<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169</id><updated>2012-01-23T09:21:56.120+01:00</updated><category term='Klinsmann'/><category term='deutsche und Anglo-Blogger'/><category term='change car for subway; mobile phone debt; Berlin; New York; Paris'/><category term='Berliner Charme; Berliner Trunkenbolde'/><category term='Webiquette'/><category term='Kafka; French-German Bureaucracy'/><title type='text'>Spreeräubers Erzählungen</title><subtitle type='html'>Abenteuer von der Spree und von Wildereien in fremden Gewässern</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>69</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1416220132298112612</id><published>2010-10-04T22:24:00.001+02:00</published><updated>2010-10-04T22:26:19.849+02:00</updated><title type='text'>Perpignan, die Katalonin</title><content type='html'>Heute Nachmittag wollen wir uns Perpignan ansehen, die einstmals stolze Haupstadt von Nordkatalonien. Katalonien ist eine von mehreren Grenzregionen, deren spanischer Teil   um Unabhängigkeit und deren französischer Teil um Aufmerksamkeit vom Rest des Landes kämpft. Der Schatz hält den spanischen Separatismus – wie alle anderen Separatismen auch - für nichts als Wohlstandschauvinismus. Die wollen den ärmeren Regionen des Landes einfach nichts abgeben genau wie die Norditaliener und die Flamen, saugt er und schnaubt dabei wütend  durch seine sozialistischen Nüstern. Ich will das nicht auschließen aber immerhin geben sich die Spanier Mühe, ihre materialistischen Ziele mit lokaler Folklore zu verbrämen:Volkstänze, lokale Köstlichkeiten, Regionalsprachen, von denen entweder niemand weiß, woher sie kommen, oder die kaum als bessere Dialekte taugen, und Bombenlegen. Die französische Seite dieser Regionen gehört in der Regel zu den Armenhäusern des Landes und hat kein Interesse daran, sich in die Freiheit zu tanzen oder gar zu bomben. Sie setzt ihre Folklore in den Sommermonaten ein in der Hoffnung Touristen aus anderen Teilen Frankreichs ein bisschen mehr Geld aus der Tasche zu locken. Der französische Finanzausgleich besteht bekanntlich daran, alles Geld – ähnlich wie allen Frischfisch und alle Züge – nach oder zumindest über Paris zu schicken. Rückflüsse können die Regionen nur mit Geschäftstüchtigkeit oder List erwirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg zum Zug geraten wir auf dem staubigen Dorfplatz, wo sonntags Markt gehalten wird, in eine Tanzveranstaltung. Sie soll den Stadtbewohnern Gelegenheit bieten, zusammen mit den Touristen ihre Katalanität zu feiern. Rätselhaft erscheint mir, warum dabei zum Donauwalzer aufgespielt wird. Der Schatz erklärt das damit, dass die Habsburger einst in Katalonien regiert hätten. Er kümmert sich nicht um meinen Einwand, dass das deutlich vor Johann Strauss' Zeiten war, und fordert mich statt dessen ohne weitere Umschweife wie beiläufig zum Tanz auf. Gerade so als wenn er damit nicht einen Bann bräche, der seit Jahren auf unseren Reisen lastet: In Jalta verpassten wir es am Ufer des Schwarzen Meeres zu den Klängen einer Kurkapelle zu tanzen. In Chile trauten wir es uns nicht zu, am Nationalfeiertag die Cueca-Schritte der Einheimischen nachzuahmen. Auf einer Milonga in Buenos Aires kamen wir uns nach nicht mehr als einer kläglichen Einführungsstunde in einer Berliner Schwulentanzschule zu amateurhaft vor, um uns unter die Tangoprofis zu mischen und selbst beim jährlichen Sommerfest von Paris Plage verpassten wir es, am Seineufer inmitten einer gut gelaunten Menge aus allen Altersklassen Rock' n Roll zu tanzen. Hier aber an der französischen Mittelmeerküste drehen wir uns schneller und geschickter als alle einheimischen Senioren. Danach erreichen wir knapp, aber beschwingt von unserem Mut den Zug nach Perpignan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bahnhofsstraße von Perpignan ist ein wahres Aushängeschild für die Stadt. Hier liefern sich Kebabverkäufer erbitterte Preiskriege und zahnlose Bettler strecken uns ihre tiefbraunen Arme entgegen, während sie etwas von einem Euro lallen. Eine Romamutter plaudert mit einer Gruppe finster dreinblickender Männer und schiebt dabei einen Kinderwagen hin und her, in dem eine ausschließlich mit verdreckter Windel bekleidete Vierjährige sitzt und an ihrem Schnuller nuckelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bahnhofsviertel sind seltend anziehend sagen wir uns und machen uns schleunigst auf den Weg zum Tourismusbüro, das uns reichhaltig mit Informationsmaterial über die laufende Fotojournalismusausstellung ausstattet, die  Fachleute aus aller Welt anlockt. Die bieten mit ihren Akkreditierungsschildern um den Hals und ihrer sorgfältig ausgesuchten Garderobe einen bemerkenswerten Kontrast zu der verarmten Bevölkerung der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;48 Stunden Neukölln ist nichts dagegen. Das ist die Veranstaltung, bei der sich pensionierte 68er-Lehrer aus Charlottenburg und Bundesbeamte mittleren Alters aus dem Prenzlauer Berg einmal im Jahr in den Kiez wagen, den Berliner aus mehr als 160 Nationen ihre Heimat nennen, wie der Bezirksbürgermeister nicht müde wird zu betonen. Die pensionierten und noch aktiven Beamten vergraben ihr Gesicht tief im Programmheft, um bizarre, moderne Kunstwerke in Kiezkneipen, an Straßenecken und in leer stehenden ehemaligen Postämtern aufzuspüren, die ortsansässige Künstler kreiert haben, ohne dass es ihnen dabei gelungen wäre, ihren Nachbarn einen Sinn dafür zu vermitteln. Sexy gekleidete Mädchen mit Schleier begegnen den Vogelstimmeninstallationen am Straßenrand mit einigem Unverständnis. Auch die Flashmob-artigen Performances von nur mit Lidltüten bekleideten Künstlern rufen eher Kopfschütteln bei den Ortsansässigen hervor. Die amüsieren sich lieber damit, Kunstliebhaber aus anderen Teilen der Stadt zu erschrecken, indem sie den Freigänger mimen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ Ey Alter isch muss jetzt auflegen. Isch muss um sechs wieder in Knast sein.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kontraste von Perpignan spotten dieser Idylle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsam mit vereinzelten Akkreditierungsschilderjournalisten verlieren wir uns im Quartier St. Jacques, dem einstigen Judenghetto, das sich heute die Roma mit Maghrebinern teilen. Wenn das, was sich hier abspielt, ein Schauspiel sein soll, um Fotojournalisten zu erschrecken, dann haben die Roma von Perpignan den Büchnerpreis verdient. Ihre Häuser sind Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert mit gußeisernenen Balkonen. Sehr pittoresk für den außen stehenden Betrachter, doch die letzte Renovierung fand mit Sicherheit vor dem letzten Weltkrieg statt. Ein Mädchen im Grundschulalter läuft nur mit Unterhose bekleidet und mit Schnuller im Mund auf der Straße herum, während die Erwachsenen auf Stühlen und Bänken am Straßenrand sitzen und gleichgültig die Szenerie betrachten. Der Schnuller scheint ihr das unvermeidliche Accessoire aller unbekleideten Kinder unter zehn zu sein. Derweil machen Zehnjährige mit frisierten Mopeds auf Fußgänger Jagd. Ich überlege, ob sie die von dem konservativen Bürgermeister haben, dem vorgeworfen wird, die Stimmen der Roma mit Kühlschränken und Mopeds gekauft zu haben, während ich hilflos versuche, die Straßenkarte mit dem Straßenbild in Einklang zu bringen. Ein hoffnungsloses Unterfangen: Zwar haben alle Straßen gleich zwei Namen, einen französischen und einen katalanischen, aber von denen stimmt keiner mit denen auf der Karte überein. Als die Verwirrung perfekt ist, springt ein etwa fünfjähriger Junge, der frühzeitig seine Milchzähne verloren hat, hinter einem Auto hervor, hält uns eine Zigarette entgegen und verlangt nach Feuer. Hinter ihm stimmt ein tief dunkler Roma mit stattlichem Bauch ein dröhnendes Gelächter an. Der Schatz spricht von Kreisen, die sich immer enger um uns schließen und verlangt,das Viertel zu verlassen. Auf dem Weg kommen wir an einem sozialen Wohnungsbau vorbei, in dessen Hof sich knietief der Müll stapelt. Vor der Kirche steht ein Polizist, auf der Bank gegenüber rauchen Zehnjährige.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dank der Vernachläsigung des Quartier St. Jacques reichte das Geld für eine üppige Begrünung und sorgfältige Renovierung des Klosters, wo die Hauptausstellung stattfindet. Vor dem Gebäude wartet eine Menschentraube auf Einlass: Junge Kunsthungrige ausgestattet mit den Sonnenbrillen der Saison, die ortsansässige Bourgeoisie – er in Anzug mit Krawatte, sie im Seidenkleid – und teils verlotterte, teils exzentrische Fotojournalisten. Ein weißhaariger Mitsechziger im grauen Dreiteiler und mit Strohhut ruft laute Klagen über die Launen der Journalisten in sein Mobiltelefon, die nicht zufrieden zu stellen seien. Wir sind uns einig, dass wir nach unseren Erlebnissen von St. Jacques nicht mehr die Nerven haben, um uns inmitten einer solchen Mengen an Fotos von obdachlosen Familien und Polizeieinsätzen in New Yorks heißesten Vierteln vorbei zu drängen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg zur Kathedrale geraten wir dann doch noch in eine Ausstellung, die zehn Jahre Afghanistan dokumentiert. Nicht, dass die Bilder nicht bekannt wären: Spielende Kinder in den Trümmern von Kabul, finstere Warlords in Militärfahrzeugen, die sie wer weiß wo herbekommen haben, und Burkafrauen auf dem Weg zu schwer zu identifizierenden Besorgungen in öden Tälern, wo vor vierzig Jahren Obst wuchs, mit dem  Afghanistan ganz Zentralasien versorgte. Im Moment fällt es mir noch schwerer als sonst zu glauben, dass die Obstgärten der Paschtunen einmal wieder blühen, die Gebäude von Kabul wieder stehen und die Frauen außerhalb der Hauptstadt das Alphabet lernen werden. Ebenso habe ich Schwierigkeiten, mir für Perpignans Zukunft eine neue Blüte von Industrie und Handel vorzustellen, die französische und spanische Herrscher einmal wieder dazu brächte, sich um die Vorherrschaft in der Stadt zu schlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem wir in einer Kirche zu absoluter Ruhe angehalten und in einem Museum mit Hinweis auf Renovierungsarbeiten abgewiesen worden sind, beschließen lassen wir uns erschöpft in einem Café nieder. Diesmal fahren die helmlosen Zehnjährigen mit ihren frisierten Mopeds vom Bürgermeister so schnell sie können gegen Fahrtrichtung in die Einbahnstraße. Hier haben die kleinen Mädchen sogar Hosen an. Eine besonders hübsche Neunjährige hat sich zum Spielen auf der Straße gar als Zigeunerprinzessin verkleidet. Oder will sie eher eine orientalische Bauchtänzerin sein, die einen Kalifen vor dem Schlafen gehen betören soll? Ihr Lidstrich ist so kunstvoll geschwungen wie er mir auch nach zwanzig Jahren Übung nie gelingen würde. Die dunklen Samthaare sind raffiniert mit aufwändig verzierten Spangen aus nachgeahmtem Silber hoch gesteckt. Üppiger Modeschmuck ziert ihren Ausschnitt, auch wenn darunter noch keine Wölbung zu erkennen ist. Ihr bauchfreier Zweiteiler besteht im Wesentlichen aus zarten schwarzen Fransen, mit denen ihre Freundin gerne spielt. Die beiden lungern auf den Pollern am Straßenrand herum, kichern zusammen mit einem kleinen Mädchen im Jeanskleid, das als einzige wie ein Kind aussieht, und spielen mit einer Wasserpunpe herum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus der gegenüberliegenden Gasse kommt ein älteres, blasses Mädchen mit einem Katzenbaby auf dem Arm angelaufen. Ein Siebenjähriger mit gekonnt gegelten Haaren trägt ihr den dazugehörigen Transportkorb hinterher, was ihn nicht davon abhält, sich wie der König der Straßenkinder zu gebärden. Nachdem sich alle Kinder um die Katze versammelt haben, stürzen sich laut bellend die kalbsgroßen Hunde eines Penners auf die kleine Truppe, die sich nicht so recht zwischen Jauchzen und Angstschreien entscheiden kann. Der Penner hat offensichtliche Mühe, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Derweil hat sich eine 1,90 Meter große Deutsche mit ihrem zerzausten Begleiter am Nachbartisch niedergelassen. Ihre Sonnenbrille hält überflüssigerweise den blonden Kurzhaarschnitt zurück, während sie mit einer breitrandigen, roten Designerbrille die Speisekarte studiert. Sie ist Fotojournalistin bei Stern oder Spiegel, befindet der Schatz. Der verlotterte Begleiter ist das eigentliche Frontschwein ist, das in den Kriegsgebieten dieser Erde durch schlammige Minenfelder robbt, in dem Versuch, den diesjährigen Fotojournalistenpreis zu gewinnen. Die Blonde sitzt derweil in einem warmen Redaktionshaus in Hamburg am Computer und sucht die Bilder aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während der Schatz die zu unseren Tischnachbarn passende Lebensgeschichte erfindet, schreit das Mädchens im Jeanskleid nach seiner Mama, weil es seinen Puppenwagen unter der Wasserpumpe sauber machen will. Auf die Bühne tritt eine blutjunge, dünne Frau mit Ekzemen auf den blassen Wangen, der die Drogensucht buchstäblich ins Gesicht geschrieben ist. Vermutlich hat sie ihren Entzug schon länger hinter sich, meint der Schatz, sonst könnte sie sich nicht so aufmerksam um ihr Kind kümmern. Als die Kleine mit dem Puppenwagen zufrieden ist, macht sich ihre Mutter mit einem schwarzen Bekannten auf den Weg, der rund und gesund aussieht. Er tut ihr bestimmt gut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Derweil versuchen alle Kinder des Viertels schreiend auf das Foto zu kommen, das ein Fotojournalist mit Schlapphut und Profiausrüstung, der offensichtlich nicht abschalten kann, von der Zigeunerprinzessin und ihrer Freundin machen will. So sehr mich der Look der Straßenkinder befremdet, so sehr gefällt es mir, dass sie auf der Straße herum rennen und spielen. Sie sind alle schlank und können wie selbstverständlich sowohl vorwärts als auch rückwärts laufen, was man unseren rundum mit Computer und Spielkonsolen ausgestatteten Mittelklassekindern gleichen Alters inzwischen gesondert beibringen muss. Neulich ging in Niedersachsen durch die Presse, dass an einem etwas heisseren Sommertag mehrere der übergewichtigen Kinder einer Grundschulklasse beim Schulausflug im Vogelpark Walsrode einen Schwächeanfall erlitten. Das würde diesen Rackern hier nicht passieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die 1,90-Frau aus Hamburg beginnt eine aufgeregte Diskussion mit dem Kellner, der inzwischen ihr Gericht gebracht hat. Offenbar bekommt sie in Eppendorf nur Sushi und Fischfilet serviert: Es behagt ihr nicht, dass ihr Fisch einen Kopf besitzt. Der Kellner reagiert ebenso gelassen wie pragmatisch und köpft den Fisch kurzerhand mit ihrem Besteck, das er danach wieder ordentlich auf ihrer Serviette drapiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ Soll ich den mitnehmen?“, fragt er und deutet nachlässig mit seinem Kopf auf den des Fischs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als sie ihm unmissverständlich klar gemacht hat, dass sie sehr darum bitte, nimmt er den Fischkopf mit der Hand von ihrem Teller und transportiert ihn ab. Die Journalistin stellt bei dieser glücklichen Wendung des Dramas unter Beweis, dass sie zwar ete-petete ist, aber nicht zu vornehm für die rustikalen Methoden des Kellners.  Hauptsache der Fischkopf ist weg. Sie muss wohl zugereiste Hamburgerin sein.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Wir machen uns auf den langen Weg zum Bahnhof. Auf meine erneuten Versuche, Straßenbild und Straßenkarte in Einklang zu bringen, reagiert eine freundliche Perpignaiserin damit, dass sie von ihrem Fahrrad absteigt und uns begleitet. Als sie an der nächsten Straßenecke nach links abbiegt, lässt sich der Schatz zurückfallen, steckt seine Nase tief in die vollkommen nutzlose Straßenkarte und behauptet hartnäckig, die junge Frau führe uns auf einen Umweg. Sie versucht ihn mit dem Einwand zu überzeugen, dass sie seit 30 Jahren durch diese Stadt navigiere. Ich habe alle Hände voll damit zu tun, ihm klar zu machen, dass man so nicht auf die Liebenswürdigkeit Einheimischer reagiert. Schließlich trottet er uns geschlagen, wenn auch nur widerwillig hinterher. Magali erklärt uns, dass sie in Perpignan die Sonne, das Meer und die Berge haben, aber keine Arbeit. Zuletzt hat sie als Verkäuferin im Supermarkt gearbeitet, jetzt ist sie arbeitslos. Sie bedauert, dass wir nicht länger bleiben können, denn das Programm der Fotojournalismusausstellung sei eigentlich zu schön, um es sich einfach so entgehen zu lassen. Sie selbst ist auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung. Die Zigeuner, erzählt sie, wohnen seit Jahrhunderten in der Stadt, aber ihre Geschichte ist sehr traurig. Sie hätten sich nie  in das moderne Leben integriert und stürben in Scharen an AIDS oder an Krankheiten, die es in einer reichen Gesellschaft eigentlich nicht mehr geben dürfte. An der Bahnhofsstraße verabschiedet sie sich von uns, nicht ohne sich bei Monsieur zu erkundigen, ob sie sich nun seines Vertrauens sicher sein könne. Sie nimmt uns das Versprechen ab, zur nächsten Fotoausstellung oder im Frühjahr zu den katalanischen Folkloretagen wieder zu kommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Bahnhof hat sich eine bunte Menge versammelt, darunter der Journalistenkenner im grauen Dreiteiler und mit Strohhut und ein orangegewandeter Pilger, der sich wohl auf dem Weg nach Pushkar, dem heiligen See in Rajasthan verlaufen hat. In der Bahnhofskneipe verweigern sie dem Schatz das Würstchen mit Pommes, das groß am Fenster angeschlagen ist. Er ist empört und behauptet, dass so etwas in Deutschland niemals passieren könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ach ja, die Karte“ ruft der Kellner und rudert mit den Armen, wohl als Antwort auf unserem nach langem Warten mehrfach in Zeichensprache vorgetragenen Wunsch nach der Rechnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; „ Nein“, erwidert der Schatz schnippisch, „ dazu ist es jetzt zu spät. Wir haben lange und häufig genug darum gebeten“. Dann geht er, ohne Trinkgeld zu hinterlassen. Ein bisschen deutsches Flair müssen wir hier auch verbreiten, selbst wenn uns klar ist, dass wir an unsere Landsleute nicht heran reichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu hause im Badeort spielt noch um Mitternacht eine katalanische Bigband schmissige Weisen und die Senioren sind nicht bereit, die Künstler gehen zu lassen. Eine Zugabe jagt die andere. Einige besonders feurige Folkloristen halten mit hoch gestreckten Armen einen oder mehrere Tanzpartner an der Hand und tippen erst mit der linken Fußspitze vor dem rechten Fuß auf, dann mit der rechten Fußspitze vor dem linken. Ich frage mich, warum die Spanier so ein Theater um ihren Regionalismus machen. Für meine Augen sieht das aus und klingt auch so wie Sevillanas. Das ist der Tanz, den sie im verarmten Andalusien tanzen, der Region, von der sich die spanischen Katalanen so dringend los sagen wollen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1416220132298112612?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1416220132298112612/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1416220132298112612' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1416220132298112612'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1416220132298112612'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2010/10/perpignan-die-katalonin.html' title='Perpignan, die Katalonin'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2366599392290541404</id><published>2010-09-29T22:50:00.004+02:00</published><updated>2010-09-29T23:31:45.651+02:00</updated><title type='text'>Deutschland am Mittelmeer</title><content type='html'>Unser kleiner Badeort am Mittelmeer ist ganz entzückend. Eine Templerburg ziert den Hafen. Das Städtchen ist umsäumt von den Hängen der Pyrenäen, an denen seit Jahrtausenden der Weinbau blüht. Kunstdrucke von Matisse, die die Stadtverwaltung überall in den verwinkelten Sträßchen aufgestellt hat, sollen daran erinnern, dass dieser Ort einst die Fauvisten inspirierte. Heute verwirklichen sich hier talentlose Gattinnen von Industriemagnaten gemeinsam und andere Abenteurern. Sie stellen mit ihren Galerien sicher, dass das Städtchen in Prospekten und Reiseführern als Künstlerort auftreten kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An unserem Badestrand in windstiller, von milder Septembersonne angenehm erwärmter Bucht herrscht himmlische Ruhe. Zwei, drei Liebespärchen und ein paar Senioren liegen regungslos auf ihrem Handtuch. Wenn jemand die Energie aufbringt, im Wasser ein wenig zu plätschern, verfolgen die am Strand Zurückgebliebenen gebannt jede Bewegung. Neue Wendungen des Bades kommentieren sie verstohlen für den Partner. Selbst die Kinder scheinen lautlos zu spielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann kommt sie: Eine deutsche Großfamilie. Großvater, Großmutter, Vater, Mutter, Tochter und Sohn. Und als wenn das nach vierzig Jahren demographischen Niedergangs nicht schon Sensation genug wäre, haben es sich die sechs offenbar zur Aufgabe gemacht, sich das Territorium zu eigen zu machen und am Mittelmeer öffentlich zu demonstrieren, was Deutschland groß, stark und zuweilen gefährlich gemacht hat: Präzision, Organisationstalent und perfekte Vorbereitung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Truppe trägt Gepäck in einem Volumen mit sich, als wollte sie den Dachgepäckträger für einen mehrwöchigen Besuch bei der Familie in Südostanatolien beladen. Als erstes benutzt sie einen Teil des mitgebrachten Materials, um am ein Mehrgenerationenhaus aufzubauen.  Auf dem Kopf eine Schirmmütze mit Nackenschutz, die auch für Wüstenexpeditionen geeignet wäre, schlägt der Vater assistiert von Großvater und dem adoleszenten Sohn ein Zelt auf, das jedem Sandsturm standhalten könnte. Die Feinjustierung erfolgt auf Basis heftig umstrittener Vorhersagen des weiteren Sonnenverlaufs. Am Ende wirft die Familienmutter ihrem Mann mit weinerlicher Stimme Ungerechtigkeit vor. Er hat ihrem Bedürfnis, wenigstens aus dem Augenwinkel einen Blick auf das Meer zu erhaschen, bei dem Bau in keiner Weise berücksichtigt. Vor den staunenden Augen der umliegenden Badegäste gibt die Familie eine Zugabe und fängt von Neuem an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als das Zelt endlich steht, beginnt das Umkleiden nach deutschen Zeremoniell: Man schlingt ein Badehandtuch um die Hüften, lässt die Unterhose diskret in den Sand gleiten und steigt dann in die Badehose, möglichst ohne dabei das Handtuch zu sehr zu lüften. Trotz größter Sorgfalt bei diesem letzten Schritt stand mein Kollege Christian Schreiber nach dieser Prozedur an einem amerikanischem Badestrand einmal kurz vor der Verhaftung. Aber erstens sind wir hier nicht in Amerika und zweitens haben unsere Helden die Methode längst perfektioniert. Das vermeintliche Badehandtuch ist tatsächlich wie ein Rock geschnitten und mit Gummizug ausgestattet. Kein mühevolles Knüpfen von Knoten über der Hüfte, die sich am Ende doch wieder nur lösen und schwierige Balanceakte erfordern, um die umliegenden Badegäste vor dem ungebetenen Anblick männlicher Blöße zu bewahren. Kein Hochangeln der Badehose mit einer Hand, während die andere verzweifelt die Enden des Badehandtuchs zusammenhält. Statt dessen zieht unser Familienvater seine Umkleidekabine einfach über den Kopf auf die Hüfte, wo sie jetzt sicher sitzt, bis er seine Badehose trägt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Opa arbeitet beim Umziehen etwas weniger erfinderisch, aber ähnlich effektiv mit einem längeren T-Shirt. Als er endlich in seiner Boxershort-Badehose mit dunkel rot-grünem Karomuster da steht, setzt er sich wie zum Triumph eine breitkrempige Räuber-Hotzenplotz-Mütze auf. Die Einladung zum Bade lehnt er vorerst ab. Erst muss er sich noch einschmieren, belehrt er dröhnend den Badestrand. Danach macht er sich gut gelaunt mit Lichtschutzfaktor 45 an die Arbeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frauen legen sich maulend in ihr Zelt. Vater macht sich mit seinem Sohn  auf den Weg. In Badeschuhen versteht sich, denn der Strand ist aus Kies und wer wollte freiwillig diese Schmerzen ertragen. Sie gehen surfen, vermutet der Schatz. Ich tippe eher auf zünftigen Sardellenfang. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem die Männer abmarschiert sind, legt sich der Tumult, und die umliegenden Badegäste lassen ihre Köpfe erschöpft zurück auf das Badehandtuch fallen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für den Schatz und mich wird es Zeit, weiter zu ziehen und nach neuen Abenteuern zu suchen. Ein solches Schauspiel bekommen wir hier nicht wieder geboten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2366599392290541404?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2366599392290541404/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2366599392290541404' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2366599392290541404'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2366599392290541404'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2010/09/deutschland-am-mittelmeer.html' title='Deutschland am Mittelmeer'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3921346232298442421</id><published>2010-09-27T22:24:00.005+02:00</published><updated>2010-09-27T22:34:22.805+02:00</updated><title type='text'>Russkij Berlin</title><content type='html'>Es ist ein herrlicher Sommertag und um möglichst wenig davon zu verpassen, haben wir uns zum Laufen in unserem Park unter das Volk in unserem Kiez gemischt: Wild tobende Kinder mit ihren Eltern, die auch am frühen Sonntagmorgen nicht darauf verzichten wollten, den scheinbar lässigen, tatsächlich bis ins letzte Detail durchdachten Look anzulegen, mit dem sich weltweit das globalisierte Bürgertum reicher Großstädte zu erkennen gibt; Hartz-IV-Empfänger aus den anliegenden Plattenbauten, die sich beim Spaziergang im Park vielleicht von ihrer Arbeit an der Supermarktkasse erholen; für die Großstadt gänzlich ungeeignete Jagdhunde mit ihren immer missmutigen Haltern und ein vereinzelter Trinker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem wir uns so verausgabt haben, brauchen wir Brötchen für das Frühstück auf unserem Sonnenbalkon. Diesmal verraten wir unseren türkische Bäcker mit der warmen Stimme, auf dessen raffiniert geschminkte Töchter ich mich jedes Wochenende freue. Statt dessen gehen wir zu der kleinen, feminineren Bäckerei weiter unten in der Straße.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wäre mit zwei dunklen und zwei hellen Brötchen zufrieden zu stellen, aber der Schatz lässt sich nicht davon abhalten, aus dem Frühstückseinkauf eine Wissenschaft zu machen. Während er sich die Entscheidung zwischen Mürbeteighörnchen, Buttercroissants und Mandelküchlein so schwer wie möglich macht, gehe ich aus dem Geschäft, um mir in der Sonne die Zeit zu vertreiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der kleinen Holzbank vor der Bäckerei sitzt ein Russe, der mit seiner Schiebermütze so aussieht wie eine Mischung aus Wladimir Kaminer und Zillegassenjunge. Er unterhält sich mit einem Freund, der auf einem Fahrrad balanciert, während er sich mit einem Bein auf dem Boden abstützt. Beide trinken Dosenbier. Ich mache ihnen keine Vorwürfe. Was gibt es besseres an so einem schönen Tag als einen kleinen Frühschoppen auf der Winsstraße?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schließe meinen Augen und halte mein Gesicht in die Sonne, um mich unauffällig als Sonnenbadende zu tarnen, während ich in Wirklichkeit meine Ohren spitze und angestrengt versuche, der Konversation zu folgen. Ich lerne seit Jahren mit geringem Erfolg Russisch und mir ist jede Gelegenheit zu üben recht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Russe mit der Schiebermütze fragt mich, ob ich aus dem Kiez komme. Ich versuche mich bei meiner Antwort auf Russisch. Er gibt sich pflichtschuldig beeindruckt. Gleichzeitig zürnt er seinem Schicksal, weil wir uns als unmittelbare Nachbarn noch nie begegnet sind. Die beiden wohnen seit 15 Jahren auf der anderen Seite der Danziger Straße. Dimitroffstraße, korrigiere ich mich in Gedanken. Diesen klangvollen Namen aus DDR-Zeiten ist einer unserer Nachbar nicht bereit aufzugeben. Inzwischen habe ich seine Reflexe so stark verinnerlicht, dass ich auf seine Reaktion gar nicht mehr angewiesen bin. Er ist - wie inzwischen fast alle in unserem Kiez - ein Yuppie aus dem Westen und hat in dem einzigen unrenovierten Haus unserer Straße Wein auf seinem Balkon angepflanzt. Er liebt unser Viertel so sehr, dass er zwischenzeitlich kurz mit dem Gedanken spielte, gemeinsam mit seinen Nachbarn das Haus, in dem er wohnt,  dem offensichtlich finanzschwachen Eigentümer abzukaufen und es eigenhändig zu renovieren. Die Nachbarn gehören einer Gesellschaft an, die kahlköpfig mit langen, bunten Gewändern durch die Stadt wandeln und Liebe und Harmonie predigen. Ihr Anführer erklärte unserem Nachbarn, dass eine himmlische Eingebung im sagte, die Investition würde sich als fruchtbar erweisen und Glück und Harmonie verheißen. Allerdings konnte die Harmoniegesellschaft abgesehen von der himmlischen Eingebung und den damit verknüpften Erfolgsverheißungen kein weiteres Startkapital mehr beisteuern und das Geschäft platze schließlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterdessen zeigte sich der Russe enttäuscht davon, dass ich offensichtlich mit meinem Freund unterwegs sei. Nichts kleidet eine Frau offenbar so gut wie ein Betrachter nach Alkoholgenuss in der Hitze. Meinem Aufzug habe ich solche Komplimente sicher nicht zu verdanken. Ich trage schlecht sitzende Hochwasser-Jogginghosen und ein ausgewaschenes Kaki-Hemd mit einem aufgedruckten Holstentorwapppen und einer Aufschrift in dem Stil von „ Hamburger Deern“ oder dergleichen aus den frühen 2000ern. Damals hielt man es für originell, eine Art Charakterisierung oder Markennamen auf der Brust zu tragen, der die Herkunft, die politische Orientierung, die Durchsetzungsstärke oder die sexuelle Freizügigkeit der Trägerin kennzeichnen sollten. Ich kann mich an „ Zicke“, „Berlinerin“, gelegentlich ein präziseres „ Kreuzbergerin“ , „ CCCP“ und ich meine auch an „ Schlampe“ erinnern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich ließ mich von dem Rausch meines Kavaliers jedoch nicht davon abhalten, mich geschmeichelt zu fühlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ja, du bist zu spät gekommen“, versuchte ich mich in Koketterie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ Es ist nie zu spät, im Leben kann noch viel passieren“ korrigierte mich der Russe mit seinem bärigen Baß, offensichtlich mit sich und der Welt im Reinen. Dann setzten sich sein Freund und  er auf ihre Fahrräder und führen mit ihren Bierdosen in der Hand schlingernd durch das ruhige, sommerliche Berlin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3921346232298442421?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3921346232298442421/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3921346232298442421' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3921346232298442421'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3921346232298442421'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2010/09/russkij-berlin.html' title='Russkij Berlin'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-111054506915013691</id><published>2010-05-01T17:00:00.001+02:00</published><updated>2010-05-01T17:03:22.106+02:00</updated><title type='text'>Die Bettlerin von Belleville</title><content type='html'>In lichten Momenten hat sie Humor. Wenn die Chinesen von Belleville in ihren Gemüseladen oder ihr Restaurant zur Arbeit gehen, wenn die sorgsam gekleideten Büroangestellten auf dem Weg zur Metro sind und junge Araber und Afrikaner sich im Vorbeigehen laut klatschend die Hände reichen, ohne sich dabei in die Augen zu sehen, dann ist für sie die beste Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr Blick ist ausdruckslos, ihre Haut ist fahl und ihre dünnen, glanzlose Haare sind ungekämmt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Hätten Sie eine Münze?“, fragt sie die Passanten mit einer eigentümlichen Sprachmelodie, deren Ton gegen Ende des Satzes immer weiter anzusteigen scheint. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ Ich werde sie doch nicht gleich um einen Schein bitten“, fügt manchmal fast schon ein bisschen kokett hinzu. Dann lächelt sie und entblößt dabei ihre schwärzlichen Zähne. Das sind die guten Tage. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In schlechteren Momenten entgleitet ihr der Humor ihrer kleinen Kombination. Dann bittet sie die Passanten tonlos und ohne weitere Umschweife um einen Schein, manchmal auch ganz ohne vorher ein wenig bescheidener Münzen ins Spiel gebracht zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie ist der beste Beweis, dass eine Frau immer eine Frau bleibt. Wie hat sie mich aus meinen Tagträumen aufgeschreckt, als sie zum ersten Mal vor mir stand und mit der gleichen Geste wie ich gedankenverloren in den Haaren drehte. Die Bettlerin von Belleville mit den wirr abstehenden Haaren und dem ausdruckslosen Gesicht, mein Spiegelbild. Ich blieb sofort stehen und zückte mein Portemonnaie. Seither habe ich es nie mehr geschafft, einfach an ihr vorbei zu gehen, so groß die Eile auch manchmal war. Und dass bei den vielen Bettlern, die man jeden Tag in Paris ignoriert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein andermal bat sie mich um Zigaretten. Als ich erwiderte, dass ich nicht rauche, fasste sie sich erschrocken ins Gesicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Sieht man stark, dass ich rauche?“, fragte sie offensichtlich bestürzt. Auch bei Frauen, die nicht mehr die Kraft oder die Gelegenheit haben, sich morgens zu kämmen, stirbt die Eitelkeit nie ganz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Familie sucht Ärzte aus, die sie krank machen, hat sie mir erzählt. Ihre Mutter will sie verhexen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich frage mich, ob sie eine Wohnung hat, und ob jemals jemand mit ihr spricht außer den flüchtigen Passanten auf der rue de Belleville, die sich ein paar Sekunden Zeit für sie nehmen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-111054506915013691?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/111054506915013691/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=111054506915013691' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/111054506915013691'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/111054506915013691'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2010/05/die-bettlerin-von-belleville.html' title='Die Bettlerin von Belleville'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-636147259241256567</id><published>2010-03-02T23:23:00.004+01:00</published><updated>2010-03-02T23:39:30.853+01:00</updated><title type='text'>Der sauberste Sportplatz der Welt</title><content type='html'>Hinter unserer Siedlung liegt der sauberste Sportplatz der Stadt. Jeden Morgen, wenn ich das Gässchen zwischen den windschiefen Häuschen mit den winzigen Vorgärten hinunter laufe, ist er da: Der Mann von der Pariser Stadtreinigung. Es scheint, als bediente er jeden Tag ein anderes rätselhaftes Gerät, das mal einer Walze, mal einem kleinen Staubsauger gleicht, und offenbar der Pflege des Sportplatzes dienen soll. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hat einen untrüglichen Sinn dafür, wann ich vorbei komme. Ganz gleich, an welchem entlegenen Ende des Sportplatzes er unterwegs ist und wie sehr er ihn seine Geräte beschäftigen, hört er mich, dann dreht er sich um und streckt seinen Arm in die Höhe, als ob er seinen hochgewachsenen Körper noch besser zur Geltung bringen wollte. Dann schallt sein Ruf über den ganzen Platz und wie mir scheint auch die Wände der angrenzenden Hochhäuser hinauf. Denn windschiefe Häuschen gibt es bei uns nur etwa fünf an der Zahl. Der Rest ist zwanzigstöckig und in dem schmucklosen beige gehalten, das die hiesigen Stadtväter dem sozialen Wohnungsbau zugedacht haben. Hier sehen greise Flüchtlinge aus dem Kosovo in garagenartigen Behausungen bei offener Haustür fern und die Söhne der Einwanderer aus Nord- und Westafrika lungern auf der Straße herum, um sich die Zeit mit Imponiergehabe aller Art zu vertreiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Hello“, ruft der Mann von der Stadtreinigung und reckt den Arm jedes Mal ein wenig höher, wenn er mich sieht. Anscheinend sieht man auch aus 100 Meter Entfernung, dass ich Ausländerin bin. „Bonjour“, rufe ich dann zurück, um wenigstens einen Punkt daraus zu machen, dass ich eine gut integriert bin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Verlauf der Wochen, kamen wir uns immer näher. Mal lobte der Stadtreinigungsmann meinen Rock, mal fragte er überflüssigerweise, ob ich zur Arbeit ginge. Beim nächsten Mal wollte er wissen, womit ich mein Geld verdiene. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ Aha, Finanzen“, fasste er meine umständlichen Erklärungen trocken zusammen. Nein, eher Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, versuchte ich, um mich attraktiver zu machen. Auch das stimmt zwar nur näherungsweise, aber in unserem Viertel mit seiner tiefen Kluft zwischen Arm und Reich wollte ich nicht als skrupellose Bankerin da stehen, die kene Scheu hat mit ihrer grenzenlosen Gier einfachen, aber ehrlichen Menschen jede Existenzgrundlage restlos zu zerstören, obwohl die auch schon vorher nicht wussten, wie sie es bis zum Ende des Monates schaffen sollten.  Unsere Siedlung ist von den umliegenden Gebäuden hermetisch abgeriegelt und mit verschiedenen Codes und Gegensprechanlagen gegen alle kriminellen Elemente aus dem Viertel abgesichert wie in einem Roman von Nadine Gordimer. Aber manchmal muss ich eben doch auf die Straße und da will ich nicht als attraktive Beute für Entführer auftreten. Dafür muss man wissen, dass mehr als 50% der Franzosen Managerentführungen im Kampf gegen die Globalisierung befürworten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann von der Stadtreinigung war von meinen Erklärungen wenig beeindruckt. Er schien weder Finanzen noch die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für produktive Tätigkeiten zu halten und bot mir statt dessen die Gelegenheit, ein Praktikum bei ihm zu beginnen. Meinen Hinweis, dass das Reinigungsgewerbe nicht im strengen Sinne meiner Spezialisierung entspräche, ließ er nicht gelten. „ ça s'apprend“, ermunterte er mich. Das kann man alles lernen. Zqhrscheinlich damit ich ihm das auch glaube, teilt er mir seit neuestem kleinere, leichtere Aufgaben zu. Neulich drückte er mir eine mit Laub gefüllte Mülltonne in die Hand. Die könne ich doch auf dem Weg nach unten mitnehmen und an den Straßenrand stellen, meinte er. Als ich dann einen rasanten Schlingerkurs einschlug, schien er sein Personalmanagement plötzlich doch zu bereuen, fuchtelte wild mit den Armen und brüllte „attention, attention“ bis er auch den letzten Rentner in den windschiefen Häusern aus dem Schlaf geschreckt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich kam er mir abends auf dem Gässchen in einen eleganten blauen Mantel gehüllt und einer Art Panamahut auf dem Kopf entgegen und erzählte mir von einer mysteriösen Sportart, die er gerade auf dem Platz ausgeübt hatte. Wenigstens einer, der von seinen Reinigungsarbeiten profitiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Männer aus dem sozialen Wohnungsbau gilt das jedenfalls nicht. Als sie letztes Jahr an einem schönen Sonnabendnachmittag im Sommer ein kleines Turnier austrugen und dabei gelegentlich nach einem Mannschaftskameraden riefen, der einen Pass erhalten sollte, oder ein wenig jubelten, kam die Rache der Anlieger schnell und sie war fürchterlich. Noch am gleichen Wochende sammelte eine Nachbarin mit gräulicher Gesichtsfarbe und verkniffenen Lippen auf der Straße Unterschriften für einen Gemeinschaftsbrief an den Bürgermeister, der dem ungezügelten Treiben ein Ende setzen sollte. Es half nicht, dass ich ihr meine Unterschrift verweigerte. Seither habe ich keinen Fußballlärm mehr gehört.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offenbar macht ein Häuschen mit Vorgarten, so selten es in dieser Stadt auch ist, noch lange nicht glücklich. Nicht einmal zufrieden. Aber das ist für meine Nachbarn, die gerne einmal im Monat ihren Sozialwohnungen entflohen wäre, um sich auf dem saubersten Sportplatz der Stadt auszutoben, sicher nur ein schwacher Trost.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-636147259241256567?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/636147259241256567/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=636147259241256567' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/636147259241256567'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/636147259241256567'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2010/03/der-sauberste-sportplatz-der-stadt.html' title='Der sauberste Sportplatz der Welt'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6628391101816636957</id><published>2009-07-20T22:57:00.003+02:00</published><updated>2009-11-07T10:47:39.056+01:00</updated><title type='text'>Mein hübscher Ritter von der traurigen Gestalt</title><content type='html'>Den einzigen Regenschirm, den ich je wirklich besessen habe, schenkte mir ein Obdachloser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war Winter und ich fuhr mit einem der letzten Züge in der Ringbahn nach Hause. Ein Mann ging durch die Reihen und versuchte die Obdachlosenzeitung zu verkaufen. Er hatte dunkle Locken. Er sah sanft aus und hübsch. Ich kaufte ihm in Exemplar ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Kann er denn nicht von Hartz IV leben?“, fragte neben mir eine pummelige Blondine, „ das gibt es doch für jeden?“ Es klang nicht einmal gehässig, eher nach ehrlichen Interesse. Ich frage mich immer, wie man sich wohl fühlt, wenn man seinen Namen für  eine Sozialleistungskürzung hergeben musste, die jeder hasst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die können nicht, die sind am Boden“, versuchte ich Verständnis für die Situation von Obdachlosenzeitungen bei der pummeligen Frau neben mir zu wecken, „krank oder Drogenprobleme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir blieb keine Zeit mehr zu überprüfen, ob ich sie damit überzeugen konnte. Ich war an meiner Haltestelle angekommen und musste aussteigen. Erst als ich auf dem Bahnsteig stand, bemerkte ich, dass der junge Zeitungsverkäufer mit mir ausgestiegen war. Er trat wütend gegen die Tür des abfahrenden Zuges.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ihr versteht einfach gar nichts!“, brüllte er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann wandelte er sich schlagartig vom tobenden Obdachlosenzeitungsverkäufer zum vollendeten Gentleman. Es regnete und er bot mir seinen Schirm an. Ich winkte entsetzt ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ein Mann kann eine Frau einfach nicht im Regen stehen sehen“, behauptete er. Nachdem wir beide weiter ein bisschen auf unserem jeweiligen Standpunkt beharrt hatten und darum herum getanzt waren, nahm ich den Schirm schließlich an. Eine Frau kann einfach keine Ritterlichkeit ausschlagen, die von Herzen kommt, ganz gleich in welcher Verfassung der Ritter daher kommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg aus dem Bahnhof schilderte mir mein Ritter seine Verfassung. Er erzählte vom Tod seiner Frau und wie er dadurch unter die Räder gekommen war: Alkohol, Drogen, keine Arbeit mehr, kein zu Hause. Seine Schwiegereltern kümmerten sich um sein Kind. Er hoffte, bald wieder auf die Beine zu kommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch als sich unsere Wege trennten, wollte er seinen Schirm nicht wieder annehmen. Ich wünschte ihm Glück. Er lud mich ein, einmal in das Obdachlosencafé bei mir um die Ecke zu kommen, wo er manchmal übernachtete.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich nie dahin getraut. Wie konnte ich wissen, ob ich ihn dort treffen würde? Und die anderen Gäste würden mich bestimmt nicht da haben wollen. Ich, die ich schön im Warmen wohne, mit einem Dach überm Kopf und einer Familie darunter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schirm ist schon lange kaputt, aber wegwerfen konnte ich ihn nicht. Immer, wenn ich ihn sehe, muß ich an den Ritter denken, der ihn mir überließ. Ein bisschen schlechtes Gewissen bekomme ich davon, und ein bisschen empfinde ich Zärtlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hoffentlich hat er inzwischen ein Dach über dem Kopf, vielleicht ja sogar zusammen mit seinem Sohn.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6628391101816636957?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6628391101816636957/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6628391101816636957' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6628391101816636957'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6628391101816636957'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2009/07/mein-hubscher-ritter-von-der-traurigen.html' title='Mein hübscher Ritter von der traurigen Gestalt'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5712567596296359677</id><published>2009-03-07T17:57:00.003+01:00</published><updated>2009-03-07T18:11:48.339+01:00</updated><title type='text'>Hundstage</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus Paris, Herbst 2003&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schon wieder habe ich etliche Monate lang nicht über den Stand der Dinge an der Seine berichtet. Zumindest für den Sommer kann ich zu meiner teilweisen Entlastung anführen, dass unsere „canicule“, zu deutsch „Hundstage“, nicht nur rund 11 000 ältere Pariser dahinraffte, was Mitarbeiter von Bestattungsinstituten dazu zwang, die wohlverdiente Sommerfrische in der Bretagne abzubrechen, während sich der Staatspräsident seelenruhig weiter in Kanada ausruhte. Auch der private Computer verweigerte meinen emsigen Schreibfingern mehrfach die Gefolgschaft, und schaltete sich kurzerhand selbst aus, anstatt zu schmelzen. &lt;/span&gt;&lt;span  lang="en-US" style="font-size:100%;"&gt;Es &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;erscheint mir sehr passend, dies als künstliche Intelligenz zu bezeichnen.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So schlau wie der Computer waren meine Eltern indes nicht. Sie standen pünktlich an dem heißesten Wochenende seit der Schlacht von Verdun in der Passage Alexandrine auf der Matte und wollte anlässlich des 60. Geburtstages meiner Mutter bespaßt werden. Nur um zu veranschaulichen, wie heiß es wirklich war, weise ich darauf hin, dass selbst das Geburtstagskind gelegentlich den Schatten aufsuchte und Sonnenstrahlen ungenutzt auf den Asphalt sinken ließ, anstatt die knackige Bräunung aus sechs Jahrzehnten noch ein wenig zu vertiefen. Nur wer sie kennt, weiß, was das bedeutet!&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immerhin gelang es uns, das Geld, das wir durch geschicktes Umgehen einer großen Geburtstagsfeier mit zahlreichen Gästen gespart hatten, bei einem einzigen Mahl zu verjubeln. Das das Restaurant, das Julien mir empfohlen hatte, eher vornehm sein müsse, schwante mir zum ersten Mal, als uns die freundliche Touristenführerin während unserer Bootstour auf der Seine - die leider kaum die erhoffte, erfrischende Brise mit sich brachte -zunächst auf  Notre-Dame zu unserer Rechten und dann auf das berühmte Restaurant „Tour d‘ Argent“ zu unserer Linken aufmerksam machte. Der Verdacht sollte sich erhärten, als wir in Hoffnung auf einige Minuten  in klimaanlagengekühlter Luft mit dem Taxi vor dem Restaurant vorfuhren, wo uns formvollendet ein Herr empfing, der dazu verdammt war, der Hitze im Livrée zu trotzen. Als der Kellner mir kurz darauf zuhauchte, der Sommelier würde nicht lange auf sich warten lassen, traten mir Schweißperlen auf die Stirn, die wenig mit den Hundstagen zu tun hatten. Ich verwünschte mich insgeheim, weil ich mir nie die Frage gestellt hatte, wofür die Franzosen eigentlich das Geld ausgeben, das sie sparen, indem sie ihre Wohnungen nie renovieren und schwor mir, das nächste Mal genauer nachzufragen, wenn sie mir ein exzellentes Restaurant für den Geburtstag meiner Mutter empfehlen. &lt;/span&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-family: times new roman;" lang="de-DE"&gt; &lt;/p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Zwischenzeitlich hellte sich das Gesicht meiner Mutter ein wenig auf, weil sie feststellte, dass ihre Speisen keine Preise hatten. Die Freude war indes nur von kurzer Dauer, denn wie sich herausstellte, handelte sich um die Damenkarte. Meinem Vater hingegen wurde sehr deutlich mitgeteilt, welche Kosten entstünden, wenn wir uns für das Entenconfit an Holundersoße mit Steinpilzgarnierung entschieden. Am Ende zwang uns die Damenkarte dazu, uns so weit wie möglich aber doch möglichst unauffällig über unsere großzügige Tafel zu lehnen und uns bevorzugte Speisen und dazugehörige Preise zuzuzischen, bis wir ein Menü zusammengestellt hatten, mit dem wir einigermaßen ungeschoren das Restaurant wieder verlassen konnten. Zum Glück gelang es mir auch, mich nicht von dem Sommelier, der genaugenommen eine Dame war, in eine Diskussion über die Qualität ihrer Weine hineinziehen zu lassen, von denen einige im Wert einem Kleinwagen glichen. Ich bestellte höflich aber bestimmt den billigsten Rebsaft, den ich auf der Karte finden konnte. Jetzt hege ich heimlich den Wunsch, dieses vornehme Restaurant bei passender Gelegenheit mit Silke aufzusuchen, nur um zu sehen, was mit der Damenkarte geschieht, wenn kein Herr dabei ist, um die Preise zu beobachten.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende ging das Geburtstagsessen aber trotz schwindelerregender Preise doch noch in die Familienannalen als eines der ganz großen gemeinsamen Erlebnisse ein. Wir bestellten alle drei die Ente, die seit Zeiten Heinrich des Dritten in diesem Restaurant serviert wird und schon Richelieu bei seinen Banketten häufig als Hauptspeise diente. Seit etlichen Jahrzehnten wird jede Ente, die diese edle Küche verlässt, gezählt und der dazugehörige Gast bekommt eine Karte mit ihrer Nummer als Andenken mit auf den Weg. Auf die Art und Weise konnte mein Vater nach der Heimkehr seine Nummer mit einem Erbstück der Nachbarn vergleichen, deren Opa während der Besetzung von Paris im II. Weltkrieg die Ente im Tour d‘ Argent auch schon sehr gut geschmeckt hatte.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wegen der Hitze kann man meinem Vater auch kaum vorwerfen, dass er in Bermudashorts, Sandalen und Baseballkappe deutlich als Supertourist erkennbar durch Paris lief, wenn er nicht gerade im Tour d‘Argent Ente aß. Dennoch stand dieses Kostüm zweifelsohne für all das, wovon das städtische  Personennahverkehrsunternehmen RATP spricht, wenn es seine Fahrgäste mahnt, sie mögen Taschendiebe nicht in Versuchung führen. &lt;/span&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-family: times new roman;" lang="de-DE"&gt; &lt;/p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Fast zwingend und gleichsam durch eigenes Verschulden wurde mein Vater denn auch an der Haltestelle „Nation“ beim Einsteigen in die Linie 9 von zwei jungen Männern angerempelt, die sofort die Metro verließen, als er sich doch schließlich mit verdutztem Gesichtsausdruck  in den Wagen gekämpft hatte. Weder die RATP noch die Taschendiebe hatten jedoch mit der Zivilcourage ihrer französischen Mitbürger gerechnet. Am anderen Ende des Wagens machte uns im selben Augenblick ein Fahrgast auf den infamen Diebstahl mit spitzen „Voleur, voleur“ –Schreien aufmerksam– „ Haltet den Dieb“ . Und so nahmen wir sofort unterstützt von dem Franzosen die Verfolgung des jugendlichen Missetäters auf, anstatt nichtsahnend nachhause zu fahren und den Verlust des Portemonnaies erst Stunden später zu bemerken. Dem Franzosen gelang durch beherztes Einbeziehen der Passanten zwar nicht, die zivile Festnahme des Diebes zu erreichen, denn der wand sich schnell aus seiner Jacke, an der er festgehalten wurde. Aber doch ließ er dabei immerhin das Portemonnaie fallen. Und so ging aus diesem Abenteuer die deutsch-französische Freundschaft deutlich gestärkt hervor, ohne dass dies irgendjemanden auch nur einen Zent gekostet hätte, wenn man von dem Dieb absieht, der seine Jacke verlor.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch gesundheitlich überstanden meine Eltern diesmal ihren Besuch vergleichsweise gut. Zwar sah sich meine Mutter, an Pflastertreten nicht gewöhnt, schon nach wenigen Tagen gezwungen, neues Schuhwerk zu erstehen, das binnen kürzestem blutgetränkt war. Aber wenn man dies damit vergleicht, dass mein Vater nach dem vorigen Besuch unter Thromboseverdacht ins Krankenhaus gefahren werden und danach noch zehn Tage lang einen sogenannten Zinkleinverband tragen musste, ist dies ein spürbarer Fortschritt. &lt;/span&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm; font-family: times new roman;" lang="de-DE"&gt; &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5712567596296359677?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5712567596296359677/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5712567596296359677' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5712567596296359677'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5712567596296359677'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2009/03/hundstage.html' title='Hundstage'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3846187529411053509</id><published>2009-02-28T09:46:00.002+01:00</published><updated>2009-02-28T09:52:43.410+01:00</updated><title type='text'>Sommerbesuche</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus Paris Sommer 2003&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sommer in Paris zeigt sich weiter von seiner Schokoladenseite, und außer den streikenden Künstlern habe ich nur eine einzige Klage vorzutragen, diese aber ist schwerwiegend: Es gibt keine Eisdielen in Paris, und schon gar keine italienischen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um ein lächerlichen Klassiker wie eine Kugel Schokolade und eine Kugel Vanille in der Waffel zu finden, muss man kilometerweit laufen, von Stracciatella haben die hier noch nie etwas gehört und an Priapismus mit Rabatten für Schwangere - an der Elbe ein Standardprogramm - ist gar nicht zu denken. Auf keinen Fall sollte man für den Fußmarsch zur Eisdiele eine ausreichende Ration Wasser und genügend Wegzehrung vergessen. Was waren das noch für Zeiten, als man mich nur auf die Müggenkampstraße hinunterzurufen brauchte, wenn man ganz vorne in der Eiszeit-Schlange stand!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da hilft es natürlich auch nicht weiter, dass aufgrund der anhaltenden Künstlerstreiks sämtliche Theaterstücke und Konzerte ausfallen, bis hin zu den Freiluftlichtspielenin Avignon. Gegen Streiks im Öffentlichen Personennahverkehr kann man sich wenigstens noch mit dem Fahrrad wehren. Wie man auf systematischen Kulturabbau reagiert, liegt hingegen völlig im Dunkeln. Ich habe vorsichtshalber " Das trunkene Schiff" von Rimbaud auswendig gelernt, und warte im übrigen darauf, dass die Gemälde im Louvre in den Streik treten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansonsten treffen ich mich so oft es geht mit den hübschen Frauen, die in alle Welt ausgeschwärmt sind, um ihr Glück zu suchen. Neulich machte Sabrina nach einem längeren Brasilienaufenthalt auf der Durchreise von Hamburg nach Washington hier Station. Leider war das Wohnzimmer gerade voll mit italienischen Volkswirten, die hier ihre Forschungsergebnisse vortragen wollten, aber mit denen sind wir eigentlich lässig klargekommen, wenn man davon absieht, dass sie uns öfter mal in Nachtklubs abhanden kamen. Auf der Fete bei meinem Nachbarn, dem Architekten, der sich hier mit seiner schrillen Brille ein szeniges Loft eingerichtet hat, machte ich mich leider ein wenig lächerlich, indem ich in spontaner Empörung aus vollem Halse "nein" rief, als er mir anbot, ich dürfe mir auch das durchgestylte Schlafzimmer gerne ansehen. Aber bei den Franzosen kann man ja nicht vorsichtig genug sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sabrina murrte und knurrte zwar ein wenig, als sie sich nach durchzechter Nacht mit meinen Nachbarn – denen ohne Brille - bei 30 Grad im Schatten durch den Bois de Vincennes joggen sah, wurde aber am Nachmittag bei der Radtour durch einen doppelten Salto vollends dafür entschädigt. Diesen vollführte ein junger Mann, welcher sich leichtsinnig auf ihre Schönheit anstatt auf die stillgelegten Schienen vor ihm konzentriert hatte. Wir waren so entsetzt von der Herzlosigkeit seiner Freunde, die in meinem Angebot, einen Krankenwagen zur Hilfe zu rufen, lediglich ein günstige Gelegenheit sahen, mehr über unsere Mobiltelefonnummer zu erfahren, dass wir mit fliegenden Rockschößen die Flucht ergriffen. Hinterher haben wir uns aber doch ein bisschen geschämt. Ab einem doppelten Salto muss man die Telefonnummer eigentlich hergeben, darüber sind sich hier in Frankreich alle einig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um den Besucherspieß endlich mal umzudrehen, machte ich mich anlässlich des Sturms auf die Bastille auf, den Ärmelkanal zu überqueren. Dabei musste ich feststellen, dass es schwieriger ist, den Eurostar nach London zu besteigen als nach dem 11. September in die USA einzureisen. Als ich nach der dritten Paßkontrolle kurz vor dem Röntgengerät für die Handtasche wütend "Eurooooopa ohne Grenzen" bellte, fand ich zum Glück in dem französischen Grenzbeamten eine verwandte Seele. Er warf verzweifelt die Arme in die Luft und rief: "Das Vereinigte Königreich hat nicht unterschrieben". Warum treten die eigentlich nicht aus, wenn denen immer alles nicht passt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sabrina glaubt, ich sei eine anspruchsvolle Gastgeberin, dann hätte sie mal Schlucki sollen. Das Tempo, mit dem ich das ganze Wochenende über zwischen Märkten und Museen hin- und hinter Frisbeescheiben im Hydepark herlief, habe ich nur aufrechterhalten können, weil Schlucki mich zwischendurch immer wieder in ihren offen Cabrio einlud (ein alter Fiat Spider aus den achtziger Jahren, und ich soll sagen, dass er TRAUM heißt), und mich auf der linken Straßenseite quer durch London kutschierte. Während ich geduldig gewartet hatte, bis die Nachbarn klingelten, bevor ich Sabrina im Laufschritt in den Bois de Vincennes jagte, erinnerte mich Schlucki bereits morgens um zehn nach einer durchtanzten Nacht mit durchdringender Stimme an meine soziale Verpflichtungen und hetzte mich ein Stunde lang durch ein sündhaft teures Schwimmbad für Anwälte und Börsenmakler in der Londoner City.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines der großen Highlights des Wochenendes war die Hochzeitgesellschaft, der wir auf verschiedenen Etappen der Festlichkeiten gleich einem Leitmotiv immer wieder begegnen sollten. Dabei durfte ich mich einmal mehr davon überzeugen, dass nur Engländerinnen diesen unvergleichlichen Mut zur Hässlichkeit haben, ohne den man ihre Hutkreationen beim besten Willen nicht zur Schau tragen könnte. Bei der dritten oder vierten Begegnung ließ ich mir von den englischen Hochzeitsgästen sagen, dass sie sich unter einer deutschen Hochzeit "lots of beer and frivolities" vorstellten. Bei Lichte betrachtet, ist das auch nichts anderes, als was uns unser Freund Stefano Stefani unterstellt, aber irgendwie kam das bei dem Engländer freundlicher rüber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch immer bin ich mir nicht ganz darüber im klaren, ob es nicht ein folgenschwerer Fehler war, aus lauter Ungeübtheit den Heiratsantrag auszuschlagen, den mir ein betrunkener Engländer in einem Londoner Nachtclub (früher "Diskothek") spontan unterbreitete. Man weiß ja nicht, wann das nochmal wiederkommt, und ob überhaupt und so. Schlucki meint, das war genau richtig so. Den Aston Martin, mit dem englische Bräute vor die Kirche vorzufahren pflegen, hätten wir im Leben nicht mehr organisieren können. Auch liegen wir seit dem Wochenende darüber im Clinch, ob der Bagel aus dem 24-Stunden-Bagelshop morgens um sechs und das hauseigene Spiegelei nur wenige Minuten später wegen der vorausgegangenen Gin und Tonics der beste Bagel und das beste Spiegelei aller Zeiten waren, oder ob beide dieses Etikett im nüchternen Zustand nie bekommen hätten. Na ja, Hauptsache sie waren gut. Und am nächsten 14. Juli gehen wir einfach auf einen Feuerwehrball nach Paris, da können nicht so viele Unklarheiten entstehen. Aber bis morgens um sieben! Und um neun wecke ich alle auf, damit wir Fußball spielen gehen können.