreut, das Sybille und ich am Vorabend so einem Händler von der Warenbörse geschlagen hatten, der uns im Eastvillage aufgegabelt hat: Erst die ganze Nacht von In-Kneipe zu In-Kneipe führen lassen - mächtig Spaß gehabt- und am Ende die Telefonnummer nicht herausrücken. Hat zwar gestimmt, daß ich sie nicht erinnern konnte, aber geglaubt hat der das nicht.
Und was passiert, als ich am nächsten Tag behende zum Pier 16 am East-River zum Open-Air-Tango eile, um Corinna nicht länger zu enttäuschen? Sobald ich aus der U-Bahn steige, stolpere ich über den Händler, der sich hocherfreut zeigt, auf einen Drink mit Blick auf Sonnenuntergang über Brooklyn besteht und darauf, beim Tango zugucken zu dürfen. Habt Ihr dafür noch Töne? Damit aber nicht genug, er hat mich auch noch in der gesamten New Yorker Tangoszene unmöglich gemacht, indem ER einen Mann für mich aufgefordert hat (kolumbianische Eltern, ihr wißt schon...). Mein verdutzter Tanzpartner - will sagen, so verdutzt wie ich - hatte gerade noch die Kraft mich sichtlich gequält zu fragen, ob ich meinen "husband into tango" kriegen wollte. Der Händler hat hinterher versucht mich mit Bier und Bratwürstchen im "Hallo Berlin" (echte Zille-Litographien an den Wänden) wieder milde zu stimmen.
Eine noch weniger gute Figur machte ich vergangenen Mittwoch, als ich mich nach der Arbeit von einem Kamerateam von Channel 66 zu einem Witz habe nötigen ließ. Vor lauter Schreck fiel mir nur ein schmutziger Witz ein ("warum können Frauen nicht einparken.."). Die Amerikaner hatten nichts davon, weil sie sich mit dem metrischen System nicht auskennen ("...weil Männer immer sagen, daß das 30 cm sind..."), und ich hatte nichts davon, weil mir danach einfiel, daß das eine oder andere Mitglied des economics departments vielleicht doch etwas davon versteht UND einen Fernseher zu Hause hat. Wenn Nad. es gesehen hat, hat er sich jedenfalls nichts anmerken lassen.
Ansonsten forsche ich wie ein Stier und versuche bibtex in mein Leben einzufuehren. Davon kann die eine oder andere von Euch bereits ein Lied singen. Heute abend versuche ich es noch einmal mit Tango. So klein Manhattan ist, dieser verfluchte Händler kann ja schließlich nicht überall sein...
Inzwischen hat es hier einen mächtigen Temperatursturz gegeben. Mit Fahrenheit kenne ich mich nicht so recht aus, aber ich tippe Temperaturen nahe null Grad Celsius. Letzte Woche bin ich noch im T-Shirt herumgelaufen. An der NYU wird noch nicht geheizt, dafür kann man in unserer Wohnung die Heizung nicht herunterschalten. Nd. und Ayda springen den ganzen Tag um mich herum und haben Angst, daß ich krank werde, nötigen mir die einzigen elektrischen Heizkörper des Instituts auf etc. etc. Genaugenommen ist Nd. selbst schon erkältet. Hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen von seinem Krankenlager aus im Büro anzurufen, um sich nach MEINEM Wohlbefinden zu erkundigen.
Wenn Ayda (unsere armenisch-türkische Sekretärin) gerade mal nicht mit einem Heizkörper hinter mir herläuft, zieht sie kämpferische Parolen skandierend durch New York. Zunächst dachte ich, dass sie sich NUR für das Recht der Studenten einsetzt, Gewerkschaften zu bilden - offenbar wehrt sich die NYU mit Händen, Füßen und teuersten Anwälten dagegen. Inzwischen habe ich mitbekommen, daß sie auch für Palästinenser und dergleichen auf die Strasse geht. Wenn Nd. sie ins Wochenende verabschiedet, trägt er ihr immer noch auf, sich zu melden, wenn sie verhaftet wird. Übermorgen gehen Ayda und ich afghanisch essen. Nd. soll das Restaurant empfehlen, denn der ist ja Afghane.
Wer sagt, daß man nur in Freiburg Leute trifft, die man nicht treffen will? Den ganzen Sonntag über habe ich mich bei herrlichstem Sonnenschein im Central-Park über das Schnippchen gefreut, das Sybille und ich am Vorabend so einem Händler von der Warenbörse geschlagen hatten, der uns im Eastvillage aufgegabelt hat: Erst die ganze Nacht von In-Kneipe zu In-Kneipe führen lassen - mächtig Spaß gehabt- und am Ende die Telefonnummer nicht herausrücken. Hat zwar gestimmt, daß ich sie nicht erinnern konnte, aber geglaubt hat der das nicht.
Und was passiert, als ich am nächsten Tag behende zum Pier 16 am East-River zum Open-Air-Tango eile, um Corinna nicht länger zu enttäuschen? Sobald ich aus der U-Bahn steige, stolpere ich über den Händler, der sich hocherfreut zeigt, auf einen Drink mit Blick auf Sonnenuntergang über Brooklyn besteht und darauf, beim Tango zugucken zu dürfen. Habt Ihr dafür noch Töne? Damit aber nicht genug, er hat mich auch noch in der gesamten New Yorker Tangoszene unmöglich gemacht, indem ER einen Mann für mich aufgefordert hat (kolumbianische Eltern, ihr wißt schon...). Mein verdutzter Tanzpartner - will sagen, so verdutzt wie ich - hatte gerade noch die Kraft mich sichtlich gequält zu fragen, ob ich meinen "husband into tango" kriegen wollte. Der Händler hat hinterher versucht mich mit Bier und Bratwürstchen im "Hallo Berlin" (echte Zille-Litographien an den Wänden) wieder milde zu stimmen.
Eine noch weniger gute Figur machte ich vergangenen Mittwoch, als ich mich nach der Arbeit von einem Kamerateam von Channel 66 zu einem Witz habe nötigen ließ. Vor lauter Schreck fiel mir nur ein schmutziger Witz ein ("warum können Frauen nicht einparken.."). Die Amerikaner hatten nichts davon, weil sie sich mit dem metrischen System nicht auskennen ("...weil Männer immer sagen, daß das 30 cm sind..."), und ich hatte nichts davon, weil mir danach einfiel, daß das eine oder andere Mitglied des economics departments vielleicht doch etwas davon versteht UND einen Fernseher zu Hause hat. Wenn Nad. es gesehen hat, hat er sich jedenfalls nichts anmerken lassen.
Ansonsten forsche ich wie ein Stier und versuche bibtex in mein Leben einzufuehren. Davon kann die eine oder andere von Euch bereits ein Lied singen. Heute abend versuche ich es noch einmal mit Tango. So klein Manhattan ist, dieser verfluchte Händler kann ja schließlich nicht überall sein...
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