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3846187529411053509?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3846187529411053509/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3846187529411053509' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3846187529411053509'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3846187529411053509'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2009/02/sommerbesuche.html' title='Sommerbesuche'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5301948915201379388</id><published>2009-01-26T23:38:00.006+01:00</published><updated>2009-02-28T09:44:53.360+01:00</updated><title type='text'>New York Revisited</title><content type='html'>&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm; FONT-STYLE: italic"&gt;Email aus New York, Juli 2002&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Allen widrigen Umständen zum Trotz habe ich mich ohne Thrombose und mit verheilender Kniewunde an der gestrengen US-Einwanderungsbehörde als Touristin vorbei schleichen können, und bin auch schon in mein dunkles, dafür aber wunderbar kühles Kellerloch in Park Slope eingezogen. Der italienische Vermieter meines Hauptmieters hat es sich nicht nehmen lassen, mich mit aus den knappen Shorts heraushängender Unterhose zu begrüßen, aber abenteuerliche Wohnungen in New York können mich nun mittlerweile wirklich nicht mehr schrecken. Außerdem darf ich hoffen, täglich beim Einkaufen auf Paul Auster zu treffen. Also bin ich hoch zufrieden.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Bevor ich jedoch meine New-York-Abenteuerberichte endgültig wieder aufnehme, darf ich nicht versäumen, allen denjenigen, die nicht dabei sein durften, von meinen letzten Hamburg-Abenteuern zu berichten – bin mir gar nicht sicher, ob man so tolle Sachen in New York überhaupt erleben kann. Zugegeben sind auch einige auf dem Verteiler, die dabei waren, aber auch für die dürfte ein schriftlicher Bericht nützlich sein. Das kann man zu den Akten heften und hervorholen, falls im Alter einige Erinnerungen schon verblasst sein sollten, wenn man seinen Enkeln von den eigenen, wilden Jugendjahren berichtet, .&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Was meine mündliche Doktorprüfung angeht, hatten wir eigentlich immer alle N. mit seiner Loya Jirga für das schwache Glied in der Kette gehalten. Ich will nicht behaupten, daß uns die Nachrichten über die Rangeleien um das künftige afghanische Staatsoberhaupt und daraus resultierende Verzögerungen der Verhandlungen genauso in Atem gehalten hätten wie die Fußballweltmeisterschaft, aber was mich angeht, kam es dem schon sehr nahe, und das lag sicher nicht an meinem mangelnden Interesse für Fußball.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Bei aller Sorge um Ns pünktliche Ankunft in Hamburg hatten wir allerdings völlig außer Acht gelassen, zu was Sonja und ich fähig sein können, wenn wir zusammen losziehen, und welche Folgen das haben kann. Die Schnittwunden, die ich mir bei meinem ebenso kühnen wie illegalen Sprung von unserem Paddelboot aus in das Stadtparkschwimmbad zuzog, hielten wir zunächst für eine Bagatelle, die sich leicht mit Kleenex behandeln ließe. Kein Anlaß jedenfalls auf einige Tannenzäpfle-Biere auf dem Baumaterial am Schulterblatt thronend zu verzichten. Daß die Wunde am nächsten Tag noch unverdrossen weiter blutete führten wir auf meine ausgesprochen schlechte Blutgerinnung zurück. &lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Erste Zweifel kamen in mir erst auf, als ich mich kurz davor wähnte, mich aus dem geliebten dienstaglichem Oberseminar mit Erbrechen und einer anschließenden spektakulären Ohnmacht zu verabschieden. Mit letzter Kraft konnte ich mich noch in die Praxis von Professor Klaport (oder Klapdorf) im Curio-Haus retten, denn kurz vor so wichtigen akademischen Prüfungen – so dachte ich mir – sollte man sich nur von allerhöchster Stelle behandeln lassen. Daß der Professor ein Internist ist, schien mir eine zu vernachlässigenden Kleinigkeit sein, sollte sich später jedoch als schwerwiegendes Problem herausstellen, denn Internisten – habilitiert oder nicht – säubern grundsätzlich Schnittwunden nicht ordentlich, wie mir später der Arzt im Praktikum in der Eppendorfer Notaufnahme zu verstehen gab, als ich mit meinem Beinumfang bereits mit jedem ausgewachsenen Elefantenbullen konkurrieren konnte.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;In die Eppendorfer Notaufnahme schickte mich der sichtlich überforderte Professor passenderweise eine Stunde, bevor ich N. am Flughafen abholen sollte, nachdem er sich drei Tage lang darauf beschränkt hatte, die Schnittwunde kritisch, jedoch ansonsten untätig zu beäugen. Zunächst hielt ich dies lediglich für ein logistisches Problem, zu dessen Lösung ich zum ersten Mal in meinem Leben gerne Mobiltelefonbesitzerin gewesen wäre. N. kam entgegen allen Erwartungen pünktlich an und hatte allen Angebote von Karzai, afghanischer Wirtschaftsminister oder Botschafter bei den Vereinten Nationen zu werden, widerstanden.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Nachdem ich ihn glücklich im Hotel Vorbach abgeliefert und die Ärzte im Praktikum mich zunächst mit ihren Säuberungstinkturen nur mäßig gequält, dafür umso heftiger mit mir geflirtet hatten, fuhr ich zunächst voller Optimismus nach Hause. Auch die Explosion meiner letzten Büchse Tomaten, nahm ich lediglich zum Anlass, eine gewagte Auberginen-Weißwein-Soße zu meinen Spaghetti zu kochen. Nichts ließ mich annehmen, daß es sich um einen Unglückstag handeln könnte. Erst als mein Bein gegen Mitternacht wie schon erwähnt auf Elefantenbullengröße geschwollen war, sah ich mich veranlaßt durch einen Anruf im Elternhause dort für gehörige Panik zu sorgen, indem ich darauf beharrte, daß ich sicherlich an einer Thrombose leiden müsse. &lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Nachdem ich sichergestellt hatte, daß meine Eltern in dieser Nacht gewiß kein Auge mehr zutun würden, wiederholte ich den Anruf im UKE, wo mich die jugendlichen Ärzte sofort wieder zu sich bestellten und mich in die Obhut eines Sadisten übergaben, der meinem Charme jedenfalls nicht genug verfallen war, daß er sich davon hätte abhalten lassen, solange mit einer Schere in meiner Wunde herumzustochern, bis ich mir wünschte, ich hätte die Sache auf sich beruhen lassen. Daraufhin wurde ich noch mit einer Gipsschiene und Krücken versehen und schon war ich fit für meine Disputation am nächsten Tag.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Immerhin ist es mir gelungen mit meinem Auftritt auf Krücken Sabina lässig an die Wand zu spielen, die sich bekanntlich seinerzeit von einem Grippe/Bronchitis-Krankenlager aus zur Prüfung schleppte. N. schoß noch auf dem Weg vom Hotel Vorbach in den Wiwi-Bunker Fotos von mir, die er Sunbae zeigen wollte, weil ich nach Jahrzehnten an der Uni seine erste Studentin war, die als Invalide zur Prüfung kam. Irina und Isabella überlegen nun verzweifelt, wie sie Sabina und mich noch toppen könnten. Angesichts dessen, daß die Professoren zur Notenfindung den Raum verließen, anstatt mich rauszuschicken, bleibt den beiden eigentlich nur noch, die Prüfungskommission ins Krankenhaus zu bestellen.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Ns Vortrag im HWWA war jedenfalls sehr interessant und auch der Spargel hat am Abend vorzüglich geschmeckt. Außerdem bin ich jetzt stolze Besitzerin einer Luftmatratze, auf der sich demnächst in Paris alle meine Freunde einquartieren wollen, und einer Digitalkamera, mit deren Hilfe ich illustrierte Abenteuerberichte aus New York verschicken kann. Ich sehe es schon förmlich vor mir, wie ich bei jedem romantischen Stelldichein erst einmal die Kamera zücke, damit meine Freunde in Hamburg auch live dabeisein können.&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Bei meiner Abschiedsfeier war ich zum Glück schon wieder so flott auf den Beinen, daß ich kräftig dabei helfen konnte, gemeinsam mit meinen tanzwütigen Gästen einen Tag vor der Wohnungsübergabe noch meinen Holzfußboden zu zerstören. Trotzdem ein rauschendes Fest! Die Wohnungsübergabe gelang allerdings nur dank Fannis aufopferungsvollem Einsatz mit dem Poliermittel und etlicher Botendienste durch Gesine und Bernhard. Meine Nerven habe ich nur notdürftig bewahren können, weil Sonja (die echte Sonja!) mir beiseite stand als Nachmieter und Hausverwalter sich eine halbe Stunde eher als geplant in der Müggenkampstraße einfanden. Danke Euch allen!&lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;Inzwischen habe ich auch das Trauma überstanden, in einem Flugzeug voller Österreicher das Weltmeisterschaftsendspiel zu verlieren, indem ich mir immer wieder vor Augen geführt habe, wieviel schlimmer es gewesen wäre, KLM oder British Airways zu fliegen. &lt;/p&gt;&lt;p style="MARGIN-BOTTOM: 0cm"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5301948915201379388?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5301948915201379388/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5301948915201379388' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5301948915201379388'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5301948915201379388'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2009/01/new-york-revisited.html' title='New York Revisited'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3143874699276346336</id><published>2009-01-04T12:04:00.006+01:00</published><updated>2009-01-26T23:38:04.808+01:00</updated><title type='text'>Passage Alexandrine</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus Paris März 2003&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittlerweile ist es ja doch ein paar Sonnabende her, dass ich Euch das  Neueste aus der anderen Hälfte des alten Europas berichtet habe. Zu meiner  Entschuldigung kann ich anbringen, dass es sich diesmal nicht als  Abenteuerberichterstatterin auf Zeit vor Ort bin, sondern mich bis auf&lt;br /&gt;weiteres hier zu Hause zu fühlen und mir ein Nest zu bauen habe. Das kann  einen schon einmal ein paar Wochen in Anspruch nehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Einsatz beginnt sich auszuzahlen. Ferdinand und Benjamin von gegenüber haben eine große Dachterasse, auf der sie ununterbrochen Aperitif  ausschenken und großen Gruppen lärmender Franzosen mehrgängige Diners servieren. Da lohnt es sich schon einmal, in einen Frankenwein zu  investieren, um sich näher zu kommen. Auch Hugo, mein Nachbar von der  anderen Straßenseite winkte mich vergangene Woche ans Fenster, um mich auf  einen Aperitif zu sich einzuladen. Jetzt weiß ich, dass er sich gemeinsam mit  anderen Nachbarn verschworen hat, den Bürgermeister unseres Arrondissements  einzuladen, um ihm vorzuführen, wie laut die Kinder in der Halfpipe nebenan sind. Für mich hingegen sind Halfpipe und Bolzplatz die einzige Entschädigung dafür, dass mein Grundig-Fernseher mit dem französischen  Dekodierungssystem nicht fertig wird. Es gibt immer spektakuläre Unfälle zu  beobachten, oder junge, verantwortungslose Väter, die lieber mit ihren  Kumpels einen auf Zinedine Zidane machen, anstatt über ihre Kleinstkinder zu  wachen, während die sich ohne Rollschuhe und Helm zwischen lauter Teenagern  in Kampfausrüstung die Halfpipe hinunterstürzen. Ich habe erhebliche  Zweifel, dass die Mutter ahnt, was sich da jeden Sonntag vor meinem  Küchenfenster abspielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls sind Hugos' und meine nachbarschaftlichen Verhältnisse etwas  unter Spannung geraten, als ich ihm vorhielt, ob es ihm denn lieber sei,  wenn die Kinder mit Drogen dealten. Immerhin ist das leiser als  Rollschuhfahren. Aber wir haben dann gottlob doch noch die Kurve bekommen.  Es gelang ihm, mich sehr mit der Geschichte zu erheitern, wie seine Mutter&lt;br /&gt;ihm in einem Brief vorhielt, er lebe in Todsünde, als sie Verdacht schöpfte,  dass er nicht die ganze Zeit mit seiner Freundin im Katechismus liest, wenn  er bei ihr übernachtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Mélac, meinem Haus- und Hofweinkeller nebenan, bekomme ich inzwischen  auch ohne die schwangere Nina Bratsch ohne größeren  Widerstand eine Karaffe Wasser, seit ich die betont unfreundlichen und  bevormundenden Kellner gemeinsam mit meinen Eltern mit dem Konsum eine  Flasche französischen Weins je Schnapsnase beeindruckt habe. Der  Gemüsehändler aus Djerba begrüßt mich inzwischen mit Handschlag und  verabschiedet mich jedesmal mit einem Bund Petersilie. Er fand es so lustig,  daß ich "petersile" verlangte, obwohl es doch "persil" heißt. Das wiederum  will mir komisch vorkommen, aber es ist mir zu kompliziert, ihm das zu  erklären. Am Sonnabend kam er eigens aus eine hölzernen Bodenluke gekrochen, um sich danach zu erkundigen, wie es vergangene Woche in der mit Federica&lt;br /&gt;Normandie war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Christelle, Filmregisseurin von Beruf, wohnt auch um die Ecke. Natürlich habe ich  sie auf einer Vernissage kennen gelernt. Sie zeichnet sich neben ihrem  interessanten Beruf vor allem dadurch aus, dass sie die einzige bekennende  germanophile Französin auf der Welt ist. Ihr gefallen nicht nur die deutsche  Sprache und Literatur, sondern auch die deutsche Geschichte, was ich zum  ersten Mal im meinem Leben höre. Ich freute mich aber so über die Zuneigung,&lt;br /&gt;dass ich davon absah nachzuhaken. Während der Fußballmeisterschaft ging sie zum Entsetzen ihres Freundes so weit, eine Deutschlandfahne vor ihrem  Fenster zu hissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außer strenggläubigen Katholiken frequentiere ich als Ausgleich eine Gruppe  strenggläubiger, wenn auch nicht orthodoxer Juden. Wie man es von ihnen  erwartet, verfügen sie alle über viel Intelligenz, Bildung und Mutterwitz,  und sie feiern und tanzen gerne. Das macht die Freundschaft sehr anregend und bereichernd und gleicht kleinere Unannehmlichkeiten aus, wie die, dass einige von ihnen sonnabends den Telefonhörer nicht abheben, weil sie keine  Elektrizität benutzen dürfen. Auch kommt es gelegentlich vor, dass sie bei einer Einladung zum Abendessen nur den Reis verzehren, weil sie mir nicht glauben wollen, dass mein Hühnchen koscher ist. Zum Glück konnten wir nicht  feststellen, wie es sich mit Rotbarsch verhält, und so zeigten sich meine  Gäste einmal liberal und aßen auf Verdacht. Alleine hätte ich mir nun doch&lt;br /&gt;nicht zugetraut, den ganzen Rotbarsch zu verzehren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elise und Julie sind hingegen ganz weltlich, essen und trinken alles und  zwar nicht zu knapp, und stürzen sich ohne nennenswerte Proteste aus dem  Elternhaus in zahlreiche Liebesabenteuer, meistens mit feurige Salsatänzern  aus Kuba oder den Antillen. Ihre Freunde laden mich auf Grillfeste in die Vorstadt ein und Ostern haben wir essend, trinkend und diskutierend auf dem&lt;br /&gt;Bauernhof von Elises Oma verbracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Essen und Trinken nehmen die Franzosen überhaupt sehr ernst. Das musste vor allem mein polnischer Kollege Andreij leidvoll erfahren, als er im Weinkeller den Käse auf das Baguette legte, anstatt das Brot zu öffnen und ihn hineinzulegen. Der schrille Entsetzensschrei von Olivier und Julie, der wie aus einem Munde kam, hallt mir heute noch in den Ohren. Alina, die sich zu dem Zeitpunkt mit Martin kurzfristig ein Liebesnest in Clichy gebaut hatte, half mir anschließend, mir den Schrecken gemeinsam mit den Kellnern aus dem Leibe getanzt. Aber Andreij konnte sich nie wieder so richtig erholen, jedenfalls ist er seither nicht mehr mit uns ausgegangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berichtenswert erscheint mir auch noch, dass die Franzosen nach jahrzehntelangen erbittertem Widerstand vollständig und ohne Bedingungen vor der Dominanz der englischen Sprache kapituliert haben. Dies zeigte sich mir unlängst eindrucksvoll in der Metro, wo ein französischer Bettler am anderen Ende des Wagens eine längere Geschichte zum Besten gab, um seine Bedürftigkeit zu veranschaulichen. Offensichtlich nahm er dennoch nicht viel ein, denn als er bei mir ankam, murmelte er, er müsse Englisch lernen, die Leute verstünden ihn einfach nicht, wenn er französisch rede. Er tat mir so leid, dass ich doch noch schnell fünfzig Zents zückte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3143874699276346336?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3143874699276346336/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3143874699276346336' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3143874699276346336'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3143874699276346336'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2009/01/passage-alexandrine.html' title='Passage Alexandrine'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8538673845969520976</id><published>2008-12-22T20:18:00.086+01:00</published><updated>2011-11-09T23:11:48.896+01:00</updated><title type='text'>City of all cities</title><content type='html'>When I set my foot again into the city, she greeted me like she always had before: embracing me, grabbing me to take me out for a dance, pretending she could be mine for a moment or for a lifetime, whatever I chose it to be.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All the while I knew that she might spit me out at any moment. She would do the same to anybody no matter whether they had come for a moment in a pretentious quest for luck and glory, with the firm intention to stay and to find a better live through hard work and thrift and or whether they had called her home for generations. She would accept anyone, people of all colours, tongues and aspirations. Their desire to find their luck in her, through her, is all for what she asks. Her tolerance is matched only by her callousness towards all those who fail to keep up with her dizzying tempo and who, instead of luck and glory, can find only loneliness or a path strewn with unsurmountable hurdles. At times, she had given me energy with an intensity that I had never known before. At others she seemed to strip me of my last heartbeat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As I was riding from her unadorned suburbs to her sprawling center she slowly lured me into her world. She gave me brief glimpses of the wealth of colours, origins and stories of her people, arranged almost like in a kaleidoscope, as she sent them on and off the train. On the other side of the aisle a Mexican father was sitting with a child on his knees and the same expression of stoicism I had seen many years before on the faces of bus passengers in his native land. Maybe his long voyage had failed to improve much on the hardship and humiliations of his life. Or maybe he simply could not be bothered to rid himself of an attitude that had carried him through them before.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A little later three girls, barely fourteen, in all shades of black and brown hopped on to the train to pose and perform dance steps to the music from their headphones. One of them was tall and beefy, dressed a bit like a punk queen with an impressive afro-hairstyle to round off her look. She was giving the impression that she might throw herself to the floor and start breakdancing at any minute. The second, with an air of maturity and a round and sensual figure, chewed her gum without saying a word, while she was being hugged in permanence by her anemic boyfriend from behind. The third was the beauty queen of the band, small, with silk-like long hair and full of self-confidence, dressed in a sexy attire and acting as if she expected to be discovered any minute as a popstar on the train to the city centre. As I observed them I wondered whether children their age would ever come back to wearing hairstyles with outlines that look as though they had been cut around a pot sitting on their head. Would striped pullovers come back one day along with corduroy trousers that are too short and do not match the colours?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As I was still contemplating my own childhood, next on stage was a man dressed in rags dragging a little waggon behind him that was filled with a pile of random basic commodities he eagerly tried to sell to the audience: trashy romance novels from the 1960s, plastic tea pots and other household appliances, toys for the sandbox and condoms. All the while he was playing music from a half-broken tape deck, shaking his greasy hair as best he could under his woollen hat and looking at us through his sunglasses. I marveled at the impassive subway passengers around me who barely seemed to notice this bizarre appearance. Suddenly a faint memory of Jenny sprang to my mind as she walked up to a doorman during an earlier visit to the city asking where she could catch a taxi to the Upper East Side . "Come on", the doorman hollered at us, " country girls like to walk!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;This it what makes me so uneasy in this city: it constantly seems to unmask me as a country girl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;By the time we reached our final destination for that day, Hervé's apartment in a quiet residential neighbourhood close to one of the city's universities, I felt as if I had never left town. As I walked through the streets amidst hurrying investment bankers in high heels - this time around probably worrying more about their jobs than about their next deal - Mexican streetsweepers, bartenders from the Midwest, artist-waiters from Argentina, Korean shopkeepers and doctors from Iran, I felt as though I was one of them. Submerged into this mass of people from everywhere I had suddenly become again a citizen of this city of all cities. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I remembered the Afghani doctor who had once told me at a christmas party in her Central Park West apartment with a view of the park and the skyscrapers: "The world meets in this city". Like nowhere else.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8538673845969520976?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8538673845969520976/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8538673845969520976' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8538673845969520976'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8538673845969520976'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/12/city-of-of-all-cities.html' title='City of all cities'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1983653453330952225</id><published>2008-12-13T16:27:00.018+01:00</published><updated>2009-02-28T09:59:17.623+01:00</updated><title type='text'>Der Pfandflaschenprofi vom Prenzlauer Berg</title><content type='html'>Ich laufe seit einer dreiviertel Stunde durch den Kiez von einem Tante-Emma-Laden zum nächsten, um endlich die Pfandflaschen loszuwerden, die die Maschine beim Flirt-Kaisers nicht annehmen will. Ein zäher Prozess. Der vietnamesische Kramladen nebenan gibt sofort zu, dass ich die Bionade-Flaschen bei ihm gekauft habe, bestreitet aber rundheraus jegliche Urheberschaft für das Flens. Genau genommen verhandele ich mit der Tochter des Hauses. Sie ist 14 und sehr bestimmt. Ich ärgere mich. Nach langem hin und her gelingt es mir, ihr noch zwei Hefeweizenflaschen aufzuschwatzen. Als ich ihr die Bio-Apfelsaftflasche unter die Nase halte, lacht sie trocken, ein bißchen verächtlich, wie mir scheint. Bei ihren Eltern gibt es Tütensuppen und Bier, keinen Bio-Apfelsaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vietnamese an der Prenzlauer Allee nimmt anstandslos die Flens-Flaschen, eine andere Biersorte lehnt er jedoch ab. Ich habe aber noch eine und weiss der Teufel, wo der Schatz das gekauft hat. Oder irgendein Gast hat es zur Party mitgebracht. Jedenfalls laufe ich jetzt damit rum und werde es nicht los. Ich kaufe Rosinen und Mandeln für den orientalischen Karpfen. Der vietnamesiche Ladenbesitzer fragt mich enttäuscht, ob ich kein neues Bier brauche. Das fehlte noch! Sehe ich aus wie Sysiphos, oder was? Am Ende kaufe ich aus Mitleid einen billigen Rotwein zum Kochen. Erst als ich schon beim nächsten Tante-Emma-Laden angekommen bin, fällt mir ein, dass das Karpfen-in-Weinsauce Rezept das war, wogegen ich mich zugunsten der orientalischen Variante entschieden hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sage dem Schatz immerzu, er soll seine Pfandflascheneinkäufe nicht über den ganzen Berg verteilen, sondern wenigstens auf einen Laden konzentrieren. Glaubt der vielleicht, es macht mir Spaß, stundenlang mit klappernden Taschen durch das Viertel zu ziehen und in jedem Kramladen lange Verhandlungen zu führen? Mir reicht's! Der Schatz verbietet mir zwar strengstens, Pfandflaschen einfach in den Container zu schmeissen, aber bei meinen Stundenlohn lohnt es sich einfach nicht, länger als eine halbe Stunde hinter 30 Cents herzulaufen. Opportunitätskosten und so weiter. Das habe ich damals an der Uni gelernt. Und ja, das gilt auch, wenn ich den Umweltsau-Faktor mit einrechne. Ich habe schließlich am Sonnabend auch mal mein Recht darauf, mich zu amüsieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich schleiche mich vorsichtig an die Flaschencontainer vorm Flirt-Kaisers und blicke mich diskret nach allen Seiten um, ob auch keiner von den aufrechten Öko-Nachbarn guckt. Es guckt aber einer und zwar sehr penetrant. Allerdings sieht er nicht wie ein Nachbar aus mit seinem verschlissenen Anorak und dem wilden Vollbart. Er schleicht unruhig um die Container herum, fast so als seien sie seine Kinder und er müsse sie bewachen, aber ich bin jetzt so entnervt, dass ich mich entschließe, es notfalls auf eine offene Konfrontation ankommen zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich ziehe selbstbewußt die Bio-Apfelsaftflasche aus meinem Jutebeutel und setze schwungvoll zum Wurf an. Leider ist die Flasche weiß und ich stehe vor dem grünen Container. Schon steht der Mann mit dem wilden Vollbart neben mir. Es hat nur noch gefehlt, dass er mir in den Arm fällt und laut nach der Polizei ruft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die ist vom Bio-Laden da unten", klärt er mich auf, und weist mit der Hand straßabwärts. Er ist durchaus kooperativ, jedenfalls nicht feindselig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Aber das ist doch keine Pfandflasche, steht nirgendwo", wende ich müde zu meiner Verteidigung ein. Auf dem selbstgemalten Etikett steht tatsächlich nichts und einen Moment lang schöpfe ich Hoffnung. Aber der Mann kennt sich aus, im Unterschied zu mir. Im Kiez und mit Pfandflaschen sowieso. Er macht das offensichtlich hauptberuflich. Er fährt mit seinen schwarzen, schwieligen Händen über die Schrift, die aus der Flasche heraustritt dort, wo sie sich verjüngt. Irgendetwas mit "Mehrweg" steht da. Ich fühle mich geschlagen, überführt und schuldig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wollen Sie die Flasche zurückbringen?" biete ich ihm an. Vielleicht kann man aus der peinlichen Situation noch ein Geschäft machen. Er nimmt mir die Flasche ab und betrachtet die nächste, die ich gerade aus dem Beutel gezogen habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die is von Stücker da oben", sagt er und nickt kundig. Als ich ihm die Flasche hinhalte, winkt er ab. "Dit is mir zu weit, da jeh ich heute nich' mehr hin!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er guckt interessiert in den Beutel, in dem sich noch die Kochweinflasche befindet, die ich überflüssigerweise gekauft habe. "Und die ist von...", setzt er an. Er scheint Gefallen daran zu finden, mir seine Fachkunde vorzuführen. Und ich finde allmählich Gefallen an dem Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die ist voll", muss ich ihm dann aber doch sagen. "Die brauche ich noch."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ach", sagt er, blickt von der Flasche zu mir und strahlt mich mit seinen vergilbten Zähnen an. "Zum Trinken, wa?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir verabschieden uns herzlich und ich ziehe meiner Wege. Ich frage mich, wo er den Charme hernimmt und den Stolz eines echten Fachmanns - bei dem Beruf. Der kann es sich nicht leisten, meine verquasten Opportunitätskostenrechnungen aufzustellen oder Rotwein nur zum Kochen zu kaufen, weil er seine Karpfenrezepte durcheinander gebracht hat. Ich ärgere mich, dass ich ihm nicht die Rotweinflasche gegeben habe, er hätte sie bestimmt gerne getrunken. Oder wenigstens ein bisschen Wegegeld dafür, dass er für mich zum Bio-Laden schnürt und damit meine Beziehung über ein weiteres Wochenende rettet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich beschließe zufriedener zu sein. Mit meinem Stundenlohn, mit klappernden Einkaufstaschen am Sonnabendnachmittag und überhaupt...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1983653453330952225?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1983653453330952225/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1983653453330952225' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1983653453330952225'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1983653453330952225'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/12/der-pfandflaschenprofi-vom-prenzlauer.html' title='Der Pfandflaschenprofi vom Prenzlauer Berg'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4086589012875197892</id><published>2008-11-23T19:24:00.003+01:00</published><updated>2008-12-13T16:23:44.188+01:00</updated><title type='text'>Letzte Tage in New York</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, März 2001&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Tage in New York sind gezählt, und ich arbeite wie ein Eichhörnchen in der Trommel, um mein Wirken in dieser Stadt fachlich wie persönlich der Vollendung nahezubringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzten Sonnabend erwiesen wir meinen Polen in Williamsburg kulinarisch Reverenz, indem wir bei ihnen Pierogi essen gingen. Jeanette hatte ein paar fesche Geigenbauerinnen dabei, einen Münchner Geigenhändler und ihren armenisch-russischen Teufelsgeiger, und ich stellte aus meinem unerschöplichen Fundus ein paar von den Amerikanern bereit, die ich im Laufe der Zeit in Hell's Kitchens Bars aufgelesen habe. Janine war begeistert von dem echt polnischen Mangel an Service-Kultur in dem Restaurant. Der Chef sah uns an, als wollte er uns umbringen, als wir seine Gaststätte betraten - wir waren die einzigen, die ihm das zumuten wollten. Die Kellnerin war selbstverständlich eine atemberaubende 1,80 m große osteuropäische Schönheit mit hohen Wangenknochen und Gesundheitsschuhen, die den vernichtenden kommunistischen Dienstleitungsblick bis zur Perfektion beherrschte. Endlich mal kein: "Hiiiiiiii, I am Angela, what can I do for you?" Das Wesentliche jedenfalls stimmte. Das sahen wir gleich, als die Omi kurz aus der Küche blickte. Es hat einen Grund, daß ihre Familie sie dort versteckt, denn sie kann einfach nicht verbergen, wie sehr sie mit Liebe kocht. Das darf der Kunde natürlich auf keinen Fall mitbekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei unserer anschließenden Williamsburgtour hat sich herausgestellt, dass Jeanette und ich das allerbeste Tanzpaar von allen waren. Jeanette ist ganz klein und schmächtig. Nur noch mit Philipp kann ich solche drops und Würfe tanzen, wie Jeanette und ich sie im Black Betty hinlegten, aber mit Philipp liege ich öfter auf dem Boden. Na ja, ich bin eben einfach nicht klein und schmächtig...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wir-lieben-unsere-Kinder-über-alles-Wettbewerb zwischen meiner Mutter und Lucas' Vater erreichte am Rosenmontag einen neuen Höhepunkt. Vorher hatte sich meine Mutter mehrfach dadurch positiv hervorgetan, daß sie in allen möglichen - vornehmlich romanischen - Sprachen "Ich liebe Dich" und "besame mucho" auf das Band gesäuselt hatte. Lucas verstieg sich sogar zu der Behauptung, sie sei latinischer als Jennifer Lopez. Am Montagnachmittag rief er mich dann völlig verstört in der Uni an, und meinte, ich solle lieber jetzt schon nachhause fahren und dafür sorgen, daß meine Eltern beide in Gewahrsam genommen werden, aber getrennt. Sie seien "re-locos" und würden sich zudem noch gegenseitig hochschaukeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sich herausstellte, hatte meine Mutter zwei Nachrichten hinterlassen - natürlich während Lucas schlief. Nach anfänglichem Säuseln, fing sie an Karnevalslieder zu singen, "mit alle Mann am Ballerman" und dergleichen, das ganze untermalt von meinem Vater, der im Hintergrund "te quiero mucho" rief. In der zweiten Nachricht sangen die beiden ein Duett. Nach meinem Dafürhalten haben meine Eltern jetzt einen uneinholbaren Vorsprung aufgebaut, aber Lucas will das auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Das sei wie die Weltmeisterschaft von 1990, sagt er, und außerdem glaubt er insgeheim, daß Mama gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen hat. Na ja, es war Rosenmontag, da mag wohl etwas dran sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über Tim Nellon kann ich nichts Schlechtes sagen, weil er auf dem Verteiler ist. Aber wie sich am Donnerstag herausgestellt hat, tanzt er argentischen Tango wie ein junger Gott, also könnte ich mich auch dann nicht beklagen, wenn er nicht auf dem Verteiler wäre. Wir waren in dem urigsten Tangoschuppen der Stadt, "La Nacional", und ich konnte mich davon überzeugen, daß die Tangoszene in Hamburg mindestens die Dimensionen derer in New York besitzt. Ich kannte jeden einzelnen Tanguero noch von meinen Tango-Safaris im letzten Herbst. Ich kennen mich jetzt ja schwer aus, deswegen weiß ich, daß der Dueno ein getürkter Argentinier ist, obwohl er das nicht zugibt und Reisen nach Buenos Aires organisiert. Aber er singt nicht, wenn er spricht, und er sagt nicht "vos" anstatt "tú". Haha, ich bin mit allen Wassern gewaschen, mich täuscht man nicht. Dafür machte er sich bei mir beliebt, als er mir sagte, daß Deutschland das führende Tangoland außerhalb von Argentinien ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern abend war ich mit Kerry im Metropolitan Museum of Art. Kerry ist einer von fünf Söhnen irischer Einwanderer aus Queens. Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und anders als die Künstler in Williamburg bekleckert er sie auch nicht extra mit Farbe. Dennoch studiert er Malerei. Wir hatten am vorhergehenden Sonnabend einige haarsträubende Bildungslücken in meiner kunsthistorischen Ausbildung entdeckt (kennt ihr alle Caravaggio?), die er sich anbot zu stopfen. Jetzt weiß ich alles über chiaro-oscuro - und er weiß endlich, wie man das ausspricht - und über das Scharmützel zwischen der venezianischen und der fiorentinischen Schule. Bei Renaissance und Barock verstanden wir uns noch ganz gut, aber in der modernen Kunstabteilung bekam er das eine oder andere Mal Herzkrämpfe, wenn ich an besonders beachtenswerten Meisterwerken achtlos vorbeiging und statt dessen stehen blieb, wenn mir eigentlich sämtliche Haare hätten zu Berge stehen sollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danach wollte Kerry eigentlich schnell schlafen gehen, aber wir schleppten ihn mit Jeanette und Chatschik in die Lenox Lounge nach Harlem zum Jazz. Hat der es gut, daß endlich die Deutschen gekommen sind, um ihm New York zu zeigen. Er war noch nie in Harlem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Harlem wird in regelmäßigen Abständen in der deutschen Presse ein Renaissance prophezeit. Die New York Times und Yvonne's Freundin Jill, die in der Lenox Avenue wohnt, sagen, das habe schon längst stattgefunden. Bill Clinton ist offensichtlich mit ihnen einer Meinung. Als ich Anfang der neunziger Jahre in New York war, hätte ich mich mit meiner Barbara niemals dorthin getraut. Aber jetzt wächst, blüht und gedeiht alles, ganze Straßenzüge von verlassenen Townhäusern werden renoviert und die Immobilienpreise sind inzwischen fast auf Downtown-Niveau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am schönsten finde ich das Nachtleben. Die Lenox Lounge ist vorne eine moderne Bar mit der Vorhut der schwarzamerikanischen Nachtschwärmer am Tresen, und hinten im Jazz-Keller ein Stück Cotton Club im Zebra-Streifen-Look.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sängerin verfügte über einen imposanten Klangkörper und sang genauso, wie sich das die ungeübte Laiin von einer schwarzen Sängerin erhofft. Außerdem war sie witzig und charmant und besuchte in der Pause jeden einzelnen ihrer Gäste am Tisch, um mit uns zum Beispiel über ihre zahllosen Freunde in Berlin zu plaudern. Der Bassist war weiß und sah Chatschik zufolge aus wie Lenin. Soweit ich das beurteilen kann spielte jener auf jeden Fall mindestens so gut Bass, wie dieser die Massen mobilisieren konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird Zeit, daß ich Williamsburg verlasse. Nicht nur, daß ich von einigen Polen am Sonnabendmorgen schon mit Handschlag auf der Bedford Avenue begrüßt werde, ich werde auch abgefangen und in Bars gelockt, wenn ich abends mit dem festen Vorsatz nachhause komme, schlafen zu gehen. Heute lernte ich Hernan, einen 1,90 großen Puerto Ricaner in der U-Bahn kennen, mit dem ich mir über die hervorragende Stimmqualität des mexikanischen Straßensängers sofort einig war. Nächsten Sonnabend will Hernan mich um 10:15 wieder an der Haltestelle treffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Nina und Philipp nicht in Eimsbüttel wären, müßte ich mir jetzt ernsthaft überlegen, nach Hamburg-Wilhelmsburg zu ziehen...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4086589012875197892?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4086589012875197892/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4086589012875197892' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4086589012875197892'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4086589012875197892'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/11/letzte-tage-in-new-york.html' title='Letzte Tage in New York'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7371794506969306756</id><published>2008-11-23T19:16:00.003+01:00</published><updated>2008-12-13T16:24:20.839+01:00</updated><title type='text'>New York Abenteuer fast komplett</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, März 2001&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lucas ist ein Engel. Sein einziger Fehler besteht darin, daß er gelegentlich das Geschirr länger in der Spüle stehen läßt. So etwas darf man natürlich in einem Entwicklungsland nie tun. Das lockt alles möglich Ungeziefer an. Heute morgen hat er die Quittung dafür bekommen. Der arme Kerl tut mir immer noch ganz leid.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin zur Zeit ein bißchen angespannt, habe viel zu tun, und deswegen bin ich früh aufgewacht und habe mich schnell fertiggemacht, um sogleich behende an die Uni zu eilen. Als ich mich in bester Laune der vollgestellten Spüle näherte, peste eine Kakerlake ungefähr in der Größe der Hell's-Kitchen-Maus durch das Waschbecken, die ich dereinst ohne mit der Wimper zu zucken ins Jenseits befördert hatte. Aber morgens habe ich immer schwache Nerven und in der ersten Schrecksekunde stieß ich einen derart gellenden Entsetzensschrei aus, daß der arme Lucas sofort senkrecht im Bett stand und mitschrie. Ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, daß zwar zwischen seinem und meinem Zimmer eine Tür ist, nicht aber zwischen seinem Zimmer und der Küche. Türen sind eben ein knappes Gut in Amerika. Im "Galapagos" in Williamsburg haben sie sich sogar darauf beschränkt, bunte Tücher vor die Toilettentüren zu hängen, und das will etwas heißen bei den prüden Amerikanern, die ja schon immer einen Herzinfarkt bekommen, wenn man im Zweiteiler ins öffentliche Schwimmbad möchte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber das gehört nicht zum Thema. Was ich sagen wollte, ist, daß ich in meinem ganzen Leben nicht diesen angstverzerrten Gesichtsausdruck von Lucas vergessen werde, als er in mein Schreien einstimmte. Ich wundere mich wirklich, daß der Wasserkäfer nicht gleich vor Schreck gestorben ist. Wie auch immer Lucas und ich brauchten etwa zehn Minuten, um uns zu erholen, dann dauerte es weitere zehn Minuten, bis ich ihm erklärt hatte, was Sache war. Schockzustände sind meinem Spanisch nicht sehr zuträglich, aber cucarracha ist mir dann irgendwie doch noch eingefallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Völlig verängstigt fragte mich Lucas schließlich, ob ich wohl den Mut hätte, das Tier zu erlegen (er weiß alles über die Maus), sonst würde er es tun. Mir war klar, daß der Kleine um Jahrzehnte gealtert wäre, hätte ich dazu gezwungen, zum Mörder zu werden. Also befleckte ich wieder selbst meine Hände mit Blut und untermauerte meinen Ruf als Killerlady, nicht ohne laut auf Deutsch zu schreien "hau ab, geh weg, du widerliches Vieh". Für Lucas war ich in dem Moment bestimmt die Inkarnation eines dieser garstigen Nazis, die mit ihrem "Achchchchtung, machchchchch schnell" in keinem Hollywood-Film fehlen dürfen. Danach legte ich mich völlig erschöpft auf den Küchenboden und war fertig mit der Welt. Lucas meinte zufrieden, daß sei nurmehr eine weitere New York Erfahrung für mich, jetzt würde nur noch die Ratte fehlen. Sprach's und schlief auf der Stelle wieder ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie immer, wenn man irgendwo weg muß, ist es jetzt am schönsten. Alle Italiener sind aus ihren Löchern gekommen, gehen mit mir ins Kino, in die Disco, laden mich zum Brunch ein und jammern, ich solle den New-York-Aufenthalt doch noch verlängern, sie würden Luckus einen Brief schreiben. Aber als ich mich damals im Blauen Barhaus von meinem Hamburgern verabschiedete, mußte ich Christoph Gaggeleier hoch und heilig versprechen, zurückzukommen und nicht einfach wieder abzuhauen, wie damals aus Freiburg. Also wird nichts daraus, ich komme zurück. Außerdem sind sie Italiener hier entzückend, aber irgendwie auch Mutanten. Gingen wir doch neulich um halb neun Uhr abends von der Uni aus etwas essen, um zehn (!) fragte ich, ob wir noch ein Bierchen trinken gehen. Da antwortete Paolo doch nein, er müsse zurück an die Uni. Schließlich ging ich alleine mit Mike ein Bier trinken, dem einzigen Amerikaner im Ph.D. Programm. Er beklagte sich bitter bei mir, denn er sitzt mit drei Italienern in einem Büro. Wenn er morgens kommt, sitzen die schon dort und lernen, und wenn er abends geht, lernen sie immer noch, und was ist überhaupt aus „Dolce Vita“ und „Dolce Farniente“ geworden. Das frage ich mich auch. Vor lauter Verzweifelung tranken wir gleich drei Biere.&lt;br /&gt;Salsa tanzen wir weiterhin, ich jedoch am liebsten mit meinem Russen. Neulich brachte Claudio mich allerdings ein bißchen in Verlegenheit. Ich saß gerade bei N. im Büro, um meine Arbeit zu besprechen, da kommt er herein, um irgendetwas zu fragen. Als N. uns vorstellen möchte und zu diesem Zwecke fragt, ob wir uns denn kennen, meint Claudio: "Ja, aber wir haben noch nicht zusammen Salsa getanzt." N. trug es mit Fassung, und ich versuchte, es ihm gleichzutun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzten Sonntag gaben wir uns endlich auch mal dem Dolce Farniente hin, frühstückten mit Anna, zwei Lucas, Paolo und Giovanna in der Bedford Avenue bei den Polen und unternahmen dann eine Weltreise. Erst die Straße hinunter nach Puerto Rico, da war gerade Siestazeit und nicht viel los, und dann weiter die Straße herunter nach Israel, zu den chassidischen Juden. Lucas kam zwei Stunden später dazu, als er aufgewacht war, genaugenommen hatte ich ihn telefonisch geweckt. In Puerto Rico war gerade Sperrmüll, und jedesmal wenn Lucas ein Sofa sah, wollte er sich drauflegen und Siesta halten. Das beschleunigte den Spaziergang nicht gerade, er machte sich bei uns Ökonomen jedoch damit sehr beliebt, daß er das Schlachtlied seiner Fußballmannschaft sang. Wenn er und seine kongenialen Fans ihren ärgsten Rivalen, das erfolgreichste Team in Argentinien, demoralisieren wollen, singen das ganze Stadion: "Boca wird Meister, wenn die Kühe fliegen und Argentinien die Inflation unter Kontrolle hat." Davon waren wir so selbst beflügelt - denn Lucas meint, das mit den Kühen passiert eher - daß wir zu Fuß die Williamsburg Bridge überquerten, bei herrlichstem Sonnenschein und mit Blick auf ganz Manhattan. Manchmal ist das Leben einfach eben so richtig gut.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7371794506969306756?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7371794506969306756/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7371794506969306756' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7371794506969306756'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7371794506969306756'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/11/new-york-abenteuer-fast-komplett.html' title='New York Abenteuer fast komplett'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5517207666235027593</id><published>2008-11-23T18:51:00.004+01:00</published><updated>2008-12-13T16:25:56.960+01:00</updated><title type='text'>Waschen in Williamsburg</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, Februar 2001&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich komme gerade schweissüberströmt aus dem Waschsalon in der Bedford Avenue, wo sich am Sonnabendmorgen halb polnisch Amerika ein Stelldichein gibt. Dabei habe ich gelernt, daß in Williamsburg beim Waschen nichts schief gehen darf, wenn man der polnischen Sprache nicht mächtig ist. Man braucht nicht darauf zu vertrauen, daß man mit dem Capo auf englisch verhandeln könnte. Und ohne allerbilligste Clichés bedienen zu wollen, habe ich feststellen müssen, daß die Polen sich bestens darauf verstehen, einem auch solche Sachen vor der Nase wegzuschnappen, die ich ganz persönlich immer für niet- und nagelfest gehalten hatte - wie zum Beispiel Waschmaschinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach mehreren Stunden erbitterten Kampfes habe ich es dann aber doch geschafft, meine Kleider zu reinigen, soweit das in Amerika eben möglich ist. Wenn ich an Deutschland denken freue ich mich am allermeisten auf den Kochwaschgang...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die jüngeren Polen sprechen Englisch und auf die Art und Weise konnte ich mich heute morgen selbst davon überzeugen, daß Ostalgie auch in Polen eine weit verbreitete Krankheit ist. Wahrscheinlich in gewisser Hinsicht gar nicht immer zu Unrecht, aber der junge Mann, mit dem ich mich unterhielt, verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß man die Präsenz der Russen zu Kommunismuszeiten kaum wahrgenommen hätte. Ach das bißchen Kriegsrecht, ich solle mich mal nicht so anstellen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Valentinstag hat mich - wie sollte es anders sein - einmal mehr in eine äußerst verzwickte Situation gebracht. Der Doorman der NYU, ein gestandenes Familienoberhaupt aus den Bronx im Alter meines nur dem Anschein nach jugendlichen Vaters, hatte es sich nicht nehmen lassen, mir Pralinen in einer Schachtel in Form eines rot flammenden Herzens zu schenken. Das interpretierte ich noch als rührende Geste, die darauf abzielte, kein Heimweh bei mir aufkommen zu lassen, natürlich in Verkennung der Tatsache, daß die Deutschen in der Liebe mit einem geringen Bruchteil der Rituale auskommen, die die Amerikaner dafür benötigen. Verdächtig kam es mir dann allerdings vor, als er sich am nächsten Tag danach erkundigte, ob er mir denn wohl auch Blumen schicken dürfe. Ich weiß nicht mehr, was ich daraufhin stammelte, auf jeden Fall fuhr ich schnell in mein Büro hoch, und schrieb einen Emil an meine Kulturgrabenberaterin Helen, die sich in der amerikanischen wie auch in der taiwanesischen und deutschen Kultur auskennt wie in ihrer Westentasche, Solange es sich um nicht-rote Nicht-Rosen handele, solle ich die Nerven behalten, meinte sie, ansonsten können es sich aber durchaus um einen "dirty old man" handeln. Ich solle die Blumen auf jeden Fall annehmen, wenn sie kämen, mich aber gleichzeitig angelegentlich danach erkundigen, wie er denn den Valentinstag mit seiner Frau verbracht habe. Indem ich eine offene, positive und fokussierte Anerkennung seiner Frau und seiner Kinder zeigte, könnte ich unserem Verhältnis gewisse Grenzen auferlegen. Wer von Euch stimmt nicht mit darüber überein, daß die Frau in den diplomatischen Dienst gehört?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn ein Mensch auf dieser Welt eine argentinische Seele hat, dann ist es Lucas' Vater. Am liebsten würde ich alle seine Nachrichten auf unserem Anrufbeantworter aufbewahren. Corinna würden die auch gefallen: Ein Tango könnte nicht besser sein. "Te quiero muuuucho, te quiero muuuuuucho, cuidate cuiuiuiuiuidate!" Ich habe ein bißchen Angst, die Argentinier könnten glauben, meine Eltern liebten mich nicht, deswegen forderte ich zuhause ähnliche Nachrichten ein. Aber ihr wißt ja, wie das in Norddeutschland ist. Die Männer gehen mit der Keule auf die Jagd, und wenn überhaupt jemand für Gefühle verantwortlich ist, dann sind das die Frauen, und die zeigen sie indem sie Unmengen kochen oder einem sündhaft teure grüne Lederjacken kaufen. Aber wie soll Lucas das merken?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn mein Vater alle drei Jahre mal auf einen Anrufbeantworter spricht, dann diktiert er in aller Regel Satzzeichen - alte Berufskrankheit - und da ich mich dann sofort hinsetze und mitstenographiere, bin ich ganz froh, daß er keine Nachrichten hinterläßt. Lucas hält mich mit meiner Mülltrennung schon für verrückt genug. Meine Mutter hat die Angewohnheit, auf den Anrufbeantworter zu brüllen: " Niciiiiiiii, wo treibst Du Dich schon wieder 'rum?" Das ist ein bißchen zu schwer für Lucas, aber ihr "Halloooooo, Niciiiiiiiii" macht er schon so gut nach, daß ich dauernd das Gefühl habe, ich säße in Springe im Wohnzimmer oder besäße einen Papagei. Gestern hat sie jedoch auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin auf das heftigste gesäuselt, darunter auch eigenhändig kreiertes Spanisch: "Te amo, te amo, te queme , te queme" oder so ähnlich. Ich war jedenfalls begeistert. Ich hoffe auch Lucas wird beeindruckt sein, wenn er nachher um fünf mal aufwacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern blamierte ich mich ein bißchen beim Kochen, weil ich den Spinat nicht richtig geputzt hatte. Dabei hat mir Cathrin noch zu Studienzeiten mit großer Liebe zum Detail beigebracht, wie man den Feldsalat richtig putzt - eigentlich hätte ich es wissen müssen. Gott sei Dank hat Arnold eine Spinatallergie und Frank hat aß mit Todesverachtung, wenn auch unfreiwillig zähneknirschend. Die Ente in Orangensoße war dafür lecker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzten Sonntag brunchte ich mit der größten jüdischen Großfamilie im Staate Michigan. Ich habe noch mehr Williamsburger (sprich Franzosen und Israelis) in den Kneipen kennengelernt, und weiß jetzt, daß man in Williamsburg sich einer Frau nicht einfach nähert, indem man scheinheilig fragt: " Kennen wir uns nicht von irgendwoher?", sondern wenigstens: " You look familiar, are you an artist?" Vielleicht mache ich es bald so wie mein indischer Freund Rohit, bei dem ich mich unlängst beklagte, was für ein hartes Los es sei, auf einer Künstlerparty in Williamsburg zugeben zu müssen, daß man Volkswirtin ist. " I describe myself as an mathematical artist", sagt er, mit seinem unvergleichlichem, unbezahlbarem indischem Akzent.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5517207666235027593?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5517207666235027593/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5517207666235027593' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5517207666235027593'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5517207666235027593'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/11/waschen-in-williamsburg.html' title='Waschen in Williamsburg'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4405924908891440224</id><published>2008-11-23T18:37:00.005+01:00</published><updated>2008-12-13T16:26:47.837+01:00</updated><title type='text'>Gepriesen...</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, Februar 2001&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;... sei der Tag, an dem der Vermieter in Hell's Kitchen auf die Idee kam, Vladi, Curzio und mich aus der Wohnung zu schmeißen - Williamsburg ist wunderbar! Es vereint alles in sich, was schön ist. An einem Sonnabendmorgen ist die Bedford Avenue wie die Osterstraße. Alle Einwohner, die nicht Künstler sind - also die Polen und ich - laufen eilig von Geschäft zu Geschäft und erledigen ihre Einkäufe oder halten an der Ecke noch einen kleinen Schnack. Das Schöne daran ist, daß man nicht bis ins Schanzenviertel radeln muß, um in ein hippes Kaffee zu gehen oder Second-Hand-Klamotten einzukaufen, denn die sind auch alle in der Bedford Avenue. Des nachts ist Williamsburg wie Ostberlin. Die Gebäude sind ein bisschen heruntergekommen, aber überall schießen kleine Bars, Clubs und Kaffees wie Pilze aus dem Boden. Wenn ich mich nur genug von den Outfits inspirieren lassen, die nach zwölf Uhr im L-Zug von Manhattan in die Bedford Avenue getragen werden, dann habe ich demnächst in der Hamburger Szene die Nase ganz vorne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man von mir zu Hause aus ein bißchen in den Süden läuft, landet man in Mexiko und Puerto Rico. Aus allen Läden schallt laute Salsa-Musik und Spanisch ist die Landessprache. Dorthin unternahm ich heute morgen einen kleinen Ausflug, nur um hinterher beim Kaffeetrinken im "Time Out" zu lesen, es sei in der Gegend vor zehn Jahren noch so gefährlich gewesen, daß sich die Künstler immer ganz fest beieinander eingehakten, um sich gegenseitig nachhause zu bringen, wenn sie ihr Atelier verließen. Die Vorstellung hat mir im Nachhinein doch noch einen kleinen Schreck versetzt, zumal ich mir Sorgen um den letzten Künstler mache, den niemand mehr nachhause bringen konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aufgeheitert in meinen trüben Gedanken wurde ich von einer netten israelischen Künstlerin, die als Kind einen Schüleraustausch nach Hannover gemacht hatte. Meine weitschweifigen Entschuldigungen dafür, daß Hannover nicht das Schönste ist, was unser Land zu bieten hat (wie gut, dass meine Eltern das nicht hören konnten), wies sie empört zurück. Hannover sei beautiful, so schön grün und neighbourhoody. Ha! Was für ein guter Tag!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hochmotiviert davon lief ich ein paar Straßenzüge in den Norden und fand mich tiefsten Polen wieder. Solche Fleischereien, wie man sie auf der Manhattan Avenue findet, habe ich seit meiner Radtour durch Ostpommern nicht mehr gesehen. Anstatt Telefonkarten kauft man dort kartyie telefonczkie, man ist im restauranczkaia polskaia, und wenn man sich amüsieren möchte, geht man in den club nocznyi.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich hatte ich in die hippen Klamotten-Läden gehen wollen, die es in bei uns um die Ecke zu Hauf gibt. Bloß hatte ich nicht mit den Künstlern gerechnet, von denen natürlich niemand vor ein Uhr aufsteht. Da neun- bis zehntausend davon in Williamsburg leben, sind auch die Öffnungszeiten dementsprechend. Lucas weiß schon, warum er mich immer auslacht, wenn ich während der Woche schon um zwölf oder ein Uhr ins Bett gehe. Ich habe mich des amerikanischen Traums bedient, um ihm mein auffälliges Verhalten zu erklären. Ich müsse gut arbeiten, damit es meine Kinder einmal besser haben könnten als ich. Das hat ihn wenig beeindruckt. So wie ich arbeitete, meinte er, würden sie bis hin zu meinen Urenkeln ein besseres Leben haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber selbst die Einführung der Mülltrennung in unserer WG konnte unser herzliches Verhältnis nicht ernsthaft trüben. Ich wählte einen Kompromiss, und trenne nur Flaschen, Papier und den Rest. Irgendwie hörte ich zu häufig das Wort "loco" aus Lucas' Telefongesprächen mit Argentinien heraust, als wir noch eine Extratüte für Plastik hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Übrigens kann ich jetzt endlich von mir behaupten, ich hätte Placido Domingo in der Met gesehen. Nur unter uns Pastorentöchtern gebe ich zu, daß er dirigiert hat, anstatt zu singen (der Torfkopf!). Ansonsten hätte ich wohl aber auch keine Karten bekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Donnerstag habe ich zusammen mit meiner Kollegin Anna zwei PhD-Studenten aus dem ersten Jahr von ihren Ökonometrie-Aufgaben aufgescheucht, um mit ihnen Salsa tanzen zu gehen, oder genauer Son Cubano. Mein russischer Tanzpartner hatte erstens noch nie Salsa getanzt und sah zweitens aus wie ein typischer russischer Intellektueller: groß, dünn und ein bißchen linkisch. So nett er ist, machte ich mir keinesfalls größte Hoffnungen, was das Tanzen anging. Jedoch weit gefehlt! Die russische Seele verschafft einem offensichtlich auch das richtige Gefühl für Rhythmus. Nach einer halben Stunde flogen unsere Hüften nur so, bis Giovanni beeindruckt meinte, noch eine Stunden bei dieser Lehrerin, und Artem und ich würden in Kuba eingebürgert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Washington habe ich ganz vergessen! Ich hatte eigentlich zumindestens so etwas wie Chicago erwartet. Aber obwohl es sehr schnuckelige Ecken und schöne Museen gibt, ist es alles in allem wie Bonn ohne Rheinländer. Dennoch haben Moni und ich uns ordentlich in den Museen gebildet und alles losgemacht, was sich irgendwie losmachen ließ. Sie hatte dort ein gute Zeit, wurde von allen geliebt und auf Händen getragen - wen wundert's? Jetzt sitzt sie für vier Monate in College Station, Texas, und gruselt sich ein bisschen. Sollte sie nicht, sie macht alles richtig. Schließlich werden wir alle von Amerika aus regiert. Und so schön und spannend New York ist, dass Leute wie George W. Bush hier Präsident werden, wird nicht in New York entschieden, sondern in Kalamazoo, Michigan, und College Station, Texas. Wer dort nie gewesen ist, kann die Welt nicht wirklich verstehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4405924908891440224?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4405924908891440224/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4405924908891440224' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4405924908891440224'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4405924908891440224'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/11/gepriesen.html' title='Gepriesen...'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4329752424522344293</id><published>2008-08-24T09:19:00.071+02:00</published><updated>2009-02-28T09:27:49.880+01:00</updated><title type='text'>Entdecke Deinen Kiez - Dichtung und Wahrheit</title><content type='html'>Mein Stadtviertel hat einen schlechten Ruf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gleichgestaltet", urteilen die Kreuzberger abfällig und sind stolz auf die verschleierten Frauen in ihrer Straße und deren Söhne, die mit Goldkette, viel Gel im Haar und wuchtigen Oberarmmuskeln zu hämmernder Musik Luxuswagen durch das Viertel steuern, während ihre Schwestern neben Studium und Beruf in progressiven Parteien oder Verbänden Integrationsarbeit leisten. Die Kreuzberger sind stolz auf diese Nachbarn, und das ist nicht schwer zu verstehen. Aber in der Regel dürfen sie nicht einen von denen auch nur ihren Bekannten nennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Westdeutsche Kleinstädter", höhnt Kai. Er muss es wissen. Schließlich ist er selber einer und fühlt sich wie wir alle in der Großstadt ungemein befreit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bionade-Biedermeier", titelt ein westdeutsches Wochenblatt, dessen Artikel in den letzten zwanzig Jahren zwar deutlich kürzer, aber deswegen noch lange nicht weniger langweilig geworden sind. Die Autorin ist sicher mächtig stolz auf ihre Alliteration. Der Schatz hält sie für eine Eimsbüttlerin, die jeden Sonnabend in der gleichen Portugiesen-Bar verbiestert ihren Galao trinkt und nichts lieber täte, als sich eine große Sonnenbrille aufzusetzen und sich frei zu fühlen zwischen den all gutaussehenden, nicht mehr ganz so jungen Leuten hier, die seit neuestem Vollbärte tragen, oder - wenn sie das nicht können - immer noch die Miniröcke über Leggins aus dem letzten Jahr. Dazu, wenn möglich, einen schwangeren Bauch. Statt des immergleichen Galao hätte sie die Wahl zwischen schnieken Cafés mit Kaffee und Kuchen, großräumigen ausländischen Restaurants mit Brunch-Mozzarella und Tomaten bis sechs Uhr abends und einräumigen Bars, die Milchschaumkaffee und aufwändige Sandwiches auf Holzstühlen und Sesseln vor der Tür anbieten. Deren Gäste schreiben auf ihren Labtops oder versperren den Bürgersteig mit ihren Kinderwagen. Anstatt zu arbeiten verfolgen sie Projekte - zum Beispiel Artikel schreiben für dieses Wochenblatt. Es sei denn sie fahren morgens doch klammheimlich zum Dienst, um spätestens bis neun Uhr einzustechen. Denn unser Viertel ist nicht zuletzt eines der bedeutensten Beamtenghettos der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher wohnten hier Kommunisten, die im Widerstand kämpften. Gleich um die Ecke ist Hans Rosenthal aufgewachsen, bis ihn jemand vor den Nazis in einer Gartenlaube versteckte. Und während der Teilung haben sich die Denker und Bohemiens in den langsam zerfallenden Altbauwohnungen Nächte lang diskutiert und selbst gedichtete Lieder gesungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Mauerfall übten die Einschußlöcher in den Häuserfassaden, die vielen leeren Wohnungen mit Außentoiletten und Kohleheizungen und all die Freiräume dazwischen eine magische Anziehungskraft auf Studenten und Lebenskünstler aus, die sich von der westdeutschen Wohlstandsgesellschaft abgrenzen wollten, aus der sie kamen. Oder auf russische Abenteurer, die vorher in Moskau in halb so großen Wohnungen zusammen mit drei Familien gewohnt hatten. Sie alle zusammen besetzten Wohnungen, die niemandem gehörten, veranstalteten Picknick auf den Dächern und Pillenexzesse, feierten wilde Partys und spielten Konzerte in den Innenhöfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen ist die Zeit über das Viertel hinweg gezogen. Durch die Straßen fahren Touristenbusse, deren Insassen die vielen Bars und Cafés bestaunen sollen. Die Häuser sind fein renoviert und ihre Insassen sind mit den Studenten von damals gealtert. Sie sind zu Geld gekommen und haben die Bewohner von einst gnadenlos mit Hilfe von Mietpreissteigerungen über die Danziger Straße vertrieben. Sie kaufen nur Ökolebensmittel und Ökostrom, melden ihre Kinder mit zwei beim Yoga an und mit drei beim Mandarin-Unterricht. Wenn diese hochgebildeten Kleinen wegen Überfüllung der nächst gelegenen Schule eine erste Klasse zusammen mit lauter bis an die Zähne bewaffneten Araber-Kindern im Wedding besuchen sollen, strengen sie Gerichtsprozesse an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich traf ich am ein dickes Ehepaar im Alter meiner Eltern aus meiner Heimtastadt, die sich im Viertel eine Eigentumswohnung gekauft haben, um öfter mal die schicken Restaurants und Theater besuchen zu können. Ganz gleich wie weit man reist, seiner Herkunft entkommt eben nicht so leicht...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und die Ausländer im Viertel sind nichts als ein Abbild unserer selbst, nur mit einer anderen Muttersprache. Bürgerkinder aus reichen Industrieländern, die die billigen Mieten dankbar annehmen - denn alles ist relativ - um hier nach Freiräumen zu suchen und sich auszuprobieren. Amerikanische Buchhändler, französische Sängerinnnen und Gastronomen und Italienerinnen, die sich entnervt von den niedrigen Löhnen in ihrer Heimat hier als Lehrerin verdingen. Wir nennen sie gerne Edelkanacken. In unserem Flirt-Kaiser's ist Deutsch nur eine Sprache von vielen. Aber richtig ist auch, dass der vietnamesische Gemüsehändler und der Döner-Verkäufer nicht im Viertel wohnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An all diesen Vorurteilen ist mehr als nur ein Kern Wahrheit. Aber wer nur das sieht, weiss nichts davon, was in unserem Viertel los ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie ahnen nicht von Karina, der Flamenco-Lehrerin, die mit ihrem charmanten Österreicher im dritten Stock lebt und an ihr Kind nur Mutterliebe läßt. Sie wissen nichts von Clara, die im fünften seit Jahren an ihrer Kollektion hochwertiger Mode-Accessoires arbeitet und bald ein großer Star sein wird, wenn sie endlich damit an die Öffentlichkeit tritt. Und sie wissen nichts von Molly und Polly im zweiten, die schon vor dem Mauerfall hier wohnten. Bestimmt erledigten sie auch damals bereits die Aufgaben der Concierge  und fragten jeden Nachbarn, den sie im Treppenhaus trafen, nach allen näheren Lebensumständen aus. Von der Tomatenzucht im Sandkasten und dem Partytisch im Hof und von den Teenagern, die hinter den Fahrradständern Wasserpfeiffe rauchen, wissen sie ohnehin nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie wissen nichts von dem vitalen, unverdrossenen Unternehmergeist, der im Viertel herrscht, beseelt von unerschütterlichem Optimismus auch die abwegigste Idee noch zu vermarkten sucht und sich von keinem Rückschlag auf der Welt den Mut nehmen läßt. Schon der dritte Psychotherapeut mit heilpraktischer Ausbildung hat sich in der Straße niedergelassen und das ganze Viertel wimmelt nur so vor Angeboten für fernöstliche Massagepraktiken, Entspannungstechniken und Heilbäder. "Wovon wollen die sich hier entspannen", staunt ein Kollege im Büro immer, der sonst in London zuhause ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obwohl unsere Straße eine der ruhigsten des Viertels ist und niemand ernsthaft auf Laufkundschaft hoffen kann, hat sofort ein Töpferin das Geschäft nebenan übernommen, als die Vorgängerin aufgeben musste, die szenige Büstenhalter und praktische Wickelhemden mit Tragevorrichtungen für Windeln und Flaschen für Schwangerschaft und Stillzeit entworfen hatte. An der Ecke habe sich zwei Avantgardisten niedergelassen, die in einem riesigen Schauraum eine Handvoll vom letzten Schrei ausstellen und so tun, als verkauften sie die Ware für 700 Euro das Stück. Jedesmal, wenn sich doch ein potenzieller Käufer mal in die Nähe des Ladens verirrt, müssen sie fluchartig ihren Zigaretten- und Bierposten auf der Straße verlassen und hinter der Kasse vorgeben, sie seien erfolgreiche Geschäftsmänner. Schon in der zweiten Woche mussten sie Sonderangebote machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An einem Ende der Straße schenkt eine Schwulenkneipe an die härteren Jungs der Szene aus. Einen privaten Filmclub gibt es, dessen Wesen es uns nie richtig gelungen ist zu ergründen. Am anderen Ende hat eine Galerie eröffnet, die in Berlin und St. Petersburg esoterische Kunstwerke ausstellt. Und ein paar Schritte weiter an der Allee betreibt eine bildschöne, türkische Geschwistergruppe ein großräumiges mexikanisches Restaurant. Es geht wie die Pest. Ihre Gäste sind nicht die westdeutschen Kleinstädter aus dem Viertel, die eher Kneipen im Wohnzimmerformat bevorzugen, sondern die Einwohner von ehedem und deren Kinder, die immer noch gerne vom Norden über die Alleen abends ins Viertel kommen, um sich zu amüsieren. Bei der Fußballeuropameisterschaft hatten sie einen Flachbildschirmfernseher auf der Straße aufgebaut. Das Spiel Türkei gegen Deutschland haben wir alle zusammen mit den Freunden der Gastwirte geguckt, die im türkischen Schlachtenbummlerlook angereist waren. Beim Siegtreffer für Deutschland wechselten sie spontan die Seiten und wir hatten eine Menge Spaß zusammen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der anderen Seite der Allee verkauft Holger portugiesische und deutsche Weine und bringt den Bewohnern des Viertels am Wochenende das Kochen bei. Er erzählt gerne, dass er sich jetzt mehr um die Familie kümmern will und einen Rhythmus mit Anspannung und Entspannung sucht. Um das zu verwirklichen, hat er erst einmal mit der Anspannung angefangen und nebenan noch einen Laden aufgemacht, der Mittags aufwändig selbst gemachte deutsche Gerichte für fünf Euro verkaufen will an die Architekturbüroberater, die Webdesigner und Werbetexter im Viertel, die selbst auch keine Kunden haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drei Straßen weiter zeigt ein Kunstkino deutsche Filme über Underdogs. Vor Filmbeginn müssen sie sich bei den sechs Zuschauern für die Unterbrechung in der Mitte des Films entschuldigen, wenn sie die Rolle wechseln. In der gleichen Straße glaubt einer, er kann mit dem Verkauf von Wasserpfeiffen und Pharaonenstatuen sein Geld verdienen. Wenn er aufgibt, wird jemand den Laden übernehmen, der dort namibische Kunstobjekte verkauft - das weiß ich jetzt schon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das ganze Viertel ist voll von Läden, in denen gut aussehende, sympathische, junge Männer Fahrräder reparieren. Ein Traum!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schatz glaubt, der Sizilianer, der auf der Hauptstraße ein Restaurant betreibt, braucht eine halbe Stunde, um seine Baskenmütze so schief zu justieren, bevor er zur Arbeit. Seine Kollegen haben uns aus Versehen Fisch gebracht anstatt der Kalbsleber - der köstlichste Fehler unseres Lebens. Um alles wieder richtig zu stellen, kam eine Kostprobe der Kalbsleber gleich hinterher. Natürlich stand nur die auf der Rechnung und den Wein haben sie uns erst berechnet, nachdem wir sie strengstens dazu aufgefordert hatten. Aber die Stimmung war erstklassig. Als der Schatz - nachdem er mir das ganze Essen über von dem Paten erzählt hatte - den Sizilianer fragte, wer in der Stadt Canolli machen könnte, meinte der sein Vater, kein Problem, wir sollten nur vorher Bescheid sagen. Nur den richtigen Ziegenkäse zu finden, sei in der Stadt sehr schwer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von dem russischen Theater, den Tanz- und Theaterbühnen im Viertel habe ich noch gar nichts erzählt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, wir sind das, was sie in Frankreich Bobos nennen - Bürgerbohemiens. Oft auch einfach nur bürgerlich. Aber wir wohnen trotzdem gerne hier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe auch in Eimsbüttel gerne gewohnt. Der Galao war lecker und die natas do ceu erst! Der Fischladen sucht in ganz Berlin seinesgleichen. Und in der Müggenkampstraße hat ein sympathischer Libanese noch zu meiner Zeit ein gemütliches Lesecafé mit leckerem Kuchen aufgemacht, aber wahrscheinlich nach sorgfältiger Marktstudie und nüchternem Abwägen aller Risiken. Er ist heute noch erfolgreich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den ganzen chaotischen, kreativen, unternehmerischen, optimistischen Rest gibt es dort nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4329752424522344293?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4329752424522344293/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4329752424522344293' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4329752424522344293'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4329752424522344293'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/08/entdecke-deinen-kiez-dichtung-und.html' title='Entdecke Deinen Kiez - Dichtung und Wahrheit'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2281666907158537471</id><published>2008-08-20T00:10:00.005+02:00</published><updated>2008-08-20T00:26:57.142+02:00</updated><title type='text'>Lebemänner in New York</title><content type='html'>&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus New York, Februar 2001&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Mein Heimweh ist überwunden und in Williamsburg habe ich mich wunderbar eingelebt. Ich genieße meinen Blick aus dem Schlafzimmer auf Manhattan und das Gefühl, am Meer zu leben. Wenn ich morgens zur U-Bahn laufe, fliegen die Möwen über meinen Kopf hinweg.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Williamsburg ist wie das Schanzenviertel, jedenfalls, was den Look der Leute angeht. Ich warte immer nur darauf, daß mich jemand anpfeift, ich solle doch zurück nach Eppendorf gehen, so wie es mir dort einst widerfuhr. Ansonsten ist es den Williamsburgern mit dem Hippsein etwas ernster - sie haben alle entweder ein Skateboard unter den Fueßen oder einen Geigenkasten unter dem Arm. Und das nicht nur zur Zierde.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Am Sonnabend wollten Jeanette und ich eigentlich Salsa tanzen gehen. Irgendwie bogen wir aber falsch ab, und ließen uns von Bartender A ( eigentlich Fotograf) auf die "Künstlerloftparty" von Bartender B ( eigentlich "Maler") abschleppen. Leider ließ die Malerei von Bartender B nach meinem Geschmack etwas zu wünschen übrig. Darüberhinaus stellte er sich als dermaßen betrunken heraus, daß ich ihn bei unserem Tänzchen nicht nur führen mußte - was ich zugegebenermaßen ganz gerne tue - sondern im Prinzip auch allein dafür verantwortlich war, daß er sich in der Vertikalen hielt. Das war mir dann doch ein bißchen zu viel. Wobei der mir noch lieber war, als der noch wesentlich betrunkenere junge Man an der Bar, der die Morde der RAF als notwendigen Gewaltakt gegen den Kapitalismus einstufte, allerdings weder Ulrike Meinhof noch Joschka Fischer kannte, dem es auch als Nicht-RAF-Mitglied zur Zeit mühelos gelingt, es mit seinen Straßenschlachten aus der Jugend in die New York Times zu schaffen. Sein Gehalt bezieht der RAF-Sympathisant übrigens vom kommunistischen, amerikanischen Staat - als Geschichtslehrer. Und macht sich jetzt jemand von Euch ein Vorstellung davon, welche Sorgen ich mir um amerikanische Kinder mache?&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;N. setzte mir neulich beim Mittagessen auseinander, daß die Deutschen mit ihrem Krieg und ihrer Judenverfolgung neben allem andern zwar ihre eigene akademische Basis komplett zerstört, dafür aber die der Amerikaner weit nach vorne katapultiert hätten. Mit anderen Worten, wär der Krieg nicht gewesen, dann müßte Nadiri jetzt mich besuchen und ich bräuchte kein Heimweh zu haben. Wußtet ihr, daß Fritz Machlup nicht nur dermaßen gutaussehend war, daß er immer eine Traube von Frauen hinter sich herzog (auch noch mit achtzig), sondern auch ein derart hingebungsvoller Ökonom, daß er regelmäßig auf Festen um elf Uhr aufsprang, um an die Uni zu fahren und weiterzuforschen? Konsequenterweise ist er auf einer Konferenz tot umgefallen, als er gerade eine Frage stellte. Auch Oskar Morgenstern glänzte an der NYU nicht nur mit der Erwartungsnutzentheorie, sondern auch mit Schönheit und österreichischem Charme. N. bezeichnet die beiden als deutsch, aber das muß ich meiner Tante und meinem Onkel zuliebe korrigieren, die sehr strenge Leser meines Bulletins sind.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Mal sehen, ich heute abend Lucas treffe. Inzwischen habe ich auch richtigen Kaffee gekauft, das heißt, wenn ich wir uns begegnen, kann ich dann auch nicht mehr schlafen. Und sonst finde ich morgens immer ein Zettelchen von ihm. Vorgestern hatte er gekocht. Weil ich es ab und zu mal wage, eine schmutzige Schüssel für ihn mitabzuspülen, hat er einen Zettel an das Geschirr gehängt:&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;"Spülen verboten - ich mache das!"&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2281666907158537471?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2281666907158537471/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2281666907158537471' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2281666907158537471'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2281666907158537471'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/08/knstlerpartys-in-williamsburg.html' title='Lebemänner in New York'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2728351655658664319</id><published>2008-08-06T15:06:00.067+02:00</published><updated>2008-08-20T00:05:17.451+02:00</updated><title type='text'>Dunkle Kiefernwälder - die Zivilgesellschaft von S.</title><content type='html'>In das Städtchen S. hatte uns einer dieser harmlosen Sonntagsausflüge geführt, die man morgens in der Berliner S-Bahn damit beginnt, seine mitgeführte Tagesration an Stullen kurz nach dem Einsteigen restlos zu verzehren. Es war der Endpunkt einer romantischen Fahrt durch blitzblank renovierte, wenn auch nahezu unbewohnte Dörfer durch dunkle Kiefernwälder und über weite, mit Klatschmohn gesäumte Felder. Nur selten hatte der märkische Sand dabei das Fortkommen erschwert, besitzen doch die Fahrradwege in dieser Gegend in der Regel der EU-Regionalförderung sei's gedankt Bundestraßenqualität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir eben vor der geplanten Besichtigung des als malerisch geltenden Städtchens unser wohlverdientes Mineralwasser austrinken wollten, entwickelten sich am anderen Ende des Marktplatzes Tumulte. Ein vermutlich mit verschiedenen Drogen aufgeputschter Mann mit äußerst kurzen blonden Haaren brüllte einen Dunkelhaarigen an und schlug dabei abwechselnd ihn und sein Auto. Einer Frau mittleren Alters, die zu schlichten versuchte, schenkte er keinerlei Beachtung. Oder doch, denn wie sie später berichtete, blieb auch sie von seinen Schlägen nicht verschont. Aus schwer nachvollziehbaren Gründen versuchte der Dunkelhaarige sich mit seiner mangelnden Zahlungsfähigkeit zu verteidigen und wies dabei auf seine Arbeitslosigkeit hin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bürger von S. schalteten schnell ihre Fernseher aus und versammelten sich am Straßenrand und an ihren offenen Fenstern, um zu staunen, wenn sie sich nicht im angrenzenden Biergarten in der priviligierten Situation befanden, gleichzeitig das Geschehen und die Europameisterschaftspartie Italien gegen Spanien verfolgen zu können. Unsere Versuche, in Erfahrung zu bringen, ob jemand die Polizei gerufen hatte, führten nicht weit. Die meisten reagierten auf Nachfragen gar nicht. Ein älterer Herr forderte mich auf, zwei Männer, die sich vermöbelten doch in Ruhe zu lassen, solange sie keiner Frau etwas täten. Ich fragte mich, ob die Brandenburger sich mit der Annahme einer südländisch-patriarchalischen Geisteshaltung auf die Olivenhaine und die sonnige Ostseeküste vorbereiten wollten, die der Klimawandel womöglich bald in diese Gefilde bringen wird, und betrachtete dabei sorgenvoll das Blut, das inzwischen beiden Kämpfern aus dem Mund floß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während ich mich noch in solchen Überlegungen erging, hatte der Schatz schon längst die Polizei von S. angerufen und marschierte entschlossen auf die Gaffer im besten Mannesalter zu, um sie wie aus einer polizeilichen Anleitung zur Gewaltdeeskalation gezielt anzusprechen und zur Hilfe aufzufordern. Nun pfeiffen die Bürger von S. aber auf solche Anleitungen. Sie ziehen das passive Staunen vor. Lediglich der wuchtige Wachmann vor der Sparkasse ließ sich schließlich beim dritten Anlauf davon überzeugen, behilflich zu sein. Es gelang ihm sogar, den Angreifer mit einer imposanten Gorilla-Pose vorübergehend dazu zu bringen, von seinem Opfer abzulassen. Aber schon bald brüllte er wieder wie ein Tier, schlug und trat auf den Dunkelhaarigen ein und bezichtigte die angesichts der Aussichtslosigkeit ihrer eigenen Deeskalationsversuche inzwischen verzagte Frau, die sich als seine Schwiegermutter in spe entpuppte, des Verrats der Familienehre. Ich verwarf die Olivenhaine. Statt dessen tauchten rauhe, kurdische Bergdörfer und finstere Dorfälteste mit zerfurchten Gesichtern vor meinem geistigen Auge auf, während ich immer verzweifelter von einem durchtrainierten Gaffer zum nächsten lief, um sie zunehmend schrill und doch  unverändert ergebnislos darum zu bitten, dem langen schlaksigen Brillenträger ohne Muskeltraining und Kampferfahrung dabei zu helfen, ihren Nachbarn ruhigzustellen. Es half auch nichts, dass ich an den Zaunstäben des Biergartens rüttelte - wer gibt schon einen Platz auf, auf dem er auch ohne Fouls gleichzeitig Fußball und Gewalt sehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich stürzte ich mich in Panik um meinen Schatz in das Kampfgetümmel - der Kampfhund des Angreifers hatte sich inzwischen eindeutig als altersschwach und zahnlos erwiesen. Das veranlaßte den Angreifer, sich vorübergehend zu beruhigen, meine Hand zu ergreifen und mir seine Gewaltlosigkeit gegenüber Frauen zu beteuern. Ich entschied mich endgültig für Kurdistan. Während ich innnerlich nach taktvollen Wegen suchten, der Schwiegermutter auf der Suche nach einem friedlicheren und moderneren Schwiegersohn Online-Partnersucheforen für ihre Tochter nahezulegen, geriet ich äußerlich in wachsende Panik. Der Schatz hatte offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als den inzwischen wieder tobenden Angreifer zu Fall zu bringen. Immerhin verfehlten meine gellenden Schreie, man möge doch die Sehhilfe meines Freundes und die damit verbundenen Gefahren in dem Handgemenge nicht völlig vernachlässigen, ihre Wirkung nicht ganz. Als der Angreifer mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug, machte er nicht etwa von dem Messer Gebrauch, das ihm aus der Tasche gefallen war, sondern forderte den Schatz auf, es gut sein zu lassen, denn seine Freundin habe Angst. Der blieb trotzdem auf dem Mann knien, bis endlich die Polizei kam. Noch heute schwillt meine Brust vor Stolz, wenn ich an diesen Heldenmut denke!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ankunft der Polizei nutzte ich, um die Bürger von S. wüst zu beschimpfen, sie aufzufordern, sich zu schämen, und die Frage aufzuwerfen, ob sie auch gaffen, wenn eine Frau auf ihrem Marktplatz vergewaltigt wird. Wahrscheinlich stellen sie sich eher hinten an. Der Schatz konnte mich gerade noch davon abhalten, das Geschehene zum Anlaß zu nehmen, lautstark über die politische Haltung der ostdeutschen Landbevölkerung nachzusinnen. Das wäre auch nicht fair gewesen, denn immerhin waren die Schwiegermutter und der Wachmann mutig gewesen, letzterer womöglich allerdings eher von Berufs wegen. Das ist eine dünne Ausbeute, aber es ist nicht nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Bahnhof von S. mussten wir schließlich feststellen, dass die helle Haut und die lokale Abstammung der örtlichen Jugend offenbar nicht dabei hilft, besser deutsch zu sprechen als einige Neuköllner, um deren Fähigkeiten und Chancen ich mich gelegentlich in der Berliner U-Bahn sorge. Wir fuhren sehr betrübt nachhause und fragten uns, wie man mit solchen Menschen eine würdige Zivilgesellschaft aufbauen soll. Wahrscheinlich von Grund auf umerziehen, aber wie fängt man das an?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hat Hans zu Bedenken gegeben, dass weder die Zeiten noch die Menschen schlimmer geworden sind. Im Gegenteil, die Bewohner seines westdeutschen Dorfes brauchten in den Siebzigern nicht einmal Alkohol, um brutale Gewalttaten zu begehen. Auch ich muss mich, wenn ich ehrlich bin, an wüste Schlägereien zwischen Nazis und ihren Gegnern auf den Jugend- und Schützenfesten meines westdeutschen Heimatortes erinnern. Doch das mag zwar die Situation in Ostdeutschland und die heutige Zeit in Perspektive zu setzen, ein rechter Trost ist es nicht. Ich versuche mich lieber damit zu trösten, das die Berliner geholfen hätten - jeder einzelne, ganz bestimmt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2728351655658664319?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2728351655658664319/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2728351655658664319' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2728351655658664319'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2728351655658664319'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/08/dunkle-kiefernwlder-die.html' title='Dunkle Kiefernwälder - die Zivilgesellschaft von S.'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4163679982009939626</id><published>2008-08-06T14:56:00.003+02:00</published><updated>2008-08-20T00:07:05.551+02:00</updated><title type='text'>Williamsburg und Heimweh</title><content type='html'>&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus New York, Januar 2001&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;Heute schreibe ich Euch als stolze Besitzerin einer neuen Wohnung, eines neuen Mitbewohners und eines neuen Haarschnitts. Wie Ihr Euch denken könnt, ist in der letzte Woche mal wieder eine Menge passiert...  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Mein Freund Frank, der Friseur aus Hell's Kitchen, mußte für seine Ausbildung ein Modell frisieren. Dafür hatte er mich auserkoren. Da Frank, Arnold und ihre Freunde mich in der Tenth Avenue Lounge immer wie eine Prinzessin behandeln, mir jeden Drink spendieren, mich zu dritt nach Hause begleiten, und Frank dabei ununterbrochen durch meine Haare fährt und exaltiert ruft "you're beaueaueaueautiful", kann ich dem Mann keine Bitte abschlagen. Bin schließlich auch nur eine Frau. So trug es sich also zu, daß ich vergangene Woche im Uptown Vidal Sassoon Salon in der Fifth Avenue über einen mit schwarzer Plane auf den Boden geklebten Laufsteg stolzierte, und posierte, als hieße ich Claudia Schiffer und hätte noch nie in meinem Leben etwas anderes getan. Dabei fällt mir übrigens ein, daß wir heute noch über Curzio lachen muß, der Frank einmal fragte, ob man bei Vidal Sassoon auch etwas essen kann, weil der sich kurz zuvor beklagt hatte, daß er den ganzen Tag bedienen muß (was ich natürlich nicht dazu sage ist, daß Tim mir mal kurz hintereinander erst von Küchenschwämmchen und dann von der Hilfinger-Etage im Macy's erzählte, woraufhin ich - leider laut - schloß, daß Hilfinger Küchengeräte herstellt).  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Aber der Teufel liegt im Detail, und mit unseren Verhandlungen, wie genau der neue Haarschnitt auszusehen habe, unterhielten wir den ganzen Salon. Ich muß dazu sagen, daß ich mich nach sieben friseurlosen Monaten inzwischen langer, wallender Locken erfreue, die ich auf keinen Fall hergeben wollte. Wir konnten uns schließlich darauf einigen, daß Frank zumindest mein Gesicht freilegen durfte. Aber die anderen Friseure machten sich während der gesamten Prozedur einen Spaß daraus, sich neben uns zu stellen, die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen und zu rufen "oh Gott, Du hast ihr eine Glatze geschnitten!".  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Noch zäher waren meine Verhandlungen mit Roberto, dem Koloristen aus Chile, der mich blond färben wollte. Aber Bernd und Nina haben mir blond verboten, und außerdem will ich nicht alle zwei Wochen Haaransätze nachfärben müssen. In unseren Streit mußte sich schließlich der Chefkolorist einschalten, der sich zum Glück auf meine Seite schlug und befand, daß es eine rote auswaschbare Biofarbe auch täte. Trotzdem versuchte mich Roberto damit zu schockieren, daß er zum Abschied "I see you on Wednesday for blond highlights" rief. Daß er dann meine Stirn gleich ein bißchen mitfärbte, entschuldigte er damit, ich hätte ihn so gehetzt.   &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Nach der Friseursoirée lud ich Frank noch zu einem Drink ein, denn ich bin mehr als zufrieden mit den Ergebnis. Dann holte ich meine Taschen bei Yvonne ab, und fuhr nach Williamsburg, wo ich eine Stunde später auch Lucas in Empfang nehmen konnte, der gerade vom Kellnern zurückkam. Wir tranken einen Begrüßungsmuckefuck zusammen, er zeigte mir alle Fotos von seinen Freunden aus Buenos Aires und lud mich nach Argentinien ein. Ich fand es weniger beruhigend, daß er uns als zwei Marineros ohne Capitan bezeichnete - anscheinend weiß er ohne Luli noch nicht einmal, wo er in Williamsburg waschen gehen muß. Aber nachdem ich Vladimir und die Maus abgewickelt habe, zähle ich den Umgang mit gutaussehenden, aber hilflosen südländischen Mitbewohnern zu meinen angenehmeren Aufgaben.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Lucas ist sehr herzlich und rücksichtsvoll, und außerdem hat er einen gesegneten Schlaf. Das ist sehr wichtig, denn er lebt nachts während ich tagsüber lebe. Wenn wir uns nicht zufällig nachts um zwei zum Muckefuck trinken treffen, dann sehe ich ihn nur morgens, wenn er auf dem Sofa knackt, während ich mein Müsli esse. Trotzdem ist die Wohnung in Williamsburg ein Fortschritt gegenüber Hell's Kitchen, denn wir haben ein separates Bad und eine Tür zwischen seinem und meinem Zimmer. Das Bad ist gleichzeitig unsere Telefonzelle. Wenn Lucas von der Arbeit nachhause kommt und ich schon schlafe, nimmt er seine Schokolade und seine Zigaretten und setzt sich eine Stunde lang auf den Toilettendeckel, um mit seinem Bruder in Buenos Aires zu telefonieren.  &lt;/p&gt;    &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Damit ich mich auch zuhause fühlen kann, will er mir ein bißchen Platz auf der Kühlschranktür machen, wo alle "fotos de carino" hängen. Dies bringt mich ein bißchen in Zugzwang, denn die Argentinier haben augenscheinlich ein vollkommen anderes Verhältnis zu ihrem Körper. Luli posiert auf jedem Foto mit einer anderen Haarfarbe, im Bustier mit ihren Freundinnen oder tauscht wildgeschminkt, mit hochtopierten Haaren getürkte Zungenküsse mit einer anderen glutäugigen Schönheit. Auf dem Toaster klebt ein Oben-Ohne-Foto ihrer Schwester - neckischerweise sind die Brustwarzen mit bunten Sternen abgeklebt. Carina hat mir Fotos von den Hamburgern mitgegeben aber dummerweise seid Ihr darauf alle angezogen, und ich habe Angst, daß die Argentinier dann glauben, ich hätte Euch nicht lieb. Könnt Ihr mir nicht alle noch einmal ein Nacktfoto schicken?&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Aber Foto hin oder her, ich habe gerade mörderisches Heimweh! Ich will morgen gar nicht zur chinesischen Neujahrsparade, ich will zu Carina zum Frühstücken gehen, und mich nicht von meinem Stuhl erheben, bis Bernd abends um zehn zum Koreaner geht, um einen Imbiß zu holen, und danach eine von seinen guten Weinflaschen aufmacht. Ich will mit Nina am Sonntag im Alten Land Fahrrad fahren, und ich möchte emails von Ina bekommen, in denen steht, daß sie mit uns Kreischziegen mal wieder einen saufen gehen möchte. Ich will, daß Susanne auf dem Kiez eine Flasche Sekt ausgibt und dann die Zeche prellt, und ich möchte neben Stefan in der Abendmensa sitzen, wenn er seinen Kaffee trinkt, ohne auch nur Anstalten zu machen, die Hand zur Tasse zu führen. Ich möchte, daß Uta eine Stunde zu früh mit ihrem halben Hausstand zu meiner Party kommt, und schon mal die Bierflaschen in die Dusche stellt, weil ich es alleine mal wieder nicht hinbekomme, und Maik soll fünf Tage lang unentschuldigt von der Arbeit fehlen, weil die Herzensangelegenheiten, die er in Spanien zu regeln hatte, zu dringlich waren, um nun auch noch den Chef über den Grund seiner Abwesenheit zu unterrichten. Birgit soll mit ihrem Peugeot-Lieferwagen und eigenem Bettzeug in Eimsbüttel für eine Nacht aufkreuzen, bevor sie zu Oma nach Husum fährt, und ich will rote Soße bei Peter essen und mit Mark nach der Arbeit einen schnappen gehen. Meine Eltern sollen mich auf eine Finkenwerder Kutterscholle mit Speck nach Teufelsbrück einladen, nachdem wir uns so lange gestritten haben, ob wir lieber in der Lüneburger Heide oder an der Alster spazieren gehen wollen, bis es Zeit ist, wieder nach Springe zu fahren. Nicola soll mir im Solo haarsträubende Geschichten von ihrer Kollegin Schlatter erzählen und sonnabends will ich mit Kiki und Oliver in der Schanze frühstücken gehen, aber die Torfköpfe sind ja nach Frankfurt gezogen... Danach will ich mit Nick im Karoviertel Kuchen mit Astra essen.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;In meinem Schmerz ging ich gestern noch in meiner neuen Puschenkneipe auf ein Bierchen, und da New York bekanntlich klein ist, traf ich dort per Zufall Yvonne und deren Freundin Sabine, eine Grafikdesignerin aus Winterhude, die auf unbestimmte Zeit in New York arbeitet. Sie hat die letzten beiden Tage nur geheult, weil sie so ein Heimweh hat. Erst fühlte ich mich verstanden, aber dann fragte ich mich, wie man als Osthamburgerin Heimweh bekommen kann. Nina?  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Wahrscheinlich weil man es nicht besser kennt ...  &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4163679982009939626?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4163679982009939626/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4163679982009939626' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4163679982009939626'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4163679982009939626'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/08/email-aus-new-york-januar-2001-heute.html' title='Williamsburg und Heimweh'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3645319997456306666</id><published>2008-07-30T23:01:00.002+02:00</published><updated>2008-07-30T23:23:23.708+02:00</updated><title type='text'>Die ersten Wochen in Paris</title><content type='html'>&lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus Springe, Dezember 2002&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich steckt der Brasilienreisebericht an allererster Stelle in der Pipeline und harrt verdrängt durch Wohnungssuchhektik und Eingewöhnung in Paris seit Wochen vergeblich seiner Bearbeitung. Das soll nicht ewig währen. Da dieser Bericht jedoch aufgrund zahlreicher, haarsträubender Abenteuer ein größeres Unterfangen darstellt, will ich mich an dieser Stelle auf das wichtigste Ereignis der Reise beschränken, und danach dem neuesten Stand der Dinge in Paris den Vorrang geben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwar sah es bei unserem Piranha-Fangwettbewerb im Amazonas einen quälend langen und zudem brütend heißen Tag lang so aus, als würde Susi mit einer beeindruckenden Bilanz von 13 zu einem Piranha als strahlende Siegerin daraus hervorgehen, doch konnte ich bei Sonnenuntergang das Ruder mit einem Überraschungscoup in letzter Sekunde noch einmal herumreißen. Ich fing mit einem von Susis mickrigen Piranhas eine riesige Meerkatze, und entlarvte dadurch ihren mit immer deutlicher artikuliertem Triumph aus dem Amazonas gezogene Beute als schlichtes Vorleistungsgut. Ich will nicht näher darauf eingehen, daß Sami, unser Indio-Führer, meinen Fang durch das Erhaschen eines Babyalligators mit bloßen Händen noch am selben Abend etwas relativieren sollte. Das eine oder andere Urlaubserlebnis stellt sich sehr unterschiedlich dar, je nachdem ob Susi es schildert oder ich.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Abgesehen jedoch von kleinen Rivalitäten, waren wir beim Erklimmen des Zuckerhutes wie beim Sambatanzen in den Straßen von Bahia, beim Sonnenbaden an den Traumstränden der Insel Itaparica wie beim Bewundern von Schmetterlingen an den Wasserfällen von Foz do Iguazu, ein Herz und eine Seele. Und das obwohl&lt;br /&gt;es mir in alter portugiesischer Tradition gelungen ist, Susi erneut hinterlistig in die Stockfischfalle zu locken, und ich zudem heimlich schicke Schläppchen im Gepäck hatte, während Susi sich darauf verließ, dass&lt;br /&gt;meine Parole gelte, wir wollten uns auf die bequemen aber unschön anzusehenden Touristensandalen beschränken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einmal nach Deutschland zurückgekehrt, musste ich mich umgehend in den schwierigen Pariser Wohnungsmarkt stürzen. Gestählt von meinen Abenteuern mit portugiesischen Herzensbrechern im Großstadtdschungel von Rio de Janeiro und Vogelspinnen im Regenwald gelang mir dies mit derart großer Unerschrockenheit, dass sich auch gestandene Franzosen schwer beeindruckt von meiner zupackenden Art und meinem Durchsetzungsvermögen zeigten. Nun gut, die konnten natürlich auch nicht wissen, dass mich die ukrainischen Onkel durchtriebener georgischer Medizinstudentinnen, die Mäuse und die brutalen Hausmeister von Hell’s Kitchen, wie auch die Wasserkäfer von Williamsburg für alle Zeiten abgehärtet haben. Wer über den Pariser Wohnungsmarkt klagt,&lt;br /&gt;dessen Preise kaum ein Drittel von denen in Manhattan erreichen, und wo niemand auf die Idee käme, eine Einzimmerwohnung mit der Hilfe von Vorhängen in eine gemütliche Vierer-WG zu verwandeln, für den habe ich nur ein müdes Lächeln übrig. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt; &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jedenfalls habe ich mit meiner erfolgreichen Wohnungssuche in nur zwei Wochen sämtliche Kusinen meiner französischen Bekannten ausgestochen, die drei Monate suchen mussten. Außerdem bin ich nach dem&lt;br /&gt;Notieren von etwa 300 Telefon- und Hausnummern wieder richtig stark im Kopfrechnen. Für alte Lateiner, die Franzosen sagen aus nicht nachvollziehbaren Gründen vier mal zwanzig plus siebzehn, wenn sie 97&lt;br /&gt;meinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als eher nachteilig erwies sich, dass das französische Mietrecht - kaum zu glauben aber wahr - noch mieterfreundlicher ist als das deutsche. Genauer ist es ein Paradefall für ein Regelwerk, das im Bemühen um Schutz für den vermeintlich Schwächeren genau das Gegenteil erreicht. Ein wahrer Leckerbissen für die ehemaligen Kollegen vom Recht und Ökonomik Kolleg in Hamburg. Um einen zahlungsunwilligen oder -fähigen Mieter aus der Wohnung zu entfernen braucht man in Frankreich im Schnitt sage und schreibe zweieinhalb Jahre.&lt;br /&gt;Dies führt dazu, dass ein nicht unerheblicher Teil der Pariser Wohnungen unvermietet leer stehen. Der wagemutigere Teil der Pariser Wohnungseigentümer verlangt von seiner Vermietern, auch solchen, die stolzere Summen steuerfreien Lohneinkommens nachweisen können, absurd anmutende Sicherheiten, wie etwa eine Bankbürgschaft über eine Jahresmiete oder einen Elternteil als Bürgen, der seine Zahlungsfähigkeit wahlweise mit&lt;br /&gt;Gehaltsabrechnungen oder mit Einkommenssteuererklärungen zu dokumentieren hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Ansinnen führte zu äußerst unschönen Szenen mit meinem Vater, dem sein Steuergeheimnis so heilig ist wie den Mitgliedern der National Rifle Association das amerikanische Grundrecht auf den Besitz und Gebrauch von Schusswaffen. Seinen vorläufigen Höhepunkt fand diese Affäre in einem heimlichen Anruf meiner Mutter, die mir beteuerte, von ihr könnte ich die Einkommenssteuererklärung haben, wenn nur der Vater nichts davon erführe. Der finale Höhepunkt bestand in einer kaum verhohlenen Kriegsandrohung an&lt;br /&gt;Frankreich, die ich an dieser Stelle nicht im Wortlaut wiedergeben möchte. Im Ergebnis konnte ich mir jedoch die Bürgschaft mitsamt Einkommenssteuerklärung und damit auch eine vor langer Zeit etwas gewagt gestrichene Wohnung im Pariser Szene-Viertel Bastille ertrotzen. Besonders in dem türkischen Haushaltsgeräte-Basar um die Ecke erfreue ich mich als entfernte Kusine größter Beliebtheit und werde bei jedem Besuch zu einem Kaffee genötigt, damit mir der Händler und seine Freunde in aller Ruhe erzählen können, wo überall in Deutschland ihre Verwandten zu Hause sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ebenso finsteren wie einmütigen Kassandrarufe von franzosenhassenden Amerikanern und Italienern in New York und von in Paris lebenden Ausländern, dass Franzosen arrogante, unhöfliche und verschlossene Leute seien, mit denen man unmöglich Freundschaft schließen könne, sollten sich als ebenso haltlos erweisen wie im Ausland weitverbreitete Vorurteile gegenüber Deutschen. Gewiss geben einem Franzosen, mit denen man sich beiläufig an der Bushaltestelle oder in einer Bar unterhält, nicht gleich ihre Telefonnummer. Noch gewichtiger ist, man lernt sie schlicht nicht so schnell kennen, wie die wesentlich leutseligeren Angelsachsen. Aber das sind wir schließlich von zu Hause gewöhnt. Und das Schöne an ihnen ist, dass sich ihre Kommunikationscodes so ähnlich lesen wie unsere. Will sagen, wenn sie einem doch ihre Telefonnummer geben, dann möchten sie tatsächlich, dass man sich wiedertrifft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem sind sie ein anderes, jedoch freundlicheres Vorurteil bestätigend unheimlich culturel. Mit Elise war ich in einer Ausstellung über tschechische Technologiekunst, nachdem wir uns den neuesten Kaurismäki-Film angesehen hatten. Sonntag waren wir mit ihren Freundinnen in einer Ausstellung von einem verrückt gewordenem amerikanischen Künstler, der Skulpturen aus gefrorener Vaseline bastelt, Kartoffeln auf dem Fußboden&lt;br /&gt;verteilt und ein weißgetünchtes Monster mit blutiger Schnauze dabei filmt, wie es eine Prinzessin mit entblößtem Po jagt, deren Unterschenkel aus Glas sind. Das Schöne an solcherart moderner Kunst ist, dass es stets starke&lt;br /&gt;Reaktionen bei Teilen des Publikums hervorruft. Man kann sich darauf verlassen, auf einen empörten Ehemann zu stoßen, der seine Frau wütend anpfeift, dass ihm dies alles rein gar nichts sagen würde und er nicht&lt;br /&gt;wisse, warum er hier seine kostbare Zeit verschwenden solle, während sie ihn anfleht, die Stimme zu senken, weil das alles doch nun wirklich nur eine Frage der Ästhetik sei.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Danach lernten wir im Museumscafé zwei russische Maler kennen, die sich als sehr tolerant erweisen sollten. Meine wahrheitsgemäße Antwort auf ihre Frage nach meinem Beruf - dies nachdem sich alle anderen Frauen als&lt;br /&gt;Buchbinderinnen, Grafikerinnen und Genetikerinnen vorgestellt hatten - taten sie mit einer wegwerfenden Handbewegung ab. Das sei nicht weiter schlimm, das käme in den vornehmsten Familien vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Französischen Männern darf man nur grundsätzlich dann trauen, wenn sie in Kultur machen wollen. Also ging ich statt dessen lieber mit Régis in die Max-Beckmann-Ausstellung im Centre Pompidou. Statt Alkoholkonsums schlug er mir danach "Paris by Night" vor. Dieser außergewöhnliche Programmpunkt bestand daraus, dass er mich mit seinem Auto zu den schönsten Plätzen von Paris kutschierte und mir erklärte, dass auf dem Dach der Pariser Oper Bienenstöcke zu Hause sind. Außerdem besuchten wir das Pariser Ritz und eine weiteres Edelhotel, dessen Name mir entfallen ist. Schicke Hotels zu besuchen ist Régis‘ Leidenschaft. Wenn man so gute Nerven hat wie er und herannahenden Kellnern im Livrée lässig bedeutet, man habe sich noch nicht entschieden, während man auf Polstermöbeln aus der Zeit von Ludwig dem Vierzehnten thront und dabei Einbände aus der hoteleigenen Bibliothek durchblättert, dann ist das tatsächlich auch ein großer Spaß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im allgemeinen scheint mir das Bemühen um Bekanntschaft mit dem anderen Geschlecht ein nationaler Sport zu sein. Um dies zu erreichen, scheuen die Franzosen keine Mühen und kein Ort ist ihnen heilig. Mein bislang&lt;br /&gt;spektakulärstes Erlebnis auf diesem Gebiet war der hühnenhafte Südfranzose, der mir im Louvre ins Ohr hauchte: „ C‘est magnifique, Botticelli!“. So geschickt er beim ersten Schritt war, so ungelenk zeigte er sich jedoch bei&lt;br /&gt;der weiteren Verfolgung seines Annäherungsversuches. Anstatt eine gekonnte Mischung aus Abstand und Beharrlichkeit zu zeigen, stellte er sich penetrant bei jedem Bild direkt hinter mich, und offenbarte mir intime Details ausseinem Leben. Und so sah ich mich trotz seines angenehmen Äußeren gezwungen, durch geschicktes und unerwartetes Hakenschlagen in den Saal mit der sienesischen Schule, unserer Beziehung bereits nach fünf Minuten ein jähes Ende zu setzen. Jetzt warte ich als nächstes darauf, beim Gottesdienst angegraben werde, während ich gerade das Vaterunser bete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein holländischer Chef hat trotz Vorweihnachtsstress und seines aufwendigen, mehrtätigen Treffens mit Vertretern der statistischen Ämter der Mitgliedsländer einen aufwendigen Plan ausgearbeitet, wie ich mich in den&lt;br /&gt;kommenden Monaten auf Längsschnittfirmendaten stürzen soll, um Firmengründungen, Firmenwachstum und Firmensterben näher zu ergründen. Irgendwann habe ich den Fehler gemacht, dieses Forschungsgebiet als&lt;br /&gt;„business dynamics“ zu bezeichnen, und jetzt bekomme ich regelmäßig Anrufe aus Springe, was es denn nun noch einmal mit dieser dynamischen Geschäftigkeit auf sich habe, mit der ich mich da beschäftigte. Die Nachbarn wollten wissen, was ich da denn nun genau mache in Paris.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls kann ich mir sicher sein, dass ich von meinem Chef fortan mit Samthandschuhen angefasst werde, nachdem sein Landsmann Mortein Schluppen bei einem unserer zahlreichen Weihnachtsessen nach&lt;br /&gt;umfangreichen Konsum französischen Rotweins mit sonorer Stimme verkündete, dass sein Deutschenhass genetisch bedingt sei. Dieser Ausfall war meinem Chef so peinlich, dass er danach in mein Büro kam, um sich wortreich bei mir zu entschuldigen, und das obwohl er ansonsten ein wortkarger friesischer Bär ist, der höchstens mal den Kopf zur Tür hereinsteckt, um zu fragen „so far, so good?“. Aber ich fand, ich hätte mich selbst ganz gut verteidigt, indem ich den Holländer fragte, wie es den Holländern denn eigentlich bei der letzten Weltmeisterschaft ergangen sei, ich könnte mich gar nicht mehr an ihr Abschneiden erinnern. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;" lang="de-DE"&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman, serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dem Engländer, der den 1. September 2001 als den schönsten Tag in seinem Leben bezeichnete, bestätigte ich, dass es gut tun müsse, alle dreißig Jahre mal ein Spiel gegen die Deutschen zu gewinnen. Nur schade, dass dies bei wichtigen Spielen meist auf Fehlentscheidungen der Schiedsrichter beruhe, und echte Triumphe sich nur bei unbedeutenden Qualifikationsspielen einstellen wollen, während man hinterher dann anders als die Deutschen das Endspiel nicht erreicht. Das Fliegen von Fäusten konnte ich dann doch noch einmal verhindern, indem ich davon Abstand nahm, an verschiedene Elfmeterduelle zu erinnern, und statt dessen auf den Sonntagsmarkt am Place de la Bastille zu sprechen kam. Beim Sinnieren über die ideale Zubereitung einer Rascasse  konnten Corey und ich dann wieder zueinander finden. Fußballrivalitäten sind im Prinzip sehr gesund, aber man darf es nicht zu weit treiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3645319997456306666?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3645319997456306666/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3645319997456306666' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3645319997456306666'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3645319997456306666'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/07/die-ersten-wochen-in-paris.html' title='Die ersten Wochen in Paris'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8187248904344903198</id><published>2008-07-30T22:41:00.002+02:00</published><updated>2008-07-30T22:52:58.547+02:00</updated><title type='text'>Alles in Butter</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus New York, Januar 2001&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Seit ich Lulis Schlüssel habe, ist wieder ein bißchen Ruhe an der Wohnungsfront eingekehrt, und ich kann mich mit verstärkter Kraft der Forschung und meinem straffen Kulturprogramm widmen. Am Donnerstag besuchte ich ein Theaterstück in jiddischer Sprache. Während der ersten 15 Minuten fragte ich mich immer verzweifelt, warum Yvonne so blöd lacht - ich verstand kein Wort. Aber nachdem ich mich ein bißchen eingewöhnt hatte, fiel mir auf, daß Schweizerdeutsch wesentlich schwieriger zu verstehen ist, und mittlerweile fühle ich mich so, als spräche ich die Sprache selbst.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Vladis Scheck war wider Erwarten gedeckt, und Curzio und ich wollen auf diesen Schreck demnächst eine Riesenparty schmeißen. Ganz im Unterschied zu mir, die ich wie ein Eichhörnchen in der Trommel gearbeitet habe, um eine neue Wohnung zu finden, ist Curzio bereits umgezogen. Eine nette, junge Japanerin hat sich seiner angenommen und ihm innerhalb von einem Tag ein Zimmer in einem Künstlerloft am Southstreet Seaport mit vier Japanern zusammen besorgt. Ich werde das Gefühl nicht los, daß die, die sich nie um irgendetwas kümmern, immer besser dabei wegkommen. Er beharrt auch darauf, daß dieser Freundschaftsdienst umsonst war.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Hell's Kitchen muß ich zum Glück nicht ganz aufgeben, da ich mich in letzter Sekunde noch mit Sean und Theo angefreundet habe, die in meiner alten Heimat wohnen. Sean ist Designer, Theo ist IT-Mann und kennengelernt haben sich die beiden beim Malunterricht. Sie gehören zu dieser Gruppe von Bohemien-Ostküstenamerikanern, die alle mindestens schon mal zwei Jahre lang in Prag gelebt haben und in jedem zweiten europäischen Land mit einer Frau liiert waren. Von den beiden habe ich bereits eine Menge über deutsche Kunst gelernt.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem war ich froh, daß sie bei meinem Abschiedsspätzleessen verhindert waren - mir ist der Albtraum einer jeden Hausfrau widerfahren: Sechs hungrige Münder diskutierten im Wohnzimmer Rassismus, und ich war nicht in der Lage, den Teig so anzurühren, daß auch nur ein einziges Spätzle  entstand. Nur Hartmuts geduldiger Assistenz habe ich es zu verdanken, daß ich meine Gäste noch mit einem Plan B Abendessen notdürftig satt bekam.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Conrad Filippi will mich allerdings nun nicht mehr heiraten, seit er dieses Trauerspiel gesehen hat. Ich hoffe, ich habe heute abend ein glücklicheres Händchen. Zu Federico soll jeder ein Gericht aus der Heimat mitbringen. Mit einer Roten Grütze will ich nun versuchen, energisch gegen italienische Pasta-Gerichte und mexikanische Vorspeisen anzukämpfen. &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;N. ordnete übrigens neulich beim Mittagessen an, daß die Deutschen sich endlich mal von ihren Zweite-Weltkriegsschuldkomplexen freimachen, die Franzosen in Schach halten, die Russen wachküssen und so eine ernstzunehmende Konkurrenz für die USA werden sollen. Na dann mal los! Mein täglicher Blick in die deutsche Online-Presse sagt mir, daß wir uns von dieser Aufgabe vor allem durch die verschiedenen Vaterschaften eines bekannten deutschen Tennisspielers ablenken lassen...&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8187248904344903198?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8187248904344903198/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8187248904344903198' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8187248904344903198'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8187248904344903198'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/07/alles-in-butter.html' title='Alles in Butter'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5740525681146847939</id><published>2008-07-08T23:00:00.002+02:00</published><updated>2008-07-08T23:09:00.056+02:00</updated><title type='text'>Super-Geschäftsfrauen</title><content type='html'>&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Email aus New York, Januar 2001&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;Heute ist Martin Luther King Day und somit ist es nicht ganz politically correct zu arbeiten, aber ich habe mich trotzdem heimlich ins Büro geschlichen. Ich übernachte zur Zeit bei einer Freundin, die fünf Minuten von der Uni entfernt wohnt. Auf die Art und Weise vermag ich mich der magischen Anziehungskraft meines Schreibtisches nicht zu entziehen.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Die Wohnung haben wir an Onkel Vladimir übergeben, und neben dem Scheck über den Großteil der letzten Monatsmiete, den ich mir durch gepfefferte Emails erkämpft habe, fingen wir uns zusätzlich noch Küsse, Umarmungen und Unschuldsbeteuerungen von Vladi und Marina ein.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Das vorletzte Wochenende war noch sehr interessant. Am Sonnabend kochten Helena und Hans Kartoffelauflauf für mich, um mich über meine brenzlige Situation hinwegzutrösten, was ich gleich zum Anlaß nahm, ihren Freund Jonathan die halbe Nacht quer durchs East Village zu schleppen, um eine meiner berühmt-berüchtigten Geburtstagsfeiern mit den lesbischen Damen aus Israel zu feiern. Das ganze geschah etwas in Verkennung der Tatsache, daß Jonathan die Nacht zuvor bis sechs Uhr gearbeitet hatte und auch den nächsten Tag im Büro verbringen mußte. Aber was uns nicht tötet, macht hart. Jedenfalls war ich die Heldin des Abends mit meiner kombinierten Mäuse-und-Wohnungs-Geschichte und in meinem ganzen Elend habe ich das doch sehr genossen. Sonntags leitete ich dann einen Telefonmarathon ein und lernte dabei allerhand interessante Menschen kennen.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Zuerst war ich bei Amanda im East-Village. Sie lebt in einer Drei-Zimmerwohnung mit einer beeindruckenden Ansammlung an Kitsch. Ein Zimmer hatte sie bereits an einen jungen Studenten vermietet. Mich wollte sie in ihrem Schlafzimmer unterbringen, um dann selbst im Wohnzimmer auf der Couch zu schlafen. Davon wußte der junge Mann zwar nichts, aber es sei ja ihre Wohnung meinte sie. Das ganze sollte dann auch nur 1000$ im Monat kosten.  &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Als wir uns mit den Terminen (und im übrigen auch sonst) nicht einigen konnten, rief sie ihren Freund Gianni an. Der ist ein italienischer Filmproduzent und lebt in der Upper East Side. Zur Zeit scheinen seine Geschäfte nicht so gut zu laufen. Er wollte mir ebenfalls sein Schlafzimmer für 1000$ vermieten und sich selbst auf eine Luftmatratze in den Gang legen. Ein zweites Zimmer hat er nicht, und einen Herd schon gar nicht. Amanda hatte mich noch eindringlich gewarnt, mich nicht in ihn zu verlieben. Er sei "extremely good-looking" und ein wahrer "womanizer". Auch diesbezüglich fand ich ihn jedoch eher enttäuschend.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Abends gelang es mir endlich Luli zu erreichen, die in Williamsburg, Brooklyn's neuem Künstlerviertel, ein WG-Zimmer vermietet, während sie für zwei Monate in ihre Heimat fährt. Sowohl das äußere Erscheinungsbild der Wohnung als auch das ihres Mitbewohners und Schulfreundes, Lucas, veranlaßten mich dazu, bei dieser Wohnung sofort zuzuschlagen. Moni, Daniela  und Tim wird freuen zu hören, daß die Wohnung DIREKT neben dem "Fernicola" ist, wo wir Sylvester gefeiert haben. Mit anderen Worten, ich habe von meinem Schlafzimmer aus einen Blick auf die Skyline von Manhattan und kann jeden Abend Hummer und Austern essen.  &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Luli ist aus Buenos Aires, und lernt in New York Singen und Hip-Hop-Tanzen, denn sie möchte ein Popstar werden. Das will ihrer Mutter nicht so recht passen, denn sie hat eine Damenbekleidungskette in Argentinien, und möchte daß Luli so wie ihre Schwester mit in dem mütterlichen Unternehmen arbeitet. Das will Luli wiederum nicht, denn sie macht nicht gerne Geschäfte.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Wir verstehen uns wunderbar. Besonders als wir uns das zweite Mal trafen, um einen kleinen Untermietvertrag aufzusetzen, arbeiteten wir sämtliche Details unseres Lebens gemeinsam auf. Diese ganze Untermietsvertragssache und die Anzahlung meinerseits war eine Idee von Lucas, damit die beiden sichergehen können, daß ich auch wirklich bei ihnen einziehe. Luli zeigte mir beim Hereinkommen den handschriftlichen Mietvertrag, ich war sofort einverstanden, dann haben wir uns ein bis zwei Stunden zum Quasseln hingesetzt, und waren uns einig, daß wir ganz großes Glück hatten, uns gefunden zu haben. Am Ende schrieb ich ihr ein Scheck und sie mir eine Quittung, auf der allerdings nicht steht, wofür ich ihr 200$ gezahlt habe. Luli war dann mächtig stolz, meinte, sie fühlte sich jetzt wie eine wahre Geschäftsfrau und müsse das sofort ihrer Mama erzählen. &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Ich hoffe sie hat damit noch ein bißchen gewartet, denn auf dem Weg zur U-Bahn fiel mir auf, daß keine von uns den Vertrag unterschrieben hatte. Wie auch immer, wenn dennoch alles gut geht, und ich am 24. nach Brooklyn ziehe, ist meine Miete gesunken, die Qualität meiner Wohnung ERHEBlich gestiegen und mein Mitbewohner noch schöner geworden.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Curzio rührt wie immer keinen Finger, ist jetzt aber erst einmal bei seiner Tessin-Mafia eingezogen, und weckt allerorten Mutterinstinkte. Am Sonnabend traf ich ihn zufällig am Southstreet Seaport, im Schlepptau einer netten Japanerin, die ihm augenscheinlich die Wohnungssuche organisiert. Es tut uns beiden sehr leid, Hell's Kitchen zu verlassen, aber wir haben uns geschworen, regelmäßig bei Salvatore Pizza zu essen und bei Rudy's Bier zu trinken.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Das größte Opfer unseres Umzugs wäre beinahe unser alter Freund und Gerzenseekollege Conrad Filippi geworden, der ausgerechnet am Wochenende unserer Expulsion Vorstellungsgespräche in New York hatte, und eigentlich am Sonnabend gerne vom Marriott zu uns umgezogen wäre. Nachdem wir Freitag die ganze Nacht Swing getanzt hatten, ordnete ich an, daß er uns am Sonnabend um halb eins in der Wohnung anrufen sollte, um die Nummer von Jeanette zu erfahren. Leider hatte ich halb zwei gemeint, und als er um halb eins anrief, war natürlich keiner von uns da. Ich meinte schon, ihn nie wiederzusehen, aber Manhattan ist ja klein, und so traf ich ihn dann abends doch noch per Zufall wieder, als er seine Koffer im Hotel abholen wollte, so daß wir noch den einen oder anderen Drink im East Village zu uns nehmen konnten.  &lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Wenn das alles kein Glück im Unglück ist...  &lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5740525681146847939?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5740525681146847939/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5740525681146847939' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5740525681146847939'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5740525681146847939'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/07/super-geschftsfrauen.html' title='Super-Geschäftsfrauen'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1370026723664941438</id><published>2008-05-03T17:49:00.002+02:00</published><updated>2008-05-03T17:58:13.536+02:00</updated><title type='text'>Mäusejägerin</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, Weihnachten 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ok, erst einmal alle guten Nachrichten ... dann die schlechten...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten mit Ira war grandios. Ein paar Leser (sie selbst eingeschlossen) haben die Nachrichten über ihre Ordnungsliebe in den falschen Hals bekommen. Wir haben uns prächtig verstanden, uns jedoch auch gerne mal den einen oder anderen Scherz über ihre "Elsenattacke" erlaubt und darüber, daß während ihres Aufenthaltes jedes Möbelstück kurzfristig zum Schminktisch umfunktioniert war. Never mind, die Schminkerei hat sich hundertprozentig ausgezahlt. Auf unseren nächtlichen Streiftouren durch die City erfreuten wir bei den Herren stets größter Beliebtheit. Bei unserem Salsa-Abend erreichte dies derartige Ausmaße, daß wir beide nunmehr unter dicken Starallüren leiden: Zwei aus der Heerschar der zwanzigjährigen Lateinamerikaner, die sich den ganzen Abend darum gerissen hatten, uns von ihrem letzten Taschengeld Drinks auszugeben, mit uns zu tanzen und einiges mehr (wir sahen uns leider außerstande, alle Wünsche zu erfüllen), liefen in einem verzweifelten Versuch, uns nicht aus den Augen zu verlieren, noch etliche Meter hinter unserem Taxi her... Wenn Ira  jetzt manchmal mit Stola in die Uni kommt und ein wenig übertrieben die Hüften wiegt, wenn sie in die Mensa geht, dürft Ihr Euch nicht wundern. Ich überrasche hier meine Kollegen mit ähnlichem Verhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten haben wir meinen Kollegen Federico und Dan bekocht, deren deutsche Freundinnen in der Heimat weilten. Federico wollte unbedingt nach dem Essen in die Zwölf-Uhr-Messe gehen. Durchgesetzt hat sich statt dessen Iras Marschbefehl: "I think we should go to a bar and get hammered." Also sind wir zu "Rudy's" gegangen, meiner Stammkneipe um die Ecke, wo mich der Türsteher inzwischen schon mit Handschlag begrüßt. Es ist eine finstere, irisch anmutende Spelunke mit einer grandiosen Jukebox. Einmal waren Sybille und ich so glücklich über die Musik, die wir ausgewählt hatten, daß wir ein bißchen anfingen zu tanzen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schnell der Capo auf dem Plan stand und aufgeregt rief: " You guys can't dance here, I don't have a dancing license..." Erst dachten wir, daß sei der beste Witz, den wir sind langem gehört hatten. Später fanden wir heraus, daß Rudy (Giuliani meine ich) "Rudy's" tatsächlich $5000 abknöpfen würde, ließe er zu, daß seine Gäste unerlaubt tanzen. Zero tolerance ist eben zero tolerance. Seither vollführe ich beim Verlassen der Bar auf der Türschwelle immer ein, zwei provokative Tanzschritte. Rudy von "Rudy's" und ich sehen das beide als dies die richtige Antwort auf eine übertrieben konservative Politik an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heiligabend ließ Rudy von "Rudy's" aber mal alle fünfe gerade sein und schritt nicht ein, als ich mit unserem netten, indischen Statistikprofessor, den wir in der Bar wiedergetroffen hatten, nachts um drei noch eine flotte Sohle aufs Parkett legte. Der Inder war leicht euphorisiert, da er kurz zuvor mit Ira den Pascalschen Gottesbeweis diskutiert hatte, und festellen durfte, daß sie auch leicht "hammered" zu jeder Tages- und Nachtzeit anstandslos jedes noch so komplizierte mathematische Thema bewältigen kann. Sie ist jetzt Bramahnin...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sylvester war ebenfalls ein Erfolg. Tino und Miriam kamen aus Freiburg, Moni und Daniel aus den verschiedensten Ecken der Vereinigten Staaten eigens zum Jahrtausendwechsel hier angereist. Während die Touristen alle bei minus zehn Grad am Times Square dem Kältetod ins Auge blickten, sind wir schön nach Brooklyn gegangen, in ein Restaurant mit Blick auf die Skyline, Hummer, Muscheln, Filet Mignon und dergleichen mehr, alle Getränke und die Band inklusive zu einem Spottpreis, jedenfalls für New Yorker Verhältnisse. Wir hatten ein ganzes Dutzend attraktiver Inderinnen dabei, die merklich zur guten Stimmung beitrugen. Das Tanzen hat mir so gut gefallen, daß ich mich auf einen Disput mit dem Bandleader einließ, als dieser um drei Uhr die Arbeit mit der Begründung niederlegen wollte, er sei nicht länger bezahlt. Die Auseinandersetzung endete damit, daß ihm wiederholt mit wachsender Heftigkeit vorhielt, so ein frühes Sylvesterende sei in Hamburg undenkbar, woraufhin er schließlich eine dreckige Serviette nach mir warf und in die Küche verschwand. Am nächsten Tag gestand mir Miriam, sie habe sich mit Hinweis auf meinen Alkholkonsum bei ihm entschuldigt. Erst da fiel mir ein, daß ich mich vielleicht besser mit dem Restaurantbesitzer hätte streiten sollen. Ich wußte aber nicht, wo der war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 31. pünktlich erhielt ich die Nachricht von Nino, meiner Vermieterin, die zur Zeit in Bulgarien ihr Medizinstudium vorantreibt, daß der Vermieter von der illegalen Untermiete Kenntnis genommen habe, und eine Auflösung des Mietverhältnisses fordert. Und das, obwohl ich doch jedem erzählt hatte, ich sei die Nichte von Vladmir, Nino's Onkel. Offenbar gehen Curzio und ich doch nicht so ohne weiteres als Georgier durch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seither ist es mit meiner Wohnsituation steil bergab gegangen. Die Mieterin unter mir hört jede Nacht dermaßen laut Musik, daß ich vorgestern kurz davor war, zu Tino und Miriam in die Besucherritze zu steigen. Habe mich dann aber doch für das Sofa neben den beiden entschieden. Höhepunkt war heute nacht. Als die Nachbarin mich wie üblich um drei Uhr früh weckte, nachdem sie von der Arbeit nach Hause kam, mußte ich bei meinem ergebenen Gang zur Toilette feststellen, daß dorten eine Maus ihr Unwesen trieb. Neulich habe ich mich ja noch über Frank und Arnold lustig gemacht. Heute nacht hättet ihr mich mal sehen sollen, wie ich mit heruntergelassener Hose und einem spitzen Schrei wie ein Pfeil von der Toilette schoß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem der erste Schrecken vorüber war, mauserte ich mich dann aber doch zur Heldin, zog meine Moonboots an und drang zu allem entschlossen mit einer Bratpfanne bewaffnet in die Toilette ein. Die Maus schoß so wild in durch die Gegend, daß sie wahrscheinlich ohnehin ein Fall für den Psychiater gewesen wäre, hätte sie unseren Kampf um das Territorium überlebt. Hat sie aber nicht. Nach diesem traumatischen Erlebnis mußte ich auch noch feststellen, daß sich direkt neben meiner Luftmatratze ein Mauseloch befindet. Dieses stopfte ich vorerst mit dem Schaumstoff zu, mit dem ich neulich unsere Fenster isoliert hatte, denn niemand braucht zu glauben, daß man in dem entwickelsten Land dieser Erde standardmäßig zweifachverglaste isolierte Fenster in den Wohnungen vorfindet. Im Winter muß man eigenhändig alle Löcher stopfen und Planen vor die Fenster kleben, um nicht zu erfrieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem ich bis um sechs Uhr vor Aufregung über meine Heldentat nicht einschlafen konnte, kam um neun Uhr der Anruf von Nino, daß Onkel Vadimir bis zum 15. die Wohnung zu räumen habe. Und ob ihr's glaubt oder nicht, ich bin heilfroh. Curzio sitzt in der Schweiz und behauptet, er bekomme keinen Rückflug, aber mir ist jetzt alles egal. Irgendwo finde ich ein Zimmer, zur Not erlauben mir Frank und Arnold meine Luftmatratze bei ihnen aufzuschlagen. Sie freuen sich über Mädchenbesuch haben sie gesagt. Dann können wir immer zu dritt Mäuse jagen.&lt;br /&gt;Mein Vater rief mich gerade an, um mir mitzuteilen, daß er mich im Saupark bei der Jägerprüfung angemeldet habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 30. war ein Artikel über das Mieterleben in New York City in der New York Times. Darin beschrieb die Autorin, wie sie als junge Studentin im East-Village illegal zur Untermiete lebte und der Vermieter immer an der Tür rüttelte und brüllte: " I know that Janice doesn't live here". Auch Mäusegeschichten kann einem hier jeder erzählen. Gerade sagt mir Helios, mein venezianischer Kollege, der sich immer noch ein bißchen darüber ärgert, daß er den Wettbewerb Wer-hat-mehr-Brücken-Venedig-oder-Hamburg verloren hat, er habe eine Maus im Büro, und das sei alles ganz harmlos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hatte ich schon erwähnt, daß ich keinen Wert darauf lege, jedes Abenteuer, daß es in New York zu erleben gibt, persönlich zu erleben?  Wenn zur Zeit keine persönlichen emails kommen, verzeiht mir, ich bin auf Wohnungssuche..&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1370026723664941438?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1370026723664941438/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1370026723664941438' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1370026723664941438'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1370026723664941438'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/05/musejgerin.html' title='Mäusejägerin'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1446884278718661925</id><published>2008-04-08T11:31:00.003+02:00</published><updated>2008-04-08T11:42:39.659+02:00</updated><title type='text'>Xmas @ NYC</title><content type='html'>&lt;u&gt;&lt;span style="color:#800080;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/u&gt; &lt;em&gt;Email aus New York Weihnachten 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ira knackt noch in meiner Wohnung, in der sich seit ihrer Ankunft ein Schauspiel der Verwüstung bietet: Der Küchentisch ist zu einer kombinierten Schminkkommode mit Obstkorb geworden, überall in der Wohnung liegen Unterwäsche, neu erstandene Fellminiröcke und abgeknabberte Weintrauben auf dem Fußboden, und als ich anmerkte, wir könnten ja mal den Kaffee auf dem Küchentisch unter ihrer Brille wegwischen, meinte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung, das würde ihr gaaar nichts ausmachen... Den abgerissenen Duschvorhang hat sie allerdings in einer spektakulären Heimwerkeraktion wieder montiert, und nachts auf der Piste ist sie nunmal eine Bombe, also hat sie bei mir Narrenfreiheit. Den Curzio, der jetzt im Tessin unterm Weihnachtsbaum sitzt, hätte ich bei so viel Fehlverhalten schon 'rausgeschmissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fürchte, es ist ein offenes Geheimnis, daß ich mächtig stolz auf all meine Reisen bin und darauf, daß ich mich so fühle, als wüßte ich überall Bescheid und käme immer klar. Aber manchmal, wenn ich mit meiner armen, alten, gramgebeugten Mutter spreche, bekomme ich den Eindruck, daß all diese Reiserei vollkommen überflüssig ist. Offenbar muß man sich nur in Springe lange genug aufs Sofa hauen, mit ordentlicher Belletristik, dem Spiegel und zwei Frauenmagazinen, eins im Hochglanz und das andere mit Kochrezepten, dann weiß man auch über alles Bescheid. Fragt sie mich doch neulich, wie das jetzt sei mit der Vorweihnachtszeit in New York, die Amerikaner würden sich dann doch allesamt eine rote Pappnase aufsetzen und ununterbrochen "Rudy, the red-nosed raindeer" singen. Verstehen wir ins richtig: So ein Kommentar in der Öffentlichkeit, und ich hätte die Augen so weit wie nur irgend möglich verdreht, "Mammmmmaaaaaa!" gerufen und alle mir zur Verfügung stehende Mimik und Gestik eingesetzt, um deutlich zu machen, wie sehr ich mich für so viel Ignoranz und Einseitigkeit schämen muß. Aber unter uns Pastorentöchtern kann ich es ruhig zugeben: Die Frau hat recht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer der größten Schocker für Curzio und mich, war der Weihnachtschor am Southstreet Seaport, wo wir ganz arglos ein Bierchen schnasseln wollten, weil man so einen schönen Blick auf Brooklyn hat. Vor einem etwa drei Meter hohen Tannenbaum hatten sie dort auf einer Leiter baumförmig die paar Senioren aufgebaut, die es irgendwie geschafft haben, in New York zu überleben. Alle trugen rote Mützen und rote Pappnasen und sangen in einem fort "Rudy the red-nosed raindeer". Curzio und ich haben uns solche Sorgen um den Herrn gemacht, der sich auf der Spitze der Leiter durch den Chorgesang wackelte, daß wir weder das Bier noch den atemberaubenden Blick auf Brooklyn genießen konnten. Ich mußte ziemlich bald diesen Ort des Grauens verlassen, weil ich den Anblick nicht mehr ertragen konnte. Ich weiß aber auch so, was das Schicksal dieser älteren Mitbürger war: Die paar, die nicht im Verlauf des Gesangsnachmittages von der Leiter fielen, sind darauf festgefroren. Mein einziger schwacher Trost ist die Gewißheit, daß sie immerhin dabei eine warme Nase hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich ist die ganze Stadt mit wild blinkenden Weihnachtslichtern dekoriert. Seit Anfang Dezember habe ich nicht mehr geschafft, mich bis in die Bibliothek des economics departments vorzukämpfen, weil einer von den Studenten den dritten Stock mit dermaßen vielen Blinklichtern übersät hat, daß mir erst schwindelig und dann sofort schlecht wird, sobald ich den Gang betrete. Jeder Weihnachtsbaum in der Stadt ist so sehr mit schweren Kitschengeln und riesigen Schleifen überladen, daß man immer gebannt davor steht und jeden Moment auf den Zusammenbruch wartet. Am Rockefeller Center haben die verantwortlichen Bürger dieses Landes der Superlative jedoch dem Wahnsinn die Krone aufgesetzt. Mit sehr viel Phantasie kann man sich vorstellen, daß es sich dort bei dem Weihnachtsbaum um eine große schlanke, wunderschöne Tanne handelt. Aber die Amerikaner mußten mal wieder eine Rekord brechen. Curzio kann Euch die genaue Anzahl der Lämpchen nennen, die an dem Baum montiert sind. Ich kann Euch nur so viel sagen, daß es auf jeden Fall viele sind, daß man von dem Baum nichts, aber auch gar nichts mehr sehen kann. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich nach den paar weißen Kerzen und den roten Weihnachtskugeln sehne, die traditionsgemäß unser Bäumchen in Springe schmücken...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bevor ich mir hier den Motzki-Preis für den undankbarsten Besuch aus Germany einfange, muß ich die Amerikaner an dieser Stelle jedoch über den grünen Klee loben. Mein allerschönstes Vorweihnachtserlebnis ever hatte ich nämlich hier in der Avery Fisher Hall beim Messiahs Sing-In. Das ist eine mehr als dreißig Jahre alte Tradition aus der Zeit, als meine Eltern noch Sit-Ins und Love-Ins veranstalten, anstatt Jura zu studieren (kleiner Scherz!). Jedes Jahr wird unter der Leitung eines bekannten New Yorker Chordirektor am Lincoln-Center der "Messiahs" von Händel gesungen, die Rezitative von Profis und der Chor - vom Publikum. Den Tip hatte ich natürlich von meiner Geigenbauerfreundin Jeanette.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jede Choreinlage wird von einem anderen Dirigenten geleitet. Eine Menge Highschool-Musiklehrer waren dabei, der Leiter eines Kirchenchors aus Harlem und das "Hallelujah" hat der Chordirektor der Metropolitan Opera dirigiert. War mir natürlich ein inneres Gartenfest, als er, bevor er die Arbeit überhaupt aufnahm, mit den Amis erst einmal geübt hat "Ha-le-lu-jah" zu sagen, anstatt "Haee- liiieee- louuu- jaehhh".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie auch immer, es herrschte eine Bombenstimmung. Alle außer mir waren passionierte Chorsänger, die sich bestens mit dem "Messiahs" auskennen und anstandslos jeden Einsatz erwischen. Den Chorleitern wurde so begeistert zugejubelt, daß jeder Rockstar vor Neid erblaßt wäre, und das wohlverdient: Keiner von ihnen sparte bei der Einführung "ihres" Stückes mit Witz oder Scharfsinn, um ein wahres Fest aus dem "Messiahs" zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich raffte ich mal wieder nichts und lief als Einzige ohne Noten auf, aber meine Nachbarin war so freundlich, mich in ihre Partitur mit hineingucken zu lassen. Leider war kein standfester Alt in meiner Nähe. Nach der Pause lotsten mich Janine und Matthias deswegen auf einen freien Platz vor ihnen, denn sie hatten zwar auch nur eine Partitur, dafür aber einen Alt im Rücken, wie er standhafter nicht hätte sein können. So ergab es sich, daß selbst ich im zweiten Teil ordentlich mitschmettern konnte, und - ach - war das erhebend! Nur in den langen Koloraturen ging ich manchmal verloren, weswegen ich mir öfter mal einen unsanften Knuff von hinten einfing, weil ich das Umblättern vergessen hatte. Als die Veranstaltung vorbei war, stimmte der Chor beim Verlassen der Konzerthalle spontan ein Weihnachtslied an, und noch auf der Straße sangen die Leute weiter. Kinder war ich gerührt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern war ich bei Nd's zur Christmas-Dinner-Party, wo ich feststellte, daß 1.) afghanisches Essen unschlagbar ist 2.) seine Frau ihre Arztpraxis mit einer Philippin teilt (das weiß ich, weil sie den gleichen Akzent hat wie Lydia Schmidt auf Deutsch) 3.) seine zwei Söhne viel jünger und schöner sind als ich, beide schwarzgelockt, einer ein lustiger, offener Hip-Hopper, der mit seiner Tigerzahnkette in Berkeley Politik studiert und nichts von Ökonomie wissen will, und der andere so ruhig und zurückhaltend, daß ich nicht mehr als das über ihn weiß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich am Central Park West aus der U-Bahn stolperte, wurde ich von drei Doorman und einem Liftangestellten in Empfang genommen (er war um die sechzig, deswegen scheue ich mich "-boy" zu sagen). Aus der Größe der Wohnung und der Terasse mit Blick auf Manhattan schließe ich, daß entweder Professor oder Ärztin ein sehr lukrativer Job in diesem Land sein muß. Die Dinnerparty war ein bißchen so wie in Mexiko, wo alle ihre erwachsenen oder noch nicht ganz erwachsenen Kinder dabei haben. Das finde ich eigentlich ziemlich gut. Ein bißchen nervös wurde ich nur bei der Erinnerung, daß die mexikanischen Teenager damals beim Nationalfeiertag nach dem Essen ihre Musi anschmissen, und vor den Augen ihrer plaudernden Eltern das Wohnzimmer in eine Disco verwandelten. Auch das finde ich cool, aber ich hätte nicht so recht gewußt was ich machen sollte, hätte sich Nd so verhalten wie damals Tedi Rodriguez, der mich nach dem zehnten Tequila aufforderte, mit ihm "tecnico" zu tanzen. Gott sei Dank handelte es sich um ordentliche amerikanische Teenager, die irgendwann abzogen, um sich ein Video zu holen, und gar nicht daran dachten, mich in eine derart peinlich Situation zu bringen.&lt;br /&gt;Nach der Party taten Ines und ich bei Rudy' s ein flotten, jungen indischen Statistikprofessor auf, der mir als erstes ein Gedicht von Heine ins Ohr hauchte, und dann Hermann Hesse über den grünen Klee lobte. Er spricht auch ganz gut deutsch. Warum muß man eigentlich immer erst nach Amerika oder nach Indien fahren, um so etwas Schönes zu erleben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu späterer Stunde teilte uns der Professor mit, daß die Welt in drei Kasten unterteilt (er hat "Klassen" gesagt, aber man weiß ja, was das bei den Indern bedeutet). Die Mathematiker sind die Brahmanen, dann kommen jene, die Mathematik verstehen oder zumindest ein Gespür dafür haben, wieviel Schönheit darin legt, und ganz unten stehen all jene, die gaaaar nichts von Mathematik verstehen oder gar glauben, das sei langweilig. Wenn wir demnächst mal in Ehren als Büronachbarn lunchen gehen, habe ich mir vorgenommen, mich lebhaft für die Schönheit der Mathematik zu interessieren. Als Allerletztes will ich erreichen, daß mein einziger Erfolg, den ich aus Amerika nach Hause trage, darin besteht, daß ich in dem Kastensystem der indischen Moderne zu den Unberührbaren zähle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt habe ich mich aber dumm und dusselig getippt, und das obwohl ich noch bis Heiligabend ein Paper fertigschreiben muß. Ein bißchen Sorgen mache ich mir ja doch um Zuhause, aber wie ich meine Eltern kenne, haben die keine Schwierigkeiten, die Weihnachtsgans zu zweit zu verputzen. Außerdem fällt Heiligabend ungünstigerweise auf einen Sonntag, das heißt der ganze Spaß des Last-Minute-Geschenke-Einkaufs wäre ohnehin hinfällig: Weder würde Ursula Hasper in der Buchhandlung am Nordwall schon mit passenden Geschenken wedeln, wenn ich kurz vor Ladenschluß bei ihr angehetzt komme, und aufgeregt rufen: "Nici, ich glaube, das ist etwas für Deine Mutter!", noch könnte ich Bernd Albert in der Parfüme treffen, und ich müßte auch beim Uhrmacher Gehring nicht zum zweihundertsten Mal die Frage nach meinem Jurastudium und wann ich Mama's Praxis übernehme zähneknirschend mit "Ich mache VWL" beantworten. Ein bißchen erfüllt es mich mit Genugtuung, daß Tante Liesel dieses Jahr keine Chance hat, sich hinterlistig bei mir einzuhaken, um dann zwei Stunden lang mit mir den Marktplatz auf- und abzulaufen und mir den gesamten münderschen Klatsch der letzten sechzig Jahre zu erzählen. Aber ein bißchen werde ich selbst das vermissen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na wie auch immer, ich schreibe jetzt meine Aufsatz, morgen bekochen Ira und ich alle Strohwitwer der Stadt, und ich habe keine Zweifel, daß wir eine Menge Spaß haben werden. Und Ursula Hasper kann sich schonmal bereithalten: Nächstes Jahr komme ich wieder!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/02/es-lebe-springe-es-lebe-kalamazoo.html"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1446884278718661925?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1446884278718661925/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1446884278718661925' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1446884278718661925'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1446884278718661925'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/04/xmas-nyc.html' title='Xmas @ NYC'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1882940602783896367</id><published>2008-03-23T19:29:00.095+01:00</published><updated>2008-07-08T23:00:26.401+02:00</updated><title type='text'>Demokratischer Übergang am Ende der Reise - Kuala Lumpur</title><content type='html'>Ganz am Ende unserer Reise entdeckten wir den schönsten Markt der Welt, der noch vor dem Marché d'Aligre rangiert. Wir bestaunten die Vermählung von modernen Glas- und Stahlmaterialien mit islamischen Stilelementen in der Architektur von Kuala Lumpur und wurden Zeugen des ausgehenden Wahlkampfs, dessen Ergebnis ein beeindruckendes Beispiel für einen demokratischen Übergang in einer asiatischen Autokratie sein könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass uns Kuala Lumpur doch noch besser gefällt als Singapur. Beiden darf man ein glückliches Händchen attestieren beim Wahrnehmen ihrer großen Chance, fast alles in der Stadt in kürzester Zeit neu zu bauen. Jeder der beiden Städte ist es gelungen, den modernen Gebäuden aus Glas und Stahl einen eigene Note zu geben: Singapur mit Feng Shui und angedeuteten Pagoden auf den Dächern ihrer Wolkenkratzer; Kuala Lumpur mit einer Hommage an islamische Formen und fein ziselierte Ornamentik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch die beiden Städte unterscheidet nicht nur die Religion, die in der architektonischen Gestaltung dominiert. Singapur hat alles, was schmutzig und sündig erschien, auf Hochglanz poliert. In dem Eifer, blitzblanke Shopping-Malls zu kreiieren, haben die Stadtväter auch vor der Bugis-Street nicht Halt gemacht, dem einstigen Herzen des Nachtlebens der Stadt mit köstlicher chinesischer Straßenküche, Alkohol und Prostitution. Entstanden ist bei dieser Grundüberarbeitung ein übertrieben sauberes Zürich in den Tropen, in dem der einfache Reisende zu sehr eingeschüchtert ist, um sich unbekümmert zu amüsieren, und sehr viel Glück braucht, um eine Ahnung davon zu erhaschen, wie die Atmosphäre vor der große Aufräumaktion gewesen sein muss. Wie wir, als wir mit unseren Blasen an den Füßen um elf Uhr viel zu spät in dem zur Bonbonniere hochrenovierten Chinatown einliefen, um dort noch in einem der den Touristen empfohlenen Restaurants oder Food-Courts auf ein Abendessen hoffen zu dürfen. Am Ende hatten wir doch noch in dem einzigen noch offenen Restaurant des Viertels Glück, das einer ausgebauten Garage glich und durstige und hungrige Chinesen bewirtete, wahrscheinlich alles Arbeiter und Angestellte aus dem Gastronomiegewerbe, die sich von einem langen Tag im Dienste der Touristen erholten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Malaysia hingegen sind garagenartige Restaurants, Läden und Werkstätten, in denen das traditionelle asiatische Leben wirbelt, keine von den Aufräumern der Stadt vergessene Raritäten. Asiatisches Chaos und Gewimmel, traditionelle, malaysische Holzhäuser mit kleinen Gärten und heruntergekommene Plattenbauten stellen viemehr die Normalität dar zwischen den hochaufgeschossenen Architekturwundern der Moderne, die Asiens Streben nach oben und nach vorne symbolisieren. Noch sind nicht alle Essenstände von den Straßen in blitzsaubere Shoppingmalls verbannt und davon machen in Chinatown und Little India deutlich mehr hungrige Inder und spruckende Chinesen als gebügelte weiße Banker und Touristen Gebrauch. Aus Little India wurde der Straßenstrich in das Viertel zurückgedrängt, wo sich unser Hotel befand, und in einer der Nebenstraßen war das Treiben der rund um die Woks auf den Bürgersteigen gelassen spät zu Abend essenden Bevölkerung so selbstvergessen und malerisch, dass ich mich fast in einer malaysischen Version der Bugis-Street des 21. Jahrhunderts wähnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der bunteste und lebendigste Ort der Stadt ist der Chow-Kit-Markt, wenn er auch für so manche Kreatur den sicheren Tod bedeutet. Unter einem niedrigen Wellblechdach werden dort mit großem Sinn für gekonnt angeordnete Farbpracht Obst, Gemüse und Kräuter verkauft, Fische aus dem Eimer gezogen und noch zappelnd mit Präzision geköpft und ausgenommen und auch die Hühner werden vor Ort vom gackernden Federvieh zu einer traurigen am Haken hängenden, nackten und bloßen Suppenzutat verarbeitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Möglich, dass diese Unterschiede daran begründet sind, dass Malaysia doch noch sehr viel ärmer ist als Singapur. Oder vielleicht sind Malaysias Volksfrontführer zwar kaum weniger autokratisch, aber dafür nicht ganz so große Ordnungsfanatiker wie die erfolgsorientierten und -verwöhnten Herrscher in dem kleinen Nachbarstaat. In jedem Fall schien es uns in Malaysia ein bißchen mehr Raum für das ganz normale, asiatische Leben zu geben. In Singapur hingegen schien der sich sich auf das Gemeinschaftsbad neben unserem Hotelzimmer zu beschränken - der einzige Ort, in dem wir in diesem Land je Zeugen befreiten chinesischen Spuckens und Rachenentleerens werden durften, üblicherweise von morgens um fünf bis um neun. Zwar raubte uns das ein wenig Schlaf, aber immerhin konnten wir uns sicher sein, dass die Chinesen nicht überall in der Stadt ihre intimen Bedürfnisse unterdrücken müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Malaysia und Singapur haben auch Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel erfreut sich auch in Kuala Lumpur das Shoppen größter Beliebtheit. Das wurde uns schon bei unserem ersten Aufenthalt bewußt, als uns die Rezeptionistin unseres Hotels zum Fönkaufen in einen "Minimarkt" schickte, der die Größe des Karstadt in der Turmstraße bei weitem übertraf. Im Bauch des Drachens, dem Straßenzug, in dem die Chinesen besonderes Glück für ihre Geschäfte vermuten, wurde das noch deutlicher. Besonders gefiel mir die Mall "Fluß des Geldes", wegen ihres Namens im wesentlichen. Der Schatz ärgert sich immer noch, dass er nicht mit der Achterbahn gefahren ist, die sich in einer der Malls über fünf Stockwerke erstreckte. Mir zuliebe, behauptet er, hat er darauf verzichtet, weil mir vor zwei Jahren beim Zugucken schlecht wurde, als Clara beim Kirschblütenfest in Werder mit einer Karussellschaukel fuhr, die sich in einem großen Bogen überschlug und gleichzeitig innerhalb dessen in vielen kleinen. Ich ärgere mich mehr, dass wir solche leblosen, miesepetrigen und übersättigten Westler waren, uns in der glitzernden Marmorshoppingmall der Petronas Towers eine Ausstellung moderner malaysischer Kunst anzusehen und im Fluß des Geldes Bücher zu kaufen und sonst nichts. Unser Shopping-Karma war einfach nicht gut. Als ich einmal auf ein entzückendes Babydolloutfit zeigte, meinte der Schatz, so etwas würde mir nicht stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dafür bekamen wir abends eine Lektion in nordindischer, vegetarischer Küche. Natürlich hatte der Schatz nichts mit vegetarischem Essen am Hut, aber es war uns nicht gelungen, zur rechten Zeit etwas Fleischigeres zu finden. Als wenn das nicht schlimm genug wäre, machten wir auch noch beim Bestellen alles falsch. Mal stellten wir Vorspeisen zusammen, die nicht passten, mal bestellten wir Brot zu Hauptgerichten, zu denen Reis passte und umgekehrt. Bei jedem Fehler sah uns der sanft sprechende Kellner traurig an und zog sein Kinn leicht zur Seite. Der Schatz wurde sofort hektisch und änderte bei jeder leisen Kritik mit der Spitze des Kinns komplett seine Bestellung, nur um sich dabei erneut dicke Schnitzer zu leisten und sich dafür ein noch heftigeres Kinnzucken einzufangen. Ich - ganz Frau - bemühte mich indessen redlich das Englisch des Kellners zu verstehen und die Bestellung nur soweit zu korrigieren wie notwendig. Das zahlte sich aus. Als der Schatz mit seiner grünen Matschpampe kämpfte und ich mit meiner roten, unter keiner der beiden man noch erkennen konnte, ob man Fisch, Fleisch oder Käse aß, kam der Kellner mit kritischem Blick an unseren Tisch und bedeutete mir, ich sollte nicht nur den Reis mit der roten Matschpampe vermischen, sondern auch gleich noch mit der grünen und dann alles mit dem Brot aufschaufeln. "Mix, mix, mix?" fragten ich ihn ungläubig mit einer großzügigen Handbewegung, die alle Speisen auf dem Tisch umfasste. "Mix, mix, mix", bestätigte er zufrieden. Von da an waren wir Freunde. Der Schatz machte sich zu guter Letzt vollkommen unmöglich, indem er einfachen Tee bestellte, obwohl der Kellner ihm mit sanfter Stimme gewürzten Tee angeboten hatte. Natürlich verhielt ich mich weltgewandter und wählte die Gewürze. Am Ende fragte uns der Kellner: "Madam, where are you from?". Und ich durfte zum ersten Mal in diesen Breitengraden erleben, wie ein Mann dermaßen seinen Kredit verspielte, dass er an meiner Stelle ignoriert wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wahlkampf war ein großes und besonderes Erlebnis auf unserer Reise. Wie bereits erwähnt tobte dieser besonders in den östlichen Provinzen des Landes in Form einer wilden Fahnenschlacht zwischen der regierenden Volksfront und den dort erstarkenden Islamisten. Es gibt aber noch weitere Oppositionsparteien, eine davon religions- und ethnienübergreifend geführt von einem ehemaligen Vizepremier der Volksfront, dem es allerdings noch bis Frühjahr verboten ist, politische Ämter auszuüben. Offenbar sind das Folgen einer Anklage wegen Homosexualität, mit deren Hilfe man dereinst versucht hatte, ihn aus dem politischen Leben zu entfernen. Eine weitere Oppositionspartei hat hauptsächlich unter den erfolgreichen und geschäftsorientierten Chinesen Anhänger. Außer den Fahnen standen den Oppositionellen nicht viele Mittel für Wahlkampf offen, denn die Volksfront hat die Medien fest in der Hand und Zeitunglesen ist ein wahres Ereignis. Die ersten 30 Seiten sind ausschließlich Porträts von Volksfrontvertretern gewidmet, insbesondere Geschichten darüber, wie sie an der Seite ihrer Gattin voll väterlicher Güte in ihrem Wahlkreis erklären, dass nur die Volksfront Regierungserfahrung hat, und wie sie Mitgliedern ihrer Ethnie dringend davon abraten, die Opposition zu wählen, denn wer solle dann noch die Interessen dieser Volksgruppe vertreten. Weitere fünf Seiten sind negativen Nachrichten über Oppositionsvertreter und ihre gewalttätigen Anhänger gewidmet. Diesen Hindernissen zum Trotz nahm die Opposition alle Möglichkeiten wahr, sich bemerkbar zu machen, in den letzten Nächten vor der Wahl zum Beispiel mit Auto- und Motorradcorsi, bei denen sie wild hupend durch Kuala Lumpur fuhren und die Fahnen aller drei Oppositionsparteien schwenkten, so dass ich schon dachte, in Malaysia kämen die Frischvermählten erst nachts um drei aus der Moschee. Die Parteien hatten bei dieser Wahl ihre Kräfte gebündelt und in jedem Wahlkreis nur die aussichtsreichste unter ihnen antreten lassen. Man kann sich fragen, was Islamisten aus ländlichen Gebieten mit geschäftsorientierten, urbanen Chinesen zu tun haben, oder mit einer Partei, die alle Ethnien des Landes ansprechen will. Offenbar ist es die gemeinsame Abscheu vor dem autokratischen Führungsstil der Regierungsparteien und ihrer Politik, die bumiputras, Söhne der Erde - also Malays und Ureinwohner - in der Wirtschaftspolitik besonders zu fördern, um Rassenressentiments vorzubeugen. Wie es scheint, gefällt diese Politik auch den ärmeren Malays aus ländlichen Gebieten nicht, denn sie kommt in erster Linie den bumiputras zugute, die gleichzeitig mit dem langjährigen Premierminister Mahathir und seinen Freunden gut befreundet sind. Was auch immer sie zusammengeschweisst hat, gemeinsam erzielten die drei Oppositionsparteien einen beachtlichen Erfolg, wie wir nach unserer Heimkehr erfuhren. Sie gewannen fünf Bundesstaaten und konnten die Volksfront so weit schwächen, dass sie nun weit von der gewohnten Zweidrittel-Mehrheit entfernt ist. Wir können uns jetzt so fühlen, als hätten wir nicht nur einen eitlen Trauminsel- und Besichtigungsurlaub gemacht, sondern als wären wir gleichzeitig Zeugen eines eindrucksvollen und friedlichen Demokratisierungsprozesses geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass die Rassenbeziehungen in Malaysia nicht immer ganz harmonisch verlaufen, erklärte uns eine Inderin nach unserem Besuch ihres Sikh-Tempels, bei dem einer ihrer Glaubensbrüder uns mit großer Geduld unsere ignoranten Fragen zu seiner Religion beantwortet hatte. Wir hatten schon unsere Kopfbedeckung abgelegt und wollte gerade den Tempel verlassen, als uns die ältere Dame ansprach, um uns nach unserer Heimat zu befragen und allerhand aus ihrem Leben zu erzählen. Unter anderem berichtete sie, dass sie Witwe sei und daher nunmehr frei, was aus meiner Sicht ein interessantes Bild auf das Geschlechterverhältnis in diesem Land warf. Ihre Freiheit wollte sie am liebsten nutzen, um das Land zu verlassen. Immerhin nicht, weil sie fürchtete, noch einmal so jemandem zu begegnen wie ihrem Mann. Die Muslime würden immer intoleranter, so klagte sie, und verlangten inzwischen von allen, zum einizigen wahren Glauben überzutreten. Ihre eigene Religion hingegen gebiete es, anderer Menschen Religion zu akzeptieren, und das alles ist nicht mehr so recht miteinander vereinbar. Also will sie in den Punjab ziehen und das, nachdem sie ein Leben lang auf der malaysischen Halbinsel verbracht hat. Ich bestätigte ihr gerne, dass trotz zahlreicher löblicher Ausnahmen der Islam derzeit vieleorts in keiner guten Phase ist, zumal ich während des Urlaubs trotz eines vollkommenen Verzichts auf Sex-Appeal und Mitführens eines Notschleiers fast nie Zugang zu einer Moschee gefunden hatte. Ich weiss sicher, dass das für meine Vettern aus der Türkei und selbst für muslimische Nordafrikaner ein Ding aus dem Tollhaus wäre, also will ich gerne glauben, dass es im malaysischen Islam derzeit eine gewisser Tendenz zur Intoleranz gibt. Ich verschwesterte mich mit der Sikh-Dame zum Abschied und wir wünschte ihr und ihrem Land Entspannung in der Islam-Frage, zumal ich Zweifel hatte, ob sie sich in einem ihr völlig fremden Land wie dem Punjab ganz alleine wohl fühlen würde, auch wenn dort ihre Religion besser repräsentiert ist als in Malaysia.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als versöhnlichen Abschied durften wir ganz am Ende der Reise noch Zeugen sein, wie in der Coliseum-Bar, wo schon Somerset Maugham trank, Chinesen, Sihks, Hindus und Malays gemeinsam den Alkohol mächtig fließen und ihre Witze immer lauter und derber werden ließen. Die Hälfte von ihnen durfte wahrscheinlich aus religiösen Gründen gar nicht trinken. Was für ein Glück, dass sie sich davon nicht beeindrucken ließen. Denn was der Alkohol nicht alles verbindet, was sonst nichts zu verbinden scheint, dachten wir wohlgefällig, während wie herzhaft in unser Sizzling-Steak bissen - eine Köstlichkeit, die sich niemand entgehen lassen sollte, der zufällig in der Coliseum-Bar in Kuala Lumpur vorbeikommt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1882940602783896367?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1882940602783896367/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1882940602783896367' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1882940602783896367'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1882940602783896367'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/03/demokratischer-bergang-am-ende-der.html' title='Demokratischer Übergang am Ende der Reise - Kuala Lumpur'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3170571268169100510</id><published>2008-03-04T12:02:00.059+01:00</published><updated>2008-03-09T22:25:52.433+01:00</updated><title type='text'>Trauminselmalaysia oder fast - Perhentian</title><content type='html'>Als krönenden Abschluss unserer Reise durch Malaysia hatten wir uns eine Trauminsel im südchinesischen Meer ausgesucht: Perhentian. Zwar regnete es in Kota Bahru immer noch junge Hunde, aber weil der Wetterbericht baldige Besserung versprach und für die Westküste auch keine angenehmeren Nachrichten parat hatte, hielten wir an unseren Plänen fest. Wir verabschiedeten uns von unseren verschleierten Rezeptionisten mit einem fürstlichen Trinkgeld, der uns ein stattliches Abschiedskomittee eintrug, und bestiegen ein Taxi nach Kuala Besut, von wo aus Schnell- oder Langsamboote zu der Trauminsel starten. Eigentlich...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon auf der Hinreise äusserte der Taxifahrer seine Besorgnis, dass die Boote bei dem Sturm möglicherweise nicht fahren könnten. Dafür war bei unserer Ankunft schon alles geregelt: Ein Freund des Taxifahrers, der in Kuala Besut ein auf Perhentian spezialisiertes Reisebüro betreibt, hatte eine Rückfahrtticket für die Überfahrt am morgigen Tag bereit und wies uns den Weg in das Kualer Besuter Hotel, in dem wir notgedrungen übernachten sollten. Nur war der Schatz gut vorbereitet und seine Internetquellen hatten ihm strengstens geraten, keine Rückfahrttickets zu kaufen, weil meistens bei der Rückfahrt weit und breit von dem richtigen Boot nichts zu sehen ist. Der Freund des Taxifahrers weigerte sich, uns eine einfache Fahrt zu verkaufen, schließlich verzichtet niemand gerne auf seine Provision. Daraufhin kauften wir gar nichts und schleppten uns und unsere schweren Rucksäcke zur Strafe im Regen zu dem zweiten Hotel vor Ort. Das bot uns allerdings nur Zimmer zu überhöhten Preisen an und am Ende mussten wir doch reumütig in dem Hotel einziehen, das uns der Freund des Taxifahrers gewiesen hatte. Tatsächlich bekamen wir das letzte erschwingliche Zimmer, das in Kuala Besut an diesem Tag zu haben war. Danach waren die Rezeptionen der Stadt von dramatischen Szenen geprägt, in denen gestrandete Taucher und Sonnenanbeter vergeblich versuchten, die Regen- und Sturmpreise auf ein verträgliches Maß herunterzuhandeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Taxifahrer und sein Freund waren übrigens nahezu der einzige Fall von Schleppertum, der uns in Malaysia begegnet ist. Anders als ich es aus Indien, Vietnam oder Ägpte kenne, hat während der ganzen Reise hat kaum einmal jemand versucht, uns in sein Hotel oder in das Restaurant der Tante zu zerren, in sein Taxi oder in seine Rikshaw, die es zumindestens an der Westküste auch nur noch zur Belustigung der Touristen gibt. Anthony Burgess würde das sicherlich darauf zurückführen, dass die Malays eine freundliche, attraktive und faule Rasse sind, wie er im Vorwort seiner Malaysia-Trilogie schreibt. Ich bestätige gerne ihre Freundlichkeit und ihr eher ruhiges Naturell. Das Fehlen der Schlepper, die die Touristen in Indien, Vietnam oder Ägypten auf Schritt und Tritt belagern, führe ich indes eher auf den relativen Reichtum Malaysias zurück. Den hat das Land zwar sicher auch seinen Chinesen zu verdanken, aber so ganz außergewöhnlich faul kann auch die Bevölkerungsmehrheit der Malays eigentlich nicht sein, sonst wäre das Land wohl kaum so weit gekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den angebrochenen Nachmittag nutzten wir, um im Regen zu schlafen ,und abends rannten wir so schnell es ging im Regen zum nächsten Restaurant, wo es hervorragenden Fisch gab. Leider bemerkten wir das erst, als wir auf Anraten eines Holländers schon das Hühnchen bestellt hatten. Holländer sind nette Leute, aber in kulinarischen Dinge sollte man sich nicht allzu sehr auf sie verlassen, das weiss ich, seit der Schatz mal auf dem Bahnhof eines Vorortes von Amsterdam - eine andere Episode des Strandes in unserem Leben - eine&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frikandel"&gt; Frikandel&lt;/a&gt; zog.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem Restaurant war eine Atmosphäre wie in Casablanca zu Zeiten des zweiten Weltkrieges. Jeder dort kam aus einem anderen Teil des Kontinents, das malaysische Hochland, thailändische Inseln, Bangkok oder Kuala Lumpur. Alle waren in der - für die meisten vergeblichen - Hoffnung auf ein besseres Leben in einem Traumland in Kuala Besut gestrandet und während sie darauf warteten, irgendwie eine Fahrkarte zu ergattern und das nächste Schiff zu besteigen, versuchten sie gut wie möglich mit Tigerbier, Fisch, Hühnchen und einer malaysisch-chinesischen Version des Traumschiffs sich die Zeit zu vertreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders die Fernsehserie war sehr aufschlussreich. Die Heldin lief mit langen fliessenden Kleidern über mittelalterliche Brücken, durch provenzalische Lavendelfelder oder an den Kreidefelsen der Steilküste von Dover entlang und rief verzweifelt ihren Geliebten. Ab und zu wurde sie von einer Armada europäischer Stubenmädchen mit Häubchen und Schürze in einem Loire-Schloß empfangen. Die Kulisse sollte offenbar eine längst dem Untergang geweihte Welt repräsentieren, gewissermaßen als märchenhafter Kontrapunkt zu dem hektischen High-Tech-Leben in asiatischen Großstädten. Daran wer beide Welten beherrscht ließ die Serie keinen Zweifel. Während ich mein drittes Tigerbier leerte und gebannt in den Bildschirm starrte, fragte ich mich, ob wir nicht doch besser anfangen sollte, unsere Kinder mit Singapurer Drillbüchern zu drillen und sie langsam von der englischen Literatur für mittelgute jugendliche Leser zu der Literatur für preisgekrönte Leser hinzuführen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen gaben wir übermütig die Schlüssel für unser wertvolles Zimmer ab, voller Zuversicht, dass nun die ersehnte Überfahrt nich mehr lange auf sich warten lassen würde. Eine freundliche Frau in einem der zahlreichen Reisebüros der kleinen Stadt sollte unsere Hoffnungenjedoch sehr bald mit der Information enttäusches, dass an diesem und vielleicht auch am nächsten Tag wegen der Sturmgefahr kein Boot nach Perhentian fahren dürfte. Wir verfluchten unsere voreilige Schlüsselabgabe und überlegten gerade, ob wir jetzt in den Dschungel oder nach zurück Kuala Lumpur fahren sollten, da begegnete uns Antje, die Freundin des Holländers, der uns im Fischparadies zu Hühnchen geraten hatte. Eigentlich heisst sie Ilsa, aber das erfuhren wir erst Tage später. Sie riet zur Besonnenheit, denn sie hatte eben noch eine Frau von einem anderen Reisebüro am Telefon gehabt, die ihr ein Boot um 10:30 Uhr versprochen hatte. Das alles passte nicht sehr gut zusammen und als die Frau in dem Reisebüro nicht anzufinden war, beschlossen wir, erst einmal gemeinsam zu frühstücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann nach dem zweiten Toast sahen wir Touristen mit schweren Rücksäcken zum Bootsanlegeplatz rennen. Der Berliner Himmel war ja bekanntlich nie geteilt und die sprichwörtliche Luft auch nicht. Vermutlich war sie es, die von Ost nach West den Reflex übertragen hat, sich grundsätzlich immer an langen Schlangen anzustellen und rennenden Konsumenten zu folgen. Der Schatz jedenfalls als geborener Westberliner rannte flugs hinterher und kam stolz wie ein Spanier mit der verheißungsvollen Nachricht zurück, dass gerade ein Boot mit noch vier freien Plätzen nach Perhentian ablegen würde. Ilsa flitzte zurück in das Hotel, um ihren Freund zu wecken und wir versprachen, das Boot noch so lange festzuhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Boot sah aus wie ein Piratenschiff aus Fluch der Karibik und spätestens als dort Listen mit unseren Passnummern angefertigt wurden, kamen mir Assoziationen zur Titanic. Ich fragte mich, was ich bei offizieller Sturmwahrnung auf einem Seelenverkäufer wollte, der illegalerweise zu der Trauminsel fuhr. Ich verstehe bis heute nicht so recht, warum ich nicht sofort wieder ausgestiegen bin. Wahrscheinlich war ich angesteckt von der Euphorie des Schatzes. Außerdem hatte es aufgehört zu regnen und die See schien so ruhig. Das lag allerdings darin, dass der Bootsanlegeplatz in einer Flussmündung lag, das wurde schnell deutlich, als wir Antje und Henk (in Wirklichkeit Sander) und mehrere Rationen Lebensmittel eingeladen, Schwimmwesten angelegt hatten und auf das Meer ausgelaufen waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Wellen nicht mannhoch waren, dann waren sie mindestens kindshoch. Oben angelangt kam mein Magen jedesmal kurz unter dem Kinn zum Stillstand und wurden dann mit dem herabsausenden Schiff bis auf meine Fersen heruntergedrückt. Der kleine Engländer, der zu Beginn noch bei jeder Welle gejuchzt hatte, als führe er auf dem Prtare Achterbahn, begann sehr schnell , bei jeder Welle seine Augen zuzukneifen und seinen Mund zu einem verzerrten Grinsen zu verziehen. Leider fühlte ich mich unter Deck besonders gut aufgehoben - wenigstens konnte man dort nicht so leicht über die Reling gehen. Der Schatz fühlte sich verpflichtet mir dort Gesellschaft zu leisten. Seine aschfahles Gesicht und die Schweißperlen auf der Stirn, trugen jedoch nicht zu meiner Beruhigung bei. Am Ende war ich doch gezwungen, mich mächtig weit über die Reling zu legen, aber wie durch ein Wunder blieb ich an Bord und der Seelenverkäufer brachte uns sogar heile zu der Insel, wenn auch nicht besonders wohlbehalten. Am Bootsanlegeplatz warteten bereits Dutzende Rückreisewilliger Robinson Crusoes, die nicht sehr erbaut schienen, als sie meines Zustandes gewahr wurden. Sie reisten dennoch an das Festland und mir gelang es, am Strand mich mit Mineralwasser und Tee in einen Zustand zu versetzen, der es mir erlaubte, mir mit dem eine schicke, palmengesäumte Bungalowanlage zu suchen. Der Schatz hatte sogar noch die Kraft sich dazu beglückwünschen, dass er nicht in dem wesentlich kleineren Schnellboot gesessen hatte, das kurz nach uns auf der Insel ankam. In der Tat sehen deren Insassen noch fürchterlicher aus als ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danach lagen wir fünf Tage lang reglos unter Palmen im weißen Sand, wenn wir nicht ausnahmsweise mal in dem kristallklare Wasser badeten, Fisch aßen oder vergeblich versuchten, uns mit Malay-Cocktails mit ihren homöopathischen Alkoholanteilen zu betrinken. Die Religion führt hier offenbar auch den Gläubigen die Hand, die sich eigentlich schon vorgenommen hatten, etwa zu sündigen, zum Beispiel durch Cocktailmixen. Aber auch das konnte uns nicht davon abhalten, uns von der Überfahrt und allen anderen zuvor im Leben durchlittenen Strapazen zu erholen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir standen nur zweimal auf. Einmal, um Ilsa und Sander auf der Nachbarinsel bei ihren Bungalows zu besuchen und einmal, um in langen Hosen und Hemden und mit Wanderschuhen - nicht in Badehosen und Badelatschen wie die anderen, sehr viel unprofessionelleren Urlauber - rings um die Insel durch den Urwald zu wandern, um alle Stränder auszuprobieren, die sie bot.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3170571268169100510?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3170571268169100510/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3170571268169100510' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3170571268169100510'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3170571268169100510'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/03/trauminselmalaysia-oder-fast-perhentian.html' title='Trauminselmalaysia oder fast - Perhentian'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6929977691336552735</id><published>2008-03-01T11:25:00.026+01:00</published><updated>2008-04-08T11:24:50.192+02:00</updated><title type='text'>Malaiisches Malaysia - Kota Bahru</title><content type='html'>Nachdem wir ausgiebig das Malaysia der Chinesen, der Tamilen, der Sikhs, der englischen Kolonialherren und das der japanischen Golfspieler erkundet hatten, wurde es dringend Zeit, uns um das Malysia der Malaien zu kümmern. Deswegen sprangen wir eines schönen Morgens in den Cameron Highlands in den Minibus, der Rucksacktouristen zu dem Dschungelnationalpark Taman Negara bringt und ließen uns in Gua Nusang absetzen, um dort auf den Postzug nach Kotah Baru an der Ostküste und der Grenze zu Thailand zu warten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und richtig, da wartete es schon auf uns: Das Malaysia der Malaien. Keine glitzernden Malls, keine durchgestylten Chinesinnen im Pepita-Look oder im Geländewagen. Statt dessen leuchtete der Bahnhof in den kräftigen Farben der langen Gewänder der Frauen, zu denen ein Schleier ebenso zwingend zu gehören schien wie ein kleines Kind am Rockzipfel, das seine Augen nicht von uns lassen konnte. Die buntgewandeten Frauen warteten allesamt gleichmütig mit ihren neugierigen Kindern auf den Postzug, der sie nach umfangreichen Einkäufen wieder in ihr Dorf bringen sollte, während Ziegen und Hühner die Gleise nach etwas Essbarem absuchten. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise kamen wir an einen Ort, an dem die blaue Fahne mit Waagenmotiv der Volksfront Barisan Nasional, die zusammengesetzt aus einer Malaien-, einer Chinesen und einer Inderpartei seit der Unabhängigkeit das Land regiert, von dem grünen Emblem der Islamisten-Partei dominiert wurde. Und dabei sollte es im Osten auch bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schatz war begeistert von der Häufigkeit, mit der der Postzug bei seiner Fahrt durch den Dschungel an unfassbar kleinen und provisorischen Bahnhöfen hielt, während er in Deutschland über die Vor- und Nachteile von fünfzig-Meter-Bahnhöfen gegenueber dreißig-Meter-Bahnhöfen debattiert oder so ähnlich. Ich beschloss, ein malaiisches Kleinkind mit Schmollmund zu adoptieren und machte mir gleichzeitig Sorgen darüber, wie einige Malaysier ihre größeren Kinder behandeln. Uns gegenüber saßen drei Teenager, die alle Narben im Gesicht hatten, einem von ihnen fehlten Zähne und der zweite konnte sein Auge nicht mehr richtig schließen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Kota Bahru regnete es junge Katzen und Hunde. Das konnte uns jedoch nicht schrecken. Unsere Reiseführer hatten uns echte malaiische Kultur versprochen und wir waren entschlossen, sie zu entdecken. Also borgten wir uns im Hotel einen Schirm und sausten im Dunkeln durch menschenleere Straßen um Moscheen, Sultanspaläste und nachempfundene malaiische Dörfer, die bei Tag Läden für das Kunsthandwerk der Region beherbergen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die vergebliche Suche nach dem sagenumwobenen Nachtmarkt im strömenden Regen hatte uns fast schon vollständig entmutigt, da hob eine alte Dame unter dem Dach, unter dem wir Schutz gesucht hatten ihre Hand zum Mund, als ob sie essen wollte, und redete eifrig auf uns in malaiisch ein. Ich wollte gerade mein Portemonnaie zücken, um eine milde Gabe zu stiften, da fing sie an, in Richtung Norden zu gestikulieren. Mir wurde klar, dass sie keineswegs eine Bettlerin war, sondern lediglich gut vertraut mit den üblichen Bedürfnissen der weissen Frau, die ihre Stadt besuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Nachtmarkt war in der Tat eine Wucht. Überall Stände mit exotischen Speisen und bunten Süßigkeiten. Zuerst labten wir uns an der Köstlichkeiten bei den Ständen mit Plastikmöbeln, laufendem Fernseher und Gummidach. Unserm Ausländerstatus verdankten wir es, dass wir mit Messer und Gabel essen durften, die Malaysier benutzen am liebsten die rechte Hand. Als der Regen nachgelassen hatte, probierten wir ayam percik auf die Faust, das Hühnchen in Erdnusssoße, wie es unser Reiseführer empfohlen hatte, der sich dadurch bei uns im kulinarischen Bereich Bibelstatus erkämpft hat, und malaiische Pfannekuchen als Nachtisch. Dieses Erlebnis verlieh uns neue Kraft und Zuversicht, um das malaiische Kulturzentrum zu suchen, in dem mittwochabends Schattenspiele, Singvogelwettbewerbe, Drachensteigen oder Kreiselschlagen zum Besten gegeben werden, auch wenn der chinesische Rezeptionist davon nichts wissen wollte, als ich ihn aufforderte, mir das Programm zu besorgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reiseführer sollten recht behalten und der Chinese wurde als ungelernte Hilfskraft im Tourismusgewerbe entlarvt. Im Kulturzentrum fand ein großartiges Schattenspiel statt mit bunten Figuren aus Leder, die aussahen wir die Götter und Dämonen aus uralten Hindumythen. Hinter der offenen Bühne spielte dazu eine traditionelle Musikgruppe auf Pfeifen, Zupfinstrumenten und einem Gong. Mir schien, es standen mehr Kinder hinter der Bühne und machten sich mit der genauen Machart dieses Schauspiels vertraut als davor dem Zauber der Schatten zu erliegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag feierten wir Mitbringselekzesse in dem Kunsthandwerkzentrum und den Batikmärkten der Stadt und fotografierten vom ersten Stock aus die Marktfrauen, die auf den Ständen hinter ihrem bunten Obst und Gemüse hockten oder ihre Krebse am Ausbüchsen hinderten. Danach waren wir hochzufrieden und bereit auf eine malaysische Trauminsel weiterzureisen, fernab jeder Kultur, ganz gleich welcher Ausrichtung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6929977691336552735?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6929977691336552735/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6929977691336552735' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6929977691336552735'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6929977691336552735'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/03/malaiisches-malaysia-kota-bahru.html' title='Malaiisches Malaysia - Kota Bahru'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4715482342574420156</id><published>2008-02-26T11:26:00.033+01:00</published><updated>2008-03-13T23:17:43.101+01:00</updated><title type='text'>Malaysia fuer Kolonialherren - Cameron Highlands</title><content type='html'>Nach den vielen Strapazen in der Tiefebene haben wir uns zur Erholung für ein paar Tage in die Teeplantagen der Cameron Highlands zurückgezogen, um frische Luft zu atmen, abends endlich einmal die Pullover anzuziehen und die Ruhe zu genießen. Damit folgten wir den ehemaligen englischen Kolonialherren, die hier im Sommer Zuflucht vor der Schwüle der malariaverseuchten Küsten suchten. Golfplätze, englische Herrenhäuser, Rosenzüchter und die allgegenwaertigen Scones zum Fünf-Uhr-Tee zeugen noch heute von dieser Vergangenheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Voller Vorfreude auf einen herrlichen Spaziergang im saftig grünen Regenwald begaben wir uns gestern mit ein bisschen Wasser, Bananen und Keksen auf Jungle Trail No. 8. Der steile Anstieg würde uns gut tun, nachdem wir mehrere Tage in engen Bussen verbracht hatten, so meinten wir. Niemand hatte uns jedoch darauf vorbereitet, dass steiler Anstieg in dieser Gegend häufig mit Erosion einhergeht, deren Ergebnisse sich ohne Zuhilfenahme von Baumwurzeln und erstklassiger Kletterkünste nicht überwinden laessen. Gemessen daran, dass die höchste Anhöhe, die wir im täglichen Leben zu meistern haben, der Prenzlauer Berg ist, bewältigten wir unsere Aufgabe erstaunlich gut. Wir sprangen leichtfüssig über umgefallene Bäume, zogen uns kraftvoll an Ästen und Baumwurzeln hoch und etwa auf dem gefühlten Höhenkilometer 15 durften wir den Triumph erleben, an einem um zehn Jahre jüngeren, weltreisenden Pärchen aus der Schweiz vorbeizuziehen, das bis dahin gemeint hatte, uns etwas vorturnen zu können. Sie hatten jedoch ihrerseits die Klettertour völlig unterschätzt und kamen mit den übersichtlichen malaysischen Frühstücksportionen noch nicht ganz klar, so dass dringend eine Brotzeit vonnöten war. Zwar mussten wir nicht die Bernhardiner losschicken - so schnell gehen Schweizer in den Bergen dann doch nicht verloren - aber weil sich die beiden auf dem Gipfel angelangt mit zwei anderen Weltreisenden beim Abwägen der Vor- und Nachteile von Hawaii verquatschten, hängten wir sie am Ende dennoch unaufhaltsam ab. Wir haben nur drei Wochen und keine Zeit zu verlieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser heutiger Spaziergang über die Golfplätze und durch die lieblichen Hügel der örtlichen Teeplantagen hatte alle Anlagen, wesentlich gemütlicher zu werden. Morgens schien auch noch alles nach Plan zu laufen. Auf dem Golfplatz vor Tanah Rata trafen wir das freundliche, ältere, asiatische Paar, dem wir hier täglich begegnen, seit sie naserümpfend mit uns in Kuala Lumpur in den Billigbus zu den Camerons eingestiegen sind. Ich hatte mich schon gewundert, denn Chinesen habe ich bislang nicht als Zimperliesen kennengelernt. Als ich die Lady bei gleißender Hitze in langen Ärmeln Golf spielen sah, lüftete sich das Geheimnis. Die beiden sind Japaner, wie sie mir gerne mit einem höflichen Lächeln bestätigten. Ich bin mir sicher, sie hätte am liebsten noch Handschuhe getragen und einen Sonnenschirm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Teeplantagenanwesen, das wir anschließend besuchten, gehört noch heute den Nachfahren des geschäftstüchtigen Engländers, der diese Hügel einst erschloss. Die Nachfahren gerieren sich als große Philantrophen, loben nationale Kultur- und Naturschutzpreise aus und haben auf ihrem Anwesen ein Dorf mit Schule, Buddha- und Hindutempel und langgestreckten Holzbaracken für ihre Arbeiter angelegt. Ein schicker, moderner Glasbau ragt stolz und ein bisschen keck über einen der Hügel hinaus und läd die Besucher zum Teetrinken, Teekaufen und zum Teeplantagenbesitzerbewundern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Heimweg von den Plantagen nach dem wohlverdienten Fünf-Uhr-Tee wurde unser Erfolg vom Vortag etwas relativiert, als es uns nicht gelingen wollte, ein anderes Bleichgesicht-Pärchen einzuholen, mit dem wir an der Hauptstrasse nach Tanah Rata schön ein Taxi hätten teilen können. Die beiden waren einfach zu schnell für uns. Am Ende sollte sich jedoch wieder einmal die biblische Weisheit bewahrheiten, die schon meine Großmutter immer so gerne zitierte: Die letzten sollen die ersten sein. Wir alle wurden von einem tropischen Regenfall überrrascht. Wir fanden ein Wellblechdach als Unterschlupf, die beiden Sprinter kamen irgendwo am Horizont unter einem Baum unter. Irgendwann gesellten sich französische Weltenbummler zu uns, die beim ersten Abklingen des Regens gleich leichtsinnig zum Weitermarsch bliesen. Bloß setzte die wirkliche Sintflut erst ein, als wir längst fernab aller Unterschlüpfe waren. Der Schatz war sehr verzweifelt und ich sah mich schon nach Tanah Rata schwimmen, da hielt einer dieser grossen Geländewagen an, über die ich mich so gerne lustig mache, und lud uns alle ein, um uns nach Hause zu fahren. Dem entzückenden chinesischen Paar aus Kuala Lumpur, das uns aufgelesen hatte, brach es fast das Herz, einige hundert Meter weiter die beiden Sprinter mangels Platz nicht mehr in ihrem Wagen aufnehmen zu können. Der Anblick der beiden, wie sie in der Sintflut unter seinem Vliespullover Schutz suchten, war allerdings auch herzerweichend. Wir hoffen sehr, dass es hinter uns noch andere Chinesen mit großen Geländewagen und großem Herzen gab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von unseren Rettern lernten wir einiges über das Sprachenwirrwarr unter malaysischen Chinesen. Sie beide sprechen kantonesisch miteinander, allerdings kann sie das nicht lesen, weil sie eine malaysisch-sprachige Schule besucht hat. Andere Chinesen sprechen Hokkein, Mandarin oder Hainan. Ihre Tochter hingegen versteht zwar malaysisch und kantonesisch, spricht aber lieber nur englisch. In ihrem Eifer, ihre Kinder auf Harvard, Oxford und das spätere Businessleben vorzubereiten, scheinen sich die Malaysier durch nichts von den Singapuris zu unterscheiden, die auch gerne zu Hause die Muttersprache durch das Englische ersetzen, selbst wenn sie dessen nur in Grundzügen mächtig sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weniger Glück hatten wir in unserer kleinen, hübschen Pension mit unseren englischen Zimmernachbarn. In den Highlands klappen sie um elf bereits die Bürgersteige hoch. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, uns vor dem Einschlafen noch ein bisschen zu unterhalten. Vermutlich gingen wir sogar so weit, ein Lachen zu wagen. Darauf fiel dem empörten Engländer keine bessere Antwort ein, als ein wütendes Poltern gegen die hauchdünne Wand zwischen uns. Mir kam das sehr unpassend vor. Zwar hatte ich in Kuala Lumpur einen Moment lang einen ähnlichen Wunsch gehegt, als eine Gruppe von Malaysierinnen auf Incentive-Reise um drei Uhr morgens noch keinerlei Anstalten machte, ihrer beeindruckenden Soundshow aus Kichern, Schreien, Singen und Drachenumzugsmusik, die sie ich weiss nicht aus welcher Anlage zauberten, ein Ende zu setzen. Allerdings kam ich im Gegensatz zu dem Engländer schnell zu dem Schluss, dass das viel zu großmütterlich und überdies äusserst unhöflich wäre und ich stattdessen zumindest klopfen und freundlich um Mäßigung bitten müsste. Nach einer weiteren Sekunde entsann ich mich meiner eigenen leichtsinnigen Jugend und beschloss, die Mädels gewähren zu lassen. Statt einer Beschwerde machte ich von meiner durch jahrelanges, hartes Training bei wilden elterlichen Partys erworbenen Fähigkeit Gebrauch, bei ohrenbetäubendem Lärm friedlich zu schlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Engländer sei für nächstes Jahr ein Aufenthalt in einem indischen Ashram empfohlen. Aber vielleicht ist er auch schon gestraft genug dadurch, dass mir um vier Uhr morgens bei einer spontanen Grosswildjagd die Tötung einer Mücke nur dank eines beherzten Schlags auf die Wand zwischen uns gelang, nachdem ich zuvor in Panik den schlafenden Schatz mit Autan eingerieben hatte, um ihn vor dem sicheren Malaria-Tod zu bewahren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4715482342574420156?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4715482342574420156/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4715482342574420156' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4715482342574420156'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4715482342574420156'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/02/malaysia-fuer-kolonialherren-cameron.html' title='Malaysia fuer Kolonialherren - Cameron Highlands'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4592295730283476978</id><published>2008-02-24T14:24:00.039+01:00</published><updated>2008-03-16T16:01:56.868+01:00</updated><title type='text'>Asien für Anfänger und sehr Fortgeschrittene - Melakka und Kuala Lumpur</title><content type='html'>Nachdem uns Singapur - der vermeintliche Hort fuer Asienanfänger - beinahe komplett aus den Latschen gehauen hätte, gelang es uns doch noch ein Idyll zum gemütlichen Eingewöhnen zu finden. Melakka an der gleichnamigen Meerenge ist zwar seit der Vereinnahmung durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert berüchtigt fuer Piraterie, aber davon merken die sicher im kolonialen, blitzblank renovierten Chinatown untergebrachten Touristen nicht viel. Es sei sei denn es handelt sich um englische oder amerikanische Senioren, die als Kreuzfahrer von Bangkok angereist sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von den Portugiesen ist abgesehen von einem nicht mehr ganz so famosen Tor der einst stolzen Festung "A Famosa" und einer Abwandlung ihrer Sprache, die noch einige hundert Einwohner sprechen, nicht mehr viel übrig in der Stadt. Es gibt auch eine sehr schöne Fotoserie von Einheimischen, die angeblich Eurasisch sein sollen, aber machen wir uns nichts vor: Das Asiatische dominiert so sehr, dass ohne solche Bildunterschriften kein Betrachter auf die Idee käme, Spuren von Europa in diesen Gesichtern zu entdecken. Dafür hinterließen die Holländer nach der Vertreibung der Portugiesen das Stadthuys, zahlreiche Gräber und eine bis heute anhaltende Treue der einheimischen Bevölkerung zu holländischem Ziegelstein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum richtigen Zeitpunkt  veranstalteten die ortsansässigen Chinesen nicht nur den Touristen zu Gefallen, sondern auch zu Ehren des ausgehenden Neujahrsfests eine grosse Kirmes mit Drachenumzug und Karaokeexzessen auf dem zentralen Hauptplatz und in zahlreichen taoistischen Gemeindehäusern. Ganz Chinatown war stilvoll und romantisch mit roten Lampions beleuchtet, an den Ständen konnte man neben Nonya-Leckereien, Produkte einer Kreuzung chinesischer und malayischer Küche, lebende Hunde- und Mäusebabys erstehen und auf einer Tribüne sahen Ratsherren und andere Honoratioren der Stadt dem bunten Treiben wohlgefällig zu. Dass es sich bei diesen Zuschauern um Ratsherren handelte, erklärte uns ein freundlicher, zahnloser Chinese, der uns auch darüber informierte, dass der Busbahnhof von Melakka der modernste in Südostasien ist und dass die orstansässigen Drachenumzügler in internationalen Wettkämpfen nicht selten die Mutterlandchinesen aus dem Felde schlagen. Drachenumzüge sind fuer die Mimen alles andere als eine Kleinigkeit, denn sie müssen die ganze Zeit nicht wie Drachen, sondern eher wie Enten in der Hocke gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Jahrmarkt konnten wir uns davon überzeugen, dass unter chinesischen Malaysierinnen der Pipi-Langstrumpf-Look groß im Kommen ist. Malayische Malaysierinnen bevorzugen Kopftücher und jeder wird sofort einsehen, dass sich das nicht mit Pipi-Langstrumpf verträgt. Insgeheim beglückwünschte ich mich, in Mitteleuropa zuhause zu sein, denn der Besuch in Malaysia bestätigte aufs Neue, dass die Mode keine Gnade kennt. Weder hohe Stiefel noch lange Wollstrümpfe machen vor den Tropen halt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die himmlische Ruhe von Melakka hatten wir dringend nötig, um uns an die verwirrende Vielfalt von Volksgruppen, Religionen und Gebräuchen zu gewoehnen. Zum Glück hat diese malerische Hafenstadt diesbezüglich echten Crashkurs-Charakter, denn man kann in nur drei Strassenzügen die älteste Moschee, den ältesten Tao-Tempel und den ältesten Hindu-Tempel des Landes besichtigen. Danach ist auch der größte Achtziger-Jahre-Skeptiker absolut weihrauchsicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem ältesten Hindu-Tempel wurden wir aktiv und gewissermassen on-the-job von einem Gläubigen angelernt, nachdem wir von Anfang an alles falsch gemacht hatten und rechtsherum durch den Tempel gelaufen waren. Der Gläubige griff schnell und beherzt ein und scheuchte uns in die andere Richtung. Jedesmal wenn er vor einer Götterstatue verschiedene Aufgaben erledigt hatte, wie sich flach auf den Boden zu werfen oder die zusammengelegten Hände wie eine Krone über den Kopf zu halten, bedeutete er uns, ihm zum nächsten Statue zu folgen, bis wir uns heimlich davonschlichen. Linksherum versteht sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gut gefiel uns auch die strenge piktographische Abweisung in einem Singapurer Tao-Tempel, die Schuhe auf keinen Fall auszuziehen. Anscheinend muss man Touristen, die verschiedene Buddha- und Hindu-Tempel besucht haben erst wieder mühevoll umschulen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An den malayischen Gotteshaeusern gefaellt uns ihre Lebendigkeit und ihre gute Integration in das Alltagstempel. Kinderspiele, Klatsch und Mittagsschlaefchen scheinen ebenso in jeden Tempel und in jede Moschee zu gehoeren wie das Abfackeln von Weihrauchstaebchen und Verrichten komplizierter Gebete durch wacherere oder aeltere Glaeubige. Vielleicht muessten sich die Landeskirchen zu Hause auch nur ein bisschen weniger sakral gerieren, um Glaeubige anzulocken, anstatt notgedrungen ihre leer stehenden Gotteshaeuser an radikal evangelistische Gemeinden aus Amerika unterzuvermieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurueck zu saekulaereren Themen sollte ich noch ueber die Totoversessenheit der Malaysier berichten, der wie neue Kenntnisse ueber die Bundesliga verdanken. Das Spiel Bochum gegen Hannover war abgekartet, wie uns unser chinesisch-malayischer Hotelbesitzer versicherte. Er hatte schon vorher davon Wind und deswegen auf Bochum gewettet, was ihm stolze 500 Ringitt eintrug. Frueher war der europaeische Fussball sauber und Korruption gab es nur in Asien, aber die Zeiten sind lange vorbei. Unser einziger Trost besteht darin, dass es in Italien noch schlimmer ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bevor wir in die Teeplantagen der Cameron Highlands weiterzogen, wagten wir eine Uebernachtung in Kuala Lumpur mit Stadtbesichtung. An Kuala Lumpur ist nichts fuer Anfaenger. Das gleiche Wirrwarr aus Voelkern, Kuechen und Reliogionen, aber das mit grossem Trubel von Menschenmassen aus den Strassen und in den dazugehoerigen Restaurants, Verkehrschaos, Laerm, Smog, Gestank und Wolkenkratzern, teils Platte, teils raffinierte islamisch anmutende Architektur. Der einzige Touristenkiller, der hier fehlt, sind die Schlepper, wenn man mal von dem jungen Mann absieht, der auf dem Nachtmarkt in Chinatown Taschen verkauft, den Schatz jedoch vesehentlich mit "Yes sir, another beer" animierte. Trotzdem war ich auf einen Mittagsschlaf am fruehen Abend und der Schatz auf eine einstuendige Massage angewiesen, um uns von dem Uebermass an neuen Eindruecken zu erholen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach einer grossen Voellerei mit scharf gewuerzten Nonya-Spezialitaeten blieben uns leider am naechsten Morgen einige reisetypische Beschwerden nicht erspart. Durch geschicktes Verschieben der Abfahrt und Ausnutzen der Busbahnhofstoiletten gelang es uns dennoch, sicher in den Highlands zu gelangen, wo wir uns an der guten Luft und englischem Nachmittagstee laben, wenn wir nicht auf den steilen und hindernissreichen Dschunglewanderpfaden die Schweizer hinter uns lassen. Aber davon spaeter.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4592295730283476978?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4592295730283476978/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4592295730283476978' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4592295730283476978'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4592295730283476978'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/02/asien-fuer-anfaenger-und.html' title='Asien für Anfänger und sehr Fortgeschrittene - Melakka und Kuala Lumpur'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6309116186430043037</id><published>2008-02-22T16:07:00.023+01:00</published><updated>2008-03-23T19:27:22.384+01:00</updated><title type='text'>Asien nur scheinbar für Anfänger - Singapur</title><content type='html'>Eigentlich war der Reisestart in Singapur als Asien-für-Anfänger-Programm für den Schatz vorgesehen zum langsamen Eingewöhnen an eine neue, fremde und für viele überwältigende Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Grunde eignet sich die Stadt auch dafür. Zum Beispiel Little India: In den Arkaden verkaufen sie in kleinen Geschäften bunte Saris, opulenten Schmuck, exotische Gewürze und Currygerichte; in Hindutempeln mit schreiend bunten Götterstatuen an der Fassade spielen sie uns völlig unbekannte Instrumente und kreiieren mit Räucherstäbchen Schönebergatmosphäre - und das alles ohne Kühe, ohne Dreck und Gestank und ohne unkontrollierte Mopedfahrer, die den Fussgängern unter ohrenbetäubendem Hupen nach dem Leben trachten. Im Rest der Stadt gehen Chinesen, Malayen, Inder und Europäer eilig ihren Geschäften und Besorgungen nach - besonders letzteren, denn Shoppen ist des Singapuris liebster Freizeitspaß - und das alles inmitten von hochmodernen Straßen und Wolkenkratzern, harmonisch nach Feng-Shui-Regeln erbaut, wohlgeregeltem Verkehr und einer hocheffizienten U-Bahn, die so sauber ist, dass man jederzeit auf dem Fußboden eine Notoperation durchführen könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich hat sich der Schatz auf die Art und Weise auch bestens an Asien gewöhnt. Nur mich, den alten Traveller-Hasen, hat es aus den Latschen gehauen. Bizarrerweise ließ ich mich ausgerechnet in den Tropen als erstes von einer schweren Erkältung niederstrecken. Ich weiss nicht was mein Immunsystem so geschwächt hat. Vielleicht war es die verwirrende Vielfalt an Göttern, die in dieser Stadt angebetet werden, in Moscheen und Tempeln, die entweder dem Buddha, den Hindugöttern oder dem schnöden Mammon geweiht sind. Vielleicht hat mich die Konsumlust der aufstrebenden Voelker Asiens überwältigt, obwohl ich schon einmal während einer Dienstreise Gelegenheit hatte, mich davon zu überzeugen, dass sich auf mehr als zwei Kilometern Orchard Road eine glitzernde Marmor- und Glaspracht von Shopping Mall an die andere reiht, immer wohl gefüllt mit flanierenden Singapuris, die sich von den europäischen und amerikanischen Luxusmarken bereitwillig anlocken lassen. Oder vielleicht war es der Leistungsdruck in einem Land, in dem Eltern beim Mittagessen in jedem einfachen Foodcourt auf Grabbeltischen Literatur erstehen können, die ihnen dabei hilft, den Sprößling in der Schule auf das bestmögliche Testergebnis zu trimmen. Vieleicht ist aber auch einfach nur so, dass Übung zwar irgendwie den Meister macht, aber deswegen noch lange nicht überall und zu jederzeit vor Kulturschock schützt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr N. aus dem Büro hatte die These aufgestellt, die Asiaten verbrächten ihre Freizeit so gerne mit Einkaufen, weil sie kaum Kultur hätten. Als hätte sich der singapurische Premierminister so etwas nicht zweimal sagen lassen wollen, hat er in den letzten Jahren überall in der Stadt Kulturzentren, Theater und Musikhochschulen mit modernster und gewagtester Architektur errichten lassen, in denen gerade für kleine Projekte viel Zeit und Raum vorgesehen ist. Allerdings sagt man ihm nach, dass er nicht viel von der Meinungsfreiheit hält, weswegen der Schatz und ich ein wenig zweifeln, ob die freie Szene so ohne weiteres blühen kann, auch wenn man ihr zugegebenermassen zumindest architektonisch einen Raum geschaffen hat, von dem die unsere nur träumen kann. Auch das Museum für moderne asiatische Kunst war exquisit und teilweise sehr avantgardistisch, allerdings bei weitem nicht so gut besucht wie die Shoppingmalls. Diese Betrachtung ist möglicherweise jedoch nicht ganz fair, denn wir waren dort wochentags gegen sechs Uhr und wer gerne Luxuswaren shoppt muss sicherlich auch lange arbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den größten Shock erlitt ich beim Bücherkauf, als ich die langen Reihen von Fachliteratur nach Belletristik mit Malaysiabezug absuchend ("How to become a successful businessman") in der Abteilung fuer Jugendliteratur auf die Kategorie "award-winning readers" stieß und gleich dahinter das Regal fuer "intermediate readers" erblickte Wie gelingt es diesen Kindern nur, so hip gestylt ununterbrochen die Shoppingmalls zu füllen, wenn sie eigentlich die ganze Zeit damit beschäftigt sein müßten, ihre englischen Lesefähigkeiten zu verbessern oder Lehrwerke aus dem Foodcourt durchzuackern, um ihre Ergebnisse bei amerikanischen Unizugangstests zu optimieren? Das erinnert mich an ein Gemälde aus dem Museum mit dem Titel "vibrant youth", das kraftstrotzende und überglückliche Jugendliche zeigt, die über die Wolkenkratzer von Singapur hinwegfliegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere praktische Reisekleidung erlaubte uns leider nicht, an Singapurs Nachtleben teilzunehmen oder im Raffles einen Singapur Sling zu trinken, obwohl uns unser Rucksacktouristenreiseführer diese Attraktionen sehr ans Herz gelegt hat. Allerdings erwähnte er nicht die Hindernisse auf dem Weg dorthin. Rucksackreiseführer sind nicht mehr, was sie einmal waren. Früher brachten sie einem bei, wie man mit zwei US-Dollar durch den Tag kommt. Heute empfehlen sie einem Restaurants und Bars, wo es die Kellner nach einem kurzen, abschätzigen Blick auf die Baumwollhose der angehenden Gäste rundheraus ablehnen, sie auch nur für die Warteliste in Erwägung zu ziehen, selbst wenn ganz offensichtlich Tische frei sind. Vielleicht war das besser so. Am Ende wäre ich noch mit einem zwielichtigen Nick Leeson durchgebrannt und könnte jetzt nicht mit dem Schatz im idyllischen Melakka voller roter Lampions mit Drachenumzug und Karaoke das Ende des chinesichen Neujahrsfestes feiern.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6309116186430043037?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6309116186430043037/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6309116186430043037' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6309116186430043037'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6309116186430043037'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/02/asien-fuer-anfaenger-singapur.html' title='Asien nur scheinbar für Anfänger - Singapur'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8210884121364116481</id><published>2008-02-09T14:28:00.000+01:00</published><updated>2008-02-09T14:45:47.406+01:00</updated><title type='text'>Es lebe Springe - es lebe Kalamazoo</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, Dezember 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich mit Curzio beim Einkaufen in Chinatown, schlendere ich doch so von Gemüsestand zu Gemüsestand, inspiziere die Qualität der Produkte, da steht vor mein alter Nachbar aus Kindertagen, Jens-Michael H.. Er hat mich Jahr für Jahr um die Weihnachtszeit mit seinen selbstgebastelten Sylvesterböllern davon abgehalten, in Ruhe und Frieden Pippi Langstrumpf zu lesen. Inzwischen ist aus dem Nachbarsjungen mit dem Chemiebaukasten ein promovierter Chemiker mit Wohnsitz in Höxter geworden, der gelegentlich als Geschäftsreisender in New York unterwegs ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An solche Situationen bereits bestens gewöhnt sage ich ungerührt: " Hallo Jemi, wie geht's Dir?" Der Mann war wie vom Donner gerührt und wollte sich partout nicht davon überzeugen lassen, daß das auch nichts anderes ist, als wenn wir bei Mundt am Niederntor zusammen Gemüse einkaufen. Schließlich trifft man sich auch in Springe nicht jeden Tag, wenn einer in Höxter und die andere in Hamburg lebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richtig Eindruck schinden konnte ich letzten Sonnabend, als wir morgens um vier nach einer durchtanzten Nacht noch auf einen Absacker in ein Café im Meatpacking District einkehrten. Kaum hatten wir den Saal betreten kam der asiatische Kellner auf mich zugeschossen und behauptete, wir würden uns kennen. Ein bißchen hat mich das gewundert, denn eigentlich sah man ihm mit seinen Wasserstoffperoxid-gefärbten Haaren sofort an, daß er schwul war. Aber als er hinzufügte, wir hätten zusammen in Kalamazoo studiert, wußte ich, daß er die Wahrheit sprach. Meine Mädels, von denen die Hälfte seit sechs Jahren im East Village wohnt, waren allesamt einer Ohnmacht nahe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war ein Triumph! Jeder Deutsche will sich kaputtlachen, wenn ich von meiner Kindheit in Springe am Deister erzähle, und ihr solltet mal hören, was die Amerikaner sagen, wenn ich ihnen erkläre, daß ich meine Englischkenntnisse im wesentlichen in Kalamazoo, Michigan, erworben habe. In besonders schlechter Erinnerung ist mir die in New York aufgewachsene Ehefrau von Rainer K., die mir vor meinem Aufenthalt in Michigan mit einer Wortwahl, die ich hier nicht wiederholen möchte, zuzischte, Kalamazoo sei am Ende der Welt. Aber ich habe noch nicht erlebt, daß eines von diesen hippen Village-Girls in Chinatown beim Gemüseeinkaufen oder des Nachts im Meatpacking District mit Handschlag begrüßt worden ist. Wer wirklich bekannt sein will in der Welt, der muß in Springe aufgewachsen sein und in Freiburg im Breisgau oder in Kalamazoo studiert haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das mit dem Glück ist ja alles schön und gut, aber dann ist da noch die Neurodermitis. Die ist hier so schlimm geworden (ich habe sie unter dem Fuß), daß ich zeitweise im wahrsten Sinne des Wortes mit Blut im Schuh unterwegs war. Als ich anfing, mir morgens Sorgen zu machen, die Tauben am Washington Square könnten behaupten, ich sei eine von den häßlichen Schwestern, dachte ich es sein an der Zeit mal etwas zu unternehmen. Weil ich keine Lust hatte, zum Hautarzt zu gehen, bin ich einfach mal in so einen Drogeriemarkt marschiert, habe versucht der Dame am Arzneitresen schöne Augen zu machen und herzzerreißende Geschichten von Germany und meiner Neurodermitis erzählt. Ich wollte erreichen, daß sie mir ausnahmsweise eine Kortisoncreme ohne Rezept verkauft, die die Apothekerin an der Grindelallee normalerweise extra einen halben Tag lang für mich anrühren muß. Die Amerikaner, dachte ich, bekommen alles fertig...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Amerikaner bekommen alles fertig! Ich konnte mir aus einem Riesenregal aus zehn verschiedenen Arten von Kortisoncremen eine aussuchen. So etwas benutzt man hierzulande, wenn einen die Mückenstiche zu sehr quälen. Wie auch immer, die Neurodermitis ist wieder unter Kontrolle, wenn ich gut geschminkt bin und im richtigen Moment 'nen Abgang mache, gehe ich bestimmt zur Not auch als Cinderella durch, und sollte es noch ein bißchen hektischer werden, macht das auch nichts, die vertickern hier bestimmt auch Prozac ohne Rezept locker über den Ladentisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich habe ich meine Nachbarn Frank und Arnold mit Lammfleisch und Mangold in Roquefortsoße bekocht. Während ich die Pfannen auf unserer schiefen Herdplatte balancierte, habe ich mich durchaus auch mal gefragt, ob es wohl klug sei, zwei wildfremde Männer, die man in einer Eckkneipe kennengelernt hat, in seine Wohnung einzuladen. Es war klug! Die beiden sind wirklich reizend. Curzio und ich lachen immer noch über die Geschichte, als sie eine Maus in der Küche hatten, und sich acht Stunden lang nicht an ihr vorbei ins Bett trauten, und weitere zwei Stunden brauchten, um das wilde Tier zu erlegen. Oder die Geschichte, als sie Beauty-Tag hatten und mit Gesichtmaske vorm Fernseher ein Fußbad nahmen, während die betrunkene Nachbarin klingelte, weil es ihr wie immer nicht gelingen wollte, die Tür zu öffnen. Nachdem sie sich zehn Minuten lang nicht einigen konnten, wer jetzt mit Gesichtsmaske die Tür aufmacht, lösten sie das Problem einfach, indem sie die Klingel leiser stellten. Ein wenig brutal, wie ich finde, aber am Ende hat sich wohl ein anderer Nachbar der alten Dame erbarmt. In jedem Fall sind das zwei nette und lustige Männer, man darf eben nur am Beauty-Tag nicht zu viel von ihnen erwarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mir vorgenommen, wenn man mich nächste Mal in der Kneipe ein Mann fragt, ob ich denn auch eine boyfriend habe, die Frage zurückzureichen. Sollte er keinen haben, breche ich die Konversation ab. Die Männer mit boyfriend sind meiner Meinung nach hier die einzigen, die etwas taugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Glück muß ich in Hell's Kitchen gar nicht fragen. Salavatore, unser fiorentinischer Pizzabäcker sagt immer, er und Curzio seien die einzigen Heten in unserer Straße. Salvatore macht sich ein bißchen Sorgen darum, und wird nicht müde zu betonen, daß die aber nur bis zu seinem Ladentisch und nie darüber hinweg kommen. Ich weiß nicht, was er glaubt, was unsere Nachbarn vorhaben, wenn sie bei ihm Pizza kaufen kommen. Aber, was soll er machen der arme Mann, er ist eben Italiener...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern abend mußte ich mal wieder feststellen, daß die Ausländer doch die besseren Deutschen sind. Helen hat anläßlich unseres kleinen Umtrunks in Hartmuts Wohnung, in der auch Kurt Cobain schon einmal übernachtet hat, nicht nur Dresdner Christstollen angeschleppt, sondern doch tatsächlich vor meinen staunenden Augen den Glühwein selbst mit den ganzen Kräutern angerührt! Währenddessen erklärte mir ihre New Yorker Freundin Stephanie, die schon einmal ein halbes Jahr für Friedbert Pflüger im Bundestag gearbeitet hat (das ist der Vogel dessen Frau, Maniatoupoulos, oder so ähnlich, damals Willy Brandt zu Fall gebracht), daß für sie das Allerschönste auf der Welt Kaffee und Kuchen sei. Und jetzt sag' noch einer, hier könnte man sich nicht zu Hause fühlen...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8210884121364116481?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8210884121364116481/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8210884121364116481' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8210884121364116481'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8210884121364116481'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/02/es-lebe-springe-es-lebe-kalamazoo.html' title='Es lebe Springe - es lebe Kalamazoo'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2314740110673320513</id><published>2008-01-20T17:54:00.002+01:00</published><updated>2008-02-24T14:24:28.269+01:00</updated><title type='text'>Die Kunst und ihr Publikum - Neue Musik</title><content type='html'>Heute waren wir in einem Neue-Musik-Konzert. Das ist eine Musikrichtung, die niemand kennt und sich niemand anhört, es sei denn er spielt sie selbst. Außer uns, aber wir sind mit einem Neuen Musiker befreundet und so auf den Geschmack gekommen. Bester Beleg für die Publikumsferne dieser Kunstrichtung ist, dass Freiburg - oder besser gesagt &lt;a href="http://www.swr.de/swr2/donaueschingen/ueberuns/-/id=2136968/nid=2136968/did=1612452/mpdid=2177342/v59l3h/index.html"&gt;Donaueschingen&lt;/a&gt; - ein Epizentrum der Neuen Musik ist und ich mindestens vier Jahre dort gelebt habe, ohne irgendetwas davon merken. Daniel und ich waren sehr beschämt und deprimiert, als wir davon erfuhren. Wir hätten nie gedacht, dass Freiburg das Epizentrum für irgendetwas ist ausser für Fahrradwege und Häuser mit Solarzellendächern. Nur weil meine Freundin eine Magisterarbeit mit dem schönen Titel "Die Neue Musik auf dem Weg zum Publikum" schrieb, ist mir dieser neue Blick auf meine alte Wahlheimat zuteil geworden. Und auf die Musik...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Musik bedarf einer langen Gewöhnungszeit, aber die Mühen zahlen sich aus. Wenn man ein paar Mal miterlebt hat, wie der Klavierspieler mit Xylophonklöppeln direkt auf den Saiten klöppelt, die Geigenspieler mit Telefonkarten ihr Instrument zupfen oder alle Musiker einfach immer nur zischend ausatmen, um die Geräusche kurz vor Beginn des Konzerts stärker in den Mittelpunkt zu rücken, dem kommt Schönberg bald wie Mozart vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überhaupt verstehe ich, seit man mich an diesen Musikstil herangeführt hat, gar nicht mehr, warum er sich nicht größerer Beliebtheit erfreut und statt dessen im Werner-Otto-Saal außer uns immer nur Neue Musiker und besonders beflissene Zehlendorfer sitzen, die sich einfach bei jeder Kulturveranstaltung zeigen müssen, egal wie sehr sie sich gruseln. Das sind die, die beim Aufbereitungsgespräch nachher fragen, warum sich der Lautmalerei-Poet bei seinem Vortrag nicht auf eine Videogroßleinwand übertragen ließe, es sei doch so schön anzusehen und so sinnlich. Dazu muß man wissen, dass der Poet, der sich in der Tradition obskurer russischer Lyriker der 1910er Jahre sieht, beim Lautmalen ("ppppffffff", "zzzzzzzz", schschllll", "tttzzz tz tz tz tz") so sagenhaft spuckte, dass sogar mir das ohne Brille nicht entging.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer sich wirklich nicht für Geiger erwärmen kann, die mit Leitern klappern, oder mit Bratschistinnen, die das Geräusch des Tee-Einschenkens aus der Thermoskanne evozieren, dem sollten schon allein diese Aufbereitungsgespräche einen Konzertbesuch wert sein. Spätestens wenn der russische Lautmaler beschreibt, wie sein großes Vorbild in den 1910er Jahren beim Spaziergang dichtete, "aber wenn späterrr er Gedicht aufschrrreibt, er zerrstörrt Gedicht" , und sich die Leadmusikerin des Quartetts besorgt erkundigt, ob das vielleicht impliziere, das Quartett zerstöre jedesmal beim Spielen das Werk des anwesenden Komponisten ("Erinnern-Wiederholen-Durcharbeiten", komponiert für den Weltjahrestagung der Psychoanalytiker), hat man das Eintrittsgeld 'raus. Nur für den Fall, dass man der einzige Stoffel im Saal sein sollte, der weder freien Eintritt, noch Steuerkarten bekommen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und erst der theoretische Überbau! Diese Werke sind nämlich nicht einfach nur Musikstücke. Sie sind konzeptuell. Fragt mich bloß nicht, warum nun konzeptuell und nicht konzeptionell. Vielleicht wollen die Neuen Musiker nur nicht ganz so vermessen sein , wie es zunächst scheint, und mit dem Betonen des Konzeptuellen keinesweges ausdrücken, dass die klassischen Musiker völlig plan- und konzeptlos komponiert haben, sondern sie wollen einfach nur sagen, dass sie Neue Konzepte in petto haben. Konzeptuelle Konzepte anstatt konzeptionelle Konzepte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und was für Konzepte! Das Stück der kanadischen Preisträgerin heute etwa beruhte auf dem Konzept der Laufente. Aber nicht irgendeiner Laufente, sondern einer Laufente, die an Gerhard Schröder in der Spätphase seiner politischen Karriere erinnert, der "auch nicht lahm beobachten, sondern weitergehen und dabei seine eigenen Wurzeln und Ziele nicht vergessen wollte", wie im Programmheft zu lesen war. Damit dürfte die Preisträgerin die einzige Angelsächsin unter der Sonne sein, die in Gerhard Schröders "Streben in fremde Gegenden" (Programmheft) ein lediglich paar lahme Flügel gepaart mit Prinzipientreue und eisernem Willen sieht und sich dadurch auch noch zu dem schönen Gedicht -Laufente - lauf!/Geh weiter/Vergiß nicht: Dein Weg - und zu einer losen Anordnung von zwanzig numerischen Verhältnissen inspirieren läßt, verwirklicht nicht nur mit klassischen Instrumenten, sondern auch mit Schreibmaschinenklappern und dem Rascheln von Papierplastiktüten. Ungeachtet allen Spotts und aller Häme ein tolles Stück übrigens. Nichtsdestotrotz war alles sonst, was ich aus dem diesem oder anderen Kulturräumen über Schröders Streben in ferne Gegenden gelesen habe, nicht nur weniger konzeptuell, sondern auch weniger schmeichelhaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war der Professor und Laudator der zweiten Preisträgerin, der mit leichten Herrenmenschenallüren seinem Zögling ungeachtet seiner koreanischen Herkunft Selbstzweifel, Entdeckergeist und eine Seele bescheinigte - aber sicher nur von ihm persönlich eingehaucht. Wo doch sonst aus ihrem Erdteil nur Nähmaschinen bei ihm vorspielten und ihn nervten. Er beglückwünschte sich und seine Schülerin dazu, dass der üppig mit 2500 Euro dotierte Preis sie zunächst einmal vor dem traurigen Schicksal bewahrt, an der Universität von Seoul Nähmaschinen das Musizieren beibringen zu müssen, und ich verfluche mich noch jetzt, dass ich zu wenig spontan und vielleicht auch zu feige war, um in der Akademie der Künste einen Skandal zu riskieren und ihn auszubuhen. Ich hoffe, dass die Preisträgerin ihre zusätzliche Zeit in der Heimstätte der Musik mit Geist und Tiefe dazu nutzt, sich nicht nur von falsch verstandener Disziplin zu befreien, sondern auch von dem in ihrer Heimat traditionellen Respekt für Alter, Seniorität und sonstiges Honoratiorentum, insbesondere in Gestalt ihres Förderers, der sich nicht entblödete, auf ihren Deutschkenntnissen ("nach sieben Jahren bei hoher Konzentration 80%, sonst 40%") herumzuhacken, und das auch noch als Kompliment verstanden wissen wollte (keine Nähmaschine!). Ich bin mir sicher bei ihm reicht bei so viel Selbstgefälligkeit die Disziplin nicht einmal für 2% Koreanisch, selbst wenn er für sieben Jahre hinginge, um sein Expertenwissen über Korea auf den Prüftsand zu stellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr seht, auch wem Loriot nicht fehlt, für den gibt es nach diesen Konzerten immer etwas zu erzählen. Und nach dem ersten Schock, gefallen einem auch einige dieser Stücke. Nicht selten ist etwas Elektronisches dabei, wenn das nichts für Berliner ist. Also los Publikum, auf zur Neuen Musik!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2314740110673320513?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2314740110673320513/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2314740110673320513' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2314740110673320513'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2314740110673320513'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/01/die-kunst-und-ihr-publikum-neue-musik.html' title='Die Kunst und ihr Publikum - Neue Musik'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7284864665480123820</id><published>2008-01-12T14:57:00.000+01:00</published><updated>2008-01-12T15:07:30.141+01:00</updated><title type='text'>Dating is difficult</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, Dezember 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika zählt wieder Stimmen, aber wir wollen uns heute mit der bemerkenswerten amerikanischen Sitte des Dating befassen. Ich habe mir lange überlegt, ob ich bei diesem etwas pikanten Thema meine Eltern und meine Tante ausnahmsweise vom Verteiler nehmen soll. Aber meine Eltern wissen genau, daß ich mich in allen Gebieten des Lebens intensiv fortbilde, wenn ich zur Verfeinerung meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung im Ausland weile. Und wenn die heutige Ausgabe meines Bulletins im fernen Österreich ein wenig frivol erscheinen sollte, dann darf sie eben ausnahmsweise nicht als hardcopy zum Nachbarn getragen werden. Der Verteiler bleibt wie er ist!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn meine Kollegen zu Hause in Hamburg jemals darüber nachdächten, was es bedeutet, wenn ich mit ihnen ein Bier trinken möchte (ich bezweifele, daß sie das tun - normalerweise fahren sie ohne sichtlichen Widerstand den Computer herunter und kommen mit), dann würden sie wohl allenfalls den Schluß ziehen, daß ich durstig bin. Hier in Amerika ist das alles nicht so einfach. Seit ein paar Wochen hat Nd ein neuen Sekretär. Ich hatte schon vermutet ,daß Ayda tatsächlich bei einer ihrer zahlreichen Demonstrationen verhaftet worden sei, und wollte mich gerade bereit machen, sie im Sing-Sing zu besuchen. Anscheinend verhält es sich aber einfach so, daß die NYU nervös geworden ist, seit die Assistenten sich mit ihrer Forderung nach einer Gewerkschaft durchgesetzt haben. Jetzt dürfen Studenten wie Ayda nur noch einen Job an der Uni haben. Da sie bereits unterrichtet, haben wir keine armenische Türkin mehr als Sekretärin. Statt dessen haben wir Brian, der auch keineswegs übel ist. Er ist gerade von seiner Peacecorps-Mission aus Bulgarien zurückgekommen und liest am liebsten historische Romane. Mich hat er neulich erfreut, indem er mir ein German Phrase Book mitgebracht hat, daß der Pentagon im Zweiten Weltkrieg verteilt hat. Interessanterweise enthielt das Buch nicht nur Sätze wie "Wir müssen die Toten und Verwundeten retten", "Helfen Sie mir, ich bin verletzt" oder "Was ist Ihr Marschbefehl?", sondern auch "Kommen Sie mit mir" und "Ihnen wird gar nichts passieren". Offenbar verstanden sich die GIs schon damals aufs Daten, womit wir auch schon wieder beim Thema wären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also dieser Brian ist ein netter Kerl, und ich hätte nicht übel Lust, mal einen Kaffe mit ihm trinken zu gehen, damit wir uns ein bißchen anfreunden und über Bulgarien plaudern können. Irgendwie habe ich mich aber dann doch an verschiedene Komplikationen erinnert, die bei solchen Gelegenheiten damals in Michigan aufgetreten waren. Da keiner so gut gelernt hat wie ich, daß man Kollegen besser Kollegen sein läßt, habe ich mich sicherheitshalber noch einmal bei Dan , Jeanette Rademachers amerikanischem Freund, erkundigt. Entsetzter Aufschrei: Um Gottes Willen, er wird sofort denken, daß Du ihn "daten" möchtest". Jenny war auch dieser Ansicht, meinte aber ich solle mich nicht so anstellen. Wieso kompliziert? Das kommt immer auf die Umstände an, ob man mit einem Kollegen auch mal einen Kaffee trinken gehen kann. Und unter welchen Umständen man denn dann einen Kaffee trinken gehen könnte, wollte ich wissen. Na wenn man sich gut kennt. Und jetzt kommt Ihr: Wie bitte schön soll man seine neuen Kollegen kennenlernen, wenn man noch nicht einmal gefahrlos zusammen Kaffee trinken darf?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner machen nie irgendetwas ohne Ziel. Wenn man in eine Bar geht, dann bestimmt nicht, um sich langsam durch den Abend zu trinken. Man möchte möglichst interessante und vor allem ertragreiche Bekanntschaften machen. So habe ich bei meinen Gute-Nacht-Bieren, die ich mir gelegentlich in Hell's Kitchen gönne, und bei meinen Streifzügen mit Freundinnen schon allerhand interessante Abenteuer erlebt. Ein Klassiker war der schon leicht ergraute Enddreißiger, der sich trotz zahlreicher Damen, die er bereits im Schlepptau hatte, neben mich setzte und folgende - ich möchte fast sagen - prototypische Konversation begann:&lt;br /&gt;1. Frage&lt;br /&gt;-"What's your name?"&lt;br /&gt;-"N"&lt;br /&gt;-"Beautiful name" (sehr beliebte Reaktion- ich glaube, das würden sie sogar ohne rot zu werden bei "Waldtraut" sagen)&lt;br /&gt;2. Frage&lt;br /&gt;-"How old are you?"&lt;br /&gt;Die Gegenfrage hat ihn sichtlich irritiert.&lt;br /&gt;3. Frage&lt;br /&gt;-"Are you married?"&lt;br /&gt;Alarmglocken melden sich leise, antworte aber wahrheitsgemäß.&lt;br /&gt;4. Frage (man weiß ja nie)&lt;br /&gt;-"Are you single?"&lt;br /&gt;Amerikaner verlieren nun mal nicht gerne Zeit. Das ist übrigens immer der Punkt, an dem ich - seit neuestem geistesgegenwärtig in diesen Dingen - einen jungen Anwalt erfinde, der in Hamburg sehnsüchtig auf meine Heimkehr wartet. Jeder, der mich nur ein bißchen kennt, weiß genau, daß ich viel lieber einen IT-Mann haben möchte, der überall spielend Job findet, und deswegen mit mir einige Jahre in Paris, Rom und Lissabon ein wildes Leben führen kann, bevor wir zusammen zurück nach Berlin gehen. Dort steigt er ein wenig auf Telearbeit um, damit wir unsere Kinder ordnungsgemäß betreuen können, obwohl ich einen anspruchsvollen Beruf im Finanzministerium ausübe. Aber in dieser Schrecksekunde direkt nach der Frage nach dem Boyfriend fällt mir immer nur dieser elende Anwalt ein (ich vergaß zu erwähnen, daß sie immer nach seinem Beruf fragen und ob er auch zu Besuch kommt - wahrscheinlich um herauszufinden, ob sie ihn notfalls ausstechen können). Kindheitserfahrungen sitzen eben tief...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Boyfriend zu Hause hilft aber nicht immer. Einmal lernte ich einen kennen, den ich ganz nett fand. Ich lud ihn deswegen ein, mich und ein paar Freunde in der Tenth Avenue Lounge zu treffen. Leider hat er statt dessen in der Tenth Street Lounge auf uns gewartet, und es gab einen ziemlichen Skandal. Um das ganze wieder geradezubiegen, wollte er mich zum Essen einladen, aber ich - Holzauge sei wachsam - habe das ganze in eine lockeres Feierabendbierchen umgewidmet. Hilft in Amerika nichts. Das Bier ist hier genauso erotisch wie der Kaffee. Als schließlich die obligatorische Frage in Form von "Any boy-friends left in Germany?" kam, habe ich mich so geärgert, daß ich mich für besonders schlau hielt, mit einem frechen Filmzitat von Christiane Paul zu antworten: "Na klar, drei!" "Wieso drei?" "Na einen für die Karriere, einen fürs Bett und einen für den Rest." Dabei wagte ich einen erfolgheischenden Blick aus den Augenwinkeln zu den Barnachbarn. Ich war naiv genug zu glauben, daß ich ihn zum Lachen bringen und ihn gleichzeitig auf die Absurdität seiner Frage aufmerksam machen würde. Plan B war, ihn in seiner amerikanischen Prüderie so zu schocken, daß er sprachlos würde. Statt dessen erkundigte er sich angelegentlich, ob diese Positionen auch in Amerika zu besetzen seien. Er würde sich besonders für die mittlere interessieren. Wer jetzt argumentiert, daß ich mir das selbst eingebrockt habe, hat sicherlich recht. Aber ihr könnt mir erzählen, was ihr wollt, bei so viel Direktheit komme ich persönlich nicht in die Gänge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben all diese interessanten zwischenmenschlichen Erfahrungen, widme ich mich intensiv der Vorweihnachtszeit. Zeremonienmeisterin Jeanette hat uns alle in den Nußknacker gescheucht und dafür gesorgt, daß wir mit einer zehnköpfigen Mannschaft Weihnachtskekse gebacken haben. Die bot ich mit großem Erfolg trotz aller Bedenken nicht nur den koreanischen und italienischen Kollegen an, sondern auch Brian. Sogar der Italiener, der mich immer so angeguckt hat, als wolle er mich lieber töten, anstatt mich zurückzugrüßen (anscheinend ist er gerade von seiner Freundin verlassen worden, aber das akzeptiere ich nur bedingt als Entschuldigung), ist nach zwei Weihnachtskeksen weich geworden. Jetzt grüßt er, wenn auch mit sichtlich mit Widerwillen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I say, people just don't realize what a powerful icebreaker a German christmas cookie can be!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7284864665480123820?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7284864665480123820/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7284864665480123820' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7284864665480123820'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7284864665480123820'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2008/01/dating-is-difficult.html' title='Dating is difficult'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2682882880373572381</id><published>2007-12-29T23:28:00.000+01:00</published><updated>2007-12-30T19:46:55.851+01:00</updated><title type='text'>Paris ist nichts für Pariserinnen</title><content type='html'>Gestern ist mir schmerzlich klar geworden, dass ich schon zu lange in Paris gelebt habe, um mich noch als Paris-Touristin zu eignen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das fängt bei den Schuhen an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher habe ich Witze darüber gemacht, dass Französinnen Angst davor haben, ihre Weiblichkeit zu verlieren, sobald sie bequeme Schuhe tragen. Ich konnte es nicht fassen, dass nur Tschechinnen und anglo-amerikanische Frauen, aber niemals Französinnen zu meinen legendären gemischten Fussballpartien vor dem Hotel des Invalides kamen parce que ce n'est pas pour les filles. Und als Véronique mir beim Sonnenbaden anvertraute, dass sie niemals mit einem Mann, der ihr gefällt, in die Badeanstalt gehen würde, weil sie mit Badekappe einfach nicht gut aussieht, verschlug es mir endgültig die Sprache.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedoch kaum nach Berlin zurückgekehrt, war ich so erfreut über die stattliche Durchschnittsgröße der ortsansässigen Männer (und entsetzt über die wettbewerbsfähige Durchschnittsgröße der ortsansässigen Frauen), dass ich mir ein Paar hochhackiger Schuhe nach dem anderen zulegte. Wenn man alles durchkalkuliert, dann bringen hohe Absätze auch dann noch Schwung in die Hüfte und Länge in das Bein, wenn man eine Badekappe auf dem Kopf hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war Fehler Nummer eins.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fehler Nummer zwei bestand in meiner überheblichen und herablassenden Haltung gegenüber dem 16. Arrondissement. Auch damit befinde ich mich wenigstens unter Parisern keineswegs in schlechter Gesellschaft. Schon Heinrich Heine verlangte nach langer, schwerer Krankheit im 16. Arrondissement, man möge ihn umgehend wieder in die Stadt bringen. Den Friedhof von Passy stellte er sich sehr langweilig vor, und er wollte dort unter keinen Umständen begraben liegen. Ich habe im 16. Arrondissement gearbeitet und kann es ihm nicht verdenken. Selbst auf den Haupteinkaufsstraßen dieses Bezirks herrscht Friedhofsruhe. Reiche, alte Damen im Pelz, die ihren Schoßhund spazieren führen, reiche alte Damen, die auswärts mit Hut auf dem Kopf Mittag essen, etwas jüngere, reiche Damen mit Sophia-Loren-Sonnenbrille, die in Geländewagen huldvoll mit behandschuhten Händen den Füßgängern, die sie im Begriff sind umzufahren, bedeuten, sich aus ihrer Parklücke zu entfernen. Keine Kinder, keine Araber, keine Mopeds, kein Trubel auf den Straßen. Das geht soweit, dass man ohne den Einsatz ausgefeilter Nahkampftechniken den Bürgersteig benutzen kann, was einmalig sein dürfte in Paris.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer sein französisches Blut nicht bis auf die Zeiten vor der Revolution an den Hof verschiedener Ludwigs zurückführen kann, ist Ölscheich, vielleicht noch Au-Pair-Mädchen mit Chambre de Bonne und einem einjährigen Kursus über französische Sprache und Kultur, sonst aber bestimmt Dienstbote. Mein Freund Mosahid hat früher einmal den Fehler gemacht, in das 16. Arrondissement zu ziehen. Als er es wagte mit seiner bengalischen Haut in den Hausflur zu treten, um eine für ihn bestimmte Waschmaschine entgegenzunehmen, wollte ihn die Hausbesitzerin zunächst verscheuchen und als er ihr endlich klargemacht hatte, dass er Mieter und damit zurecht im Haus sei, wies sie ihn schrill an, künftig den Boteneingang zu benutzen und der sei hinten. Wen wundert es, dass Sebastien mich damals daran hinderte ins 16. Arrondissement zu ziehen mit der Begründung, dass ich dort niemals mit Besuchen von Freunden rechnen könnte und selbst mindestens 45 Minuten unterwegs wäre, um in erträgliche Teile dieser Stadt zu gelangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich hat er recht und in den Pariser Osten zu ziehen, war alles andere als ein Fehler. Aber dass ich mir das 16. Arrondissement vor lauter Ärger über die ebenso versnobten wie bepelzten Omas mit Hut nie so richtig angesehen habe, das war ein Fehler. Fehler Nummer zwei, der mir in Verbindung mit Fehler Nummer eins zum Vehängnis werden sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Glück gibt es den Schatz, seine alternativen Reiseführer und seine Schwäche für gescheiterte und geglückte urbane Entwicklungsprojekte. Er zeigte mir das Balzac-Haus mit seiner verborgenen Treppe, über die der große Künstler vor seinen Gläubigern flüchtete, ja er geriet bei jeder verborgenen Treppe des Viertels in Verzückung und bestand darauf, sie zu erklimmen. Er führte mich in das alte Dorfzentrum von Auteuil und setzte dem achtlosen Vorbeigehen an den Jugenstiljuwelen der Avenue Mozart ein lang überfälliges Ende. Er sorgte dafür, dass ich die ebenso märchenhafte wie verrückte Häuserfassade des damals sechsundzwanzigjährigen Guimard endlich ausgiebig würdigte, für die der Künstler damals völlig zurecht den Pariser Fassadenpreis gewonnen hatte. Er machte mich auf die zurückhaltenden und eleganten, aber - wie man aus heutiger Sicht hinzufügen muss - nicht sehr klimafreundlichen Eisenfensterrahmen von Le Corbusier aufmerksam und auf die extravaganten Fassaden von Mallet-Stevens, die angeblich den Überseedampfern seiner Zeit nachempfunden sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor dem Musée Marmottan, das bedeutende Impressionisten beherbergt, aber weder den von kulturellem Informations-Overflow überwältigten Touristen noch Einheimischen geläufig ist, begrüßte uns ein Bettler mit "bonjour les amoureux". Paris kam mir romantisch, schillernd und voller unermeßlich schöner und wertvoller Schätze und Geheimnisse vor bis in den finstersten Winkel der Friedhofsruhe seines Westens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verfluchte meinen Hochmut, der mich das 16. Arronissement und seine Wunder bislang hatte links liegen lassen, und meine neue Weiblichkeit, die mich dazu gebracht hatte, unsere letzten vier Tage in Paris, die einem ambitionierten Sightseeing-Programm gewidmet sind, mit drei Paar hochhackigen Schuhen anzutreten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor den iranischen Miniaturmalereien im Louvre verlor ich schließlich die Nerven, die Eitelkeit und die Kraft, um weiter elegant durch die Stadt zu stöckeln. Den Rest des Abends verbrachte ich auf dem Sofa mit meinen Blutblasen in einem Eimer heißen Wasser. Die Sex-and-the-City-DVD, die ich dabei sah, war weit davon entfernt, Wünsche auf Manolo Blahniks in mir zu wecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der heutige Tag begann trotzdem mit Shopping. Blasenpflaster in der Apotheke für sechs Euro und braune Turnschuhe, Berliner Modell: cool, unweiblich und bequem.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2682882880373572381?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2682882880373572381/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2682882880373572381' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2682882880373572381'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2682882880373572381'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/paris-ist-nichts-fr-pariserinnen.html' title='Paris ist nichts für Pariserinnen'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4984369888034070741</id><published>2007-12-28T11:09:00.000+01:00</published><updated>2007-12-28T11:18:11.251+01:00</updated><title type='text'>Doch gutes Erbgut</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, November 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter und ich waren uns am Telefon gerade einig geworden, daß mein Vater ein Phänomen ist. Er hat immer Glück, alle vertrauen ihm und er ist unglaublich beliebt. Während wir anderen alle arbeiten müssen wie die Eichhörnchen in der Trommel, um überhaupt ein paar Bekannte oder gar Freunde zu haben, muss er keinen Finger krumm machen, es rennen ihm sowieso alle die Bude ein, um ihre Freizeit mit ihm verbringen zu dürfen. Ein bisschen frustriert waren wir, als wir aufgelegt haben, aber nicht sehr. Ganz unter uns können wir ihn ziemlich gut leiden und gönnen ihm daher sein Glück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur wenige Stunden später sollte sich herausstellen, dass er mir offenbar doch nicht nur die Neurodermitis, sondern auch eine ordentliche Portion von seinem Glück vererbt hat...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil ich den ganzen Sonnabend fleißig war, befand ich, daß ich einen Abend in der Oper mehr als verdient hatte. Gedacht getan, ich machte mich auf zur Met, prallte entsetzt zurück, als mir jemand vor der Oper eine Karte für 115$ anbieten wollte und erstand statt dessen einen Stehplatz fuer 16$ an der Abendkasse. Zugegebenermaßen geschah dies ein wenig in Verkennung der Tatsache, dass Richard Strauß nicht Johann Strauß ist, und daß "Der Rosenkavalier" nicht anderthalb Stunden leichte Operettenmusik im Dreivierteltakt beinhaltet, sondern viereinhalb Stunden Musik - na, sagen wir mal - für Kenner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatsächlich wurde meine Standfestigkeit aber erst gar nicht getestet. Schon nach fünf Minuten kam ein Mann um Mitte vierzig in einem alten Ski-Anorak auf mich zu. Er trug die ältesten Turnschuhe, die ich seit langem gesehen habe, und einen Moment lang überlegte ich mir, ob ich ihm einen Dollar in die Hand drücken sollte. Er fragte mich, ob ich alleine sei. Schon reichlich an die entwaffnende Direktheit der Amerikaner gewöhnt, antwortete ich ebenso knapp wie wahrheitsgemäß mit "ja". Er:" Why don't you come sit with us?". Erst als ich ihm bereits vollkommen überrumpelt zu den Orchestersitzen folgte, wurde mir klar, dass ich wahrscheinlich für die 180$-Karte, die er mir in die Hand gedrückt hatte, den höchsten immateriellen - oder sagen wir nicht-monetären- Preis würde zahlen müssen, den ich je für eine Opernkarte gezahlt habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber nein: In der neunten Sitzreihe wartete bereits eine charmante junge Dame aus Französich-Guyana auf uns. Mein neuer Freund, der Obdachlose, erklärte mir, daß er ein Oper-Abo besitze. "I keep one seat for a date..." - so hat er sich ausgedrückt, anscheinend bringt er jedesmal eine andere Freundin mit "and one for my office manager." Das erscheint mir persönlich eine sehr eigenwillige Kombination, aber einem geschenkten Barsch guckt man nicht in die Kiemen. Ich habe tüchtig davon profitiert, daß die Büromanagerin an jenem Abend den Weg von New Jersey nach New York nicht gefunden hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zugegeben, den ersten Akt fand ich sterbenslangweilig und zudem entsetzlich inszeniert, mit viel zu viel Pink und Rüsche. Insgeheim wünschte ich mir, daß Richard doch Johann sei,&lt;br /&gt;oder der Rosenkavalier statt dessen eine lustige Witwe. In der Pause Nr. 1 habe ich mich aber dennoch sehr amüsiert, aus dem Programm zu erfahren, dass Richard Strauß damals seine Zeitgenossen mit seinen Anspielungen schockiert hat, " ...that beds are occasionally used for purposes other than sleeping". Und irgendwie bin ich dann doch noch auf den Geschmack gekommen. Als die Marschallin schließlich nach viereinhalb Stunden in einem herzzerreissendem Terzett den Weg frei gab, damit ihr Geliebter, der Rosenkavalier, die wesentlich jüngere und liebreizendere Sophie ehelichen konnte, war ich den Tränen nahe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mindestens ebenso interessant fand ich es, diese Oper inmitten der New Yorker Haute Volée zu verfolgen. Die älteren Herren, deren Ehefrauen auf ein Opernabo bestehen, knacken die ganze Zeit, wie überall auf der Welt. Was mich tief beeindruckt hat, sind die höheren Töchter, die nicht nur wahnsinnig reiche Erbinnen, sondern nicht selten auch noch atemberaubend schön sind. Wie machen die das? Lauter Prinzessinen mit wallenden goldenen Haaren schwebten in der Pause von den Orchestersitzen ins Foyer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sitz vor mit gehörte laut einer Silbergravur übrigens der Fishbach Organisation Inc.. Nur zu gerne hätte ich mir die Rückseite meines eigenen Sitzes angesehen, um zu erfahren, welcher Organisation mein Freund mit der unzuverlässigen Büromanagerin angehörte. Ich habe dann aber doch davon abgesehen, meinen Oberkörper über die Stuhllehne zu klappen, um einen Blick zu erhaschen. Möglicherweise gehört sich das nicht in der New Yorker Society.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Wohltäter flitzten noch vor Beginn des Applauses schnell zu ihrem Auto - Amerikaner verlieren nunmal nicht gerne Zeit - nicht ohne mir ihre tiefste Bewunderung dafür auszudrücken, daß ich bereit gewesen wäre, Richard Strauß im wahrsten Sinne des Wortes durchzustehen. Wie ich bereits erwähnte, ist das nicht ganz richtig. Dennoch fühlte ich mich so, als wenn ich bald im Training sei, Wagner im Handstand zu absolvieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vollkommen beschwingt ging ich danach noch in die Tenth Avenue Lounge, ein Bierchen auf mein Glück zu trinken. Dort lernte ich meine Nachbarn Frank und Arnold kennen. Frank ist Friseur und hat sizilianische Eltern. Arnold ist Lehrer und Schauspieler, und seine Eltern sind Mexikaner. Selbstverständlich wird Frank mir die Haare umsonst schneiden. Und - Ines - wir sind herzlich eingeladen mit den beiden und Arnolds Mutter aus Texas Heiligabend zu verbringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;" Che culo!" kommentierte Curzio fassungslos am nächsten Morgen, als er von meinem Abenteuer erfuhr. Das ist eine ziemliche ungezogene Art, zum Ausdruck zu bringen, dass ich einen Mörderdusel hatte, den er mir nicht so recht gönnt. Aber wer viel Glück hat, hat eben auch viele Neider...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4984369888034070741?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4984369888034070741/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4984369888034070741' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4984369888034070741'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4984369888034070741'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/doch-gutes-erbgut.html' title='Doch gutes Erbgut'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1347729673755953295</id><published>2007-12-16T12:45:00.000+01:00</published><updated>2008-01-12T14:57:53.094+01:00</updated><title type='text'>Pizza in New York</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, November 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Sonnabend hatte ich meinen ersten großen Kulturschock, und das ausgerechnet mit einem fiorentinischen Pizzabaecker aus meiner Straße. Curzio, der jeden abend dort seine Pizza holt, hat mir schon alles von ihm erzählt. 23 Jahre alt, hat etwas überstürzt eine amerikanische Studentin, 21, geheiratet, und sitzt nun hier in einem Take-Away-Pizza-Laden mit zwei Plastiktischen, will nicht so recht Englisch lernen und fühlt sich kein bißchen wohl. Wenn er von seinem Schicksal erzählt, will sagen, wenn Curzio das imitiert, klingt das ungefähr so: "Jetzt steeeelll Dir das doch nur mal vor, ich hatte in Florenz eine Bar auf der Piazza dell' Indipendenza und jetzt sitze ich hier in diesem Loch (verzweifelte Handbewegung in alle Richtungen). Hier sind iiiiiimmer alle in Eile. Zu Hause habe ich von eins bis drei Mittagspause gemacht und hatte Angestellte - hier muss ich AAaalles alleine machen. Wir leeeeeben einfach besser!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also bin ich Sonnabend in diesen Laden gegangen, allerdings fest entschlossen die Pizza dort an einem der Plastiktische zu essen. Ich habe auch etwas gegen die ganze Hektik hier, und habe deswegen der amerikanischen Unsitte statt Mittagessen - oder in diesem Fall Abendessen - "Sandwiches zu grabschen" den Krieg erklärt. Im Ernst - Hier gehen mittags alle "to grab a sandwich", das sie dann vor dem Computer verschlingen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Pizzabäcker und seine amerikanische Braut warfen mir allerdings eigenartige Blicke zu, als ich eine kleine Pizza "for here" bestellte. Hab' mich extra noch einmal erkundigt, ob man vielleicht nicht "hier" essen dürfe. "Doch, doch, dauert nur ein Viertelstündchen!" In der Zwischenzeit sind wir nett ins Gespräch gekommen und der Pizzabäcker hat mir noch einmal persönlich auseinandergesetzt, daß das hier alles nichts ist. Als ich die Pizza schließlich zu Gesicht bekam, konnte ich mir die schrägen Blicke dann doch erklären: Sie hatte ungefähr einen Meter Durchmesser. Für alle, die es noch nicht wissen: Eine Pizza in den USA kann man bestenfalls zu fünft essen. Einzelpersonen bestellen Pizzastückchen. Wahrscheinlich legen die Amerikaner damit ihre Diätprogramme aufs Kreuz. Pizza einfach zehnmal so groß backen, und sich dann sagen können: "Ich hab' ja nur ein Stückchen gegessen". Ganz alter Trick, wer würde so etwas nicht von seiner Siebziger-Jahre-Mama kennen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Entsetzensschrei, jedenfalls, lockte sofort die argentinische Küchenhilfe an den Tresen, die mir ihre uneingeschränkte Solidarität bekundete und ausschweifend von IHRER ersten Pizza in Amerika berichtete. Wir haben uns schließlich nach langem Verhandlungen nach der Art türkischer Bazaare auf zwei Stückchen einigen können und konnten so unser gutes nachbarschaftliches Verhältnis retten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während ich meine hart erkämpfte Pizza an einem der beiden Plastiktische auf einem Plastikteller und ohne Besteck verzehrte, kam ein weiterer unserer Nachbarn mit einem ausgesprochen kleinen Schoßhündchen herein, um das aber sofort ein Riesenpomp gemacht wurde. Zwar fehlte die rosa Schleife, dafür bekam der Hund Pizza auf einem Plastikbecher zu essen. Irgendwie hatte ich danach das Gefühl, daß meine Mahlzeit dadurch noch mehr entweiht wurde. Der Pizzabäcker erklärte mir später hinter vorgehaltener Hand, daß Hunde in den USA wichtiger sind als Babys, und wenn man den Hund gut behandelt, kommt der Besitzer garantiert wieder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Konversation zwischen Hundebesitzer und Pizzabäcker war in jedem Fall sehenswert.&lt;br /&gt;Pizzabäcker (breitet die Arme aus, als wenn er einen riesigen Blumenstrauß überreichen würde): "Warum waren Sie so lange nicht da, wir haben Sie vermißt!"&lt;br /&gt;Hundebesitzer (etwas nüchterner, jedoch versucht, italienisch zu sprechen): "Mucho trabajo!"&lt;br /&gt;Pizzabäcker (empört): "Moooolto lavooooro!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Schauspiel wiederholte sich danach entsprechend mit den verschiedensten spanischen und italienischen Wörtern. Die Empörung des Pizzabäckers war meiner Meinung nach nicht ganz gerechtfertigt, denn er spricht auch einfach immer italienisch, wenn er vorgibt englisch zu reden. Der Hundebesitzer erklärte danach ausschweifend - auf englisch- das Wesen seiner niederdrückenden Arbeitslast. Michael Douglas habe heute ganz geheim geheiratet, und er habe die Blumen bereitstellen müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa an diesem Punkt betrat ein dritter Nachbar die Szene, der wiederum fließend italienisch sprach, denn sein Freund ist aus Sorrent. Leider hatte der gerade Probleme mit seiner Gnocchi-Sauce, weswegen eilig der Pizzabäcker konsultiert werden mußte. Dem gelang es schließlich, das köstliche Mahl noch durch den Verkauf etlicher Saucen und Zutaten zu retten. Der Hundebesitzer und der Freund des sorrentinischen Kochs begrüßten sich überschwenglich, und beantworteten die Frage, ob sie sich kennen würden, mit einem überzeugten :" Oh yes, we're neighbors." Zwar mussten sich die beiden uralten Freunde und Nachbarn doch noch einmal kurz namentlich vorstellen ("what was your name again?"), aber dann war wieder alles cool und easy: "Bye, have a good one, Chris!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich meine Pizza fertig gegessen hatte, forderte der Hundebesitzer seinen Liebling gerade auf, Herrchens Mahlzeit in einer Tüte im Maul nach Hause zu tragen. Als der Hund sich dazu nach einigem Widerstand schließlich breitschlagen ließ, erbebte die kleine Pizzabude vor tosendem Applaus. Dem Hund gehört die ungeteilte Bewunderung unserer gesamten Nachbarschaft.&lt;br /&gt;Und kann mir jetzt mal einer erklären, warum ich am Wochenende nach SoHo soll?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1347729673755953295?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1347729673755953295/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1347729673755953295' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1347729673755953295'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1347729673755953295'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/email-aus-new-york-november-2000-am.html' title='Pizza in New York'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7836137725884559359</id><published>2007-12-09T23:56:00.000+01:00</published><updated>2007-12-10T00:05:11.114+01:00</updated><title type='text'>Election Day+9 oder so</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, November 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika hat immer noch nicht herausgefunden, wer der neue Präsident ist und Nd. kommt jeden Tag gramgebeugter an die Uni: "This has turned into a circus country!" Ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir das nächste Mal ein paar internationale Beobachter schicken könnten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Freitag war ich in der hippesten und teuersten Bar von New York. Alex, meine israelische Fotografin, hat dort Geburtstag gefeiert. Warum, ist mir heute noch ein Rätsel. Sie hat keine müde Mark in der Tasche, und als sie einen Tisch bestellen wollte, mußte sie feststellen, daß man nur schlappe 400$ dafür haben wollte. Also ohne Tisch. Dafür kamen wir dort richtig zur Geltung. Während alle anderen Frauen so aussahen, als hätten sie vier bis fünf Stunden gebraucht, um sich zu präparieren, hatte die Mehrzahl von Alex‘ Freundinnen einen flotten Kurzhaarschnitt, war betont ungeschminkt, hatte den Pullover in die Hose gesteckt und konkurrierte energisch den Männern um all die Schönheiten, die sich an der Bar räkelten. Sehr schön! Dazu hatten wir noch ein paar Tunten im Schlepptau und der Rest bestand aus Alex' Kollegen aus dem Fotolabor, die allesamt heimliche Fotografen sind und nur im Labor arbeiten, um billig das Material nutzen zu können. Hab' mich nie so recht getraut zuzugeben, daß ich versuche, Volkswirtin zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Brooklyn-Safari am Sonntag begann in Park Slope, der Heimat von Paul Auster. Ich habe immer fleißig nach ihm Ausschau gehalten, aber außer daß ich mal in der Villagevoice gelesen hatte, er sei wahnsinnig gutaussehend, war mir nichts Näheres über die Details seines Äußeren bekannt. Also wieder keinen Dichter geangelt. Dafür wußte Jeanette, wo es den besten Flohmarkt gibt. Ich habe jedoch von dem Erwerb von Postkarten mit dem Stempel "Wir sind heim ins Reich gekommen -Schlesien" Abstand genommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nächste Station führte uns nach Crown Heights, wo die Einwanderer aus den West Indies leben. Die Frauen tragen Turbane auf dem Kopf, das hat mich gefreut, aber es roch dort nicht so gut nach exotischen Früchten, wie ich mir das vorgestellt hatte. Eigentlich hatte wir uns nach kreolischer Küche gesehnt, aber das einzige Restaurant, das wir entdecken konnten hieß zwar "La higienica", sah aber nicht so aus. Deswegen stiegen wir noch einmal in die U-Bahn und fuhren an die russische Ostsee. Die liegt hier in New York ganz am Ende von Brooklyn am Meer. Wenn man aus der U-Bahn steigt, hört man nur noch russisch und sieht kyrillische Schrift, die Strandpromenade ist gesäumt von bobonfarbenen Cafés und Restaurants, alle jungen Frauen sind figurbetont gekleidet und sexy, und alle Frauen mittleren Alters tragen Tigerlook. Und hhhhmmmmm schmecken die Pelmeni lecker!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kellner konnte nicht so recht Englisch, kam aber jedesmal aus der Küche mit einem neuen deutschen Wort zurück. Später machten wir an der Strandpromenade noch die Bekanntschaft eines Polen mit imposantem Cowboyhut und einem Schnauzer der neben den Mundwinkeln bis zum Kinn herunterwuchs. Der konnte auch kein Englisch, brachte es aber trotzdem fertig, uns zu erzählen, daß er am Wochenende gerne mal einen hebt, aber montags immer wieder pünktlich auf dem Bau ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende waren wir so geschafft von all diesen Kulturen, dass wir uns erst einmal bei einem Bier im "Hallo Berlin" davon erholen mussten. Dort stießen wir auf eine Argentinierin, die sich über die französische Küche beschwerte und glücklich war, endlich mal wieder ein Schnitzel essen zu können - wie zu Hause. Sie kellnert in New York, um für die Uni zu sparen. Ich kann mir eigentlich keinen schlechteren Ort zum Sparen vorstellen als New York. Außer vielleicht Buenos Aires - da ist alles genau so teuer, dafür verdient man die Hälfte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sandra hat mich am Dienstag zusammen mit ihrem deutsch-jüdischen Freund Dan in eine Charity-Veranstaltung nach Harlem geschleppt. Wir haben Geld für die Reparatur des Kirchturms der St. Martin's Church gesammelt. Diesmal leckeres kreolisches Essen und ich durfte mich ein wenig willkommener fühlen, als damals in der Kirche. Wurde sogar ständig gefragt, ob ich auch in St. Martin's zur Kirche ginge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und damit Corinna nun nicht glaubt, dass hier lediglich zwei jämmerliche Gestalten aus Freiburg herumlaufen, sollte ich dazu sagen, dass ich unlängst meinen alten Kollegen und Tennispartner Jörn Paoadopoulos in Erwartung seines zweiten Kindes an der Colombia University ausgegraben habe. Wir treffen uns morgen auf halbem Wege (Westseite, fünfziger) zum "lunch".&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7836137725884559359?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7836137725884559359/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7836137725884559359' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7836137725884559359'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7836137725884559359'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/amerika-hat-immer-noch-nicht.html' title='Election Day+9 oder so'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3958360869848638590</id><published>2007-12-09T23:50:00.000+01:00</published><updated>2007-12-09T23:56:42.138+01:00</updated><title type='text'>Bad Data from Florida</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email aus New York, November 2000&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Moment dreht sich mein Leben um italienische Industriepaneldaten. Ob ihr es glaubt oder nicht, die Italiener waren die Ersten, die ihre Daten vollständig bei der OECD abgegeben haben. Nd. sagt, er glaubt im Leben nicht, daß die schneller waren als die Deutschen. Er vermutet, sie haben sich Daten einfach ausgedacht. Trotzdem fangen wir jetzt erst einmal mit Italien an - "to check on these guys".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gute an der älteren Generation ist, dass sie als Nebenprodukt ihrer Ablehnung des Computers darüber hinwegsieht, daß Deutschland inzwischen den Anschluss an moderne Technologien verpasst hat. Ab und zu sonne ich mich mal ganz gerne in dem längst vergangenen Ruhm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie ihr alle wißt, tun sich die Amerikaner derzeit schwer damit herauszufinden, wen sie zum Präsidenten gewählt haben. Irgendwie kommt beim Zählen jedesmal etwas anderes heraus und von den Hochrechnungen wollen wir mal gar nicht sprechen. Vielleicht können die mal ein paar italienische Statistiker gebrauchen? In jedem Fall ist eine gewisse Schadenfreude bei den italienischen Staatsbürgern auf meinem Gang nicht zu überhören. Der allgemeine Konsens lautet in etwa: "Na, jetzt wollen wir mal sehen, wie DIE mit politischer Instabilität klarkommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anfangs hat mich solche Erlebnisse hier noch schockiert, aber inzwischen scheint sich mir alles wie ein Mosaik zusammenzufügen: Altertümliche Badewannen auf 30 cm Höhe direkt neben der Spüle, Heizungen ohne Wärmeregulierung, Präsidentschaftswahlen ohne Ergebnisse und Waschmaschinen, in denen die Wäsche nicht sauber wird... Zu alledem schreibe ich Euch gerade aus dem achten Stock eines Gebäudes, dessen fünfter bis siebter Stock gestern wegen einstürzender Decken evakuiert wurde. Als ich meine Eltern telefonisch über dieses Malheur unterrichtete, lautete die - wie mir schien eher ungerührte - Antwort: "Na, dann bist ja aus dem Gröbsten 'raus."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotz aller Mißgeschicke ist und bleibt Amerika eine Leistungsgesellschaft. Leider macht sich das ausgerechnet beim Tango bemerkbar. Ach wenn Ihr es nur sehen könntet! Alle Ethnien dieser Welt, Inderinnen, Schwarzamerikaner, Iraner, Afrikanerinnen, wie sie hingebungsvoll aneinander angelehnt in anmutigen, weichen Bewegungen über die Tangotanzflächen dieser Stadt schweben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So etwas Schönes!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich frag mich nur, wo sich die ganzen Anfängerinnen und die "intermediate" Tänzerinnen verstecken. Offensichtlich wagt sich ohne perfekte Tanzausbildung außer mir keine tanguera zu diesen prácticas. Die Männer sind da natürlich wie immer unerschrockener.&lt;br /&gt;Tango besteht - für die, die es noch nicht wissen - zu einem Großteil aus Pausen. Aber die muß man beherrschen! Eine versierte tanguera lehnt sich dabei noch ein bißchen hingebungsvoller an ihren Partner, wiegt sich anmutig hin und her oder streicht mit einem Fuß an ihrem - gelegentlich auch seinem - Standbein entlang. Bei mir hingegen rächt sich in solchen Pausen, daß Antonio freitags immer in Poppenbüttel kellnern und danach allerlei gesellschaftlichen Verpflichtungen am Schulterblatt nachgehen muß. Wenn ich besonders geistesgegenwärtig bin, bemühe ich mich das Spielbein anmutig anzuwinkeln. Aber meistens stehe ich ratlos auf beiden Beinen herum und frage mich, ob ich mich wohl noch mehr als Stümper entlarve, wenn die nächste Figur ein Mühle ist, oder sollte ich kichern müssen, wenn der Tänzer plötzlich aus einer Drehung heraus ganchos tanzt - will sagen wie ein Pferd nach hinten ausschlägt und zwar zwischen meine Beine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und weil ich so ziemlich die einzige Dame auf der Tanzfläche bin, die nicht die Perfektion erreicht, ergibt es sich, daß ich mich vor allem bei der älteren Generation größter Beliebtheit erfreue. Nicht daß das grundsätzlich schlimm wäre. Das Schöne am Tango ist, daß der Tanzpartner zwei Köpfe kleiner und vierzig Jahre älter sein kann, wenn er nur gut tanzt, sieht es wunderbar aus. Nein ich spreche von den älteren Herren, die gar nicht tanzen können. Dafür sind sie vom Schlage "oh, how are you supposed to lead someone, if you have to stay so far away from them". Die Startänzer tanzen gelegentlich mit mir, aber nur wenn sie mich noch nicht haben tanzen sehen, und nie länger als zwei Tänze. Deswegen wechsele ich jedesmal den Tangoschuppen, um unerkannt zu bleiben. Und wenn Ihr da wärt, könntet Ihr sehen, wie ich zwischen den Tänzen sternförmig durch den Saal eile, immer auf der Flucht vor den Nichttänzern und in der Hoffnung, einen Startanguero in eine Milonga zu locken, bevor ihm klar wird, worauf er sich da einläßt. Glaubt nur nicht, daß einem hier irgendetwas geschenkt wird...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber auch mit den Deutschen ist das Leben nicht immer ein Kinderspiel. Mich haben hier die kultivierten Frauen unter ihre Fittiche genommen und sorgen dafür, daß ich regelmäßig in die Carnegie Hall und in die Metropolitan Opera komme (daher auch meine profunden Kenntnisse darüber, wie der Champagner dort ausgeschenkt wird). Mein kulturelles Sahnehäubchen ist Jeanette, die am Lincoln Center für anderthalb Jahre Geigen baut. Nur sehr widerwillig allerdings, denn ihr Freund - ein armenischer Geiger - ist in Berlin zurückgeblieben. Am Montag haben wir uns die Zauberflöte angesehen. Daß Sarastro ein Desastro war, habe sogar ich gehört. Aber bei der zweiten Arie der Königin der Nacht (ahahahahahaaaaaa...) konnte ich nicht mehr an mich halten und wollte mit Janine teilen, wie schön mir das erschien. "Unsauber" raunt sie streng zurück. Wie ihr seht, habe ich noch viel zu lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorgestern abend saß ich doch bei Aggie's mit meiner Tomatensuppe, da steht auf einmal- passenderweise - Klaus Noser vor mir. Wißt Ihr, dieser langmonatige Verehrer und Ballherr unsere alten Freundin Agnes  Vogel...Er wußte zu berichten, daß Agnes pünktlich jeden Sonnabend in dem Laden in der Susannenstraße aufkreuzt, wo er Seventies-Klamotten verkauft, und sich über ihre verschiedenen Freunde beklagt. Irgendwo muss die Welt ja normal bleiben und so, wie man sie kennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und so schließe ich heute mit einer kleinen Variation einer alten Lebensweisheit, die seinerzeit unter Passauer Studenten sehr verbreitet war: "Warnung an alle - die Schanze ist überall!"&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3958360869848638590?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3958360869848638590/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3958360869848638590' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3958360869848638590'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3958360869848638590'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/bad-data-from-florida.html' title='Bad Data from Florida'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4960955932246631681</id><published>2007-12-02T19:35:00.000+01:00</published><updated>2007-12-06T09:16:35.032+01:00</updated><title type='text'>Auf Wiedersehen Indien</title><content type='html'>Eigentlich ließ sich die Nacht im Großraumschlafwagen von Udaipur nach Jaipur gut an - jedenfalls für mich. Die Pritschen sind nicht ungemütlicher als die in Europa, dafür wackelt und ruckelt der Zug sehr viel gewaltiger. Das muss frühkindliche Erfahrungen in mir wach gerufen haben. Ich konnte schon um acht Uhr meine Augen nicht mehr aufhalten und schlief den Großteil der Nacht wie ein Baby. Nach drei Wochen hartem Training fange ich an, mit strengen Gerüchen, Schnarchen, Schnauben, Würgen und Mantra-artig wiederholten Ansagen auf den Bahnhöfen morgens um drei fast schon spielerisch umzugehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider waren wir bei unserer Ankunft morgens um sechs offenbar doch zu sehr gerädert, um bei der üblichen Konfrontation mit den Schleppern unsere bewährte Buddha-gleiche Langmut walten zu lassen. Die hatte uns bislang immer vor unerwünschten und überteuerten Rikschafahrten bewahrt und davor, anstatt in dem Hotel unserer Wahl dort zu landen, wo die höchste Kommission auf den Rikschafahrer wartet. Im erfrischten und wachen Geisteszustand wenden M. und ich den Schleppern gegenüber die bewährte Joga-Meditationsmethode "Ausschalten des Unerwünschten" an. Diesmal verloren wir jedoch die Nerven und baten sie - erst höflich, dann harscher - uns in Ruhe zu lassen. Das gefiel ihnen nicht und sie bedienten sich ihrer erstaunlichen Fähigkeit, sich schlagartig zu vermehren, während sie sich an unsere Fersen hefteten, um uns im Chor zu beschimpfen und einzuschüchtern, weil wir ihre Rikschafahrerdienste verschmähten. In letzterMinute gelang es Mellie und mir, uns in eine staatlich kontrollierte Rikscha zu retten, in der es sich nur ein einziger Schlepper gemütlich gemacht hatte. Auch der bezichtigte uns der Lügen, als wir ihm wahrheitsgemäß versicherten, wir hätten die Sehenswürdigkeiten von Jaipur schon alle gesehen. Aber immerhin brachte er uns wie gewünscht in unseren Englischen-Herrenklub-Maharadja-Palast. M. litt den Rest des Tage an einem Indien-Overkill. Am besten ich fahre nächstes Jahr mit ihr an einen einsamen finnischen See.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider sind unsere Tage in diesem lauten, dreckigen, brutalen, bunten, exotischen, märchenhaften und sehr freundlichem Land inzwischen schon vorüber. Wir wollen den Tag nicht vor dem Abend loben, aber bislang bewerten wir unsere Bilanz bei der Überwindung der hier lauernden Gefahren positiv. Keine Magenprobleme, meistens sind wir vergleichsweise elegant mit den Schleppern fertig geworden und ich bin nur einmal in Kuhmist getreten. Ich hatte Glück im Unglück, denn sogleich war ein Ladenbesitzer mit einem Eimerchen Wasser zur Stelle. Als ich fragte, ob er einen Mülleimer für mein dreckiges Taschentuch hätte, deutete er auf den Straßenrand: " Lot's of waste basket in the street Ma'am", kommentierte er treuherzig das Offensichtliche, " it's India".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immerhin bin ich froh, dass mir das Missgeschick nicht am Mittwoch widerfahren ist, denn dann hätte ich womöglich ein Kunstwerk zerstört. Die Hindus huldigten an diesem Tag Krishna und der Kuh, seinem Gefährt, indem sie interessante, blumengeschmückte Kuhfladen-Skulpturen vor ihren Türen modellierten. Abgesehen davon, dass sie als heilig gelten und deswegen nicht überfahren werden, sind die Kühe in Indien allerdings beklagenswerte Geschöpfe. Die meisten können sich kaum auf den Beinen halten und ihre Euter wirken kläglich und verkümmert - Plastik ist nun einmal nicht sehr nahrhaft. Oft bereitet es schlimme Magenschmerzen bis hin zu einem qualvollen Tod. Nur zu verständlich, dass unser Schweizer Schwerthändler großeZweifel hat, ob die Milch in Indien wohl so gut ist wie die zu Hause.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ungeachtet dieser Beobachtungen scheint das Los der Kühe im Vergleich zu dem der Hunde noch recht erstrebenswert zu sein. Jedenfalls trafen wir neulich einen Hund, der wie eine Kuh muhte. M. vermutet, er strebt in seinem nächsten Leben ein höheres Dasein an. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur eine Identitätskrise oder aber er war ein verkleideter Papagei - in Indien weiß man nie so genau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach unserer erfolgreichen Nachtzugfahrt ärgere ich mich fast, dass wir das nicht öfter genutzt haben. Dann hätten wir zumindest noch der märchenhafte Wüstenstadt Jasailmer einen Besuch abstatten und auf Kamelen reiten können. Auf der andere Seite hatte es aber auch sein Gutes, dass wir im Schneckentempo und meditierend durch Rajasthan getingelt sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten zweieinhalb Wochen lernten wir praktisch keine reisende Menschenseele kennen. Die Abwesenheit von Bars erschwert es auf dem Subkontinent erheblich, Gleichgesinnte zu finden. Erst beharrliches Verweilen in Udaipur bescherte uns einige interessante Bekanntschaften im Café Edelweiss, das ein deutscher Studiosus-Reiseleiter dort eröffnet hat. Unter unseren neuen Bekannten sind ein deutscher Aussteiger mit Antibiotika-Allergie und eine Reihe von Weltreisenden, die schon seit mehreren Jahren unterwegs sind und keine Hemmungen haben, in Indien im Thailand-Look aufzutreten.  Nein, im Gegenteil, es sei gut, dass es keine Bars in Indien gäbe, belehrte mich Kylie aus Kanada, der es schon seit sieben Jahren nicht mehr nach Hause geschafft hat. Bars würden Indien zerstören. Wahrscheinlich deswegen kam ich mir wie ein Junkie vor, als mir mein Feierabendbier vor dem Tempel in einer blickdichten Teetasse serviert wurde und ich die Flasche unterm Tisch verstecken musste. Die Hindus haben nach den muslimischen Eroberungszügen einige schlechte Gewohnheiten aus der islamischen Welt übernommen. Dazu gehören die Scheu vor öffentlichem Alkoholausschank und die Zenanas in den vornehmen Bürgerhäusern und Maharadja-Palästen, in denen die Frauen versteckt wurden. Immerhin stellten ihnen ihre Männer so eine Art Fernseher zur Verfügung, um ihre Gefangenschaft kurzweiliger zu gestalten. Die Fenster der Paläste von Radjasthan sind so verziert, dass von draußen zwar niemand hineinsehen kann, die Damen aber freien Blick auf das bunte Treiben im Basar hatten, jedenfalls wenn sie sich dafür flach auf den Boden legen. Oder aber sie waren ein gutes Stück kleiner als ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besser als die weltenbummelten Beachboys aus Thailand gefiel mir die Japanerin Shi, die mir im Basar nach dem Besuch des Stadtpalastes von Udaipur zulief. Wegen ihrer vielen Tätowierungen und des ACDC-Shirts musste sie Hokkaido verlassen und ging nach Tokyo, wo die Punk-Szene schon etwas weiter entwickelt ist als auf dem Land. Das teure Leben dort verdient sie sich mit zwei Jobs. Tagsüber gibt sie Daten für einen Sicherheitsdienst in den Computer ein und nachts verprügelt sie brave japanische Familienväter und Beamte - aber mit Respekt, wie sie betonte - oder sie bindet deren Vorliebe, sich als Schulmädchen zu verkleiden, in ein gewaltärmeres Liebesspiel ein. Fetisch ist in Japan ganz groß, erklärte sie mir. Daneben kam mir mein Jobetwas farblos vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Schweizer Schwert-Antiquitätenhändler fand bei einem Fachgespräch mit Shi über Samurai-Schwerter heraus, dass ihr Großvater einem bekannten japanischen Mafiageschlecht angehörte, den Yakuzis. Nur so kann er sich ihre Tätowierungen erklären. Die Japaner mögen die globalen Trendsetter auf dem Gebiet des Fransenhaarschnitts und der blonden Strähnchen geworden sein. Die Toleranz gegenüber weiblichem Gangsterlook aber hat dort immer noch ihre Grenzen, wenn die betroffene Frau nicht gerade eine Nachkommin landesweit bekannter Verbrecher ist. Gangstererbin und Teilzeitdomina Shi reist durch Indien, um den Geist ihres Ex-Ehemannnes auszutreiben, mit dem sie einmal vier Monate in Goa verbracht hat. Wenn sie sich gerade nicht eine neue Tätowierung machen lässt, frequentiert sie zusammen mit Inderinnen die örtlichen Schönheitssalons, um sich die Haut bleichen zu lassen. Währenddessen quälen M. und ich uns zusammen mit den Israelinnen in der Sonne herum, um braun zu werden. So verrückt ist die Welt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schweizer wiederum hat auf beide Waden Flügel tätowiert. In Indien hat er sich der Shiva-Sekte angeschlossen. Er kommt seit 21 Jahren nach Udaipur,um mit seinem Guru im Tempel zu kiffen. Neben Shiva steht er auf den Götterboten Merkur - daher die Flügel - und auf das Mittelalter. In Indien lässt er Kostüme für seinen alemannischen Ritterklub daheim anfertigen. Von ihm wissen wir, dass sich die Hindus wegen der verwirrenden Vielzahl von Göttern aus Pragmatismus meistens auf einen Gott konzentrieren, der ihnen besonders sympathisch ist. Wie mir scheint kam dem Schweizer am Shiva-Kult besonders gelegen, dass der eine oder andere Joint dafür unerlässlich ist. Dennoch behauptet er hartnäckig, es ginge ihm inzwischen vor allem um die Inhalte seiner neuen Religion.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sehr vermissen werden M. und ich die Freundlichkeit der Inder. Am schönsten war unser Spaziergang durch die indigoblauen Häuser der Brahmanen von Jodhpur. Jedenfalls war früher Indigo die Farbe der Brahmanen - der Priesterkaste - der Stadt. Heute ist die indische Gesellschaft geringfügig liberaler geworden und auch niedere Kasten dürfen ihre Häuser in Indigo streichen, zumal das vor Mücken schützen soll. Das erfuhren wir bei der lehrreichen Audioführung in der mächtigen und prachtvollen Festung der Stadt, die der Maharadja von Jodhpur mitsamt dem Anschauungsmaterial etwas besser in Schuss hält als der Maharana von Udaipur seinen verschimmelten Stadtpalast.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der friedlichen Atmosphäre in Jodhpurs Indigo-Viertel kommt nur die Langmut vernachlässigter heiliger Kühe gleich. Kein Vergleich mit dem wilden Basar der Stadt und seinen engen Gassen voller mordlustiger Rikschafahrer, Eseltreiber und Milchmänner auf Stierkutschen, wo mangels Touristenmassen nur Waren für Einheimische im Angebot sind. Will sagen Gemüse anstatt Toilettenpapier, Saris anstatt Hippie-Röcken, Diwali-Süßigkeiten anstatt Bhang-Lassis und Chinaböller anstatt Mineralwasserflaschen . Im Indigo-Viertel herrschte im Vergleich dazu himmlische Ruhe, die Sonne warf goldenes Licht auf die Häuser, die Kinder reichten uns in der Straße zum Gruß die Hände und die alten Damen, die auf den Mauervorsprüngen vor ihren Häusern liegend das Treiben auf den Straßen an sich vorbeiziehen ließen, riefen freundlich "hello" oder "namasthé".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen wieder zu Hause angekommen, stellte ich am Sonnabend auf dem Öko-Spießermarkt am Kollwitzplatz fest, dass die Reise mir außergewöhnliche Fähigkeiten verliehen hat. Inzwischen handele ich auch im Mutterland der Festpreise spielerisch und erfolgreich. Auf dem Markt kaufte Gemüse für 5,30 Euro, musste nach einem Blick in mein Porte-Monnaie jedoch zerknirscht feststellen, dass ich nur noch 4,50 Euro mein Eigen nannte. Ich wollte dem Verkäufer gerade anbieten, die Kiwis wieder zurückzulegen, als er schon mit einer wegwerfenden Handbewegung rief "ok, 4,50 Euro". Seine Gesichtszüge verrieten mir, dass er am ehesten südlich des Mittelmeers geboren wurde. Mir war, als hätte in seiner Stimme so etwas wie freudige Erregung mitgeschwungen. Vermutlich wartet er seit seiner Ankunft in Deutschland darauf, dass er endlich einmal wieder so handeln kann wie zu Hause.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4960955932246631681?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4960955932246631681/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4960955932246631681' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4960955932246631681'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4960955932246631681'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/auf-wiedersehen-indien.html' title='Auf Wiedersehen Indien'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2393562212022693942</id><published>2007-12-02T19:05:00.000+01:00</published><updated>2007-12-06T09:06:27.411+01:00</updated><title type='text'>Skandale am Pushkarsee</title><content type='html'>Der Maharadja von Udaipur ist offensichtlich klamm. Das erkennt man an seinem verfallenen, wenn auch romantischen Palast hoch über dem Picholasee.Wahrscheinlich hat sein Vater zu Zeiten der britischen Kolonialherrschaft die königliche Schatzkammer in teuren Hotels, beim Polospielen und mit der tatkräftigen Unterstützung von Varietétänzerinnen im Kasino durchgebracht, wie das damals unter indischen Herrschern üblich war. Als Indira Gandhi in den siebziger Jahren den blaublütigen Herrschern endgültig den staatlichen Wechsel strich, hat es den Maharadja von Udaipur vermutlich eiskalt erwischt. Inzwischen hat er sich zu einem modernen Wegelagerer entwickelt. Er nimmt nicht nur horrende Preise für seine in Hotels und Restaurants verwandelten Palastbestandteile auf den Inseln des Sees, sondern verlangt auch Wegezoll von allen, die sein Palastgelände durchqueren müssen, um in die einzige Cocktailbar der Stadt zu kommen oder die Segel zu einer romantischen Schifffahrt auf dem See zu setzen wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn romantisch ist Udaipur. Der See mit seinen palastgeschmückten Inseln ist von lieblichen Hügeln umsäumt und am Ufer waschen energische Frauen in bunten Saris Wäsche, indem sie mit Cricketschlägern darauf einschlagen. Wozu das dient, ist M. und mir nicht ganz klar geworden. Vielleicht soll es das Auswringen ersetzen? Auf jeden Fall hat Mellie die Schläge auf ihrem Sound-of-India-Band aufgenommen und der Nachwelt erläutert, dass sie keinem treulosennMann, sondern nur der Wäsche gelten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas argwöhnischer beäugen wir, dass die Inder sich und ihre Wäsche im Picholasee stets mit einer ordentlichen Portion Seife waschen. Das ist bestimmt auch nicht umweltfreundlicher als der Plastikmüll der überall am Straßenrand liegt und heiligen, aber auch hungrigen Kühen als Grasersatz dient. Bablu, der uns für eine Spende an das örtliche Tierkrankenhaus in einem Ashram Joga beibringt, hat uns glaubhaft versichert, dass das den Kühen nicht gut bekommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Indien nähern wir uns mit Siebenmeilenstiefeln dem Diwali-Fest. Damit feiern die Hindus Ramas Rückkehr aus dem Exil nach seinen nervenaufreibenden Kämpfen gegen Dämonen, aus denen zum Glück das Gute in Form von Rama - übrigens wie Krischna eine Inkarnation des Gottes Vischnu -als Sieger hervorging. Leider beschränken sich die Hindus nicht darauf, ihre Städte mindestens ebenso wahnwitzig bunt und blinkend zu schmücken wie die Christen die ihren zu Weihnachten. Ähnlich wie wir haben auch die Hindus den eigentlich Anlass für ihr höchstes religiöses Fest ein wenig aus den Augen verloren und beschäftigen sich hauptsächlich mit Essen, Geschenke einkaufen und Böllern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass ihnen beim Essen die Zwiebelknappheit im Wege steht, die derzeit die Preise in Delhi mit noch größerer Wucht in die Höhe treibt als Kathrina und die chinesische Nachfrage den Preis für Öl, erwähne ich nur am Rande. M. und mich beschäftigt vor allem das Böllern. Besonders in Pushkar war es ein wenig zu viel für unsere schwachen Nerven, als wir feststellen mussten,dass im Äther bei all den Gesängen von indischen Pilgerern, westlichen Heilsuchenden und Hindi-Popsängern noch Frequenzen für lautes Knallen frei waren. Wir waren einfach noch nicht richtig eingegroovet, meint M.. Außerdem hatte unser Joga-Kurs im Aschram hatte noch nicht angefangen und uns fehlte die nötige innere Ruhe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während ich im Ashram bereitwillig "Om" summe und mehrere Minuten in der Baum- oder der Kerzenposition verbringe, dürfte mein Rendez-vous mit Ayurveda das vorläufig letzte gewesen sein. Die beiden Inderinnen, die in unserem Hotelzimmer aufkreuzten, von uns verlangten, dass wir uns nackt ausziehen, und dann Öl über unseren Kopf gossen, waren mir einfach nicht geheuer. Außerdem erwies ich mich als so kitzelig, dass ich M. mit meinem Gelächter fast daran gehindert hätte, sich zu entspannen und zu konzentrieren. Zum Glück trug nicht nur ich allein dazu bei, auch M.s Masseurin gab Anlass zu klagen, indem sie bei der Arbeit schnaufte wie ein Walross und auf dem Höhepunkt, als sie sich so richtig in Rage massiert hatte, laut rülpste. Mir ist bis heute nicht klar geworden, warum die beiden am Ende den Rest ihres Öls über unsere Haare gossen und daran herumrissen, bis wir drohten einer kahlgeschorenen indischen Witwe zugleichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansonsten spielten sich in Pushkar zahlreiche Skandale ab, wie in der Zeitung zu lesen war. Eine Finnin nahm in dem heiligen See nackt ein Bad,was durchaus nicht zu den Gepflogenheiten der Inder zählt. Die beklagten sich außerdem über Orgien unter der Beteiligung von Israelinnen, die in einem Hotelzimmer ihrer heiligen Stadt stattgefunden haben sollen, wobei der Journalist allerdings nicht präzisierte, wie die Bürger von Pushkar von diesem Vorfall Kenntnis genommen hatten. Ob sie durch die Schlüssellöcher der Hotelzimmer spähen, weil die Kamasutrastellungen sie schon alle langweilen und sie mal etwas Neues kennen lernen wollen? Vielleicht sind sie auch einfach prüder geworden als zu Sanskrit-Zeiten. Dafür spricht, dass auch der Kuss eines israelischen Paares am Ufer des Sees nach ihrer Hindu-Hochzeitszeremonie bei den Einheimischen nicht gut ankam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recht geben, muss ich den Beschwerdeführern darin, dass sich die Touristen in Pushkar ein wenig auffällig benehmen. Aus irgendeinem Grund haben sich vorwiegend Israelis ausgerechnet einen Ort zum intensivem Drogenkonsum ausgesucht, der den Hindus so heilig ist, dass sie dort noch nicht einmal Eier konsumieren, geschweige denn Fleisch oder Alkohol. Auf M.s und mein Kuchenabenteuer in Pushkar, möchte ich lieber nicht näher eingehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle, die nach Pushkar kommen, außer uns und den Israelis haben trotz fortgeschrittenen Alters Rastalocken oder Vollbärte und hüllen sich in bizarre Gewänder. Ziemlich bald fingen M. und ich an, nicht mehr barfüßige indische Pilgerer in Gandhi-Hosen und orangefarbenen Turbanen mit unserer Kamera zu jagen, sondern auch die westlichen Heilsuchenden, deren Klamotten in der Heimat schon seit mehr als 30 Jahren aus der Mode gekommen sind. Dafür jagten Mellie und mich jene indischen Pilgerer, die sich noch nicht von allen irdischen Leidenschaften,insbesondere nicht von ihrer Kamera losgesagt haben, bevor sie sich mit einem beherzten Sprung in den Pushkarsee von allem Übel reinigten. Kaum einer unter ihnen, der nicht den Unterschied fotografisch festhalten wollte, der zwischen der Körpergröße ihrer Familienmitglieder und ihnen einerseits und M.s und meiner andererseits klaffte. Während die eine Hälfte von Pushkar also bettelt und im See badet, ist die andere Hälfte damit beschäftigt, sich gegenseitig zu fotografieren. Ihr könnt Euch vorstellen, was für ein lustiges und buntes Treiben das ergibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem konnten Mellie uns ich uns irgendwann losreißen, um uns die majestätische Festung von Jodhpur, seinen chaotischen Basar und die indigofarbenen Bramahnenhäuser anzusehen. Aber davon berichte ich nächstes Mal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2393562212022693942?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2393562212022693942/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2393562212022693942' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2393562212022693942'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2393562212022693942'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/12/skandale-am-pushkarsee.html' title='Skandale am Pushkarsee'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8646278257121593203</id><published>2007-11-18T14:59:00.001+01:00</published><updated>2009-01-04T14:24:56.344+01:00</updated><title type='text'>On strike again</title><content type='html'>And here we go again: nation-wide public transport strikes are disrupting the holy trinity of Parisian life, métro-boulot-dodo (subway-work-sleep). If you have never lived through this, you have never lived in France.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Personally, I am lucky, because I live and work on line number 1, which runs relatively well. But given that it has to accomodate all the people who ususally take other lines, that still means you have to squeeze in a wagon like cattle on their way to Chicago Market. After I panicked the first night on my way home, as more cattle kept entering the wagon to squeeze me just a little further each time, while Stephen tried to console me by pointing out how much worse it is in Tokio where people go through this every night to the point that some of the smaller folks are lifted from the floor their feet hanging in the air, I got off at Tuileries swearing that I would not set another foot in the metro while the strike was ongoing.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;And I haven't. I am an old &lt;a href="http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/paris-streik-2003.html"&gt;strike veteran &lt;/a&gt;and I know what to do. I borrowed a bike from Stephen the same night. The evening before the strikes resurged I went to &lt;em&gt;Go Sport&lt;/em&gt; to buy some utensils that are good to have in Parisian traffic at night, such as light. Only I hadn't factored in how much &lt;a href="http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/10/velib-und-das-nackte-berleben.html"&gt;vélib&lt;/a&gt; had changed Parisians' attitude towards bikes. Putting on an expert face people, who just a few weeks ago would not even have dreamt about riding a bike and probably don't know how, were inspecting all the biking accessories you can think of - or at least those that the rest of the locust swarm had forgotten in the shop. Not only lights were in high demand, but also helmets, although not by women with any self-esteem, because generally in France you loose your femininity the minute you start wearing comfortable shoes. Even those luminous shirts that help contruction workers not to get run over by cars while their are working boasted some fans. Luckily, I was swift and expert enough to catch one of the last lights that were any good. I also forgot about self-esteem, after all I am not French, and I went as far as buying a helmet. Like French women I have my aesthetical and practical reasons for not wearing them at home. You risk carrying them around in Berlin's bars and night clubs for the rest of the evening and this may well keep you from becoming that night's queen of the scene, not least because you have no hand free to hug the men whom you are kissing. But then again in Berlin it is the bike that is the king of the road. Here you have to take some precautions, or you may simply not get any chance anymore to kiss anyone at all.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Now I pedal every morning and every evening an hour, or an hour and a half, or so from Bastille to La Défense and back, and while I do, I have to fight my own battles with drivers losing their nerve in traffic jams. So it's not the case that you avoid battling when boycotting crowded metro lines. Nevertheless, I consider myself to be among the more mobile and luckier citizens of this city at the moment.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sure enough, the strike does make small-talk more interesting, as it moves it a bit from trivial comments on today's weather to more interesting details of some of your latest adventures on your trips through the city or to the more philosophical question as to whether or not the train drivers are right to go on strike. Most of the angry commuters will tell you that they are not and that they themselves dislike becoming "hostages" of people who ask them for solidarity in their fight against a reform of a pension regime that allows its beneficiaries to start taking out a pension between 50 and 55, while the majority of the hostages has to work a little longer. But there are other voices. My friend Josiane thinks that the job situation of the lower and middle classes has not done anything but deteriorate over the last ten or twenty years, and rather than being openly hostile people should applaude those who stand up and fight for their acquired rights, not least because a number of the jobs on special pension regimes are physically harmful. As an example she likes to mention her brother who laquers buses day in and day out and with the laquer threatening to harm his respiratory system she thinks he should not be doing this job beyond age 55. To be sure, while this is probably true for her brother's profession, it is not for most the jobs covered by special pension regimes that have allowed people to retire early ever since the 19th century, when driving a train or burning the coal was indeed both physically demanding and harmful.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The heartthrob has another argument. To fully appreciate it you have to consider that he is a veteran of the young socialists' left wing who rejoiced upon the arrival of the current credit crunch because he believes it to be final stroke that is going to wipe out capitalism. He says, he hasn't understood the railway people to be fighting for an early pension for all those who are doing a physically straining or harmful job today, but he has understood them to be fighting for their own early pension, regardless of how straining their job is.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So maybe some of the people from far-away suburbs, who need to get to a job where they are only paid when they actually perform it, have a point when they say they have trouble feeling solidaric with the railway strikers.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On the other extreme, someone at work sent around a citation from a magazine that considered strikers to be bloody-minded, as they were defending their "excessive privileges". People at my workplace are exempt from paying income tax. They tend to live in rich suburbs and if there is no RER suburban train that brings them to La Défense, the only thing they have to do is pool places in their luxury cars and get up a little earlier to avoid the traffic jams. Considering this background, it does require some chutzpa to comment like that when people who hardly earn more than the minimum wage prefer giving it a try and fight to see whether they can rally some public support for their cause. They probably cannot, anyway. On the other hand, maybe the people at work would be happy to pay income tax without any protest if only they were asked to do so. That's a possibility.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Personally, I take the situation more like my friend Sébastien who says he likes it when things are not going so smoothly all the time. And I am sure that the strikes are good for public health, as people walk and bike more. Except you should not breath while in the streets as pollution has increased tremendously.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8646278257121593203?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8646278257121593203/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8646278257121593203' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8646278257121593203'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8646278257121593203'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/on-strike-again.html' title='On strike again'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6322602939527709455</id><published>2007-11-17T11:51:00.000+01:00</published><updated>2007-11-18T22:56:11.393+01:00</updated><title type='text'>Pariser Streiks 2003</title><content type='html'>Wie jeder weiß, sind Franzosen spätestens von Mitte fünfzig an vornehmlich mit Boules spielen beschäftigt, und dabei wünschen nicht gestört zu werden. Wenn sie eins nicht leiden können, dann ist es, wenn die Regierung ihnen mit Reformen der Alterssicherung kommt, die nur eins zum Ziel haben: Sie davon abzuhalten. Um ihrem Ärger darüber gebührend Ausdruck zu verleihen, streikten sich die Gewerkschaften und ihre Anhänger den Frühling über immer mehr in Ekstase und legten gelegentlich auch mal Feuer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Susanne kam zum 1.-Mai-Wochenende eigens aus Kreuzberg zur Schulung angereist. Im nächsten Jahr will sie nun, die nie ein Wort französisch in der Schule gelernt hat, die Maifeierlichkeiten in Berlin mit unserem kämpferischem Retraîte-Lied, der französischen Ruhestandshymne, anheizen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit der Metro kann man nur fahren, wenn man viel Glück und Geduld hat. Deswegen sause ich seit Wochen mit meinem schnellen Stevens-Fahrrad jeden Morgen an zahlreichen Monumenten vorbei einmal quer durch Paris – Place des Vosges, Hotel de Ville, Louvre, Place de la Concorde, ein schneller Blick auf den Eiffelturm umwölkt von frühmorgendlichen Nebelschwaden und dann ab durch die Mitte zur OECD am Bois de Boulogne. Dabei biete ich den brutalen Pariser Autofahrern die Stirn, wenn auch von unerschrocken keine Rede sein kann. Am schlimmsten sind die reichen, jungen Frauen aus dem 16. Arrondissement mit ihren deutschen Luxuswagen. Gerne überholen sie auf engen Kreuzungen von rechts oder schießen aus Garageneinfahrten heraus und schneiden den Radfahrerinnen aus Deutschland den Weg ab, nur um ihnen danach auch noch einen Vogel zu zeigen. Dem gehen gelegentlich wütende Gesten und zahlreiche Unflätigkeiten in deutscher Sprache voraus. Ich weiß nicht, wie gut diese Damen Deutsch sprechen, aber anscheinend verstehen sie ganz gut, was ich ihnen zu sagen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein persönlichen Streikhöhepunkt erlebte ich am Mittwoch, als ich eine ganze Gruppe von Freunden in mein Arrondissement gelockt hatte, um ein Theaterstück anlässlich des Festivals "Onze Bouge" (Das Elfte in Bewegung) anzusehen. Nachdem wir alle völlig abgehetzt, Madame Corbeau noch im Büroanzug, in freudiger Erwartung Platz genommen hatten, präsentierte sich das Ensemble kostümlos und ungeschminkt auf der Bühne und verkündete feierlich, sie hätten nach langen Diskussionen die ÄUßerst schwierige Entscheidung getroffen, aus Solidarität zu streiken. Die Diskussionen dieser Künstler stelle ich mir so ähnlich vor wie die meiner Pädagogen von "Educación para todos", die auch schon mal zu dem Schluss kamen, es sei eurozentrisch und repressiv, von lateinamerikanischen Kindern zu verlangen, sich zu waschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da meine analytisch veranlagte Cousine von der Firma Siemens nach meiner letzten email diagnostizierte, ich hätte sieben achtel von der Freizeit gesprochen und ein achtel vom Beruf – und im geheimen zog sie daraus wohl alle möglichen unzulässigen Schlüsse – will ich mich diesmal ein wenig auf die Arbeit konzentrieren. Genauer auf das Alora-Interdirektorats-Fußballturnier, bei dem ich mich zu einer Organisations-weit bekannten Mittelstürmerin und Spitzentorjägerin meiner Mannschaft gemausert habe. Das zahlt sich auch im engeren Sinne beruflich aus. Denn nachdem es mir im allerletzten Spiel mit einem spektakulären Treffer aus dem vollen Lauf gelang, der Mannschaft von Wissenschaft und Technologie doch noch einen Sieg zu bescheren, so dass wir Dritter und damit Pokalträger anstatt Vierter und Letzter wurden, verlangte Martin Schaaper von meinem Abteilungsleiter, er solle dafür Sorge tragen, dass ich bliebe. Martin Schaaper ist jener Holländer, der genetisch bedingt alle Deutschen hasst, aber offenbar doch nur dann, wenn sie Tore gegen Holland anstatt für sein Direktorat zu schießen.&lt;br /&gt;Die Trainer des siegreichen Teams von Arbeitsmarkt und Soziales offenbarten mir beim OECD-Sommerfest, daß sie eigens eine Strategie entwickelt hätten, wie man mich stoppen könnte, und ein besorgter Unbekannter schenkte mir vorgestern Knieschützer. Die lagen auf meinem Schreibtisch, als ich von einer Besprechung wiederkam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Nachbarn sind weiterhin die besten Nachbarn der Welt. Sonnabends gehen wir entweder alle zusammen zum Markt oder wir gehen im Bois de Vincennes joggen. Mindestens zweimal die Woche finde ich eine Nachricht an der Tür, ich solle auf ihren Balkon kommen, sie würden grillen, ich bräuchte mich um nichts zu kümmern, und wenn mein Fahrrad kaputt ist, reparieren sie es mir. Bei der "Fête de la Musique" habe ich den gesamten Rest der Nachbarn kennen gelernt, weil alle Tische und Stühle in die Passage stellten und bis morgens um vier zusammen scherzten, lachten und die Laute schlugen. Jetzt ruft Thierry immer aus dem Fenster, wenn ich vorbeilaufe, und erklärt mir, Karine habe gerade vom Schwimmbad aus angerufen, die Kinder hätten Hunger, und ob ich mich meinte, er solle Melone in den Salat tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von einem mir namentlich nicht bekannten Nachbarn, oder einem der sich in unserem Stadtviertel verlaufen hatte und wohl unter Drogensucht leidet, bin ich vor einigen Wochen nachts vor meiner Haustür ausgeraubt worden. Abgesehen davon, dass es sich um einen Räuber handelte, war er jedoch fast genauso höflich wie die anderen Nachbarn, nur etwas nervöser. Er siezte mich ordnungsgemäß, und gab mir sogar mein Handy zurück, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass ich ihm streng nach Lonely-Planet-Vorschriften für den Umgang mit bewaffneten Überfällen in Entwicklungsländern widerstandslos mein gesamtes Bargeld gegeben. Weil das oft gefragt wird, sollte ich hinzufügen, dass ich nicht zu sagen vermag, ob der Mann bewaffnet war. Er war muskulös genug, dass ich es auf einen Zweikampf auch ohne Waffen nicht ankommen lassen wollte. Aber ich muss jetzt dringend einen Brief an Lonely-Planet schreiben, dass mir die Brasilianer aus den Elendsvierteln von Rio de Janeiro, die Streetgangs aus den Bronx , die kolumbianischen Guerilleros und die mexikanischen Drogenbarone nie auch nur ein Haar gekrümmt haben. Jedoch ist mein Vater mal am hellichten Tage am Maschsee ausgeraubt worden und ich in Paris. Wirklich gefährlich ist es nur in der Europäischen Union.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Neffe von meinem marokkanischen Tante-Emma-Laden an der Ecke, der manchmal dort aushilft, promoviert in Anthropologie, wie sich herausstellte. Jetzt verstehe ich auch, warum er sofort mit Kennermiene ausrief "Ah, sie sind Deutsche", als ich mit meine Jutesack aufschlug. Mit seinem Onkel besprach ich unlängst die Wahlen für die Vertreter im Zentralrat der französischen Muslime, die zum Entsetzen des Imam von Paris und aller nicht-muslimischen Franzosen in den meisten Départements die Islamisten gewannen. Jetzt will Sarkozy, der gemäßigte Innenminister, der auch gerne im Land der Liebe die Prostitution abschaffen würde, dass der Imam von Paris den Zentralrat leitet. Aber der ist nicht gewählt worden, und das ist keine Demokratie, findet mein marokkanischer Tante-Emma-Ladenbesitzer. Er selbst hat allerdings nicht mitgewählt. Politik interessiert ihn nicht, sagt er, und religiös ist er auch nicht. Das einzige, was wirklich zählt im Leben ist seiner Meinung nach das Geld.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Abteilung zieht dieses Wochenende nach La Défense in ein Hochhaus um, wo ich mit Mosahid, einem britischen Statistiker bengalischer Herkunft ein Büro teile. Er hat mich beim Abschiedsumtrunk darauf vorbereitet, dass es noch nie eine Kollegin von ihm länger als drei Wochen mit ihm in einem Büro aus gehalten hätte. Ich weiß nicht so genau, was er tut, vielleicht verlangt er, dass ich in Burka zur Arbeit komme, oder er betet fünfmal am Tag in Richtung Mekka. Die Tatsache, dass er wie alle anderen Moslems natürlich auch, ein Terrorist ist, hätte den Vorteil, dass ich wisse, worauf ich mich einzustellen hätte, wenn er mit Fallschirm zur Arbeit kommt, führte er mir vor Augen. Er ist sich natürlich nicht über meinen kulturellen Hintergrund im Klaren und weiß nicht, dass ich den Fallschirm eher besorgt so interpretieren würde, er wolle bei den nächsten Delegiertenwahlen für den Zentralrat der Muslime 18 Prozent erreichen und sei außerdem suizidgefährdet. Aber wir werden uns schon aufeinander einstellen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6322602939527709455?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6322602939527709455/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6322602939527709455' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6322602939527709455'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6322602939527709455'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/paris-streik-2003.html' title='Pariser Streiks 2003'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4202599098748126027</id><published>2007-11-06T23:17:00.000+01:00</published><updated>2007-11-06T23:52:49.575+01:00</updated><title type='text'>Le charmeur de la ligne une</title><content type='html'>Le métro commence à se remplir à Chatelet. Avec ma voisine je me lève comme il faut de nos sièges pliables, à la même seconde, comme si on avait passé notre enfance à s' entraîner ensemble en natation synchronisée. Et ça pour une première action dans la journée, avec une femme parfaitement inconnue. Je suis très satisfaite de nous. La petite performance n' a pas passé inaperçue auprès du monsieur arabo-français auquel on avait fait de la place. Il s'incline légèrement, la main au coeur, et il nous dit avec un fin sourire: "Merci, mesdames, mais il ne fallait pas."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interaction, reconnaissance, humour, moquerie. Qu' est-ce qu' on peut attendre de plus d' un matin parisien dans le métro?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4202599098748126027?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4202599098748126027/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4202599098748126027' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4202599098748126027'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4202599098748126027'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/le-charmeur-de-la-ligne-une.html' title='Le charmeur de la ligne une'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5402594673187816308</id><published>2007-11-03T19:34:00.000+01:00</published><updated>2007-11-06T23:56:10.264+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berliner Charme; Berliner Trunkenbolde'/><title type='text'>Berliner Trunkenbolde</title><content type='html'>Wie saßen friedlich und zufrieden mit dem Leben in der Berliner Herbstsonne, als ein älterer Mann aus der Kneipe kam und krachend zu Boden ging , während er mit seinen Krücken hilflos in der Luft fuchtelte. Zusammen mit einer anderen Frau, die sich auch für alles persönlich verantwortlich fühlt, lief ich sofort zu ihm, um ihm wieder auf die Beine zu helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;" Dit war nur dit olle Stolpern", erläuterte er überzeugend und strahlte uns vom Boden aus gewinnend an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach zwei gescheiterten Versuchen, dem Mann wieder auf Beine und Krücken zu helfen, bestätigte er mir und der anderen Helfersyndrom-Frau mit der gleichen wegwerfenden Handbewegung von eben die banale Ursache seines Falls, wahrscheinlich um uns zu beruhigen. Er forderte uns auf, uns in Geduld zu üben. Da würden gleich starke Männer kommen, die die Last schon zu tragen wüßten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Tat, es dauerte nicht lange und zwei weitere Trunkenbolde kamen lärmend aus der Kneipe. Sie begrüßten unseren am Boden liegenden Helden mit einem gut gelaunten " Ach, Paule biste schon wieder hinjefallen. Denn komm' mal her!" Zwar schwankten auch diese Männer bedenklich, aber sie hatten genug Übung, um Paule aufzurichten und samt Krücken über die Straße zu lotsen. Und das obwohl er nicht nur sturzbetrunken war sondern auch schwer gelähmt, wie mir bewußt wurde, als ich seine Gehversuche beobachtete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschied winkte er uns, schenkte uns ein drittes gewinnendes Lächeln und bedankte sich formvollendet für unseren Einsatz. Mir war fast, als hätte es sich kaum merklich, doch sehr elegant verbeugt, während er wie ein nasser Sack über den Schultern seiner Saufkumpanen hing.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schnauze hin, Schnauze her, die Berliner haben viel Charme, wenn sie wollen, auch wenn sie ihre Beine nicht mehr bewegen können und schon längst am Boden liegen. Oder vielleicht gerade dann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5402594673187816308?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5402594673187816308/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5402594673187816308' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5402594673187816308'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5402594673187816308'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/berliner-trunkenbolde.html' title='Berliner Trunkenbolde'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2128128006281897447</id><published>2007-11-03T19:28:00.000+01:00</published><updated>2007-11-03T19:33:31.645+01:00</updated><title type='text'>Harlem für Ignoranten</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email vom 27. Oktober 2000:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein "Ethnic New York" Buch ist ein Juwel. Es hat mich nach "Little Odessa" in Brooklyn geführt, wo ich Borscht essen und mich in Russland wähnen durfte (weil ich es nicht von der Ukraine unterscheiden kann) und es hat mich alles gelehrt, was ich über deutsche Einwanderer in New York und über die jüdische Bevölkerung von der Lower East Side weiß. Na klar fühlte ich mich wunderbar beraten, als ich mich am Sonntag einem Hinweis dieses Buches folgend nach Harlem aufmachte, um einer Gospel-Messe in der New Canaan Baptist Church beizuwohnen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer außer mir kommt schon auf solch eine exotische Idee?  Alle! Und der nette Türsteher vor der New Canaan Baptist Church, gab uns deutlich zu verstehen, dass Kirchgänger in Harlem nicht viel von Besuchern halten, die südlich der 110ten Strasse - womöglich noch in einem Hotel - leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem waren wir so leichtsinnig, uns in die Nachbarkirche lotsen zu lassen, wo sie doch tatsächlich eine Galerie für Menschen wie mich haben - die Gemeinde sitzt unten. Was soll ich sagen - ich habe mich schon lange nicht mehr so geschämt! Die Leute sind aufgestanden, haben laut geredet, gut die Hälfte hat die Kollekte ignoriert, einer hat fotografiert (!) und alle sind früher gegangen...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun, inzwischen bin ich zu der schlauen Erkenntnis gekommen, daß es vielleicht nicht so eine gute Idee ist, in anderer Leute Gottesdienst zu gehen, "weil man es gerne mal sehen möchte". Aber soll ich ehrlich sein? Ich bin doch froh, daß ich einmal gedankenlos genug war, es doch zu tun. Der Priester war ein Bild von einem Zwei-Meter-Mann und hat bei seiner Predigt, die auch nicht die Spur an irgendein Evangelium angelehnt war, Witze gemacht, gelacht, und sich manchmal richtig in Rage geredet. Die Gemeinde antwortet "yeah", "that's right" und klatscht, und natürlich sind Gesang und Instrumentalmusik unschlagbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Pastor Gildemeister nur ein bißchen mehr so gepredigt und womöglich dadurch die alten Damen vom Ebersberg zu frenetischem Klatschen und "Ja, das ist richtig"-Rufen animiert hätte, dann wären wir auch nach unserer Konfirmation noch das eine oder andere Mal in der Kirche aufgelaufen, anstatt immer im TV Springe herumzulungern...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie auch immer, das Soul-Food bei Sylvia's hinterher war lecker. Nachdem wir Curzio auf unergründete Weise im Central Park verloren hatten, fingen Sybille und ich - aus Frust - an, uns die Westseite von Manhattan herunterzutrinken. Ich bin nur froh, dass wir zwischen der 50ten und der 14ten Strasse doch auch mal in eine U-Bahn geklettert sind. Bei einem "Dirty Martini" (70te Strasse) stellte sich heraus, dass sie zwar mit 23 BWL-Examen hatte, mit 26 Steuerberaterexamen und mit 29 Prokura bei der KPMG, aber mit 30 immer noch keine Zigarette in der Hand. Bei Rotwein, Margaritha und Corona hat sie gelernt, wie man so geschickt pafft wie ich. Jetzt sind wir alle beide cool und haben nie Kopfschmerzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders gefällt die New Yorker Institution des spontanen Passanten-Komplimentes! Am häufigsten hoere ich "ooooh, coooooool". Damit die Ladykiller aus dem 439 nun nicht um ihre Position fürchten müssen, sollte ich dazu sagen, dass sich dieser Ausruf nicht auf mich als Person, sondern auf meine Jeans mit dem irren Muster am Aufschlag bezieht (danke, Mama!). Neulich wäre ich fast nicht mehr zu Hause angekommen, weil ein Passant anfing, seine eher allgemeine Bemerkung über mein angenehmes Äusseres mit blumigsten Beschreibungen zu präzisieren. Ich wäre ihm soooo gerne gefolgt, um noch ein bißchen zuzuhören... Meine Lieblingsgeschichte handelt allerdings von dem jungen Mann, der mich erst mit einem Plastikbecher in der Hand anbettelte, und mir, als ich abwinkte und eilig weiterging, hinterherrief: "I like the way you walk!" Können sie so etwas nicht auch auf der Osterstrasse einführen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A propos Plastikbecher, ob Ihr es glaubt oder nicht, in der Metropolitan Opera perlt die Witwe Cliquot nicht im Glase, sondern - im Plastikbecher. Da haben wir es mal wieder, die Amerikaner und die Kultur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Subway Series haben wir gestern auch hinter uns gebracht. Aus irgendeinem Grund haben die Mets und die Yankees (erinnert Ihr Euch?) vergangene Woche JEDEN EINZELNEN Abend gegeneinander Baseball gespielt. Da lob ich mir doch den Fußball, da ist der Ball rund und man kann sich sicher sein, daß das Spiel nach 90 Minuten vorbei ist...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2128128006281897447?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2128128006281897447/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2128128006281897447' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2128128006281897447'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2128128006281897447'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/harlem-fr-ignoranten.html' title='Harlem für Ignoranten'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1330019169913855886</id><published>2007-11-03T19:23:00.000+01:00</published><updated>2007-11-03T19:28:00.839+01:00</updated><title type='text'>Alles über Baseball</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email vom 18. Oktober 2000:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vergeßt die Presidential Debate (wie war's?) - hier in New York haben wir uns gestern nur für die Yankees interessiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Bummel durch unsere Puschenkneipen haben Curzio und ich es zu verdanken, daß wir jetzt große Baseballexperten sind. Woody Allen hat uns die Regeln erklärt. Woody Allen heißt eigentlich John und wohnt in Brooklyn. Er begleitet seine Mitbewohnerin Susan ab und zu in unser Viertel - sie hat früher mit ihrem Mann in unserer Straße gewohnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich wollte Susan mir Baseball erklären . Wie es sich mit den Mets und den Yankees verhält, habe ich auch sofort verstanden. Die Yankees sind erfolgreicher, aber die Mets sind das Working Class Team und jeder ECHTE New Yorker ist Mets Fan. Das ist einfach, wie beim HSV und St. Pauli eben...Danach war Susan jedoch zu sehr damit beschäftigt, Witze mit sexueller Konnotation in Überzimmerlautstärke zu erzählen und dabei ihren Rock hochzureißen, um dem Barkeeper ihre halterlosen Strümpfe zu zeigen. Woody Allen, alias John, vornehm und ein wenig verklemmt, wie er nun einmal ist, war das alles sichtlich peinlich, besonders als sie mit schriller Stimme die übrigen Gäste wissen ließ, daß sie ihre Sexualpartner nicht mit nach Hause bringen dürfe. "Please don't talk for me...", bat er sie gequält.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ergebnis der ganzen Affäre war, daß ich bis zu diesem Punkt noch nicht mehr über Baseball wußte, als was es bedeutet, wenn ein Mann bei einer Frau "first base toucht" (er darf ihre Brust berühren). Second base - unbestimmte Handbewegung in Richtung Schoß - third base haben wir aus irgendeinem Grund übersprungen und homerun - "oh, you know, he got there all the way...". Einer Rückfrage meinerseits konnte John schließlich entnehmen, dass ich nach einer halben Stunde die Grundprinzipien des Baseballs noch nicht kannte. Schließlich übernahm er den Unterricht mit rührender Geduld. Susan führte meine Verständnisschwierigkeiten übrigens darauf zurück, daß ich nicht middle-aged und desperate sei, so wie sie. Aber seit John mich instruiert hat, weiß ich bestens Bescheid: two outs and one inning, to steal a base, baseball is game of threes etc. pp. Wenn ich das nächste Mal in diese Kneipe gehe, werde ich John die Abseitsfalle erklären.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daß die Yankees gewonnen haben - Einzug in die Final Division zum ersten mal seit Eisenhowers Präsidentschaft - weiß ich deswegen, weil Curzio heute morgen, als er aufgewacht ist, unsere Nachbarn imitiert hat: Yeahhh, we got it, yeaaah, yeaaaahh. Offenbar hat der Ärmste nicht so gut geschlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Curzio die Nachrichten einschaltet, brüllt er immer laut "CNN breaking news". Dann steht er vorm Fernseher, fuchtelt wild mit den Armen und ruft „okay, okay“. Er sagt, er muß Englisch üben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit wir über das entsetzliche Sprachchaos, das wir anfänglich verbreiteten, beide drohten die Kenntnis unserer Muttersprache zu verlieren, haben wir einen strengen Plan: montags, mittwochs und freitags Italienisch und dienstags, donnerstags und sonnabends Deutsch. Was wir mit dem Sonntag machen wissen wir noch nicht so genau. Wir haben erst einen zusammen erlebt, und da waren Jenny und Rodrigo zu Besuch, und sind mit uns durch den Central Park gehetzt, als würden die Russen kommen oder als müßten sie zur Arbeit. Jenny mußte sich alle fünf Minuten hinsetzen, weil sie nicht mehr konnte. Langsamer gehen wollte sie aber auch nicht: "Oh nooo, that way I won't burn any fat..." Für mich hat das vor allem zur Folge, daß Curzio jetzt  immer "fat burn, fat burn" ruft, wenn er spazieren geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Übrigens wohnen Curzio und ich in Hell's Kitchen, haben wir herausgefunden. Kennt einer diesen Film mit den vier Jugendlichen, die irgendein Bagatell-Delikt begehen und dafür ins Jugendgefängnis kommen, wo sie jahrelang sexuell missbraucht werden - Robert de Niro (Robert de Niro?) spielt den Priester? Das ist bei uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin inzwischen dick befreundet mit dem albanischen Türsteher eines italienischen Restaurants in unserer Strasse. Er hat lange Zeit in Düsseldorf gearbeitet, und seit er weiß, daß ich Deutsche bin, wedelt er immer aufgeregt mit seinen deutschen Fußballmagazinen ("Otto Rehhagel - Pro und Kontra") , die er gerne liest, wenn gerade nicht so viel Kundenverkehr ist. Er wohnt in den Bronx und fühlt sich da sehr wohl. Hell’s Kitchen findet er überteuert. Da ist allerdings etwas dran...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1330019169913855886?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1330019169913855886/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1330019169913855886' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1330019169913855886'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1330019169913855886'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/alles-ber-baseball.html' title='Alles über Baseball'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7296596802408425632</id><published>2007-11-03T19:14:00.000+01:00</published><updated>2007-11-03T19:23:44.963+01:00</updated><title type='text'>New York ist ein Dorf</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email vom 11. Oktober 2000&lt;/em&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hat es hier einen mächtigen Temperatursturz gegeben. Mit Fahrenheit kenne ich mich nicht so recht aus, aber ich tippe Temperaturen nahe null Grad Celsius. Letzte Woche bin ich noch im T-Shirt herumgelaufen. An der NYU wird noch nicht geheizt, dafür kann man in unserer Wohnung die Heizung nicht herunterschalten. Nd. und Ayda springen den ganzen Tag um mich herum und haben Angst, daß ich krank werde, nötigen mir die einzigen elektrischen Heizkörper des Instituts auf etc. etc. Genaugenommen ist Nd. selbst schon erkältet. Hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen von seinem Krankenlager aus im Büro anzurufen, um sich nach MEINEM Wohlbefinden zu erkundigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Ayda (unsere armenisch-türkische Sekretärin) gerade mal nicht mit einem Heizkörper hinter mir herläuft, zieht sie kämpferische Parolen skandierend durch New York. Zunächst dachte ich, dass sie sich NUR für das Recht der Studenten einsetzt, Gewerkschaften zu bilden - offenbar wehrt sich die NYU mit Händen, Füßen und teuersten Anwälten dagegen. Inzwischen habe ich mitbekommen, daß sie auch für Palästinenser und dergleichen auf die Strasse geht. Wenn Nd. sie ins Wochenende verabschiedet, trägt er ihr immer noch auf, sich zu melden, wenn sie verhaftet wird. Übermorgen gehen Ayda und ich afghanisch essen. Nd. soll das Restaurant empfehlen, denn der ist ja Afghane.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer sagt, daß man nur in Freiburg Leute trifft, die man nicht treffen will? Den ganzen Sonntag über habe ich mich bei herrlichstem Sonnenschein im Central-Park über das Schnippchen gefreut, das Sybille und ich am Vorabend so einem Händler von der Warenbörse geschlagen hatten, der uns im Eastvillage aufgegabelt hat: Erst die ganze Nacht von In-Kneipe zu In-Kneipe führen lassen - mächtig Spaß gehabt- und am Ende die Telefonnummer nicht herausrücken. Hat zwar gestimmt, daß ich sie nicht erinnern konnte, aber geglaubt hat der das nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und was passiert, als ich am nächsten Tag behende zum Pier 16 am East-River zum Open-Air-Tango eile, um Corinna nicht länger zu enttäuschen? Sobald ich aus der U-Bahn steige, stolpere ich über den Händler, der sich hocherfreut zeigt, auf einen Drink mit Blick auf Sonnenuntergang über Brooklyn besteht und darauf, beim Tango zugucken zu dürfen. Habt Ihr dafür noch Töne? Damit aber nicht genug, er hat mich auch noch in der gesamten New Yorker Tangoszene unmöglich gemacht, indem ER einen Mann für mich aufgefordert hat (kolumbianische Eltern, ihr wißt schon...). Mein verdutzter Tanzpartner - will sagen, so verdutzt wie ich - hatte gerade noch die Kraft mich sichtlich gequält zu fragen, ob ich meinen "husband into tango" kriegen wollte. Der Händler hat hinterher versucht mich mit Bier und Bratwürstchen im "Hallo Berlin" (echte Zille-Litographien an den Wänden) wieder milde zu stimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine noch weniger gute Figur machte ich vergangenen Mittwoch, als ich mich nach der Arbeit von einem Kamerateam von Channel 66 zu einem Witz habe nötigen ließ. Vor lauter Schreck fiel mir nur ein schmutziger Witz ein ("warum können Frauen nicht einparken.."). Die Amerikaner hatten nichts davon, weil sie sich mit dem metrischen System nicht auskennen ("...weil Männer immer sagen, daß das 30 cm sind..."), und ich hatte nichts davon, weil mir danach einfiel, daß das eine oder andere Mitglied des economics departments vielleicht doch etwas davon versteht UND einen Fernseher zu Hause hat. Wenn Nad. es gesehen hat, hat er sich jedenfalls nichts anmerken lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansonsten forsche ich wie ein Stier und versuche bibtex in mein Leben einzufuehren. Davon kann die eine oder andere von Euch bereits ein Lied singen. Heute abend versuche ich es noch einmal mit Tango. So klein Manhattan ist, dieser verfluchte Händler kann ja schließlich nicht überall sein...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7296596802408425632?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7296596802408425632/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7296596802408425632' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7296596802408425632'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7296596802408425632'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/new-york-ist-ein-dorf.html' title='New York ist ein Dorf'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3352870720180989709</id><published>2007-11-03T19:13:00.000+01:00</published><updated>2007-11-03T19:21:21.530+01:00</updated><title type='text'>Hell's Kitchen</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email vom 30 September 2000&lt;/em&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen bin eine echte Manhattanite und eile morgens mit meinem Computer durch Midtown West anstatt durch die Grand Central Station. Das ist sehr angenehm, denn auf der Westseite sind die Menschen ein bißchen weniger hektisch als die Pendler im Osten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Wohnung ist in einer dieser Strassen wie man Sie aus dem Fernsehen kennt: Gußeiserne Treppen vor dem Eingang und Bäume (!) am Straßenrand. Von innen, wie gesagt, ein bißchen weniger Komfort. Beeindruckend ist vor allem die Statik: Es ist einfach alles schief - von den Schubladen, über den Herd bis hin zu den Türrahmen. Wird wohl nichts mit Türen aufhängen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jochen sagt, die Wohnung erinnert ihn an das Kabinett des Doktor Caligari. Wegen der Dusche in der Küche soll ich mich nicht so anstellen, meint er. Als er in Paris studiert hat, war sogar die Toilette in der Küche. Na, dagegen lebe ich ja in Saus und Braus!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich läuft Jochen gerade wie ein Zombie durch die Uni Hamburg und tritt Türen ein wie kurz vor seiner Abreise nach Berkeley. Seine Nerven sind bekanntlich etwas schwach, und er hatte einen schlechten Tag: Meinen Haustürschlüssel konnte er nicht verabredungsgemäß in den Briefkasten werfen, denn der hat gar keinen Schlitz (erster Kulturschock). Also hat er den Schlüssel dem Briefträger gegeben und ist mit einem schlechten Gewissen nach Deutschland geflogen, nur um festzustellen, dass er 1. seinen Schlüssel für die Wohnung in Berkeley bei mir vergessen hat, 2. sein Gepäck mit seinen Unterlagen für den Vortrag in Koblenz und seinem Anzug verloren gegangen ist. Wenn Ihr ihn trefft, könnt Ihr ihm sagen, daß ich immerhin den Schlüssel gefunden habe, und daß der Briefträger ein ehrlicher Mann ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Curzio kommt am 11. Oktober, und Hartmut hat angeordnet, dass ich VORHER zu Ikea fahre, um Vorhänge zu kaufen. Wir wollen bescheiden leben, aber nicht wie in Sodom und Gomorrha.&lt;br /&gt;Da mir niemand von Euch Tips geben konnte, habe ich die nette israelische Fotografin einfach so auf die Piste gelockt wie ich es auch mit einer deutschen Frau gemacht hätte. Hat geklappt! Eigentlich ist sie Künstlerin, aber ihren Lebensunterhalt muß sie sich mit einer Arbeit im Fotolabor und wedding shootings am Wochenende verdienen. Demnächst hat sie eine Ausstellung in einem Friseursalon, und ich habe ihr fest versprochen zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beeindruckt bin ich von den Forschungsseminaren an der NYU. Es kommen immer ganz bekannte Leute und alle kennen sich und nennen sich gegenseitig Ned, Chad usw.. Die jungen Assistenzprofessoren beißen hier um sich wie die Schäferhunde, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Scheint ein rauher Wind zu sein, der hier weht...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deswegen, zurück zur Forschung...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-3352870720180989709?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/3352870720180989709/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=3352870720180989709' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3352870720180989709'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/3352870720180989709'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/hells-kitchen.html' title='Hell&apos;s Kitchen'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7843142866975922924</id><published>2007-11-03T19:07:00.000+01:00</published><updated>2007-11-03T19:22:41.731+01:00</updated><title type='text'>Erste Schritte in NYC</title><content type='html'>&lt;em&gt;Email vom 26. September 2000:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach 28 Jahren hat sich die Hartnäckigkeit einer Springer Standesbeamten ausgezahlt: Aus Sorge um mein Fortkommen und meine persönliche Entwicklung bestand sie neben N. auf einem echten Frauennamen. In einem Computer-Administrator jenseits des Atlantischen Ozeans hat sie jetzt einen einsamen Anhänger gefunden. Für den kam nur mein bislang nie gebrauchter Zweitname als email-Adresse in Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin nicht nur endlich wieder im Netz, was immer das wichtigste ist, sondern darf mich vom 1. Oktober auch stolze Untermieterin eine 1 1/2- Zimmer-Wohnung nennen. Ich möchte die wunderbare Lage in Fußnähe zum Times Square unterstreichen - sicher bin ich bald ein Broadway-Star! Von innen ist sie allerdings nichts für schwache Nerven. An Fenstern und Licht wurde ein wenig gespart, dafür wird meine WG mit meinem Gerzenseekollegen dadurch umso offener und freundlicher, daß auch keine Türen vorhanden sind, wenn man von Eingangs- und Toilettentür einmal absieht. Curzio sagt, das ist nicht weiter schlimm. Ich soll ihm Bescheid sagen, wenn ich einen Mann nach Hause bringe, dann kommt er etwas später. Noch wohne ich bei meiner Freundin Jenny in Stamford, Connecticut. 50 Minuten Zugfahrt zur Grand Central Station - das ist ein Kinderspiel für jeden amerikanischen Pendler. Morgens komme ich mir immer mächtig wichtig vor, wenn ich mit meinem kleinen Labtop-Köfferchen den Zug besteige. Abends bringe mich meine Business-Kollegen aus dem Financial District im Zug jedoch mit hastigem Popcorn-Verzehr zur Weißglut.Mein verzweifelter Gesichtsausdruck während der dreitägigen Wohnungssuche hat immerhin dazu geführt, daß ich eine israelische Photographin aus Queens kennengelernt habe, die mich tatkräftig unterstützte. Weiß einer, wie man Israelinnen ins Kino oder in eine Bierkneipe ködert?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Ruderfreundin Anke, die einen L.L.M-Grad an der NYU anstrebt, ist bereits perfekt integriert. Sie hat eine ziemlich nette dänische Mitbewohnerin, wohnt mitten in Greenwich Village und geht in Chinatown Gemüse einkaufen. Am Sonnabend hat sich mich auf eine Party in den Washington Heights mitgenommen. Ich fand, daß die nächtliche U-Bahn-Fahrt durch Harlem auch nichts für schwache Nerven war, aber meine Frauen blieben zu jedem Zeitpunkt locker und haben sich nichts anmerken lassen. Bloß als uns ein sehr freundlicher Senegalese, der des Deutschen immerhin soweit mächtig war, daß er "ich liebe dich" sagen konnte, auf dem Rückweg auf ein Bier nach Harlem einladen wollte, zeigten sie sich unwillig seine Kenntnisse angemessen zu würdigen. Entlohnt wurde der Abenteuertrip durch eine Party mit lauter Angestellten der Federal Reserve Bank of New York. Leider untere Chargen, sonst könnte ich daraus vielleicht Profit schlagen, wenn es mit der Broadway-Karriere doch nichts wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Nd. bin ich bereits in Medias Res gegangen. Gestern große Lagebesprechung "to gain some speed". Er ist Araber oder vielleicht ein sephardischer Jude (das kommt von Jenny - ich dachte immer, die kommen aus Portugal und Spanien), die Sekretärin ist Politik-Studentin und Armenierin aus der Türkei und die beiden Assistenten sind Koreaner. Vielleicht will ja einer von denen mit mir Tango tanzen? Auf dem Gang sind auch viele Lateinamerikaner unterwegs, aber zumindestens die Männer gucken mich streng an, wenn ich grüße. Ob sich das für Frauen nicht schickt?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7843142866975922924?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7843142866975922924/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7843142866975922924' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7843142866975922924'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7843142866975922924'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/erste-schritte-in-nyc.html' title='Erste Schritte in NYC'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-528040747563071661</id><published>2007-11-03T18:19:00.000+01:00</published><updated>2007-11-20T11:12:17.208+01:00</updated><title type='text'>Diwali bleibt</title><content type='html'>Wegen der vielen besorgten Nachfragen (danke!) sollte ich vorausschicken, dass M. und ich weder Terroristen noch einem Zugunglück zum Opfer gefallen sind. Heike schrieb, in Delhi seien die Diwali-Feierlichkeiten wegen der Terroranschläge abgeblasen worden. Hier in Udaipur sind wir weit davon entfernt. Wir böllern uns langsam aber sicher auf den Höhepunkt. Genau genommen sitzen Mellie und ich in dem kleinen Internet-Shop neben unserem Hotel fest und haben keine Ahnung, wie wir ohne weißes Taschentuch an den Chinaböllern vorbei heil nach Hause gelangen sollen.Was die Terroristen angeht, sagen wir uns, dass wir immerhin mit dem Diwali-Fest den Sieg von Gut über Böse feiern. Wir wissen nicht genau, ob wir die Chinaböller überleben. Aber die Terroristen haben in diesem gewaltätigen Handgemenge allemal schlechte Karten.&lt;br /&gt;Vorgestern kam die Göttin Lakschmi zu den Hindus nach Hause. Den Rest des Jahres sind die indischen Häuser so verstaubt wie sonst nur meine Reisehose. Aber wenn Lakschmi kommt putzen die Inder ihre Häuser blitzeblank. Fast könnten sie es mit Oma und Frau Tessma aufnehmen. Schliesslich ist Lakschmi die Göttin des Reichtums und man weiss nie, was sie so hinterlässt, wenn ihr Besuch ein gutes Erlebnis war. Bablu hat uns erklärt, dass die Inder früher neues Geschirr kauften, um Lakschmi standesgemäß bewirten zu können. Heute ziehen sie Fernseher und Waschmaschinen vor. Auch der Geschmack der Hindu-Götter, so vermuten ihre Gefolgsleute, hat sich an die neuen Zeiten angepasst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besser als die Böllerei gefallen M. und mir die Öllampen, die die Inder überall aufstellen, und die Sterne, die sie vor ihre Türen auf die Straße malen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lakschmis Besuch fiel außerdem mit einem nationalen Diskoabend zusammen. Wir wurden von allen Dachterassen der Stadt mit Hindi-Pop und Punjabi-Rock beschallt. Da wollten M. und ich natürlich nicht fehlen und kletterten voll freudiger Erwartungen auf die nächstgelegene Diskoterasse. Dort tanzte eine wildgewordene Horde junger Inder, die allesamt ihre Frauen zu Hause vergessen hatten. Kommen später, erklärte mir mein erster Tanzpartner. Der zweite, der zum Auffordern galant auf die Knie gesunken war, vertraute mir an, dass sie zwar alle Hausfrauen zu Hause hätten, aber immer mal wieder gerne eine kleine Affäre dazwischen schieben. M. und mir ist ein Rätsel, wo sie die kennenlernen. Vielleicht brechen sie in die Häuser anderer wildender Familienväter ein und rauben deren Frauen und Töchter?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bald begannen wir uns außerdem zu fragen, ob die Inder uns Drogen in das Bier mischen würden, um uns ungestört,unsere Schreie mit ohrenbetäubenden Punjabi-Rock übertönend, vergewaltigen zu können. Der Moment schien uns gekommen, den geordneten Rückzug anzutreten. In Ländern, in denen die Frauen zurückgezogen in hermetisch abgeriegelten Häusern leben, haben die jungen Männer derart dicke Eier, dass man stets fürchten muss, sie platzten im nächsten Moment mit der Wucht eines Chinaböllers. Aber dafür fühlen M. und ich uns nicht verantwortlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern haben wir uns endlich einmal wieder der höheren Kultur zugewendet und in Ranakpur einen atemberaubenden Jain-Tempel auf 1444 Marmorsäulen angesehen, von denen keine der anderen gleicht. Die lebende Kreatur ist den Jains so wichtig, dass sie Mundschutz tragen, um nicht versehentlich Insekten zu ermorden. Ihre Mönche ziehen nackt durch die Lande, betteln und nennen lediglich eine Bürste ihr Eigen, mit der sie die Strasse vor sich fegen, um nicht versehentlich auf ein Lebewesen zu treten. Entsprechend friedlich und idyllisch ist auch die Atmosphäre in ihrem Tempel in einem üppig mit Palmen und bunten Blumen bewachsenen Tal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg nach Ranakpur konnten M. und ich uns einmal mehr davon überzeugen, dass in der Gegend zwischen Jodphur und Udaipur unter Schäfern derzeit neonfarbene Turbane in Mode sind. Vermutlich hat das praktische Gründe. Sie wollen schon von weitem Fahrer auf sich aufmerksam machen. Die bremsen, wie wir bereits gelernt haben, nur im Notfall ab, zum Beispiel wenn ihnen Kühe, Kamele oder Schafsherden in den Weg kommen, die nach jahrelangem, knallharten Training im indischen Straßenverkehr Philosophen geworden sind, zumindest aber taub für jedes Hupen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abends kamen M. und ich nicht umhin, uns auf Udaipurs romantischen Dachterassen “Octopussy” anzusehen, einen James Bond aus den siebzigerJahren, der zur Hälfte in Udaipur spielt. Wie wir feststellten, hat sich seitdem nicht viel verändert. Insbesondere können 007-Verfolgungsjagden nur solche Zuschauer beeindrucken, die nicht schon einige wilde indische Rikschafahrten hinter sich haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute haben M. und ich eine japanische Domina kennen gelernt und einen Schweizer Antiquitätenhändler, der sich der Shiva-Sekte angeschlossen hat und in seiner Freizeit für seine Kumpels mittelalterliche Ritterkostüme in Indien anfertigen lässt. Weil der uns aus Anlass des Diwali-Finales ein paar Biere ausgegeben hat, fühle ich mich ausser Stande, Euch heute bereits jetzt alle Details zu berichten. Wir sprechen uns morgen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-528040747563071661?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/528040747563071661/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=528040747563071661' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/528040747563071661'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/528040747563071661'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/11/diwali-bleibt.html' title='Diwali bleibt'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6459161739143491953</id><published>2007-10-22T23:17:00.001+02:00</published><updated>2007-11-12T00:30:10.394+01:00</updated><title type='text'>Die Ökospießer vom Kollwitzplatz</title><content type='html'>Es ist ein herrlich sonniger Oktobernachmittag am Kollwitzplatz. Unter den herbstlich verfärbten Bäumen bieten Gemüse-, Fisch und Fleischhändler schweigend ihre Waren an. Weil man damit allein hier niemanden mehr dazu bringen kann, den eifersüchtig gehüteten Sparstrumpf anzutasten, verkaufen außerdem Buchbinder ihre handgefertigte Ware zu Schleuderpreisen, Esoteriker bieten Drähte an, mit denen man sich selbst den Kopf kraulen kann, und der Falafelverkäufer macht sogar ein bißchen Stimmung auf arabische Art. Ein ganz besonders großer Witzbold versucht, sich von dem sinnenfeindlichen Zeitgeist loszusagen und gleichzeitig eine Tugend daraus zu machen, indem er voll feiner Ironie zu Currywurst Champagner anbietet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor mir am Gemüsestand steht eine Frau, die danach aussieht, als hätte sie noch nie in ihrem Leben einen Lippenstift in die Hand genommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Bela, haben wir noch Karotten?", ruft sie einem Mann mit Kinderwagen zu. Ich suche nach einem unterwürfigen Unterton, der meiner Meinung nach zu der schmucklosen Frau und ihrem streng dreinblickenden Mann passen würde. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich ihn nicht entdecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bela ist groß, trägt weite, labbrige Leinenhosen und eine Frisur, die man in den achtziger Jahren als Pottschnitt bezeichnet hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ich will nicht, daß wir wieder den gleichen Fehler wie jedesmal machen und lauter Sachen einkaufen, die wir dann nicht kochen," antwortet er spitz. "Ich will erstmal zuhause in den Kühlschrank sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich frage mich, warum er das nicht längst getan hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gleiche Konversation wiederholt sich in kaum abgewandelter Form für Äpfel, Zwiebel, Eier und Petersilie. Am Ende hat Belas Frau nichts gekauft und wir beschließen, daß dieser Ort eigentlich völlig tabu sein müßte, wenn es nicht überall sonst in Berlin noch viel schwieriger wäre, Nahrungsmittel von annehmbarer Qualität zu finden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir kaufen Lammkeule mit ganz viel Gemüse für den Schmortopf, Bohnen, Pfifferlinge und Unmengen Käse. Wir müssen schließlich das Leben genießen, bis die Chinesen auch uns eingeholt haben und es endgültig vorbei ist mit dem Wohlstand. Dann ruft Heike an und schlägt uns vor, abends in die Oper zu gehen. Macht gar nichts, beschließen wir. Wir essen die Keule einfach morgen Abend um sechs nach einem verkürzten Arbeitstag kurz bevor ich abreise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lammkeule ißt der Schatz allein, oder das, was er schafft. Von den Bohnen bleibt fast nichts übrig, aber die Pfifferlinge muß er ungewaschen bei den Nachbarn abliefern, zusammen mit dem Käse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wäre wahrscheinlich besser, wenn einer von uns mit Bela zusammenlebte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6459161739143491953?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6459161739143491953/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6459161739143491953' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6459161739143491953'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6459161739143491953'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/10/die-kospieer-vom-kollwitzplatz.html' title='Die Ökospießer vom Kollwitzplatz'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-4955960077470207229</id><published>2007-10-09T23:13:00.000+02:00</published><updated>2007-10-28T12:46:16.628+01:00</updated><title type='text'>Die Kunst und ihr Publikum - Louvre</title><content type='html'>Früher ging ich mit Madame Corbeau ins Louvre, abends nach der Arbeit in die nocturne. Wir sahen uns in aller Ruhe einen Saal an, sammelten bei dem hübschen Garderobenmann ein paar Komplimente ein und kamen uns très culturelles vor. Danach glaubten wir, uns unseren Wein redlich verdient zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich bin ich wieder hingegangen. Aber die Welt hat sich verändert. Vielleicht habe auch nur ich mich verändert. Fest steht: Das Louvre ist nicht mehr das, was es mal war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen haben die Touristen die nocturne entdeckt. Sie ziehen nun auch abends in wild lärmenden Horden durch die Säle und suchen zielstrebig nach der Mona Lisa. Dort haben sie inzwischen Bänder für die Warteschleife aufgestellt wie in Disneyland. Ordner mit Walkie-Talkie - alles Zweimetermänner - beherrschen die Szene und gebärden sich, als würden sie den CSU-Parteitag in Wildbad Kreuth bewachen oder in einer New Yorker Edeldisko den weniger Schönen und Reichen den Eintritt verwehren. Als ich vorsichtig meinen Kopf in die Saal steckte, wiesen sie gerade eine Gruppe von Rollstuhlfahrern ein. Jeder durfte einmal mit quietschenden Reifen auf das große Kunstwerk zufahren und kurz ein Foto machen, aber ohne Zögern, schließlich will jeder mal an der Reihe sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nebenan ging eine Museumswärterin mit einem irren Lachen im Saal auf und ab und führte Selbstgespräche. Vielleicht hatte sie auch einen unsichtbaren Knopf im Ohr und kommunizierte mit den Walkie-Talkie-Männern. Trotzdem wurde mir mulmig zumute und ich eilte schnell weiter zur spanischen Renaissance. Dort fand ich mich allein neben einem Mann mit wild flackerndem Blick vor einem El Greco wieder, der in sein Handy brüllte als sei er mit dem Trading Floor der New Yorker Börse verbunden und wollte schleunigst alle seine Aktien von Unternehmen abstoßen, die sich mit US-Hypothekenkrediten von zweifelhafter Qualität verspekuliert hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei mir wollte einfach nicht die für Kunst notwendige Muße aufkommen. Ich stürzte die nächst gelegene Treppe hinunter, nur um festzustellen, dass die Hälfte aller Ausgänge bereits geschlossen war. Nach einem nervenaufreibenden Galopp, treppauf, treppab und durch lange gewundene Gänge landete ich schließlich bei der Kunst aus Afrika und Polynesien. Zunächst atmete ich auf: Was für eine himmlische Ruhe! Und wie unglaublich, dass das Louvre auch noch ein reiche Sammlung afrikanischer Kunst im Keller versteckt! Aber dann mußte ich wieder an die irre Wärterin mit Knopf im Ohr denken und an den Aktienhändler mit dem flackernden Blick. Ich bekam Visionen, wie ich vor der Skulptur eines afrikanischen Fruchtbarkeitsgottes in einer vergessenen Sammlung im Keller des Louvre vergewaltigt werde und rettete mich in Panik zu dem letzten noch geöffneten Ausgang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Louvre ohne Madame Corbeau ist so nervenaufraubend und gefährlich wie es einsam und freudlos ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-4955960077470207229?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/4955960077470207229/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=4955960077470207229' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4955960077470207229'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/4955960077470207229'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/10/die-kunst-und-ihr-publikum-louvre.html' title='Die Kunst und ihr Publikum - Louvre'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6991871586929075694</id><published>2007-10-07T21:58:00.000+02:00</published><updated>2007-12-25T09:39:23.726+01:00</updated><title type='text'>Velib</title><content type='html'>Die Stadt Paris setzt dieses Jahr all ihre Hoffnung in die Fahrradfahrer: Sie sollen die Autos von den Straßen verdrängen, die Lärmbelästigung verringern, die Luftqualität verbessern und aus den Parisern freundliche und rücksichtsvolle Bürger machen. Wahrscheinlich erhofft sich die Stadtverwaltung davon, dass Paris auf der Liste der &lt;a href="http://www.rd.com/content/best-places-to-live-green/1/;jsessionid=3F1AA1BEA0FDA184A8EB5F947A21C485.app1_rd2"&gt;lebenswertesten Städte&lt;/a&gt; der Erde von Platz vier noch weiter hochschnellt.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.rd.com/content/best-places-to-live-green/1/;jsessionid=3F1AA1BEA0FDA184A8EB5F947A21C485.app1_rd2"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Damit die Radfahrern diesen Hoffnung gerecht werden können, hat sich die Stadtverwaltung mit der Privatwirtschaft zusammengetan und den Hit des Sommers kreiert: Vélib. Wer eine Jahresmetrofahrkarte hat oder genug Ausdauer, um an einem Fahrradkartenautomaten fünf Minuten lang verschiedene Nummern einzugeben, nur um dann festzustellen, dass der Automat kaputt ist oder alle funktionsfähigen Fahrräder unterwegs, der kann sich überall in der Stadt an irgendeiner Station ein Rad ausleihen und es später an einer beliebigen anderen Station wieder abgeben. Und wenn man nicht länger als eine halbe Stunden fährt, braucht man keinen Pfennig dazu zu zahlen. Es sei denn, man vesteht wie mein Freund Dave nicht, wie man das Fahrrad richtig in der Station wieder einklinkt. Solche Leute zahlen im Extremfall 150 Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stationen gibt es im Prinzip alle fünfhundert Meter. Allerdings sind die auf Hügeln meistens leer und die in den ebenen Straßen davor sind überfüllt. Die Stadtverwaltung hat nicht mit dem Sportsgeist der Pariser gerechnet. Angeblich hat sie vierhundert Leuten einstellen müssen, die die Fahrräder immer wieder gleichmäßig auf die Stationen verteilen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Vélib ist wie gesagt der Sommerhit schlechthin, bis tief in den Herbst hinein, und jeder muss mitmachen. Natürlich sind wir auch mit von der Partie. Nachdem wir ein paar Sonntage damit verbracht haben, Nummern einzugeben und von Station zu Station zu laufen, um jedes Mal wieder mit neuen Problemen zu kämpfen, sind wir inzwischen schon ganz fixe Vélibentleiher geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur an den Pariser Verkehr können wir uns nicht gewöhnen. Es gibt Leute, die behaupten, die vielen Radfahrer hätten das Bewusstsein der Pariser Autofahrer geschärft und sie führen jetzt viel vorsichtiger. Das kann ich nicht bestätigen. Besonders Rechtsabbieger sind und bleiben skrupellose Killer. Neben ihnen stehende Fahrradfahrer, die geradeaus fahren möchten, fahren sie um, dazu kennen sie keine Alternative. Der Schatz verdankt sein Leben nur meinem lautstarken Kopiloteneinsatz, bei dem ich auch in Kauf nahm, dass ältere Passanten sich durch meine Rufe in die Besatzungszeit zurückversetzt fühlten. Gestählt von diesen Begegnungen pfiff ich den nächsten Rechtsabbieger, der mir zuvorkommen wollte, mit noch viel energischeren Flüchen im Besatzungsmachtstakkato zurück. Und um ihm zu zeigen, wie ein deutscher Verkehrsteilnehmer auf sein Recht beharrt, stürzte ich mich mit meinem Fahrrad auf den Zebrastreifen für Fußgänger. Damit gelang es mir, doch noch vor ihm die Straße zu überqueren und ihn zum Warten zu zwingen. Bevor ich mich triumphierend zu dem Fahrer umblickte, konnte ich noch kurz auf der anderen Kreuzungsseite beobachten, wie der Schatz nach wilden Beleidigungen auf Deutsch gen Rechtsabbieger mit Schaum vor dem Mund "ja, Du" brüllte und seine wüsten Beschimpfungen mit obzsönen Gesten untermalte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich sah, wie perplex und verletzt der Rechtsabbieger uns beide ansah, kam mir der Gedanke, dass französische Rechtsabbieger womöglich gar nicht wissen, dass sie geradeaus fahrende Fahrräder nicht umfahren dürfen. Vielleicht ist die französische Straßenverkehrsordnung einfach nicht mit unserer vergleichbar. Wer weiß? Irgend so ein Gesetzeslücke, die in Brüssel noch niemandem aufgefallen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht sollten wir uns doch lieber darauf beschränken, in Paris unterirdisch am Straßenverkehr teilzunehmen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6991871586929075694?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6991871586929075694/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6991871586929075694' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6991871586929075694'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6991871586929075694'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/10/velib-und-das-nackte-berleben.html' title='Velib'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-6804365203523995034</id><published>2007-10-06T19:16:00.000+02:00</published><updated>2007-10-06T20:10:51.869+02:00</updated><title type='text'>Indien und Spiritualität</title><content type='html'>Der See in Pushkar - so will es die Legende - ist entstanden, als Brahma eine Lotusblume fallen ließ. Brahma ist der Chef des Hindu-Olymps. Vielleicht ist er sogar der einzige Hindu-Gott und alle weiteren Götter, die uns hier verwirren, sind lediglich andere Erscheinungsformen von ihm. Ich muss noch ein bisschen studieren, bis mir das ganz klar wird. In jedem Fall istPushkar wegen der Lotusblüte und des Sees ein heiliger Ort. In dem See können Hindus heilige Bäder nehmen und ausnahmsweise verbieten sie uns Touristen dort das Fotografieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Heiligkeit von Pushkar ist es geschuldet, dass es hier weder Fleisch noch Alkohol gibt. Es könnte sein, dass M. und ich es hier nicht allzu lange aushalten, obwohl es ausnahmsweise in den Straßen des Basars weder Autos noch Rikshas gibt und uns lediglich Motorräder und Kühe nach dem Leben trachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von himmlischer Ruhe kann trotzdem nicht die Rede sein.  Aus den Tempeln&lt;br /&gt;rund um den See von Pushkar dröhnen Hare-Krishna-Gesänge im Multistereosound und mit ihren grell-bunt blinkenden Lichtern erinnern sie mich ein wenig an die Diskos, die ich in den achtziger Jahren regelmäßig besuchte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr noch als die gläubigen Hindus zieht die Spiritualität von Pushkar alle möglichen Weißen an, die mit langen Bärten undwallenden bunten Röcken auf der Suche nach Seelenheil und Drogen sind.Es mag zwar hier kein Bier geben, dafür schenken die Wirte in den verfallenen Baracken des Basars Bangho Lassi aus, ein indisches Joghurtgetränk, das jedem Berliner geläufig ist. Nur wird hier noch ein wenig Marihuana beigemischt wird. Auch an Yoga-Kursen, Ayurveda-Massagen, Reiki und Shiatsu fehlt es hier nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Pushkar habe ich manchmal das Gefühl, dass wir uns dem Greisenalter nähern. Wir erinnern mich erschreckend an meine Oma und ihre Putzfrau, Frau Tessma, die auf ihre alten Tage in identischen Kitteln mindestens drei Mal die Woche mit unbeschreiblichem Eifer, ja ich möchte fast sagen mit einem gewissen Fanatismus ein enwandfrei sauberes und nur von einer einzigen Person bewohntes Haus steril reinigten. Meiner Oma war es sehr wichtig, sich dafür rühmen zu können, dass man bei ihr ohne Bedenken vom Fußboden essen konnte. Leider sind die Leute im Calenberger Land in der Regel steif und interessieren sich nicht für ein Abendbot im Schneidersitz. Ich könnte heulen, wenn ich daran denke, was für eine tolle Inderin an meiner Oma verloren gegangen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um also auf die Paralellen zwischen Oma und Frau Tessma einerseits und M. und mir andererseits zurückzukommen: Während die Zwanzigjährigen Israelis hier unbekümmert in jede Basar-Baracke einkehren und sich an Bhang-Lassis und anderen lokalen Köstlichkeiten laben, betrachten wir mit Argusaugen und kaum verhohlenem Ekel die heilige Kuh, die über die Zutaten sabbert oder den Kellner, der in unseren von Raju - wie das Eingangsschild verheißt - mit Liebe zubereiteten Daal hustet. Dabei denken wir insgeheim mit Abscheu darüber nach, wie verfallen und heruntergekommen die Baracken aussehen, in denen die wahren Indienreisenden meditieren und konsumieren. Dann führen wir längere Diskussionen über Magenleiden, Typhus, Hepatitis A und Meningokokken-Meningitis.  Demnächst fange wir an, uns gegenseitig aufzuzählen, wer von unseren Freunden noch alles am Leben ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber wir machen auch Fortschritte: Inzwischen springen wir schon ganz unbekümmert und behende über Kuhfladen- das ist schließlich auch nichts anderes als der Hundedreck in Paris. Man muss lediglich wegen der Größe zu einem noch etwas beherzteren Sprung ansetzen. Die Hamburger Kreischziegen werden sich noch mehr dafür interessieren, dass ich inzwischen auch an den heiligen Kühen nahezu unerschrocken vorbeiflaniere, die mangels Gras auf den Basaren gerne im Plastikabfall grasen. Diesen Mut kann nur würdigen, wer weiß, mit welcher Panik ich mich früher über saftig Wiesen mit friedlich grasenden Schweizer oder Schwarzwaldkühen gestürzt habe und welchen Schrecken mir die Enten an der Alster einjagten, wenn sie mit weit aufgerissenem Schnabel, wild zischend auf mich zustürmten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mal sehen, ob Yoga mir heute die Erfrischung schenkt, die die Nachtruhe mir nicht geben konnte. Schlafen kann  bei diesen dröhnenden Hare-Krishna-Gesängen wohl nur, wer im Hinduismus sein Seelenheil gefunden hat. Zum Glück hat mir der Schatz versprochen, dass er mich mit geeigneten Gegendrogen aus Pushkar herausholt, sollte ich in drei Wochen hier immer noch im Lotussitz sitzen und nur aufstehen, um in den Basarbaracken Bahng-Lassi zu trinken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-6804365203523995034?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/6804365203523995034/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=6804365203523995034' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6804365203523995034'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/6804365203523995034'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/10/indien-und-spiritualitt.html' title='Indien und Spiritualität'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8956961768333805973</id><published>2007-09-30T11:55:00.000+02:00</published><updated>2007-10-01T23:39:35.723+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='change car for subway; mobile phone debt; Berlin; New York; Paris'/><title type='text'>The U-Bahn and the spirit of a city</title><content type='html'>Nowhere can you sense the spirit of a city as acutely as in its subway. Its rythm and its crowdedness, its diversity, the general mood of its passengers and their pass-times will tell you almost everything you need to know about where you are.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin' s U-Bahn is peaceful and quiet compared with its more vibrant, diverse and sometimes brutal counterparts belonging to real metropoles, such as New York, Paris or London. It transports much more simply dressed people than its namesakes in Hamburg, München and Frankfurt. This is a testimony to the economic misfortunes that isolation and the wall have brought to the city. Its beggars, its inofficial vendors of street magazines and its usually untalented musicians-by-necessity trying to appeal to co-passengers sometimes create scenes that seem reminiscent of the city's chaotic 1920s past.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin passengers are more serene than in Paris where the standard state of mind sometimes seems to be anger about the length of their commute, the crowdedness, the crowd's smell and about the difficulty to find a decent jobs in other French cities with shorter commutes. But they are also more distant than in New York where perfect strangers are capable of telling you everything about their dreams and aspirations that have brought them to this city full of promises and of deceptions.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On the other hand, people have enough space to act in the Berlin U-Bahn, which they don't in some of the more cosmopolitan metropolitans. That can make for some interesting shows. Recently, I was sitting opposite a teenage girl who sported so many piercings that I couldn't help imagine the clinging sound she must make while walking. All the way from Alexanderplatz to Charlottenburg she kept reading to a friend on her mobile phone hard-to-believe pieces of news from a tabloid newspaper, like the one about the unknown Berliner who had cracked the jackpot but wouldn't report to the organisers to claim his prize.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Well, now I know why all the teenagers are drowning in debt as a result of sky-rocketing mobile phone bills. I hope the girl has a flatrate. For the phone that is, not for her drinks at night.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;If you want to understand the current state of the world around you or explore a city, I cannot recommend the car.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8956961768333805973?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8956961768333805973/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8956961768333805973' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8956961768333805973'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8956961768333805973'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/u-bahn-and-spirit-of-city.html' title='The U-Bahn and the spirit of a city'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-336202898290262977</id><published>2007-09-30T11:26:00.000+02:00</published><updated>2007-09-30T11:55:05.615+02:00</updated><title type='text'>Bollywood</title><content type='html'>Bei einem modernen Indienurlaub darf ein Kinobesuch auf keinen Fall fehlen. In Ms Reiseführer steht, wie viele Filme jährlich in Bombay produziert werden - das stellt alles in den Schatten, was sich in unserer müden westlichen Traumfabrik abspielt. Dementsprechend hatten wir die höchsten Erwartungen an unseren Besuch im Raj Mandir, dem größten Kinopalast Jaipurs. Wir wurden nicht enttäuscht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolg des Kinobesuchs rechtfertigte auch die halsbrecherische Rikshafahrt mit zwei Franzosen und ihren Rucksäcken, die uns galant in ihr Gefährt eingeladen hatten, damit wir rechtzeitig ins Kino kommen konnten. Nur mussten M. und ich unsmit dem Fahrer auf dessen Einmannsitz drücken und ich war auf die Macht von Stoßgebete angewiesen, als einziges Mittel, um meine aus dem Fahrzeug stakenden Knie zu behalten. Abstand ist nicht der Inder Stärke. Nicht umsonst bitten sie auf der Rückseite ihrer Fahrzeuge in schreienden Farben "please horn" und "keep distance".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon der Kinopalast ist aus außen- und innenarchitektonischer Sicht einen Besuch wert und kann es in gewissener Hinsicht mit seinen älteren und edleren Vettern, den Maharadja-Palästen, durchaus aufnehmen. In meinem Führer steht, er sei eine Mischung aus einem dieser Paläste und Walt Disney. Ich möchte anfügen, dass auch noch ein wenig Sahnetorte dabei ist. In jedem Fall ist er riesig und die Inder hübschen sich für einem Besuch weit mehr auf als die Wiener, die diesbezüglich allerdings auch nicht mehr sind, was sie früher mal waren, für einen Besuch im Burgtheaters. Die indischen Männer holen ihre besten Hemden hervor und die Frauen ihre schönsten und farbenprächtigsten Saris.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Schlangen drängeln die Inder gestählt vom Straßenverkehr, grundsätzlich derart rücksichtslos, dass M. und ich es in den Tempeln, Palästen und Museen nur dann bis zur Kasse schaffen, wenn wir unsere gute Kinderstube komplett vergessen. Deswegen waren wir im Raj Mandir ganz froh, dass es eine Extraschlange für Ladies gab. Die setzen in diesen Breitengraden ihre Ellenbogen doch etwas sparsamer ein als die Gents.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ladies-Toiletten wiederum -waren ein Schauspiel für sich. An den Türen prangt unter dem Konterfei einer edlen, verschleierten Schönheit in geschwungenen Lettern die verwirrende, aber nur teilweise irrenführende Aufschrift "cosmetics". Das ist insofern korrekt, als hinter dieser Tür auf Plastikhockern kichernde Omis in bunten Saris vor riesigen Spiegeln sitzen und sich nachschminken. Den weniger mondänen Teil dieser Einrichtung nutzen nur einige versprengte Europäerinnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein ernstzunehmender indischer Film ist ein barock verschlungener Epos von mindestens dreistündiger Länge und enthält zahlreiche Gruppentanz-und Gesangsszenen. In der Pause setzt man sich mit seinen Kumpels, seinem Liebsten oder seinem Opa in ein Separée auf das Plüschsofa und trinkt Limonade. Werkeinen Sitter dafür gefunden hat, bringt sein Baby einfach mit. Kinder ab dem sechsten Lebensjahr sind ohnehin fest in den Kinobesuch eingeplant, auch wenn Liebesszenen darin vorkommen, in denen der nackte Rücken desLiebhabers zu sehen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein bisschen gehandicapt waren Mellie und ich auf grund unserer mangelnden Hindi-Kenntnisse. Zum Glück hatte unser Sitznachbar Mitleid mit uns und erklärte vorab die Grundzüge der Handlung, die zum Glück nicht so komplex war, als das man ihr nicht auch ohne dies hätte folgen können. Die Geschichte war erstaunlich modern und handelte von zwei Exilindern in Sidney, die sich entgegen allen gesellschaftlichen Zwängen ihrer Heimat zu einer wilden Ehe entschliessen. Zum Drama kommt es erst, als sie schwanger wird und doch heiraten, er aber abtreiben möchte, weil sonst nicht mehr jeder Tag wie eine frische Liebe ist und er sich im übrigen vor Verantwortung scheut. Weil die Frau aber stark, hübsch, intelligent, lustig und patent ist, bekommt sie ihr Kind doch, dann eben ohne den unreifen Schwerenöter. Der wiederum knickt kurz vor der Geburt ein und kauft doch noch einen Diamantring,den er nach einigen Irrungen und Wirrungen kurz vor der finalen Presswehe auch noch los werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M., die zunächst ernsthafte Zweifel daran geäussert hatte, dass wir es bis zum Ende aushalten würden, vergoss am Ende sogar die eine oder andere Träne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansonsten haben wir in Jaipur imposante Maharadja-Palaeste gesehen,vereinzelt auch Kamele und Elefanten, die Herrscher selbst hielten sich aber zu unserem Verdruss vor uns versteckt. Der einzig verfügbare Prinz war Abbu, unser Rikshafahrer, der aber gleichzeitig unser Bruder ist, wie er uns sofort versicherte. Abbu kennt sich gut in heimischen Marmorgravuren aus und hat eine imposante Sammlung von Poesiealben mit Liebesschwüren und Lobpreisungen verfasst von früheren Kundinnen (auch alles seine Schwestern). Da er ein wenig aggressiv fährt und insbesondere Schwächeren im Strassenverkehr wenig Luft zum Atmen lässt, erlagen M. und ich seinen Reizen nicht gar so sehr wie unsere Vorgängerinnen. Das führte offenbar zu einigen Spannungen, die einen vorläufigen Höhepunkt erreichten als M. und ich anfingen, Variationen den von Abbu vorgegebenen Programmpunkten zu erfinden. Am Ende durften wir aber doch in das Poesiealbum schreiben, obwohl er fürchtete, dass es sich nur um Beschwerden handeln koenne. Er gab uns noch einige gut Tipps mit auf dem Weg dahingehend, dass alle Inder "F.." seien (sic!) und wir uns vor ihnen hüten sollen. Ausserdem sollen wir in Pushkar, wo wir als nächstes hinfahren, nicht mit betrunkenen Israelis schlafen, denn dort gibt es bereits 88 Faellevon HIV. Abbu holte uns extra eine aktuelle Tageszeitung auf Hindu, in der die Zahl 88 vorkam, um seinen Warnungen Nachdruck zu verleihen. Das zwingtMellie und mich natürlich zu einer radikalen Änderung unserer Pläne, aber bekanntlich sind wir flexibel.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-336202898290262977?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/336202898290262977/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=336202898290262977' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/336202898290262977'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/336202898290262977'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/bollywood.html' title='Bollywood'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8492072317681776885</id><published>2007-09-24T22:31:00.000+02:00</published><updated>2007-10-28T12:42:46.678+01:00</updated><title type='text'>L'amour und la sécu</title><content type='html'>Eigentlich habe ich mit Gesundheitssystemen gar nichts zu schaffen. Nicht einmal mit Ärzten. Die meiste Zeit bin ich kerngesund. Aber in letzter Zeit verfolgen sie mich, die Gesundheitssysteme. Auf finsteren Wegen, die niemand nachvollziegen kann, am allerwenigsten ich selbst, bin ich dazu gekommen, etwas über die jüngste deutsche Gesundheitsreform schreiben zu müssen. Und dann ist da dieser Film, den sie im Kino zeigen, der alle Nachteile nicht-amerikanischer Gesundheitssysteme schamlos verschweigt und nur deren glücklichste, wohlhabendste Nutznießer zeigt, die als drittgrößten Haushaltsausgabenposten nach dem Hypothekenkredit und dem Auto, "le poisson" und "les légumes" angeben. Das soll den Amerikanern vor Augen führen, dass Sozialismus und Kosum nicht unvereinbar sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um herauszufinden, ob der Film die Nachteile des amerikanischen Gesundheitssystem ebenso schamlos übertreibt wie die Vorteile aller anderen, fragte ich Laura. Sie ist Kunsthandwerkerin. Nein, bestätigte sie mir, das bringt nicht genug Geld ein, um in Amerika krankenversichert zu sein. Nach der Kunsthochschule in Massachussets, einem sozialistischen Bundesstaat nicht weit von Europa, der seine Studenten billig versichert, hat sie nie eine Versicherung gehabt. Wie sie das denn gemacht hätte? Na, sie sei eben nie zum Arzt gegangen. Und die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt, ohne die man die dritten Zähne nicht mehr erstattet bekommt, lag es mir auf der Zunge zu fragen. Zum Glück sprach ich es nicht aus. Aber Laura kann Gedanken lesen und fügte hinzu, sie hätte Glück gehabt und nie Karies. Wahrscheinlich gibt es in Amerika so ein umgekehrtes moralisches Risiko, bei dem sich die Leute alle besser die Zähne putzen, weil sie nicht versichert sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann erzählte sie mir die haarsträubende Geschichte von ihrem Unfall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleich nachdem sie in Paris angekommen war, wurde sie von einem Lastwagen angefahren. Hilfsbereite Franzosen kamen von allen Seiten herbeigeeilt, nahmen sich ihrer an, sammelten die Einkäufe ein und riefen den Notfallwagen. Nur dass Laura beim Anblick des Wagens eine Panikattacke bekam, sich mit Händen und Füßen wehrte, zappelte, so gut es ihre verletzten Beine zuließen und brüllte, dass sie da nicht hinein wolle. Nur mit den vereinten Kräften der französischen Passanten gelang es, sie ins Krankenhaus zu bringen. Denn Laura weiss, dass eine Fahrt ins Krankenhaus 1000 Dollar kostet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Krankenhaus erklärte Laura der Empfangsdame, die ihre Daten aufnahm, verschüchtert und kleinlaut in gebrochenem Französisch, sie habe keine Versicherung. Die Empfangsdame antwortete mit dem, was eine Freundin von mir wenig vornehm und auch etwas despektierlich als &lt;a href="http://hollywoodreporter.blogspot.com/2007/09/hacked-little-boy.html"&gt;Mundpups &lt;/a&gt;bezeichnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Elodi schließlich kam, um Laura beizustehen, war sie in Tränen aufgelöst. "Die haben mich in einen Krankenwagen gezwungen", heulte sie, " und ich habe doch keine Versicheruhuhuhuung."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es dauerte eine Weile, bis sie verstanden hatte dass sie den Ausflug im Krankenwagen nicht würde zahlen müssen. Aber nachdem sie es verstanden hatte, ist sie nie wieder zurück nach Amerika gegangen. Vielleicht haben auch andere Dinge eine Rolle gespielt. L'amour zum Beispiel, le vin und le poisson. Aber wer weiss, vielleicht hat auch la sécu seinen Anteil daran.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8492072317681776885?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8492072317681776885/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8492072317681776885' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8492072317681776885'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8492072317681776885'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/laura-und-la-scu.html' title='L&apos;amour und la sécu'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7393385514840139276</id><published>2007-09-17T11:42:00.001+02:00</published><updated>2009-09-01T23:13:22.334+02:00</updated><title type='text'>Die Kunst und ihr Publikum - Documenta 12</title><content type='html'>Ich bin etwa zwei Autostunden von Kassel entfernt aufgewachsen. Von der Documenta habe ich  das erste Mal in meinem Leben mit 19 in San Francisco gehört von einem Amerikaner, der mir von seinem Traum vorschwärmte, einmal im Leben nach Kassel zu fahren und sich das anzusehen. Von demselben Amerikaner habe ich übrigens auch zum ersten Mal von den Einstürzenden Neubauten gehört. Der Amerikaner, der auf moderne Kunst und Einstürzende Neubauten stand, war einer der ersten, die ich kennenlernte. Auch wenn die Bekanntschaft viele Schamgefühle mit sich brachte, so hat sie mich in den lichten Momenten meines Lebens doch immer davor bewahrt, in den beliebten europäischen Chor über die Unwissenheit und Ichbezogenheit unserer Brüder und Schwestern jenseits des Atlantiks einzustimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schamgefühle kommen daher, dass ich mir alle fünf Jahre eingestehen muss, es wieder nicht nach Kassel geschafft habe. Dieses Jahr ist es mir endlich gelungen, diesen Bann eine Woche vor Toresschluss zu durchbrechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil meine Eltern immer noch zwei Autostunden von Kassel entfernt wohnen, schlugen wir ihnen vor, sich uns anzuschließen. Aber ich bin natürlich nicht ohne Grund in der Nähe von Kassel aufgewachsen, ohne jemals von der Documenta zu hören.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also Tante Ursula hätte mehrere Bekannte, die dort waren, druckste mein Vater nach einer Woche Überlegen am Telefon, und die seien alle der Meinung, dass sich das nicht lohne. Ob er sich denn nicht lieber selbst eine Meinung bilden wolle, fragte ich ihn ermunternd. Na ja, aber Onkel Boskop hätte bei der Beerdigung von Oma Frieda gesagt, er habe sich das vor dreißig Jahren einmal angeguckt, und er habe immer noch die Nase voll davon. Onkel Boskop ist Bauunternehmer und hatte sich vor allem über ein zehn Meter tiefes Loch in Kassels Innenstadt geärgert, das ein Kunstwerk darstellen sollte. Er ist der Meinung, das war Geldverschwendung und zehn Zentimeter hätten es auch getan. Michael Glützer, der Lehrer habe gesagt, gab mein Vater zu Bedenken, er würde dort auf gar keinen Fall hinfahren, da hänge überall nur moderne Kunst herum. Das seien sehr viele Gegenstimmen, führte er mir vor Augen, und nicht ein Befürworter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende erwies sich der Wunsch, das einzige Kind zu sehen, jedoch als stärker, als die Macht der Gegenstimmen aus dem Calenberger Land. Meine Eltern stießen zu uns, wenn auch mit viel Skepsis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Angst vor moderner Kunst erwies sich zunächst insofern als unbegründet, als die Veranstalter in Schloß Wilhelmshöhe nur ganz vereinzelt moderne Kunstwerke in eine riesige Sammlung erlesener holländischer und deutscher Altmeister eingestreut hatten, vielleicht damit sich solche Besucher wie meine Eltern erst einmal ganz langsam eingrooven können. Allerdings waren die modernen Kunstwerke derart vereinzelt, dass ich große Mühe hatte, sie zu finden. Außerdem verlor man ärgerlich viel Zeit mit den Altmeistern, denn auch wenn man nicht ihretwegen gekommen war und statt dessen ein straffes Programm moderner Kunst vor sich hatte, das keine Trödeleien zuließ, traut man sich doch nicht so recht, an Rubens oder Cranach einfach so vorbeizugehen. Ich fühlte mich ein wenig veralbert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schatz meinte, das sei alles ein mieser Marketingtrick, damit Kassel seine Altmeister, die sich sonst nie jemand ansieht, endlich einmal unter die Leute bringen kann. Wenn an einigen Stellen die Komposition von alten und neuen Meistern auch sehr gelungen war, so gebe ich ihm doch insgeheim recht. Andererseits bleibt den Städten vielleicht in unseren reizüberfluteten Zeiten gar nichts anderes mehr übrig, als sich den Waffen der Festivalisierung unserer Gesellschaft zu bedienen, wie es in den Seminararbeiten einer Freundin immer so treffend hieß. Ich erinnere nur an die Melancholie-Ausstellung in Berlin, deren zentrales Kunstwerk ein Dürer war. Der ist dauerhaft und für jedermann zugänglich im Kupferstichkabinett zu sehen, ohne dass sich jemals irgendjemand dafür interessiert hätte. Bei der Ausstellung jedoch fühlten sich die Leute an das MoMa erinnert, standen mehrere Stunden lang an, rempelten, checkten sich weg, hoben sich gegenseitig hoch und brachten sich fast um, um den Dürer zu sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach der fast schon leichten Kost auf der Wilhelmshöhe, ging es in Kassels Innenstadt in die Vollen. Vor dem Fridericianum war eine meterlange Schlange. Der Schatz schlenderte ein wenig umher, um sich die Zeit zu vertreiben, und kam mit einem triumphierenden Lachen wieder zurück. Das hier sei auch schon Kunst, sagte er sichtlich mit sich selbst zufrieden. "Das hier, was hier?", fragte ich verwirrt. "Na, was siehst Du denn vor Dir?", fragte er, immer noch mit einem überlegenen Lachen. "Das Museum?", versuchte ich vorsichtig. "Nein". "Der Pavillon?", fragte ich weiter, auf den Rundbau deutend, den ich für einen Zeitungsstand gehalten hatte. Der Schatz drehte sich um. Ja, das sei wohl auch Kunst, aber er meinte etwas anderes. "Das Gestrüpp", tippte ich hoffnungslos. Richtig, das war es! Um uns herum erstreckte sich auf dem gesamten Platz eine Installation von 90% Klatschmohn mit 10% Schlafmohn. Zweimal am Tag erklingen dazu revulotionäre Gesänge afghanischer Frauen, wie ich hinterher dem Begleitbuch entnahm. Wir lernten auch sehr schnell, warum von dem Mohn im wesentlichen nur noch Gestrüpp übrig war. Die Frauen vor uns in der Schlange trugen beide eine rote Mohnblüte in den Haaren. Als wir endlich im Museum ankamen, fingen sich die beiden eine dicke Rüge von der Kartenkontrolleurin ein, wegen ihres mangelnden Respekts vor moderner Kunst und der Natur zugleich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Eingangssaal wartete bereits die nächste Tücke. Auf einem Steinvorsprung saß ein erschöpftes Mädchen. Weil hinter ihr eine Kupfertafel ein Kunstwerk zu beschreiben schien, fragte ich den Schatz, ob vielleicht die Frau zu der Installation gehöre. Beim Verlassen des Saals erhaschte ich noch einen kurzen Blick darauf, wie sie wie von der Tarantel gestochen hochsprang, ihre Hose abklopfte und den Steinvorsprung hinter sich daraufhin inspizierte, ob sie sich etwa auf einem Kunstwerk ausgeruht hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drinnen erwartete uns ein wahres Fest: Fotos von Szenen des Islam in Europa und Israel, die weiß übermalt waren, so dass man sie nur noch erahnen kann, eine Video über eine japanische Bondage-Künstlerin, deren Kunst darin besteht, sich selbst in komplizierten Formationen aufzuhängen, Frauen, die um Kordeln und Stoffe herumtanzen, ein Gewand aus wild blinkenden Glühbirnen von einem Japaner aus den fünfziger Jahren, ein Video des Fußballweltmeisterschaftsendspiels mit Computersimulationen und eine Installation aus einer roten Kordel mit dem klangvollen Namen "Und erzähl ihm von meinem Schmerz".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stellte fest, dass den Kindern das ganze Ramba-Zamba aus Bildern, Filmen und Klängen mit Keramikplastiken, die wie Eierschalen aussehen und schwarzen Gitarren mit Verstärkern, die von selbst anfangen zu spielen, viel besser gefällt als eine Gemäldeausstellung. Ich nahm mir vor mir das zu merken, falls ich einmal selbst in die glückliche Situation kommen sollte, Kinder zum Museumsbesuch zwingen zu dürfen. Wie oft ich meine Eltern noch in solche Ausstellungen zwingen kann, weiß ich nicht. Sie verabschiedeten sich erschöpft nach dem zweiten Museum und sagten, es sei sehr interessant, einmal gesehen zu haben, was man bei einer modernen Kunstausstellung so zu sehen bekommt. Am meisten habe sie die pornographische Kunst beeindruckt, zum Beispiel das Video von einem Känguruh, das einen Mann am nackten Gesäß leckt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schatz und ich arbeiteten noch zwei weitere Pavillone ab und ich bedauerte sehr, dass ich morgens auf Schick anstatt auf Bequemlichkeit gesetzt hatte. Auch wenn ich mich natürlich immer noch über die Frau in der Schlange beim Bäcker freute, die mich beinahe auf Knien angefleht hatte, ihr den Namen des Schuhgeschäfts anzuvertrauen, in dem ich meine Stiefel gekauft hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abends im Zug waren wir kaum noch in der Lage zu reden. Trotzdem konnte ich aus meiner Haut nicht heraus und verhielt mich wie meine Mutter früher nach einem Einkaufsbummel. Wenn sie alles beisammen hatte, ging sie immer noch zu den Geschäften, die sie ausgelassen hatte, um zu sehen, ob sie sich ärgern mußte. Ich las das Begleitbuch der Documenta, stellte fest, dass ich die Hälfte der Kunstwerke gar nicht wahrgenommen hatte, fragte mich, was ich den ganzen Tag in Kassel gemacht hatte und ärgerte mich, bis mir der Schatz das Buch aus der Hand nahm, sich über mein unglückliches Naturell beschwerte, und mir empfahl stattdessen lieber zu schlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das tat ich dann auch, an seiner Schulter. Was für ein Tag!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7393385514840139276?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7393385514840139276/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7393385514840139276' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7393385514840139276'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7393385514840139276'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/die-kunst-und-ihr-publikum-dokumenta-12.html' title='Die Kunst und ihr Publikum - Documenta 12'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-5463330549382524357</id><published>2007-09-13T00:06:00.000+02:00</published><updated>2007-09-13T00:16:54.791+02:00</updated><title type='text'>Im Land der Maharadjas</title><content type='html'>Entgegen all unseren Erwartungen und allen widrigen Umständen zum Trotz ist es uns gelungen, im Land der Maharadjas anzukommen - in Jaipur in Radjasthan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere Bleibe gleicht einer Mischung aus einem Palast aus Tausendundeiner Nacht und einem englischen Herrenclub. Ein Innenhof reiht sich an den anderen, die Fenster, Balkone und Säulengänge sind voller arabischer Verzierungen und davor erstreckt sich ein saftiger grüner englischer Rasen, auf dem zuvorkommende, weiß gekleidete Kellner mit Turban indischen Männern und europäischen Frauen Tee servieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So viel Ruhe hätte ich mir auf dieser Reise kaum zu erhoffen gewagt. Nicht zu glauben, dass nur wenige Meter von unserem Hotel entfernt ein ähnlicher Moloch pulsiert wie in Agra und Delhi! Nur dass sich hier zusätzlich noch Kamele in das Verkehrschaos einreihen. Immerhin besteht jetzt Hoffnung, dass M. endlich dasKamelfoto glückt, für das sie in Ägypten immer zu spät abgedrückt hat. Nach unseren missglückten Versuchen, Kings of the Road und größere Gruppen von uniformierten Schulkindern auf Fahrradrikshas aufzunehmen, sollten wir aber auch hier die Hoffnungen nicht zu hoch hängen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unseren kleinen Maharadja-Palast haben wir uns hart erkämpft und redlich verdient. Und nein - wir sind nicht unter die Luxustouristen gegangen. Paläste sind hier derartig im Überfluss, dass es auch Rucksacktouristenversionen davon gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich wollten wir gestern um 6:15 auf den Zug von Varanasi nach Jaipur aufspringen. Als wir nach zähen Verhandlungen mit dem Rikshafahrer und einer wie immer abenteuerlichen Fahrt über die Marktstraße von Agra, wo morgens um fünf selbstverständlich schon die Hölle los ist, am Bahnhof an der Roten Festung ankamen, wähnte ich mich in einer indischen Version des Londoner East End zu Charles Dickens Zeiten. Neben der üblichen Phalanx von Frühschicht-Schleppern, die uns allerlei Waren und Dienstleistungen feil boten, tummelten sich auf dem Bahnhof bettelnde Kinder, auf Karton gebettete Obdachlose, über die man dezent hinübersteigen musste, um sich seinen Weg zu bahnen, und ganze Familien, die auf dem Boden hockend frühstückten und geduldig auf den Zug warteten.  Den durften wir etwa um 7:30 Uhrerwarten, wie mir der Bahnangestellte am Informationsschalter gut gelaunt eröffnete. Daran sollte wir uns mal lieber gewöhnen, meinte eine Amerikanerin, die trunken von überlegener Indienerfahrung offenbar etwas hochnäsig geworden war. Sie prahlte mit ihrer siebenstündigen Wartezeit in Delhi. Wir entschieden uns, zart besaitet wie wir sind, für eine weitere Mütze Schlaf in unserem Hotel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drei abenteuerliche Rikshafahrten später sah die Amerikanerin ein wenig blass um die Nase aus, aber es bestand immer noch keine Aussicht darauf, dass der Zug aus Varanasi in weniger als anderthalb Stunden ankommen würde. Also entschlossen wir uns zu der Fahrt im Luxusbus, den uns die Bürger von Agra und Ms Reiseführer ohnehin von vornherein ans Herz gelegt hatten,. Zur Not hätte ich einfach den Bushalter an jedem zweiten Baum angehalten, um die Blasenentzündung mit der Busfahrt zu vereinbaren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser freundlicher Rezeptionist schimpfte mit uns, weil wir das Geld fürden Zug einfach so zum Busfenster herausschmissen. Ich kann ihn verstehen. Er stammt aus einer Bauernfamilie und für ihn sind 270 Rupien, umgerechnetetwa 5 Euro, eine Menge Geld. Trotzdem schloss er uns in sein Herz und wir führten eine längere Diskusssion darüber, dass Muslime, Hindus und Christen allesamt Menschen sind und es gar keinen Zweck hat, sich voneinander abzugrenzen oder sich gar die Köpfe einzuschlagen. Dann beglückwünschte er uns, dass wir gemeinsam durch Indien reisen und Herz und Geist für fremde Länder öffnen können - eine indische Frau in unserem Alter müsste sich statt dessen schon mit vier bis fünf Kindern herumschlagen. Seine Vorstellung, dass ein gehörnter indischer Mann seine Frau erschießt, während in unserem Land der beherzte Seitensprung zum allgemein akzeptierten hedonistischen Alltag gehört, ist zwar nicht ganz akkurat, aber wir ließen ihn in seinem Glauben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In jedem Fall hatte der Mann ein großes Herz und organisierte mir zum Abschied eine von den großen Toilettenrollen, die sonst nur der Hotelbesitzer und Langzeitgäste bekommen, eingeschlagen in kostbares rosa Papier. Wir wollen nachher ein Foto davon machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Luxus des Busses bestand darin, dass er nur eine halbe Stunde Verspätung hatte und man keine aufblasbaren Sitze aus Europa mitgebracht haben musste, um nicht im Stehen fahren zu müssen. Die Klimaanlagetechnik bestand in offenen Fenstern, aber immerhin kamen wir heil in Jaipur an, auch wenn unser Busfahrer gelegentlich am ganz rechten Straßenrand eine dritte Spur aufmachte, um auch bei Gegenverkehr ungestört überholen zu können. Auf dem Weg sahen wir Lastkamele, Pferdekutschen, einen Haufen Affen und überall Menschen auf Fahrrädern, Mopeds, Kutschen Rikshas und unter Bäumen ruhend (die Männer) oder auf den Feldern arbeitend (die Frauen). Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es nur etwas über eine Milliarde Inder geben soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt warten wir auf märchenhafte Abenteuer, in denen Prinzen , Elefanten und Kamele eine wichtige Rolle spielen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der Schlägerei zwischen Auto- und Fahrradrikshafahrern in die wir neulich Nacht geraten sind, erzähle ich ein andermal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-5463330549382524357?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/5463330549382524357/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=5463330549382524357' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5463330549382524357'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/5463330549382524357'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/im-land-der-maharadjas.html' title='Im Land der Maharadjas'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-7303651602220405464</id><published>2007-09-10T09:55:00.000+02:00</published><updated>2007-09-12T00:08:19.888+02:00</updated><title type='text'>Citoyens 1, serveurs 0</title><content type='html'>Finalement un jour d’été à Paris! Déterminés à en profiter, nous trouvons une place au soleil à la terasse d’un café au centre. Je commande un menthe perrier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Comment ? », aboie le serveur brun et petit en regardant de l’autre côté.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;« Un menthe perrier, s’il vous plaît », je répète gentiment, j’ai l’habitude.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;« Perrier menthe », il me corrige d’un air hautain en regardant avec encore plus de concentration ce qui se passe dans la rue à gauche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;« Ok, si vous préférez, un perrier menthe », j’accepte pacifiquement en tentant un sourire, même s’il ne peut pas le voir puisqu’il y a des choses à côté dans la rue qui absorbent toute son attention. Peu importe, je ne vais pas me battre pour l’ordre des paroles dans une langue qui n’est pas la mienne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;« C’est pas pareil «, il rétorque avec sévérité.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peut-être qu’il a raison. Peut-être c’est pour des raisons grastronomiques. Par exemple, c’est possible que la menthe et le perrier ça se mélange moins bien quand on met d’abord la menthe au lieu du perrier. J’ai jamais essayé.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ça n’empeche que je reste sous l’impression que non seulement je n’arrive pas à prononcer les diphtongues, mais qu' en plus il y a un sens plus profond dans cette langue qui m’échappe complètement.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;L’ interpretation, complémentaire ou substitutive - je ne suis pas sûre - c’est que le serveur c’est un malpoli avec des manières canailles et que cet échange faisait partie de cette guerre quotidienne que les citoyens parisiens et leurs visiteurs mènent avec une bonne partie de leurs serveurs, leurs vendeurs et d’autres gens qui travaillent dans les services : Eux, ils essaient de nous faire pleurer et nous, on essaie de ne pas nous rendre. Dans ce cas-là, j’ai bien fait de répondre avec un sourire rayonnant, même s’il n’a pas pu l’apprécier par force de regarder de l’autre côté.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oui, c’est une bonne intrépation ça. Elle me plaît. Qui s’intéresse au diphtongues et à l’ordre des paroles gastronomiques en français? Je me sens forte maintenant. Et ce n'est pas tout à fait sans fierté que je déclare:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Citoyens parisiens et visiteurs 1, serveurs, vendeurs et d’autres services 0.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-7303651602220405464?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/7303651602220405464/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=7303651602220405464' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7303651602220405464'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/7303651602220405464'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/citoyens-1-serveurs-0.html' title='Citoyens 1, serveurs 0'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2459821944739845585</id><published>2007-09-08T00:58:00.000+02:00</published><updated>2007-09-08T01:33:00.292+02:00</updated><title type='text'>La ville et la déprivation</title><content type='html'>Chac matin quand j'arrive en métro, il y a une mendiante à la sortie qui salue les passants avec gentillesse et même avec gaieté. Elle est touchante. Dans sa situation elle est capable de creer une atmosphère de joie pour des gens qui arrivent de leur maison avec leur famille dedans pour aller à leur travail, chacun d'une très mauvaise humeur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;L'autre jour je voulais lui racheter un journal de sans-abris. Je croyais que c'était ça qu'elle faisait, vendre des journeaux de sans-abris. En réalité, elle mendie, c'est tout. En revanche, elle a pris l'occasion pour me demander un bisou en expliquant que c' était son anniversaire.  Après tout, pourquoi pas? Pourquoi pas demander ce dont on a besoin quand on est déjà réduit à demander des choses aux inconnus?  Je n'ai pas vraiment hésité.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2459821944739845585?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2459821944739845585/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2459821944739845585' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2459821944739845585'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2459821944739845585'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/la-ville-et-la-dprivation.html' title='La ville et la déprivation'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-8143481097601263344</id><published>2007-09-05T23:46:00.000+02:00</published><updated>2007-10-01T23:45:08.991+02:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Webiquette'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Klinsmann'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='deutsche und Anglo-Blogger'/><title type='text'>Sage mir, wie du bloggst...</title><content type='html'>Eigentlich bediene ich mich dieser neumodischen Technologie nur, weil&lt;br /&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;ich aus meinem Fehler lernen wollte, meine alten Geschichten in diesen schnellebigen Zeiten in den Klauen eines einzigen Rechner gelassen zu haben, dessen Betriebssystem inzwischen so veraltet ist, dass niemand mehr weiss, wie man ihm dieses wertvolle Werk entreissen kann und&lt;/li&gt;&lt;li&gt;ich es meinen Freunden nicht mehr zumuten wollte, dass ich mit meinen Geschichten dauerhaft Reizüberflutung in ihren Posteingängen betrieben habe.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;Also, dachte ich mir, bewahre ich die Geschichten am besten im Internet auf. Zum einen gehen sie dort nicht verloren. Zum anderen müssen sich nur die damit beschäftigen, die wirklich danach gesucht haben. Ich würde sagen, einer ganz seltenen Fälle, in denen man mal eine perfekte Welt vorfindet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber wenn ich nun schonmal wie die Jungfrau zum Kinde zu einem Blog gekommen bin, will natürlich alles richtig machen. Also habe ich mich erstmal erkundigt, wie man das überhaupt macht. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erstmal musste ich mit Entsetzen festgestellen, dass ich nicht einfach so mit meinem eigenen Namen auftreten kann. Ich brauche ein Pseudonym! &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die richtige Vorgehensweise dafür im Web 2.0 wäre wahrscheinlich, einen Ideenwettbewerb auf meinem Blog auszuschreiben. Aber dafür bräuchte ich natürlich ein paar geneigte Leser, die mir Kommentare schreiben. Das ist also keine echte Option.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also habe ich eine längst vergessene Methode der Ideenfindung aus einer uralten, analogen Welt gewählt und den Schatz angerufen. Er schlägt "Lingoluder" vor, weil ich in meinem Blog mit drei Weltsprachen antrete, erstens um es jedem recht zu machen und zweitens um mir gleich von vorneherein ein globales Publikum zu sichern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gefällt mir gar nicht so schlecht.Frech, zweideutig und selbstironisch. Aber wahrscheinlich ein bisschen zu abgehoben, als dass diese Qualitäten meiner globale Leserschaft auch tatsächlich auffallen würden. Bei meinen Bloggerrecherchen habe ich außerdem festgestellt, dass eine ganze Reihe von Kolleginnen Erlebnisberichte aus der Halbwelt bloggt. Nachher werde ich mit so einem Namen noch verwechselt und auf den Blogsuchseiten unter der Rubrik "Adult" eingeordnet. Am Ende bekommen ich dann nur noch notgeile Kommentare von irgendwelchen armen Teufeln, denen die Pornorufnummern zu teuer sind, und ich muss meinen Blog verlassen und im Internet abtauchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.heikebrunner.com/"&gt;Miss Südafrikablog&lt;/a&gt; hat mir einen Haufen Tipps gegeben, wie ich mich im Web bekannt machen und die Ergebnisse meines Wirkens überprüfen kann (man muss sich übrigens auch gegenseitig verlinken, die Lektion habe ich gleich angewendet). Aber der Besucherzähler war mir nun wirklich zu viel Druck für den Anfang. Besser sind dann schon die Blogsuchseiten oder Selbsthilfegruppen, auf denen man sich selbst einer Rubrik zuordnen kann. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am allerbesten finde ich aber die Seiten, die man anpingen kann, um dem Rest des Internets zu sagen, dass man wieder kreativ war. Aber solche Seiten sind von Anglos beherrscht, und die leben nun einmal in ihrer eigenen, bestens durchorganisierten Welt und brauchen niemand anderen. Guckt sie euch nur in an in Paris, Amsterdam und in Berlin mit ihrem eigenen Wohnungsmarkt, eigenem Speed-Dating für einsame Herzen, die sich der Landessprache verweigern, eigenen Bars und eigenen Veranstaltungzeitschriften, in der man vom englischsprachigen Klempner bis zum Busenfreund alles finden kann, was man braucht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe mal geguckt, ob es so etwas auch für deutsche Blogger gibt. Aber wenn man "deutsche Blogger" googelt, bestehen die ersten 10 hits aus einer selbstzerfleischenden Diskussion darüber, warum die deutsche Bloggerszene so häßlich und klein ist verglichen mit der überlegener Völker jenseits des Rheins und des Atlantiks. Na los, Leute, die Dänen und die Finnen haben doch sicher auch eine bessere Blogosphäre als wir. Bestimmt gibt bald irgendein deutsches Forschungsinstitut einen neuen Indikator heraus, aus dem sich ergibt, dass wir mit unserer Internetkompetenz das Schlusslicht der industrialisierten Welt bilden und auch die Inder und Chinesen uns längst überholt haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich verabscheue ja eigentlich Deutsche, die "typisch deutsch" sagen und das als wüste Beschimpfung verstanden wissen wollen. Aber es rutscht einem fast aus der Tastatur.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das erinnert mich auch ein bisschen an den Sieg gegen die USA, nach dem zugegebenermaßen etwas hoch verlorenen Freundschaftsspiel gegen Italien im vergangenen Jahr. Ich habe nur die letzten fünf Minuten gesehen, aber da hat es der Kommentator doch tatsächlich fertig gebracht, darüber zu sinnieren, ob 4:1 nicht zu hoch ist, als das man das Ergebnis ernst nehmen und sich wirklich darüber freuen könnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei aller Reiselust liebe ich die Heimat und habe nie Kosten und Mühen gescheut, um mir dort immer wieder ein schönes Plätzchen zu sichern. Aber wenn ich mir die Szene noch einmal so vor Augen führe, kann ich den Klinsmann fast ein bisschen verstehen, dass er sich lieber an die kalifornische Sonnenküste abgeseilt hat.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-8143481097601263344?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/8143481097601263344/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=8143481097601263344' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8143481097601263344'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/8143481097601263344'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/sage-mir-wie-du-bloggst.html' title='Sage mir, wie du bloggst...'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-64500234458625928</id><published>2007-09-03T22:43:00.000+02:00</published><updated>2007-09-15T14:47:56.958+02:00</updated><title type='text'>Meeresfrüchteselbstversuch</title><content type='html'>Wir haben uns am Nordbahnhof unmöglich gemacht. Für fünf Jahre. Mindestens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben Entschuldigungen, jede Menge. Na klar. Aber das gilt bei den Franzosen nicht. Die sind für ihren Humor überall bekannt. Nur wenn's ums Essen geht, da hört der Spaß auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wochenende war weitgehend ins Wasser gefallen wegen eines hochkomplizierten Nahverkehrsvertrags und kryptischer Vorarbeit eines angeblich genialen Kollegen. Mit den Details wollen wir niemanden langweilen. Jedenfalls ist uns so viel durch die Lappen gegangen, dass wir in Panik meinten, kurz vor der Abfahrt des Nachtzugs nach Berlin noch einmal voll durchstarten und alles nachholen zu müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ausgerechnet im Terminus du Nord bei Meeresfrüchten mit einem Zeitbudget von 55 Minuten, obwohl ich doch aus Erfahrung weiß, dass selbst versierte Meeresfrüchtesser dort ins Schleudern kommen, wenn sie den ganzen Abend Zeit haben? Ich kann mich noch gut an den hilflosen Blick erinnern, den ich mich dem Franzosen neben mir zuzuwerfen genötigt sah, als ich keine Ahnung hatte, wie ich an das Fleisch der winzig kleinen Schnecken gelangen sollte, die man mir serviert hatte. Er überblickte die Lage sofort, nahm ohne weitere Umschweife wie selbstverständlich eine Schnecke der gleichen Größe von seinem Teller und machte mir mit der dafür vorhergesehenen Nadel vor, die meiner Aufmerksamkeit natürlich ansonsten völlig entgangen wäre, wie ich eine Blamage vermeiden konnte. Das sind eben Profis in diesen vornehmen Meeresfrüchterestaurants. Nicht so wie der Durchschnittsfranzose, der gellende Entsetzensschreie ausstößt, wenn ein Tölpel aus Nordeuropa das Baguette aufschneidet und den Käse hineinschmiert, anstatt ihn locker obenauf zu legen. Oder anstatt ihn in der linken Hand zu halten und das Brot in der rechten, um abwechselnd abzubeißen. Ich habe schon wieder vergessen, wie es richtig war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immerhin konnte ich den Liebling noch rechtzeitig vor dem Kardinalfehler warnen, die Austern in das Fingerbad zu tunken. Den hat seinerzeit eine liebe Freundin begangen. Ich mache ihr keine Vorwürfe. Das Fingerbad sieht der Essig-Zwiebel-Soße, die wirklich für die Austern ist, verteufelt ähnlich und wird auch noch in der gleichen Schale serviert. Da kann man schonmal durcheinander kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber da helfen numal die besten Vorkenntnisse nichts, wenn man innerhalb einer halben Stunde versucht, die Terminus-du-Nord-Platte zu essen, und man bislang Nußknacker immer nur zum Nüsse knacken benutzt hat. Der Hummer war sehr gut und saftig. Deswegen landete auch die Hälfte des Safts auf Lieblings Hemd. Wie die Remouladensoße dorthin kam? Ich weiß es nicht. Meiner Meinung nach dürfte die mit Meeresfrüchten gar nichts zu tun haben. Von der Tischdecke wollen wir mal gar nicht reden, zumal ich mit dem grätigen Fisch in einer Bouillabaisse Marseillaise zu kämpfen hatte, deren Basis bekanntlich einen starken Rotstich hat.&lt;br /&gt;Natürlich hatten wir es uns nicht nehmen lassen, eine Flasche Wein zu bestellen. Nur konnten wir wegen der knappen Zeit leider nicht darauf warten, daß die Sommelière auf unsere leeren Gläser aufmerksam wurde. Deswegen griffen wir in regelmäßigen Abständen tatkräftig selbst zum Kühlkübel, um uns nachzuschenken. Fleckig waren die Hosen schließlich schon, warum sollten sie nicht auch naß sein? Zwischendurch kam in regelmäßigen Abständen der Kellner vorbei und versuchte Liebling die Hummerbeine zu entreißen, indem er so tat, als würde er sie für Reste halten, mit panischem Blick auf den Amerikaner hinter uns, an dessen Stirn er in seinem geistigen Auge wahrscheinlich schon den Hummerunterschenkel landen sah. Ich kann es ihm nicht verdenken. Ich hatte ähnliche Visionen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir zehn Minuten vor Abfahrt in der gebotenen Eile die Rechnung beglichen und ich bei einem letzten Blick auf unseren verwüsteten Tisch mit dumpfer Stimme nur noch eine verzweifelte religiöse Formel über die Lippen brachte, zwinkerte mir der Kellner vertraulich zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Liebling rief später zerknirscht aus dem Nachtzug an, um mir zu gestehen, dass er lange an sich gehalten hatte, schließlich aber doch zu den sechs Nürnberger Rostbratwürstchen aus der Mikrowelle greifen mußte. Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen, und da waren Schalentiere einfach nicht ausreichend, zumal die Mehrzahl der ganz kleinen der Eile halber in der Schale bleiben mußte und ein weiteres Viertel auf dem Hemd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hhmm, na ja, das war eben nur mal so, um in Windeseile kurz vor Abreise schnell das verlorene Wochenende herauszuholen. Wir üben das noch einmal ganz gesittet und in aller Ruhe ein zweites Mal. Irgendwo da unten in Montparnasse, wo uns niemand kennt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-64500234458625928?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/64500234458625928/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=64500234458625928' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/64500234458625928'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/64500234458625928'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/rechtsrheinanrainer-im.html' title='Meeresfrüchteselbstversuch'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-1331805433934273118</id><published>2007-09-02T17:50:00.000+02:00</published><updated>2007-09-05T01:02:08.802+02:00</updated><title type='text'>Kafka, le purgatoire et l'enfer de la bureaucratie franco-allemande II</title><content type='html'>The beginning was very pleasant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I guess that is how they try to lure into their purgatory.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I called France Télécom and the man on the helpline asked me if I whether I was Madame B. who had left for S. When I confirmed, he was overwhelmed with enthusiasm: "Mme B., it's you! We have found you, after all those years!" I felt flattered. Be honest, would you ever expect such an ebullient reception at a formerly state-run company? At an Italian restaurant, privately owned and run by the kings of gastronomy, maybe. But at France Télécom?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He then told me about the Film he had produced about Moabit. He asked what I thought about the name ("Moabit" - I should think it would be a good description of his subject) and begged me to find an agent for him. It took me some time to convince him that I had called him so he could help me and not the other way around and that I was a dull number cruncher with no connections to the arts scene. Eventually he sold me a telephone line subscription and life was easy, life was good!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Then came Frau F. from the Administration.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Now, it is true that they pay you all sorts of generous allowances, when they send you abroad. Provided that you fill out application forms which resemble the collected volumes of "War and Peace" in size, that is. And of course you have to give them time to write long surveys, so they can establish the exact size of your allowances. The problem with work spells abroad, though, is that costs tend to peak at the beginning. So I asked Frau F. if she could not pay an advance like most organisations and private enterprises would do. No, she didn't have corresponding instructions. Instructions on advances existed only for employees moving to The Administration to start their job or moving between administrations within the country. Which doesn't mean you can apply the instructions analogously to analogous cases. Put differently, she crossed her arms in front of her, turned her head away in disgust and said listlessly: Whe don't know that, we don't have that, we don't want that.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;One of the government's most important, self-declared goals is Bürokratieabbau, the reduction of bureaucratic hurdles. Somehow I felt they hadn't taken me on board.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I took a deep breath and submitted the collected volumes of forms.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As she did not transfer the money when it was due, I called to complain. She didn't answer the phone. I wrote an email to ask what happened and when I could expect my salary. In september, was the short answer. IN SEPTEMBER! I panicked and wrote that I was going to come back on the spot and ask for damages. She said, she was sorry she couldn't help me. As the payment hadn't been entered into the payments system earlier, nothing could be done. I calculated the full amount of what they owed me for her and asked her whether she expected me to go to the bank and borrow money to pay for the interest-free loan she expected me to give to the German goverment. I pointed out to her that a German bank, especially if state-owned, would very likely give me money to invest in securities backed by mortgages of Americans with neither income nor assets, but they wouldn't give me money to for an interest-free loan to the government. That was too crazy an investment. I explained that I was not a Russian coal miner in the 1990s and that I expected my salary on time and in full size. I copied all emails to her boss and asked her to explain how it was possible that she paid my salary with a delay of two months if she had received the collected volumes of forms weeks earlier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;She finally gave in and granted an advance on allowance A, "against her instruction". She even apologized "because for reasons that could not be reconstructed the payment had been entered into the payment system late". Note that there is no active in the language of German bureaucrats. Nobody ever does anything, things happen. Usually for reasons that cannot be reconstructed. Following the infuriated heartthrob's instructions I made a weak attempt to protest and ask for allowance B on time. Not to much avail.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Then came Gaz de France.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The landlady had called me in panic from France, because I had to ask for the gas to be switched on in person and it took 5 working days, before they would give you an appointment. She didn't want me to have cold showers. That was sweet. She gave me a number that was supposed to work from abroad. It didn't. I said to myself that she who could swim in the Baltic Sea could take cold showers for a week in Paris in July and called after I had arrived. They gave me an appointment for a week later. Each morning under the shower I felt brave, but full of hope. The day before the appointment I called to check whether the appointment was still on. I don't know why. This is a tool that Americans use before a date or when they are supposed to meet their best friend. I think it is because they want to show that they have very busy jobs and many other friends. I don't have a very busy job and when I am supposed to meet my friends, I am so much looking forward to it, I would never drean of cancelling it. The same goes for appointments with Gaz de France when the gas is turned off. Maybe I just wanted to make sure that my hopes where justified.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As it turned out, they weren't. The helpline-lady claimed that there was no appointment in their system and since it wasn't in the system, she was sorry, there was nothing she could do for me. I just had to wait. Note the analogy to German payment systems. My morale began to sink. I couldn't manage any more songs under the cold shower in the morning.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;My girl-friends gave me all sorts of useful tips. I should make sure that I was the one who was going to prevail. Their only longing was to make me cry. I should call them every day to ask whether an appointment had been cancelled and I could snatch it. I should tell them I was seven months pregnant and risked premature birth under the cold shower.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;When, heartened by this encouragement, I called again they immediately transferred me to a man who answered: "No, Madame, pas du tout", to any question. Could he give me an earlier appointment? "Non, Madame, pas du tout." Was this how they treated their clients? "Non, Madame, pas du tout." So I was going to go without cooking and warm showers for another week? " Non, Madame pas du tout." But I &lt;em&gt;was&lt;/em&gt; going to go without cooking and warm showers for another week if he didn't give me an earlier appointment! He didn't answer. At least that convinced me he wasn't a tape. I am almost certain, though, that he was sitting in Bangalore and that "non, Madame, pas du tout" was his only sentence in French. They had taught him to pronounce it with an impeccable accent, so he could work as a specialist for difficult French clients. The ones who immediately begin to yell at them when things go wrong. I wished I was one of them. I hung up and wearily accepted my fate.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I don't know why I thought I still wasn't through with helplines and complaints. Yet, unbelievable but true, I did try again when failing to install my ADSL-Box. Maybe I was hoping to talk to the producer-helpline-man again who was so happy to have me back in France. I couldn't count on so much luck. The unnerved helpline-man who confessedno artistic ambitions drew deep, exhausted sighs instead when it became tricky to implement his French instructions on my German computer . I advised him that he would need to work on his patience given that it was his job to help people. He pointed out that it was a Friday evening, ten o'clock. When he finally concluded we had to give up because we were turning in circles, I couldn't help but advise him to ask for different working times. He said, he didn't really have a choice.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Then came the temporary employer where I asked for a pin number to be able to make my private calls. They couldn't do that for me, it only existed for regular employees, as the phone bill was directly withdrawn from their salaries. I asked the lady on the hone whether there wasn't a solution, if we shouldn't pave new ways together for all the people in my situation. She said no, we shouldn't pave new ways together, because then she had to offer this to all people in my situation and that would cost her three working days a month. The heatthrob translated her for me: "Make your stupid phone calls from the office and shut up as everybody does."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maybe it is not the French-German bureaucracy after all that is hell by itself. It is I who turn it into hell with my approach to it.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;People always create their own hell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As you can seen, it is not only gardening that is like philosophie. Fighting for gas, telephone lines and salaries can be too.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-1331805433934273118?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/1331805433934273118/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=1331805433934273118' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1331805433934273118'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/1331805433934273118'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/kafka-le-purgatoire-et-lenfer-de-la.html' title='Kafka, le purgatoire et l&apos;enfer de la bureaucratie franco-allemande II'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-88073954662287012</id><published>2007-09-01T20:19:00.000+02:00</published><updated>2007-09-03T09:11:15.305+02:00</updated><title type='text'>la marihuana mâle et la destruction du féminin</title><content type='html'>BB étais en train de jardiner sur son balcon-rêve. Il fallait enlever les feuilles jaunes et les grandes - parce qu' elles réduisent l' énergie - à une colonie d'une vingtaine de plantes toutes pareilles. J'ai aidé un peu. Quelques minutes on jardinait ensemble, unis dans un silence presque thérapeutique. Au bout d'un moment, j'ai demandé ce que c'était comme plante, à laquelle j'aidais d'avoir l'air belle et jeune et de ne pas perdre trop d'énergie. "De la marihuana", il a expliqué, "ce sont presque tous des femelles et, en fait, elles sont mieux". Pour fumer je suppose. Il m'a fait voir comment elles étaient faites, les femelles, et après il a expliqué que, comme c'étaient des plantes un peu hermaphrodites, il se passaient des choses très bizarres avec elles. Par exemple, quand il y a un mâle à côté, d'abord ça les stimule. Mais après il fait en sorte qu'elles sont transformées en mâle elles aussi et cela les abîment. Je trouve ca très convaincant. C'est un peu comme dans la vraie vie. Sauf qu'ils ne nous transforment pas en mâle d'abord, ça serait bien, on gagnerait 20% en plus et on aurait des queues moins longues devant les toilettes. BB dit que justement que c'est pour ça qu'il aime le jardinage. C'est un peu comme de la philosophie. Mais Le Chérie dit que ce sont des histoires et que toutes les plantes sont des hermaphrodites.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je crois, je préfère la version de BB.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-88073954662287012?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/88073954662287012/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=88073954662287012' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/88073954662287012'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/88073954662287012'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/la-marihuana-mle-et-la-destruction-du.html' title='la marihuana mâle et la destruction du féminin'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-2789510251058675055</id><published>2007-09-01T16:55:00.000+02:00</published><updated>2007-09-15T14:36:11.452+02:00</updated><title type='text'>Indien und Verkehr</title><content type='html'>Eigentlich wollten M. und ich nur gemütlich zum Internetcafé laufen.War ja auch ganz in der Nähe. So sah es jedenfalls auf unserer Karte im Reiseführer aus. Aber der ist eben mathematisch ganz exakt, berücksichtigt jedoch den Stressfaktor nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich gibt es in Indien keine Bürgersteige. Fußgänger reihen sich einfach nahtlos in den fröhlichen Aufgalopp von Rikshas, Autos, Fahrrädern und natürlichden Kings of the Road - den Kühen - ein. Nun hatte der Schatz mir vor der Reise zwar noch ein Feuerzeug aufgedrängt (falls wir mal in der Wüste von Radjahstan verloren gehen und uns hungert und friert, dann können wir einenTiger jagen, oder so), aber wir hatten keine Hupe! Es fährt sich inIndien des nachts wunderbar ohne Licht, aber ohne Hupe ist man einfach kein Mensch und eine adäquate Teilnahme am Straßenverkehr ist ausgeschlossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mellie war empört ueber die Fahrradrikshafahrer, die uns vom ersten bis zum letzten Schritt belagerten und in rasender Geschwindigkeit ihre Preise senkten, um uns in ihr abenteuerliches Gefährt zu locken. Aber ich kannte die Burschen schon aus Vietnam, und blieb ganz professionell und gelassen. Ausserdem war ich ganz froh, dass sie uns seitlich abschirmten. Die Inder mögen sich mitten auf der Straße ohne Licht ja ganz wohl fühlen. Aber wie alle wissen, bin ich kein Inder. Auch kam mir der Junge sehr gelegen, der uns zunächst in die Fahrradriksha seines Kumpels locken wollte, sich aber dann dazu entschloss, mich nicht nur sprichwörtlich an der Hand zu nehmen und mir über die Straße zu helfen, als sich für ihn herausstellte, daß bezüglich Fahrradriksha bei mir nichts zu holen war, und für mich, dass ich einer zehnspurigen Straße aus Rikshen mit verschiedenen Untersätzen ,Eseln, Fahrrädern, rasenden Autos und Mopeds einfach nicht gewachsen bin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir völlig erledigt vor dem Internetcafe noch einen Abstecher ins Restaurant machten, waren heilfroh, dass man uns gleich bereitwillig Bier servierte. M. meint nämlich schon, wir könnten zu Hause einfach antworten "Entziehungskur", wenn man uns fragt, was wir in Indien gemacht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu Indien und Verkehr fällt mir noch eine ganze Menge ein. Um nicht zusagen, ich könnte Bände damit füllen. Zum Beispiel die indischen Omas, die im Sari bei ihren Enkelsöhnen auf dem Gepäcktraeger Moped fahren, oder das Taxi, mit dem wir heute in die versunkene Mongulenstadt Fatepur Sikri fahren sollten. Ich bin mir sicher, für jeden Automechaniker wäre der Anblick ein Hochgenuss gewesen. Alle Leitungen und Kabel konnte man ungestört von lästigen Armaturenbrettern studieren. Warum M. schreiend ausstieg, irgendetwas von Kuba faselte und nach einem neueren Baujahr verlangte,verstehe ich immer noch nicht. Na ja, immmerhin sind wir hinterher ganz komfortabel in die versunkene Mongulenstadt gekommen, auch wenn die Inder den Linksverkehr von ihren Kolonialherren nur näherungsweise übernommen haben. Linsk ist ja auch nicht immer ein Plätzchen frei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daß wir in Fatepur Sikri dem blödesten Touristennepp von allen aufgesessen sind, wird uns bis ans Ende unserer Tage quälen! Geschäftstüchtig, wie wir nunmal sind, hatten wir den Touristenführer auf 100 Rupien heruntergehandelt. Er zeigte uns dafür die Paläste der hindischen, der muslimischen und der christlichen Frauen von Akbar, der ein weiser Mann war und allen Religionen gerecht werden wollte. Nur die Moschee konnte uns der Führer aus irgendwelchen Gründen nicht zeigen, deswegen musste diese Aufgabe sein Onkel übernehmen. Aber was soll's, war ja alles im Preis inbegriffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun steht aber vor der Moschee ein Hinduheiligtum.Wenn man dort alles richtig macht, das heißt indisches Tuch kauft, Blütenblätter und ein paar Bänder, dann kann man sich bis zu drei Dinge wünschen, die alle in Erfüllung gehen. M. und ich sind beide bescheiden und wollten uns nur je zwei Dinge wünschen. Nur die Inder sind nicht bescheiden. Sie wollten 500 Rupien für ihre Wünschutensilien bekommen. Der Erlös sollte selbstverständlich ausschliesslich den Armen zugute kommen. Mellie und ich waren zu benebelt von der Aussicht auf Erfüllung unserer Wünsche, als dass wir Verdacht hätten schöpfen können. Als wir im Heiligtum wieder zu uns kamen, war es zu spät. Ausserdem hatte ich in der Aufregung ein Bändel verloren. Weil meine beiden Wünsche untrennbar miteinander verbunden waren, ist jetzt mein ganzes Leben verpfuscht, falls der Betrug doch kein Betrug war. Andernfalls war es ein Betrug. Das das ist, was die Kolonialherren der Kolonialherren einen loose-loose nennen würden. Immerhin hat M. konsequent die lautstarke Forderung des Priesters überhört, beim Verlassen des Heiligtum den Armen etwas zu spenden. Dabei wäre das vermutlich wirklich den Armen zugute gekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber natürlich machte ich den meisten Ärger. M. meint, das hängt mit einem Kapitel über Verkehr vor Indien zusammen. Ich glaube, ich hatte einfach nur Pech. Jedenfalls bin ich mit einer dicken Blasenentzündung in Delhi aufgelaufen, die sich in Agra als handfestes Reisehindernis zu entpuppen begann. Nachdem wir uns die rote Festung von Agra angesehen hatten, musste ich beim Mittagessen in dem auf -10 Grad Celsius heruntergekühlten südindischen Spezialitätenrestaurant etwa zehnmal die appetitliche Toilette aufsuchen und sah mich zur Empörungunseres autoritären Taxifahrers ausserstande, ohne Pause zuerst den Baby-Taj und dann den echten Taj Mahal zu bestaunen. Als ich es entgegen unseren Befürchtungen nach einer mühsam erstrittenen Pause und einer wenig damenhaften Rempelei in der kilometerlangen Schlange an der Sicherheitskontrolle doch noch rechtzeitig auf die Taj-Toilette geschafft hatte und dann auf die Empore, von der aus man den Palast und sein Spiegelbild im davorliegenden Gewässer bewundern kann, brach ich in Tränen aus. Ich erkläre die Tränenflut immer mit Überwältigung von der Schönheit des Bauwerks, hatte ich doch immer gedacht, man könne davon gar nicht mehr beeindruckt sein, wenn man doch alles schon auf Fotos und in Filmen gesehen hat. Aber was man sieht, wenn man im Abendsonnenschein davor steht, das Licht, die Blumen, die arabische Schrift, das strahlende Weiss - das ist bringt den abgebrühtesten Straßengangster zum Weinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M. meint hingegen, ich hätte geheult, weil mir das Schicksal in dem Moment nicht nur den Taj, sondern mindestens ebenso plastisch die Aussicht auf einen Indienurlaub auf der Toilette vor Augen führte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun zum Schluß gelang es mir doch, die Bakterien durch den Konsum von etwa zehn Litern Wasser auszuschwemmen. Dennoch liess ich mich nicht davon abhalten, sicherheitshalber mit Frau Kally von der deutschenBotschaft in Delhi per Mobiltelefon zu konferieren. Die wiederum empfahl mir Cenofloxilin, ohne es mir aber zu empfehlen, denn das darf sie bei einem Antibiotikum nicht. Dann schärfte sie mir ein, eine Apotheke mit regem Kundenverkehr zu wählen und mir vorher die Packung zeigen zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider ist man in Indien seinem Rikshafahrer hilflos ausgeliefert und dessen Kumpel hat nun einmal eine Apotheke, die eher einem Kiosk gleicht, dafür aber anders als die Trinkhallen in Berlin gar keinen Kundenverkehr hat. Zum Ausgleich hat er auch keine Packungen, aber das Medikament wurde von dem besten multinationalen Unternehmen in Indien hergestellt, wie er mir treuherzig versicherte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die arme M. musste nun leider am nächsten Tag mit mir im Zug nach Jaipur fahren, denn der hat im Unterschied zu dem konfortablen Bus mit Klimaanlage eine Toilette. Sicher ist sicher! Das hat den Vorteil, das wir uns am Bahnhof in einer Reihe mit den VIPs und den Freiheitskämpfern anstellen durften, die in Indien in die gleiche Kategorie fallen wie die ausländischen Touristen. Der Nachteil ist, dass wir keinesfalls auf einer gemütlichen Bank sitzen dürfen wie auf dem Hinweg nach Agra, sondern uns sechs Stunden lang auf drei übereinanderhängende Pritschen betten müssen. Jedenfalls behauptete das unser freundlicher Rezeptionist, nachdem er zuerst sein Mittagessen mit uns geteilt und dann unsere Fahrkarte studiert hatte. Ich sehe der Reise trotzdem gelassen entgegen. Immerhin können wir dann endlich mal schlafen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4249338663626086169-2789510251058675055?l=spreeraeuberunterwegs.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/feeds/2789510251058675055/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=4249338663626086169&amp;postID=2789510251058675055' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2789510251058675055'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4249338663626086169/posts/default/2789510251058675055'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://spreeraeuberunterwegs.blogspot.com/2007/09/je-oller-je-doller-indien-und-verkehr.html' title='Indien und Verkehr'/><author><name>Spreeräuber</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4249338663626086169.post-3788466085308894412</id><published>2007-08-29T23:03:00.000+02:00</published><updated>2007-12-25T09:19:43.432+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kafka; French-German Bureaucracy'/><title type='text'>Kafka, le purgatoire et l'enfer de la bureaucratie franco-allemande I</title><content type='html'>&lt;p&gt;There is an international organisation in Paris that likes to divide its member countries into different categories according to economic performance. The story typically runs somewhere along these lines: &lt;/p&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;High efficiency - low equity countries with fast adoption of new technologies and a well-developed service economy prefering a light regulatory touch. Yes, you guessed it, those countries are Anglo-Saxon, perfectly happy embracing globalisation with its pleasant shake-up for everybody who risked falling asleep.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;High-efficiency-high equity countries with fast adoption of new technologies and a-well developed service economy, overall, prefering a light regulatory touch: That's the Nordic Paradise, including Holland - because we're not German, we don't like them and can't do anything about it, it's genetic (because we always lose the important football games, more like).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;And losers on all of those grounds. Yes, that would be us. Big continental European countries, stubbornly resisting the winds of change and the much needed adjustment to it. Doomed to downfall.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;I came to Paris and experienced the culture-clash right away, between flexible an
